Pädohysterie

Zur Kommentarzensur in Online-Zeitungen

Wie eine Diskussion abgewürgt wurde

In unserer Medienwelt haben Pädophile es extrem schwer, überhaupt mal zu Wort zu kommen. In den Medien selbst haben sie dazu gar keine Chance. Die einzige Art, in der Pädophile zu Wort kommen, zumindest wenn sie nicht konforme Positionen vertreten, sind etwa zweiminütige Ausschnitte, in denen sie besonders schlecht aussahen, aus stundenlangen Interviews – eine für politische Hetze beliebte Technik, gegen die sich nur geschulte Profis einigermaßen wehren können.

Was bleibt, um in den Medien zu Wort zu kommen, sind daher Kommentare in den Online-Angeboten der Medien. Was der normale Kommentator als harmlose Kleinigkeit abbucht – nämlich die Zensur durch die Moderation – ist für uns Pädophile daher von größerer Bedeutung. Schon deswegen halten pädophile Kommentatoren sich bei den üblichen Vergehen – wie Beschimpfungen anderer Kommentatoren – weitgehend zurück und kommentieren höflich und sachlich, und freuen sich schon darüber, dass rein sachliche Informationen durch die Kommentarzensur durchkommt.

Dies ist allerdings mit Sachlichkeit und Höflichkeit allein nicht zu erreichen. Denn zumindest ein Teil unserer Gegner – ich nenne diese Gruppe hier „Feminazis“ – will nämlich genau das verhindern: Sachliche Information über Pädophilie wird als eine Bedrohung angesehen, die ihre eigene Hetze gegen Pädophile gefährden könnte.

Die aktuelle Diskussion, die hier mit einer Zensur sachlicher Informationen zu Pädophilie endete, ist in dieser Hinsicht lehrreich. Nicht nur, weil sie die Methoden, mit denen die Feminazis arbeiten, bloßstellt. Sie kann auch richtungsweisend sein für die Möglichkeit der Verbreitung von sachlicher Information über Pädophilie in Online-Kommentaren der Medien generell. Denn hier hatte sich kurz vorher schon etwas getan: Einige Redaktionen, neben der Zeit beispielsweise auch die taz und die FAZ, hatten aus Anlass der Pädophiliedebatte bei den Grünen in ihren Kommentarforen sachlich argumentierende Pädophile zu Wort kommen lassen. Hier ist nun die Zeit davon wieder abgegangen. Dies könnte Signalwirkung nicht nur für die zukünftige Zensurpolitik der Zeit haben.

Die Diskussion lief erstmal ganz unproblematisch. Mein Pseudonym „Denis L“ erhielt sogar zwei Redaktionsempfehlungen. Die Feminazis waren, wie üblich in solchen Diskussionen, argumentativ natürlich auf der Verliererstraße (wo sonst). Und machten natürlich das, was in solchen Fällen üblich ist – also persönliche Angriffe gegen mich. Und sie forderten Zensur. Die Redaktion zeigte sich jedoch ungerührt, ich natürlich erst recht, bin sowas ja gewohnt. Die Diskussion setzte sich fort.

Bis dann die Feminazis dazu übergingen, die Redaktion offen anzugreifen, und zwar auf folgende Art:


Da muß ich gestehen, da kommen dann schon so Phantasien und Fragen hoch, ob in der Redaktion selbst Befürworter der Legalisierung der Pädophilie sitzen. Ich möchte es nicht unterstellen, aber das kommt dabei raus, wenn man den Sinn des Unterfangens nicht versteht.

Da wäre mal eine Stellungnahme Seitens der Redaktion nicht schlecht gewesen.

Und dann gleich noch eins drauf:


… hier wird nicht nur wieder mal den Tätern viel Raum gegeben, sondern auch noch eine Menge Material geliefert, um potentielle Täter zu verleiten. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Im Prinzip macht sich ZO gerade sehr, sehr schuldig, sollte nur ein einziger Pädophiler durch diese kruden Thesen von seinem Vorhaben, es nicht zu tun abkommen und mit einem Kind eine sexuelle Beziehung eingehen.

