Wie man schreckliche Kinderpornoringe sprengt

Es ist gerade in allen Medien – ein internationaler Kinderpornoring wäre zerschlagen worden, 348 Festnahmen in zahlreichen Ländern, 386 Kinder wären gerettet worden. Vier Millionen Dollar Umsatz hätte eine Firma mit Sitz in Toronto mit der Verbreitung von Kinderpornographie gemacht. Bei den Ermittlungen sei Datenmaterial im Umfang 45 Terabytes, darunter tausende Fotos und Videos mit „schrecklichen“ Missbrauchsszenen, sichergestellt worden.

Was ist wirklich passiert? Eine Frage, die man sich bei diesem Thema leider immer stellen muss, denn den Medien kann man hier generell nicht vertrauen. Glücklicherweise haben wir in diesem Fall unabhängige Quellen zur Verfügung. Und die zeigen ein deutlich anderes Bild.

Wie man aus einem Versand für FKK-Filme einen Kinderpornoring macht

Ja, es gab tatsächlich in Toronto eine Firma, die mit Videos von Jungs ein paar Millionen Dollar Gewinn gemacht hat. Nur, dies waren überhaupt keine Kinderpornos. Es waren lediglich FKK-Filme. Nackige Jungs bei allen möglichen Spielen, allerdings nicht beim Sex. Die Leute wollten natürlich verdienen, und nicht im Knast landen, also hatten sie auch ihre Rechtsberater, um sicherzustellen, dass das Zeug alles legal war. Und so konnten sie auch auf ihrer Webseite ihre Filme als legale FKK-Filme anbieten.

Gäbe es heutzutage noch so etwas wie einen Rechtsstaat, dann würde diese Firma wohl heute noch existieren und legale FKK-Filme verkaufen. Aber was soll die Nostalgie? Rechtsstaatlichkeit ist ein Überrest aus der Vergangenheit, heute ist Hexenjagd angesagt. Und Leute, die Filme mit nackten Jungs kaufen, sind natürlich pädophile Untermenschen, die man verfolgen muss. Also werden FKK-Filme mit Jungs zu Kinderpornos und eine Firma, die legale FKK-Filme verkauft (und dafür Steuern bezahlt) hat zum verbrecherischen Kinderpornoring.

Dies alles hätten unsere Journalisten durchaus herausbekommen können. Für die von The Globe and Mail war es jedenfalls kein Geheimnis, die schrieben dazu:

The company, Toronto-based Azov Films, sold mail-order DVDs and streamed online videos of naked boys from Germany, Romania and Ukraine, which it marketed as naturist movies and claimed were legal in Canada and the United States.

‪Azov was not exactly a covert operation: It was incorporated, held trademarks and fought for them in very public legal battles that stretched over years.

Insp. Beaven-Desjardins said police first heard about Azov in 2005 but did not pursue a case against the company. The force had a better case by the time it looked at Azov again in 2010 because the videos were more clearly against the law, she said.

Also, die Firma war nicht wirklich eine Untergrundfirma, sie war angemeldet, hatte einen Namen, nämlich „Azov Films“, hatte Warenzeichen, und führte jahrelang völlig offen legale Auseinandersetzungen mit Konkurrenten. Was sie verbreitete, ganz legal, waren Videos mit nackten Jungs aus Deutschland, Rumänien und der Ukraine.

Man frage sich: Wie ginge ein zivilisierter Rechtsstaat gegen eine Firma vor, die auf ihren Webseiten der Überzeugung der Firma nach legale Filme zum Verkauf anbietet, wenn die Polizei anderer Meinung ist? Ich denke, ein solcher Rechtsstaat würde sich bei der Firma melden und bescheid sagen, welche der Filme im Angebot ihrer Überzeugung nach nicht legal wären, und die Firma auffordern, diese möglicherweise illegalen Filme aus dem Angebot zu nehmen. Die Firma hätte dies zweifelsohne sofort gemacht – die sind ja schließlich keine Selbstmörder – und hätte dann versucht, vor Gericht zu klären, ob die von der Polizei beanstandeten Filme legal sind oder nicht. In jedem Fall wären die Kunden, die die beanstandeten Filme vorher gekauft hatten, unbehelligt geblieben – schließlich hatten sie in gutem Gewissen gehandelt, als sie die angeblich legalen Filme kauften. Aber, ok, das sind heutzutage lächerliche Phantasien von einem zivilisierten Rechtsstaat. Lang lang ist es her, da hatten wir mal sowas ähnliches.