Nennt man sowas nicht Beihilfe?

Das war dann genug für die Redaktion. Sie knickte ein:


Teildiskussion zur Pädophilie
Sehr geehrte Damen und Herren,

es widerspricht ausdrücklich unserer Agenda, Kommentare zuzulassen, die sexuelle Übergriffe auf sexuell unmündige und schutzbefohlene Personen legitimieren. Bitte weisen Sie uns auf solche Äußerungen umgehend per Bedenklichmeldung oder per Nachricht an community@zeit.de hin.

Die hier eindeutig aus dem Ruder gelaufene Teildiskussion um die Pädophilie wird die Moderation umgehend unterbinden. Von weiteren Beiträgen zu dieser Teildiskussion bitten wir darum unbedingt abzusehen.

Konsequenterweise – wenn man schon kuscht, dann richtig – hat die Redaktion dann auch noch die schon vergebenen Redaktionsempfehlungen für „Denis L“ wieder zurückgenommen, und den Account „Denis L“ gebannt.

Die Totalitarismusskala: Grade der Degeneration in einer Diskussionskultur

Um eine neutrale Bewertung dieser „Argumentationslinie“ der Feminazis zu ermöglichen, schlage ich eine Skala für die Degeneration einer Diskussionskultur vor, die man „Totalitarismusskala“ nennen könnte, weil der maximale Degenerationsgrad erst in einer totalitären Gesellschaft erreicht wird. Als Degenerationsskala muss sie mit 0 beginnen – mit der nicht degenerierten Diskussionskultur.

Grad 0: Zivilisierte Diskussion wie man sie aus der Wissenschaft kennt

Ziel aller Teilnehmer an der Diskussion ist die Wahrheitsfindung. Unterschiedliche Positionen werden dabei als unvermeidbarer Teil des Prozesses der Wahrheitsfindung angesehen. Trotzdem legt auch jeder einzelne Teilnehmer Wert darauf, alle für die konkrete Frage wesentlichen Positionen und Argumente – einschließlich derer, die er ablehnt – selbst fair, und so gut wie möglich, darzustellen. Bereits das Fehlen einer angemessenen Darstellung der wichtigen Argumente der Gegenposition wird als Verstoß gegen die Regeln eines fairen Disputes betrachtet.

Grad 1: Inhaltliche kontroverse Diskussion

Hier gibt es keine Ansprüche mehr an den einzelnen Diskussionsteilnehmer an eine eigene Darstellung fremder Positionen. Dies wird den Verteidigern der jeweiligen Positionen selbst überlassen. Es existieren lediglich noch Standards, die eine Verzerrung der Positionen von Opponenten verbieten. Während beim Grad 0 der Vertreter anderer Positionen als Freund mit demselben Ziel – der Wahrheitsfindung – gesehen wird, wird er hier schon als Gegner gesehen. Trotzdem bleibt die Diskussion auf die Inhalte beschränkt, persönliche Angriffe gegen die Opponenten (ad hominem Attacken) gelten noch als Verstoß gegen die Regeln eines zivilisierten Disputes.

Grad 2: Demokratische Diskussion

Hier gibt es keine Ansprüche mehr darauf, sich auf inhaltliche Argumentation zu beschränken oder Positionen des Gegners fair darzustellen. Ad hominem Attacken sind üblich. In Gesprächen fällt man sich gegenseitig ins Wort. Trotzdem wird der Opponent selbst noch nicht bedroht.

Eine einigermaßen erträgliche Diskussion ist jedoch nur noch unter Zuhilfenahme von Moderatoren möglich. Die Moderatoren versuchen, Auswüchse der Diskussion zu stoppen. Sie selbst werden als neutrale Schiedsrichter akzeptiert und selbst nicht attackiert.

Grad 3: Diskussion mit Bedrohungen von Opponenten

Hier werden die Opponenten nicht nur beschimpft, es gibt auch keine Hemmungen mehr vor expliziten Drohungen.

Wegen der Gefahr von persönlichen Angriffen treten die Opponenten in der Regel nur noch anonym auf. Ist dies unmöglich, ist die Diskussion nicht mehr möglich. Auch die Moderatoren sind nicht mehr immun vor persönlichen Angriffen, werden selbst jedoch noch nicht bedroht.

Grad 4: Verhinderung von Diskussion mit Opponenten durch Bedrohung der Moderatoren

Hier werden nicht nur die Opponenten bedroht, sondern auch die Moderatoren, falls sie die Opponenten überhaupt zu Wort kommen lassen.

Diskussion ist nur noch möglich, wenn nicht nur die Opponenten, sondern auch die Moderatoren selbst anonym sind. Lediglich Teilnehmer, die in solchen Foren konsequent die Parteilinie vertreten, sind noch vor persönlichen Angriffen sicher.

Diskussionen mit öffentlich bekannten Teilnehmern beschränken sich auf Diskussionen zwischen Gleichgesinnten über die Bekämpfung der Opponenten, die Opponenten selbst sind aus den Diskussionen völlig ausgeschlossen.

Grad 5: Totale Verhinderung von Diskussion mit Opponenten

Hier werden sogar Teilnehmer an anonymen Foren angegriffen, die überhaupt noch mit den Opponenten sprechen. Daher müssen auch die Teilnehmer auf Seiten der Parteilinie sich durch Anonymisierung vor Verfolgung schützen.

Diskussionen mit öffentlich bekannten Teilnehmern sind nur noch über verschiedene Varianten der Parteilinie möglich.

Grad 6: Totale Verhinderung von Diskussion über die Parteilinie

Eine Diskussion über die Parteilinie findet öffentlich nicht mehr statt. Offene Abweichler von der Parteilinie werden genauso verfolgt wie Opponenten. Beide sind persönlich bedroht und gelten als Gegner. Die einzigen öffentlich erkennbaren Unterschiede sind unvermeidliche Unterschiede in der Interpretation der aktuellen Parteilinie.


In dieser Degenerationsskala ist die obige Attacke eine Degeneration der Stufe 4. Mit einer Menge gutem Willen könnte man noch von Stufe 3 sprechen. Aber die Behauptung, man selbst würde Pädophile unterstützen, sowie die Unterstellung von Beihilfe sind beim heutigen Meinungsklima schon harte persönliche Angriffe, selbst wenn die Unterstellung der Beihilfe eher polemischen Charakter hatte und kaum zu einer realen Bedrohung in Form von polizeilichen Ermittlungen führen könnten.

Bei maximal 6 Stufen ist dies schon ein recht hoher Grad. Sicher kann man bei solchen Skalen einwenden, dass in ihnen eine Menge Willkür steckt, da man sicherlich noch weitere Zwischenstufen einfügen könnte. Doch würde eine solche Modifikation viel ändern? Fakt ist, das Ziel der Attacken war, jede inhaltliche Diskussion unter Beteiligung von Pädophilen zu verhindern. Und dies mit allen verfügbaren Mitteln, bis hin zu persönlichen Angriffen auf die Redaktion. Der totalitäre Charakter einer solchen Aktionsweise ist offensichtlich genug.


Was folgt nun aus dieser Attacke? Klar ist eins: Die Attacke selbst war hier erfolgreich, also wird man sie wiederholen. Und dies nicht nur bei zukünftigen Kommentardiskussionen in der Zeit, sondern auch in allen anderen Zeitungen, wenn immer die Moderation nicht schon von vornherein auf Linie ist und jeden Pädophilieverdächtigen von sich aus herausschmeißt.