Heutzutage geht das anders. Da ermittelt man mit einer undercover-Operation alles was man über die Kunden der Firma herausbekommen kann, dann verhaftet man den Betreiber und macht bei allen ermittelten Kunden wenigstens eine Hausdurchsuchung. Irgendwas wird sich schon bei dem einen oder anderen finden.

Und tatsächlich: Einer der 348 Verhafteten, ein pensionierter Lehrer, hatte doch tatsächlich eine solide Sammlung von Kinderpornographie. The Globe and Mail beschreibt dies jedenfalls so:

In one case, police searched the home of a retired teacher and seized 350,000 images of sex abuse and 9,000 videos.

Also: Der internationale Kinderpornoring bestand aus einem internationalen Versand von FKK-Filmen und seinen Kunden, von denen einer zu Hause eine riesige Kinderpornosammlung hatte.

Was die deutschen Medien draus machen

Was wird nun aus diesem einen Kunden in den Medien? Während die BBC den pensionierten Pornosammler noch herausbekommen hat, schafft dies die englische gelbe Presse (hier Daily Mail) schon nicht mehr:

The videos included naked boys from Germany, Romania and Ukraine, which it marketed as naturist movies and claimed were legal in Canada and the United States.

The head of the Toronto police sex crimes unit told the Toronto Star that the X-rated images displayed ‚horrific acts of sexual abuse — some of the worst (officers) have seen.‘

Police said they began their investigation in 2010 and worked with Interpol in more than 50 countries including Australia, Spain, Mexico, Norway and Greece.

More than 350,000 images and over 9,000 videos – about 45 terabytes – of child sexual abuse were found during the probe, and arrests are continuing, Beaven-Desjardins said.

Der einsame pensionierte Sammler ist verschwunden. Gleich hinter der Beschreibung, worum es wirklich ging, nämlich nackte Jungs in FKK-Filmen, folgt eine Beschreibung die sich auf den Inhalt der Pornosammlung bezogen haben dürfte. Die Größe der Pornosammlung wird erwähnt – aber irgendwie so, als wäre das alles irgendwie recht gleichmäßig auf alle Verhafteten verteilt gewesen. Wenn es wirklich ein Tauschring gewesen wäre, könnte man das ja auch annehmen, dass das alles gleichmäßig verteilt worden wäre. So schneidet man Informationen zusammen.

Nunja, könnte man sagen, was kann man schon von der englischen Boulevard-Presse erwarten außer Schrott? Dem will ich nicht unbedingt widersprechen. Nur, was hat denn nun die deutsche Qualitätspresse dazu recherchiert?

Der pensionierte Lehrer mit der Kinderpornosammlung ist auch bei ihr ins Nirvana verschwunden. Allerdings wurde daraus in der deutschen Presse ein anderer Sammler – nämlich den Betreiber der Firma Azov Films.

Die FAZ schreibt:

Die Ermittler stellten auf Rechnern der Firma des Hauptverdächtigen Datenmaterial im Umfang 45 Terabytes sicher, darunter tausende Fotos und Videos mit „schrecklichen“ Missbrauchsszenen, deren Opfer mitunter nicht älter als fünf Jahre gewesen seien, sagte Beaven-Desjardins.

Die taz schreibt hingegen etwas ganz anderes:

Die Ermittler stellten auf Rechnern der Firma des Hauptverdächtigen Datenmaterial im Umfang 45 Terabytes sicher, darunter tausende Fotos und Videos mit „schrecklichen“ Missbrauchsszenen, deren Opfer mitunter nicht älter als fünf Jahre gewesen seien, sagte Beaven-Desjardins.

Beim Spiegel liest es sich so:

Bei dem 42-Jährigen fanden die Polizisten den Angaben zufolge 45 Terabyte Daten mit Hunderttausenden Fotos und Filmen. Darauf seien „grausame sexuelle Handlungen an Kindern zu sehen“, sagte eine Polizeisprecherin.

also eine Verwechselung des Zufallsfundes bei einem der Kunden mit dem Betreiber selbst.

Im Tagesspiegel spiegelt sich der Spiegel:

Bei dem 42-Jährigen fanden die Polizisten den Angaben zufolge 45 Terabyte Daten mit Hunderttausenden Fotos und Filmen.