Was ich hier tun kann, ist zweierlei: Einerseits kann ich die Redaktionen hier mit Argumenten versorgen, die dafür sprechen, Pädophile in den Kommentaren zu Wort kommen zu lassen. Andererseits kann ich sie darüber informieren, was wir Pädophilen tun können, und wohl auch werden, wenn sie sich anders entscheiden.

Warum man mit Pädophilen diskutieren sollte

Pädophile können nichts dafür, dass sie pädophil sind. Als Jugendliche stellen sie fest, dass sie nicht mehr nach Sexspielen mit Gleichaltrigen streben, sondern sich in Jüngere verlieben, ohne dass sie selbst dies irgendwie beeinflussen könnten. Erst einmal sind sie damit völlig isoliert. Früher waren sie dies auch lange. Aber heute, im Zeitalter des Internet, ist dies nicht mehr so. Es gibt genügend Foren für Pädophile im Netz, wo man sich anonym anmelden kann und erst einmal genauso anonym Kontakt zu anderen Pädophilen findet. Der isolierte Pädophile ist heute Vergangenheit. Dies merken auch die Pädophilenforen selbst, in denen sich immer häufiger schon Jugendliche anmelden. Die Entstehung von Gruppen von Pädophilen im Netz, aus denen sich dann zumindest in größeren Städten auch persönliche Freundeskreise entwickeln, ist praktisch nicht mehr zu verhindern. Auch gesellschaftlich akzeptierte Angebote für Pädophile wie das Charité-Projekt „Kein Täter werden“ ändern nichts daran, dass Pädophile auch Kontakt zu anderen Pädophilen suchen und finden werden. Im Gegenteil, auch Gruppentherapien im Rahmen solcher Projekte tragen dazu bei. (Dies ist auch gut so, denn der isolierte Pädophile dürfte eine größere Gefahr darstellen als der in eine Szene integrierte.)

Mit dem Kontakt zu anderen Pädophilen finden die Pädophilen aber auch Zugang zu all den Argumenten für oder wider Sex mit Kindern, die in der Pädophilenszene bekannt und verbreitet sind. Diese Argumente berücksichtigen natürlich all die Argumente gegen pädophile Beziehungen, die in den Mainstreammedien präsent sind – dies schon deshalb, weil sie sowieso allen Pädophilen bekannt sind, aber auch, weil sie die Basis sind, von der Neulinge in der Szene, die bisher nichts als Mainstreammedien zum Thema gelesen haben, ausgehen. Diese Argumente werden also innerhalb der Pädophilenszene beantwortet, mit Gegenargumenten der verschiedensten Art.

Diese Argumente der Pädophilen kommen in den Mainstreammedien jedoch, unabhängig von ihrer inhaltlichen Qualität, gar nicht vor. Wo diese Argumente selbst aber totgeschwiegen werden, kommen auch die Gegenargumente dazu nicht vor. Schließlich müsste man ja, um ein Gegenargument vorzubringen, das Argument selbst zumindest nennen – aber das Nennen des Arguments wird ja bereits zensiert.

Eigentlich bleiben in solch einer Situation nur zwei konsistente Positionen: 1.) Die Argumente der Pädophilen selbst sind richtig. Dann ist die Zensur aber Unrecht der schlimmsten Sorte, nämlich Zensur, in der Lügen verbreitet werden, aber Widerlegungen dieser Lügen zensiert werden. 2.) Die Gegenargumente gegen die Argumente Pädophiler sind richtig. In diesem Fall ist die Zensur auch schädlich, da sie die Verbreitung dieser Gegenargumente mitverhindert. Und dies, ohne die Verbreitung der in diesem Fall falschen Argumente Pädophiler zu behindern, denn diese Argumente werden bereits in der zensurresistenten Pädophilenszene verbreitet, und den Kontakt zu dieser Szene findet heute jeder Pädophile der danach sucht.