Und die Zeit fand gar völlig schockierende neue Fakten:

Bei dem 42-Jährigen fanden die Polizisten den Angaben zufolge 45 Terabyte Daten mit Hunderttausenden Fotos und Filmen.

Mit anderen Worten, irgendein Journalist, wohl der, der als erster was auch deutsch dazu geschrieben hat, hat das mit dem pensionierten Lehrer nicht mitgekriegt und den Betreiber von Azov Films für den Pornosammler gehalten, und der Rest der deutschen Presse hat einfach mal voneinander abgeschrieben.

So viel zum deutschem Qualitätsjournalismus sowie zur deutschen Medienvielfalt.

Wie recherchiert man?

Was haben die deutschen Medien noch alles nicht mitgekriegt? Keine der vier zitierten Zeitungen hat herausbekommen, dass die Firma einen Namen hatte, nämlich Azov Films, und FKK-Videos mit Jungs als (meinetwegen gerne auch nur angeblich) legal angeboten hat, dass der „Kinderpornoring“ nur aus den Kunden der Firma bestand, die nur (meinetwegen angeblich) legale FKK-Videos gekauft hatten.

Unter den Opfern, so melden die Rechercheure von Tages- und einfach nur Spiegel, sollen auch deutsche Kinder sein. Und der Haupttäter hatte auch Kontakte nach Deutschland. Hm, wäre das nicht etwas gewesen, wo es wichtig gewesen wäre, etwas genauer zu recherchieren?

Da was rauszukriegen, ist natürlich ohne Insiderinformation wirklich ganz ganz schwer. Gibt man in google „Azov Films Jungs“ (das „Jungs“ als Trick für Journalisten ohne Fremdsprachenkenntnisse, damit sie gleich auf deutschen Seiten landen) ein, landet man zwar sofort beim ersten Hit auf der deutschen Seite der Boywiki zu Azov Films. Aber das ist ja nun wirklich von deutschen Journalisten zuviel verlangt. Woher sollten sie auch wissen, dass es sich um „Azov Films“ handelt? Sowas schafft vielleicht der Telegraph, oder auch die BBC oder der Independent, vermutlich aber nur weil deren Rechercheure keine Übersetzer aus dem Englischen brauchen.

Wie auch immer, die so schwer zu findende Boywiki-Seite zu Azov Films verlinkt direkt auf ein paar Insider-Berichte im Jungforum, geschrieben direkt von einem der Produzenten. Und auch ganz ohne persönlichen Kontakt, ja sogar ohne sich im Forum anzumelden, kann man dort auch einiges über die elf Jungs erfahren, mit denen er zu tun hatte, einschließlich wie es ihnen heute geht.

Die Darsteller sind auf der Boywiki-Seite alle mit Namen aufgezählt, deutsche Namen finden sich darunter nicht. Lediglich einer der drei Produzenten war Deutscher. So viel dazu. Recherche im Internet ist für deutsche Journalisten wohl Neuland.

Wie rettet man Kinder?

Ein weiteres Rätsel ergibt sich, wenn man sich die Liste der Akteure anschaut: Wo kommen all die 386 geretteten Kinder her? Die Seite gibt nicht viel mehr als 50 Darsteller her. Woher stammt also der Rest? The Globe and Mail schreibt dazu:

In addition, police said, as Azov clients were identified around the world, police found other children who were within reach to those customers and were either physically abused or recorded in illicit videos.

At least 386 minors were removed from harm’s way, said Inspector Joanna Beaven-Desjardins, commander of the Toronto police sex crimes unit.

Also alles klar: Man hat eine Liste von Kunden, also Männer die einen FKK-Film mit Jungs gekauft haben. Das ist natürlich schlimm genug, um jeden Kontakt zwischen solchen Leuten und realen Kindern zu unterbrechen. Oder zumindest mal sehr genau nachzusehen, ob man nicht einen Grund findet, ihnen die Kinder zu entziehen. Genannt als Gründe zum Kindesentzug werden „körperlich misshandelt“ oder „in illegalen Videos aufgenommen“. Ob dies ein paar Ohrfeigen, ein Babybild in der Badewanne, oder schlimmeres war, und was noch alles als Vorwand zur Kindesrettung verwendet wurde, müssen wir erraten.

Allerdings ist daraus eine neue Polizeistrategie erkennbar: Jedes Kind, welches man, unter welchem Vorwand auch immer, einem Verdächtigen in einer Kinderpornosache entzieht, wird zu einem „durch die Zerschlagung des Kinderpornorings geretteten Kind“.

Korrektur 17. Feb. 2014

Ich muss meine Vorwürfe gegen die deutsche Presse ein bisschen reduzieren. Hier hatte ich ja nur verschiedene Medienberichte verglichen, die Pressekonferenz selbst ist allerdings auch online. Dort wird doch explizit behauptet, es seien beim Betreiber selbst härtere Kinderpornos gefunden worden, was auch die deutsche Presse berichtet hatte.

Dass davon allerdings etwas von Azov Films verkauft worden wäre, wurde nicht behauptet. Auf konkrete Nachfrage (ab 18.10) wird lediglich unterstellt, es ginge um Filme die illegal nach kanadischem Recht wären (also was man halt auch FKK-Filmen mit genügend bösem Willen unterstellen kann), nicht dass es um Darstellung sexueller Handlungen ginge.

ZEIT online: Zensur für den Krieg

Ja, ich hatte mich nach dem ersten für die Zeit peinlichen Rausschmiss mal wieder dort angemeldet, diesmal Pädothemen mehr oder weniger rausgelassen, und mich auf die Politik, insbesondere Syrien, konzentriert. Dabei sogar mit der Zeit 7 Redaktionsempfehlungen eingesammelt. Bis ich heute wieder rausgeschmissen wurde.

Und das nur wegen einem Link. Einem völlig legalen Link, auf einen Artikel einer deutschen Zeitung. Der Artikel selbst ist einfach nur eine Übersetzung eines Memorandums einer amerikanischen Organisation, der „Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)“, an Präsident Obama.

Warum eine solche scharfe Reaktion? Das dürfte mit dem Inhalt des Memorandums zusammenhängen. Dort liest man nämlich,

… daß vom Westen gesponserte syrische Oppositionskräfte am 13. und 14. August 2013 in der Türkei für eine unmittelbar bevorstehende große, irreguläre Militäroperation Vorbereitungen trafen. Erste Treffen zwischen hochrangigen Kommandeuren der Opposition und Geheimdienstoffizieren aus Katar, der Türkei und den USA hatten in einer türkischen Kaserne in Antakia in der Provinz Hatay stattgefunden, die heute der »Freien Syrischen Armee« (FSA) und ihren ausländischen Sponsoren als Hauptquartier und Kommandozentrale dient.

Hochrangige Kommandeure der Opposition, die von Istanbul angereist waren, informierten die regionalen Kommandeure über eine unmittelbar bevorstehenden Eskalation der Kämpfe auf Grund einer »den Verlauf des Krieges verändernden Entwicklung«, was zu einer Bombardierung Syriens unter der Führung der USA führen würde.

Während der Treffen zur Koordinierung der Militäraktionen in Antakia, an denen sowohl hochrangige türkische, katarische und US-amerikanische Geheimdienstbeamte teilnahmen, als auch Kommandeure der syrischen Opposition, wurden die Syrer informiert, daß die Bombardierung binnen weniger Tage beginnen würde. Oppositionsführer wurden angewiesen, zügig ihre Truppen darauf vorzubereiten, die US-Bombardierung zu nutzen, um in Damaskus einzumarschieren und die Regierung Bashar Al-Assad zu stürzen.

Für die Verbreitung eines solchen Links zensiert und rausgeschmissen zu werden ist etwas, womit ich nicht nur gut leben kann. Nein, darauf kann ich auch stolz sein, denke ich.

Dies selbst dann, wenn sich später herausstellen sollte, dass die Information selbst falsch ist. Denn Fälschungen gibt es natürlich auch, wie beispielsweise die Britam-Fakes. (Ein Fake, auf das ich zuerst sogar reingefallen bin. Allerdings hab ich dann schnell auch die Widerlegung gefunden, und dann natürlich an all den Stellen, wo ich den Link verbreitet hatte, auch den Link auf die Enttarnung hinterhergeschickt.)