Die Wahrheit wird natürlich dazwischen liegen, in dem Sinn, dass einige der Argumente Pädophiler falsch sind und andere richtig. Da in beiden Extremen die Zensur falsch ist, ist die Zensur natürlich auch bei allem was dazwischenliegt falsch.

Auswirkungen auf die nichtpädophile Gesellschaft

Es gibt Argumente Pädophiler, die für die Gesellschaft als solche wichtig sind.

Da ist einmal dass sich Pädophile in den Medien als falsch, viel zu negativ, dargestellt sehen, und dies in einem Grad, den sie selbst als Hetze klassifizieren. Dies ist durchaus wichtig für die Mehrheit, denn wozu ein falsches Feindbild führen kann, wissen wir aus der Geschichte, von den Hexenverbrennungen über nationalistische Hetze, die zu Weltkriegen geführt hat, bis hin zu Rassismus und Antisemitismus.

Ein Element der Verteufelung pädophiler Beziehungen, welches der Gesellschaft als Ganzes schadet, ist, dass viele Erwachsene sich nicht einem Verdacht, pädophil zu sein, aussetzen wollen, und daher auf freundschaftliche Beziehungen zu Kindern zunehmend verzichten. Dabei könnten solche Freundschaften, gerade auch zu nichtpädophilen Erwachsenen, eigentlich eine zentrale Rolle bei der Verhinderung wirklichen Missbrauchs spielen.

Ein weiteres für die Gesellschaft als Ganzes wichtiges Argument ist, dass durch die heutige Strafverfolgung von Pädophilen der Rechtsstaat als solcher bedroht wird. Dies passiert durch Verstoß gegen verfassungsmäßige Grundprinzipien der Strafverfolgung wie dem Schuldstrafrecht als solchem, dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit von Strafandrohungen und insbesondere auch dem Übermaßverbot. Auch der Schutz der Privatsphäre ist gefährdet, beispielsweise durch Hausdurchsuchungen bereits wegen des Verdachts des Besitzes von Bildern, aber auch durch die Nötigung von kindlichen Zeugen, Details über ihr Intimleben zu berichten.

Dies alles sind Punkte, die jeden, der sie vorbringt, heute unter Pädophilieverdacht bringen können. Sie werden also kaum vorgebracht, wenn man Pädophile (oder solche unter Pädophilieverdacht) gar nicht erst zu Wort kommen lässt. Und dies bedeutet nicht nur, dass heutige Verzerrungen nicht rückgängig gemacht werden, sondern dass sie sich tendenziell noch verstärken werden, da einem Vorschlag zur Verschärfung kein angemessener Widerstand entgegengesetzt wird.

Auswirkungen der Zensur auf die Pädophilen

Die Auswirkungen auf die Pädophilen sind anderer Art.

Konfrontiert mit ihren eigenen Gefühlen für Kinder, ergänzt durch die Argumente anderer Pädophiler, kann sich kein Pädophiler mit dem Bild des Pädophilen, wie die Mainstream-Medien es zeichnen, identifizieren. Dies, ergänzt durch das Fehlen jeder Möglichkeit, das, was nach ihrer Überzeugung Fehldarstellungen sind, auch nur in Kommentaren zu kritisieren, führt zu einer recht eindeutigen Verurteilung der Mainstream-Medien als Hetzmedien. Auch in den demokratischen Parteien haben Pädophile keine Chance für Unterstützung – die Grünen werden noch heute schon dafür angegriffen, dass sie vor dreißig Jahren Pädophile in ihren Reihen gerade mal geduldet haben.