Doch sollte man angesichts der offensichtlichen Gefahr, auf Fälschungen hereinzufallen, etwa auf eigene Recherchen verzichten? Auf keinen Fall. Denn der einfache Rechercheur, der auch nichts weiter hat als seinen Verstand und das Internet mit all seinen Möglichkeiten, hat schon damit sehr viel, was die Menschen früher nicht hatten. Und kann dadurch sehr viel zur Wahrheitsfindung beitragen.

Es ist heutzutage ganz einfach: Einen Artikel in der Online-Ausgabe irgendeiner deutschen Zeitung lesen, was man interessant findet nachrecherchieren. Das kann man auf die einfachste Art und Weise tun, Suchbegriffe aus dem Artikel selbst in google eingeben reicht, und man findet fast immer was, was im Artikel selbst verfälscht dargestellt wird. In den Kommentaren die Verfälschung richtigstellen, Quelle verlinken, und man hat seinen eigenen kleinen Beitrag im Kampf gegen die heutigen Lügen- und Kriegshetzer-Medien geleistet.

Denn das ist der eigentliche Punkt: Die Verlogenheit der Mainstream-Medien. Durch Nachrecherchieren Fehler und Verzerrungen zu finden ist nämlich nur aus einem Grund einfach: Weil die heutigen Massenmedien in ihren Artikeln gezielt manipulieren und verzerren. Wenn es dort ehrliche, professionelle Journalisten gäbe, und die veröffentlichen dürften, was sie für die Wahrheit halten, wäre es weitaus schwieriger, durch Nachrecherchieren Fehler zu finden. Da stände der Laie gegen den Profi, beide mit demselben Ziel – die Wahrheit zu finden – und es wäre zu erwarten, dass der Profi normalerweise besser ist. Heute aber steht der Laie nur gegen den Lügner. Und da hat auch der Laie mit primitivem Google genug in der Hinterhand, um zumindest Seiten zu finden, deren Veröffentlichung den Hetzern gar nicht in den Kram passt.

Und außerdem hat er ja noch seinen gesunden Menschenverstand. Und der hat in solchen Zeiten einiges zu sagen. Da ist das klassische cui bono – wem nutzt es – welches im Fall des Giftgasangriffs ganz klar und eindeutig in eine Richtung zeigt, nämlich in die der Rebellen.

Die ja auch überhaupt nicht begeistert reagierten, als die diplomatische Lösung bekannt wurde. Komisch. Die Opfer der Giftgasattacke, sicherlich voller Angst vor neuen Giftgasattacken, freuen sich überhaupt nicht darüber, dass der, der sie mit Giftgas angegriffen hat, nun all sein Giftgas einfach weggibt und zerstören lässt. Häh? Sollten die nicht jubeln, dass ihr Feind eine seiner schlimmsten Waffen bald loswird? Die Enttäuschung wird schon leichter verständlich, wenn man sich überlegt, wie sich die armen Jungs fühlen, die gerade eine Attacke auf die eigenen Leute organisiert haben und nun enttäuscht feststellen, dass die Belohnung in Form des Kriegseintritts Amerikas auf ihrer Seite ausbleibt.

Wem das cui bono nicht reicht, der dürfte spätestens dann stutzig geworden sein, als sich herausstellte, dass die eindeutigen Beweise der Schuld Assads Geheimbeweise waren, die man komischerweise nicht veröffentlichen kann. Warum nicht? Weil sie Erkenntnisse des Geheimdienstes sind, und der so seine Quellen aufdecken müsste. Häh? Es geht gerade um Krieg und Frieden, manche befürchten gar einen Dritten Weltkrieg, aber der Geheimdienst möchte seine Beweise nicht offenlegen, die könnten vielleicht Quellen gefährden, die er noch für wichtigere Sachen in der Zukunft braucht, wie z.B. hm, ja, für was eigentlich, wenn die Begründung eines Kriegseintritts viel zu unwichtig ist, um dafür Beweise auf den Tisch zu legen?

Und auch an anderer Stelle sind die Anschuldigungen unglaubhaft – die Rebellen wären dazu gar nicht in der Lage. Als wenn nicht bekannt wäre, dass auch die Rebellen Giftgas haben und auch schon eingesetzt haben.

In solch einer Situation ist es dann gar nicht mehr so wichtig, ob man dann auch gleich explizite Beweise dafür findet, dass die Rebellen für die Anschläge verantwortlich sind. Die Beweise dafür werden sich mit der Zeit schon anfinden. Schon jetzt gibt es allerdings einige Hinweise, insbesondere der Bericht einer freigelassenen Geisel oder der Bericht von Dale Gavlak und Yahya Ababneh. Was, mit dem Bericht, für dessen Verbreitung mich die ZEIT gekickt hat, schon drei voneinander völlig unabhängige Quellen sind.

Ansonsten, auch wenn das Thema selbst ein sehr ernstes ist, kann Recherchieren manchmal auch sehr lustig sein. Denn viele ausländische Seiten schreiben nicht nur deutlich weniger einseitig, sie schreiben auch bei ernsten Themen humorvoller. So dürfte dem deutschen Leser entgangen sein, wie sich die Welt über etwas lustig macht, was wohl als „Kerry gaffe“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Da wird beispielsweise Kerry wird zum ersten Kriegsopfer getitelt und das Ganze so zusammengefasst:

Kerry: We won‘t attack…if you do this impossible thing.
Syria: Oh? We‘ll do it.
Russia: They‘ll do it.
UN: They‘ll do it.
Kerry: Shit!

Viel Spaß bei der Suche nach anderen Kommentaren dazu, Kommentare, die vor allem deswegen so lustig sind, weil die Verlogenheit der US-Diplomatie, insbesondere das Fehlen jedes echten Interesses an der Kontrolle der Chemiewaffen, dadurch so richtig schön vorgeführt wurde.

Ekliger Sex mit Erwachsenen?

Eine behauptete „Einvernehmlichkeit“ zwischen dem Kind und dem Pädosexuellen gründet entweder auf der sozial prekären Lage des Kindes oder auf den Einfühlungs- und Verführungskünsten des Erwachsenen. Ohne derartige ebenso besondere wie verfängliche Umstände ist kein Kind bereit, mit einem Erwachsenen solche ekligen Dinge zu tun.

schreibt Volkmar Sigusch (für Torlose hier).

Sex mit Erwachsenen ist also etwas Ekliges? Hört hört! Äh, ja, als Pädophiler kann ich das nachvollziehen. Nein, wirklich eklig ist es für mich nicht, nur halt eben bloß zweite Wahl, eben mit erotisch unattraktiven Partnern. Aber ich kann nachvollziehen, dass andere Pädophile da extremer reagieren und dass Sex mit Erwachsenen für sie einfach nur eklig ist.

Ist der Herr Sigusch vielleicht selbst ein Pädophiler, der seine eigenen Gefühle, was Sex mit Erwachsenen betrifft, auf die Kinder übertragen hat, und sich so ungewollt verplappert hat? Nein, so etwas Gemeines wollen wir Herrn Sigusch nicht einmal ansatzweise unterstellen. Herr Sigusch ist natürlich kein pädophiler Untermensch!

Viel plausibler erscheint, dass dies nur ein Treuebekenntnis zur Gleichheitsideologie in der Sexualität ist, nach der der ideale Partner eines guten Menschen ein in möglichst allen Beziehungen gleicher Mensch ist. Ja, das wäre doch ideal – jeder würde sich nur noch in Gleiche verlieben, so gäbe es Sex nur noch zwischen Gleichen, und aller Sex zwischen Ungleichen wäre nicht mehr nur sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch, sondern gleichzeitig noch sexuelle Abweichung durch eine perverse Minderheit.

Die Verwechselung von ideologischem Wunsch mit der Wirklichkeit sexueller Wünsche wird ja mit fortschreitender Totalisierung der Gesellschaft sowieso immer unwesentlicher. Es ist schließlich völlig egal, wenn die Ideologie völlig abstrus ist, wenn sich keiner mehr traut, darauf hinzuweisen, dass der Kaiser nackt ist.

Klar geht das Gleichheitsideal der Liebe schon bei der Bevorzugung des gleichen Geschlechts völlig in die Hosen. Na und? Die auf Gleichaltrige stehenden Schwulen und Lesben sind zwar Minderheit, aber eben die Vorbilder und Elite der Gleichheitsgesellschaft. Für den Rest hilft Gender-Mainstreaming. Danach unterscheidet sich die Frau nur noch in unwesentlichen Details um die Geschlechtsorgane herum vom Mann, und die kriegt man ja bei der sich ausbreitenden neuen Prüderie eh nicht mehr zu sehen. Ist also eine entschuldbare Schwäche.