Pädophile sehen in so einer Situation keine Chance auf eine gerechte Behandlung in der heutigen demokratischen Gesellschaft. Sie sind daher offen für antidemokratische Bewegungen der verschiedensten Art. Der Autor dieses Blogs, ein erklärter Anarchist, ist ein Beispiel dafür. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei Pädophilen fast immer um Männer handelt, noch dazu um Männer, die meist unverheiratet sind, und daher nur geringe Familienbindung haben, und deren Bindung zur eigenen Familie auch unterdurchschnittlich ist (nur wenige Pädophile sind sich sicher, dass ihre Familie auch dann noch zu ihnen steht, wenn ihre Pädophilie bekannt wird, und viele Familien brechen in diesem Fall Kontakt zu Pädophilen ab) dürften die Pädophilen als Zielgruppe für extremistische Einflüsse besonders geeignet sein.

Obwohl ich selbst natürlich auch dann Anarchist bleiben würde, wenn Pädophile in Kommentarforen frei diskutieren dürften, würde dies die konkreten Formen meines Kampfes gegen diese Gesellschaft doch etwas verändern. Es macht schon einen Unterschied, ob man Hetze einfach so unkommentiert stehen lassen muss, oder ob man ihr wenigstens in Kommentaren widersprechen darf. Dies ist durchaus auch ein emotional wichtiger Unterschied – Lügen unkommentiert stehenlassen zu müssen erzeugt schon Wut. Das kann der Unterschied zwischen Gegnerschaft und blankem Hass sein, ein Unterschied, der, zwar nicht bei mir, aber vielleicht bei dem einen oder anderen Pädophilen zum Unterschied zwischen gewaltfreiem Widerstand und Gewalt werden kann.

Die Gegnerschaft zu den Mainstreammedien ist allerdings nur ein Aspekt. Es gibt noch einen anderen Aspekt. Das ist die Auswirkung auf die internen Diskussionen innerhalb der Pädophilenszene. Dort existiert durchaus eine lebhafte interne Diskussion. Neulinge kommen beladen mit den Vorurteilen, die die Hetze in ihnen aufgebaut hat, in der Szene an. Sie werden dort mit einem Gegenbild konfrontiert. Aus dem sich selbst für seine Neigung hassenden Jugendlichen kann dann ein seine Neigung akzeptierender Pädophiler werden, der normalerweise zumindest Freundschaften zu Kindern sucht. Ob er dann für diese Freundschaften auch erotische und sexuelle Elemente zulässt, und wenn ja welche, hängt vor allem davon ab, für wie gefährlich er diese, für sich selbst wie für die, die er liebt, hält. Nur, wird er diese Gefahren richtig einschätzen?

Sicher, rein subjektiv werden die Pädophilen versuchen, hierbei die Wahrheit zu finden. Eine falsche Entscheidung kann ja katastrophale Auswirkungen für alle Beteiligten haben. Trotzdem, auch wenn ich die Rolle dieses Elements in der öffentlichen Diskussion für klar übertrieben halte – es ist natürlich nicht völlig auszuschließen, dass man sich dabei etwas zurechtlügt, um die eigenen Bedürfnisse leichter befriedigen zu können.

Welche Rolle diese Gefahr spielt, ist nur schwer abzuschätzen. Leicht abzuschätzen ist jedoch, dass eine rein pädo-interne Diskussion dieser Fragen zu 100% mit diesem Problem belastet ist. Eine Diskussion in Kommentarforen wäre hingegen in dieser Hinsicht nicht belastet, da an ihr auch Nichtpädophile und Opfer sexueller Gewalt teilnehmen. Von diesen Teilnehmern könnten Argumente kommen, die heute möglicherweise nirgends zu finden sind: In den Mainstreammedien nicht, weil es um Probleme geht, die nach offizieller Ideologie gar nicht existieren, weil es um Gegenargumente gegen Argumente geht, die in den Mainstreammedien zensiert werden und daher dort gar nicht beantwortet werden können. In den internen pädophilen Foren nicht, weil Nichtpädophile sich nur in seltenen Ausnahmen an Foren von Pädophilen beteiligen, und diese seltenen Ausnahmen sind dann meist solche, die eigene positive Erinnerungen an eine pädophile Beziehung in ihrer Kindheit haben.