Bei der Alterspräferenz hingegen darf sich die Moral gerne ganz ohne Hemmungen durch die Realität der Sexwünsche austoben. Dass ältere Männer sexuell keineswegs gleichaltrige Omis vorziehen, dürfen sie kaum noch laut sagen, und dass junge Mädchen als ihre ersten Partner keineswegs die gleichaltrigen Jungs aus ihrer Klasse, sondern Ältere, kann man genauso ignorieren wie man sexuelle Wünsche von Kindern und Jugendlichen schon immer ignoriert.

Was ist dran am ekligen Sex?

Was auch immer Sigusch bewogen haben mag, sich so zu äußern – auch von ideologischen Hetzern verbreitete ideologische Thesen verdienen es, auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht zu werden. Also, ist da was dran, und wenn ja, wieviel, dass Kinder sich vor Sex mit Erwachsenen ekeln würden?

Erstmal, Ekel ist in jedem Fall nichts wirklich Natürliches, Angeborenes. Ekel ist anerzogen. Was am Ekel natürlich ist, ist nur die Fähigkeit von Kindern, wie auch Erwachsenen, Ekel von andern recht schnell zu lernen, zu übernehmen.

Dass Ekel gelernt werden muss, und dies auch bei den ekligsten Dingen, ist eine Erfahrung, die wohl jeder macht, der Kinder aufzieht. Für das Baby ist der eigene Kot nichts als eine interessante Masse, mit der man spielen kann wie mit jeder anderen Masse, die man zufällig findet, auch. Aber auch später noch gibt es genug Kinder, bei denen sich die Anerziehung des Ekels etwas schwerer erweist als beim Durchschnitt, und die beispielsweise auch gerne mal Würmer oder Käfer essen.

Üblicherweise lernen Kinder allerdings schnell, wovor man sich zu ekeln hat. Und was ist das? Natürlich das, wovor die Erwachsenen sich ekeln. Das dient ihrem Überleben – wenn sie von ihren Eltern lernen, sich vor gefährlichen Spinnen und Würmern oder vor vergammelten Speisen zu ekeln, schützt dies ihre Gesundheit. Wenn die sich vor eigentlich harmlosen Dingen ekeln, nützt dies zwar nichts, ist aber auch nicht so besonders schädlich. Besser man ekelt sich auch vor 3000 harmlosen Spinnen als sich vor einer giftigen Spinne nicht zu ekeln.

Aber, wenn das so ist, dass die Kids ihren Ekel von Erwachsenen lernen, was ist dann mit dem Ekel vor dem Sex mit Erwachsenen? Nun, den lernen sie, wenn sie ihn denn haben, auch von den Erwachsenen. Vergessen wir nicht, die Zeiten der sexuellen Befreiung sind lange vorbei, heute ist Prüderie angesagt, nackte Erwachsene sind wieder eklig, und andere Menschen an ekligen Körperteilen zu berühren ist natürlich eklig. Insofern, ja, es gibt den Ekel vor Sex mit Erwachsenen bei Kindern – ein Ekel, den sie von den Erwachsenen lernen, die selbst Ekel vor Sex mit Erwachsenen zeigen.

Vergessen wir auch nicht, dass auch die tolerantesten FKK-Fans gezwungen sind, ihren Kindern gewisse Normen des Verhaltens beizubringen – wie dass man beim gemeinsamen Frühstück nicht onaniert. Wie macht man das? Mit einem „Iiiih“. Man zeigt ihm also, dass man selbst es eklig findet, wenn der Sohnemann während des Frühstücks an seinem Pimmel rumspielt. Klar lernt der das schnell. Er wird es ganz schnell auch eklig finden, wenn jemand anders beim Frühstück an seinem Pimmel rumspielt. Warum genau gerade das eklig ist, ist natürlich eine ganz andere Frage. Die einen werden von ihren Eltern lernen, dass Nackigsein überhaupt eklig ist, die anderen vielleicht nur dass man sich zwischen Onanieren und Frühstücken die Hände waschen sollte, weil das was beim Pullern vorne rauskommt als Getränk nicht besonders gesund sei.

Was auch immer die Kindlein auf diese Art lernen, eines dürfte wenig wahrscheinlich sein: Dass sie lernen, dass erwachsene Geschlechtsteile eklig sind, die von Kindern aber nicht. Klar, wenig wahrscheinlich heißt nicht unmöglich: Modernen Missbrauchskreischen ist natürlich zuzutrauen, dass sie sich vor jeder Form erwachsener männlicher Sexualität ekeln, alle anderen Formen sexueller Spielereien aber für gut und harmlos halten, und diese Variante des Ekels auch den mit ihnen zusammenlebenden Kindern weitergeben.

Typisch dürfte dies jedoch nicht sein. Es dürfte viele Kinder geben, bei denen der Ekel so stark ist, dass er sie auch von sexuellen Spielen mit anderen Kindern abhält. Und diese dürften Sex mit Erwachsenen wohl genauso eklig finden wie Sex mit anderen Kindern.

Und es gibt immer schon andere Kinder, die, obwohl sie natürlich wissen, dass sie damit gesellschaftliche Grenzen überschreiten, Sexspiele mit anderen Kindern spielen. Falls diese Kinder vielleicht auch den Sex ein bisschen eklig finden sollten, so haben sie offensichtlich genug andere Gründe, diese Ekel zu überwinden – denn dass sie es tun, und dies ohne dazu gezwungen zu werden, ist nun einmal unbestreitbarer Fakt. Und nun soll irgendwoher eine Art natürlicher Ekel speziell vor Sex mit Erwachsenen herkommen, der diese Kinder davon abhalten soll, dieselben Spielchen auch mit Erwachsenen ihres Vertrauens zu spielen?

Wo dieser Ekel herkommen sollte, müsste man mir mal genauer erläutern.

Mehr Männer in die Kitas?

Ja, man staunt – da gibt es inzwischen sogar eine bundesweite Aktion dafür, über die sogar in Zeitungen berichtet wird.

Es gibt ja dort faktisch nur Frauen. Für Nordrhein-Westfalen beispielsweise 3,21% Männer gerade mal.

Ich will mich da nicht künstlich aufregen darüber – kleine Kinder hängen auch bei bei Naturvölkern mehr bei der Mutter rum, wenn also schon die klassische Familie kaputtgemacht und die Kinder vom Staat erzogen werden sollen, dürfte es nicht unbedingt so problematisch sein, wenn den Job bei den Kleinen doch mehr von Frauen übernommen werden. Aber dass dann gleich der ganze Kindergarten ganz ohne einen einzigen Mann auskommt, was bei 3% Männern mehr oder weniger die Regel sein dürfte, ist schon ziemlich pervers.

Und es scheint so, dass ein paar Leute inzwischen mitgekriegt haben, dass das keine gute Idee ist. Ein bisschen Kontakt zu Männern brauchen vor allem die Jungs ja dann doch. Und ein Problem, solche Leute zu finden, sollte es ja eigentlich nicht sein. Also ich kenne jedenfalls ne Menge Männer, die gerne mit Kindern zusammen sind, und ein paar davon durchaus auch mit den Kleinen im Kitaalter.

Nur, da gibt es ein kleines Problem. Die Männer, die gerne mit Kindern zusammen sind, die möchte man ja gerade nicht. Denn das könnten ja Pädophile sein! Und man hat ja nun jahrelang alles getan, was man tun konnte, um Männer davon abzuhalten, auch nur irgendwas mit Kindern zu tun zu haben.

Also, ein paar Luftballons für mehr Männer reichen da nicht. Wenn man will, dass sich mehr Männer um Jungs kümmern, muss man dafür erst einmal eine ganz elementare Voraussetzung schaffen: Aufhören mit der Hetze gegen Männer, die Kontakt zu Kindern suchen.

Solange jeder Mann, der so einen Beruf wählt wie Kindergärtner, unter Pauschalverdacht Pädophilie steht, wird kein normaler Mann einen solchen Beruf wählen – egal ob mit oder ohne Luftballons. Er wäre ja schön blöd. Diese Hetze wirkt so selbstverstärkend – je stärker sie ist, desto eher werden ja vor allem Nichtpädophile abgeschreckt, und desto größer der Anteil von Pädophilen unter denen, die sich selbst davon nicht abschrecken lassen.

Und daher sage ich mal voraus: Mit solchen Aktionen wird man nicht viel erreichen. Gut und wichtig sind sie trotzdem – wenn sie wenigstens ein bisschen Bewusstsein dafür schaffen, dass es ein Problem ist, wenn Kinder überhaupt keinen Kontakt mehr zu Männern haben. Ein Problem besonders für die Jungs.