Ich habe dies hier so ausführlich dargelegt, weil es zeigt, dass eine der beiden Attacken auf die Redaktion völlig fehlgeht:

… hier wird nicht nur wieder mal den Tätern viel Raum gegeben, sondern auch noch eine Menge Material geliefert, um potentielle Täter zu verleiten. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Im Prinzip macht sich ZO gerade sehr, sehr schuldig, sollte nur ein einziger Pädophiler durch diese kruden Thesen von seinem Vorhaben, es nicht zu tun abkommen und mit einem Kind eine sexuelle Beziehung eingehen.


Der Punkt, den die Feminazis hier verfälscht haben, ist, dass die Argumente, die Pädophile verleiten könnten, ihnen ja schon lange bekannt sind. Sie kennen sie ja schon aus ihren eigenen Foren. Was sie möglicherweise nicht kennen, und vielleicht nur hier, in einer Diskussion mit Nichtpädophilen, kennenlernen könnten, wären die Gegenargumente dazu. Denn diese Gegenargumente finden sich ja in den Pädoforen vielleicht nicht.

Ein Ausblick in die Zukunft der Mainstreampresse

Soweit die allgemeinen Gründe, warum man für eine öffentliche Diskussion mit Pädophilen sein sollte. Ich gebe mich allerdings keinen großen Illusionen hin, was den Wert solch allgemeiner Interessen betrifft. Wenn es auch nur den geringsten persönlichen Grund gibt, wird heute jeder Journalist (falls Sie ein Journalist sind, sorry für diese pauschale Unterstellung – ich habe in Ihrer Presse aber auch nur Unterstellungen über Pädophile gelesen, und wäre froh, wenn Sie eine Ausnahme von dieser Regel wären) darauf pfeifen. Und den persönlichen Grund gibt es natürlich – die Unterstellung, man sei ein Unterstützer von Pädophilen wiegt schwer heutzutage.

Worauf könnten wir also hoffen? Vergessen wir Mut und Überzeugung eines einzelnen Redakteurs, bei dem noch irgendwelche liberalen Überzeugungen von Redefreiheit überlebt haben könnten. Er würde sehr schnell von der Zeitung selbst zurückgepfiffen werden. Wenn es nicht Interessen der Zeitungen selbst gäbe. Interessen, die durchaus im Konkurrenzkampf mit anderen Zeitungen wichtig werden könnten.

Denn die Online-Kommentare in den Zeitungen stellen ein wichtiges Bindeglied dar zwischen der klassischen Zeitung und der Zukunft im Internet. Die klassischen Artikel, die auch heute noch auch auf Papier ausgedruckt werden, und die daher auch in ihren Online-Versionen papierkompatibel sind, ändern ja nicht viel an der Zeitung. Die Kommentare, in denen die Artikel inzwischen oft genug nicht nur kritisiert, sondern ergänzt werden, durch weitere Argumente und Hintergrundinformationen, oft genug (wo dies zugelassen ist) durch Verlinkung von relevanten Quellen, sind hingegen etwas qualitativ Neues.

Und in diesem Zusammenhang wage ich eine Prognose: Die Qualität der Kommentarforen wird in Zukunft wichtig sein für den Ruf der Zeitung insgesamt. Und für die Qualität der Kommentarforen ist die Qualität der Moderation zentral. Dass dabei, beim heutigen Niedergang der Kultur zivilisierter Diskussion, moderiert werden muss, steht außer Frage. Beschimpfungen vertreiben schnell gute Kommentatoren und bringen auch dem Leser nichts, sie zu löschen ist daher sinnvoll und wichtig. Eine ganz andere Frage ist, wie sachlich formulierte inhaltliche Kritik behandelt wird. Wenn hier zu viel zensiert wird, fällt dies auf, und wird nicht geheimzuhalten sein. Und es beschädigt den Ruf der Zeitung. Eine Qualitätszeitung braucht in ihren Kommentaren keine inhaltliche Kritik zu fürchten, im Gegenteil, diese Kritik hilft den Journalisten, es beim nächsten Mal besser zu machen, korrigiert Fehler, weist auf interessante Quellen zur behandelten Frage hin und erwähnt wichtige Argumente, die unterschlagen wurden.

Um gute Kommentatoren zu haben, muss die Zeitung selbst attraktiv für solche Kommentatoren sein. Dazu gehört eine transparente und in ihrem Verhalten voraussagbare Moderation. Dazu gehört aber vor allem auch, dass sachliche, inhaltliche Beiträge nicht zensiert werden.

Dies zuzulassen, und dabei selbst persönliche Angriffe auf Moderatoren wie hier in Kauf zu nehmen, ist eine Entscheidung, die nicht der einzelne Moderator fällen muss, sondern die Redaktion als Ganzes. Es sollte denen, die diese Entscheidung fällen, klar sein, dass dies eine Entscheidung ist, die Mut erfordert. Aber gerade deshalb ist es auch eine Entscheidung, die, wenn man sich dazu durchgerungen hat, der Zeitung einen erheblichen Vorteil im Konkurrenzkampf mit all den Zeitungen gibt, die sich das nicht trauen und Kommentare mit politisch unerwünschten Positionen zensieren.

Die Frage steht in dieser Form natürlich nur bei Zeitungen, die einen Qualitätsanspruch haben. Unterschichtzeitungen wie BILD oder BZ brauchen sich in dieser Hinsicht keinen Kopf zu machen, sie schreiben ihre Hetzartikel über Kinderschänder und sind mit „Schwanz ab“-Kommentaren voll zufrieden, es würde sie höchstens Leser kosten, wenn sie Pädophile unzensiert zu Wort kommen lassen.

Leser mit höheren Qualitätsansprüchen reagieren in dieser Hinsicht jedoch anders. Sie wollen informiert werden, sie wollen meist nicht nur Artikel vorgesetzt bekommen, die ihre Vorurteile nur bestärken, sondern auch Informationen bekommen, die ihren bisherigen Vorstellungen möglicherweise widersprechen, und ihnen so Stoff zum Nachdenken geben. Solche Leser werden Zeitungen vorziehen, die einen Ruf haben, inhaltliche, sachliche Kommentare nicht zu zensieren, selbst wenn sie aus ungeliebten Ecken kommen.

Dies sind also meine Empfehlungen an Zeitungen mit Qualitätsanspruch:

1.) Entscheiden Sie sich für eine sofortige Veröffentlichung von Kommentaren ohne Vorzensur. Machen Sie die Zensur transparent, indem Sie klare Regeln aufstellen, was zensiert wird, sich auch daran halten, und die zensierten Kommentare durch eine Begründung für die Zensur ersetzen. Die Zeit kann hier als Beispiel dienen.

2.) Entscheiden Sie sich dafür, sachliche, inhaltliche, argumentative Kommentare auch dann nicht zu zensieren, wenn sie politische oder sonstige Richtungen unterstützen, die Ihre Zeitung selbst nicht unterstützen will. Seien Sie sich dabei darüber im Klaren, dass dies auch zu persönlichen Angriffen auf die Moderatoren führen kann, und seien Sie auf solche Angriffe vorbereitet. Sie können Ihre Moderatoren durchaus vor solchen Anschuldigungen schützen, insbesondere indem Sie klare Regeln für die Moderation vorgeben, die es verbieten, sachliche, themenbezogene Kommentare zu zensieren, selbst wenn sie Richtungen unterstützen, die die Zeitung selbst nicht unterstützt.

Wie wir reagieren könnten, wenn wir wieder ausgesperrt werden

Uns Pädophilen ist natürlich klar, dass wir mit solchen Appellen nicht viel erreichen werden. Aber wir sind nicht mehr so hilflos wie im vorigen Jahrtausend, wir können uns auch wehren. Denn es gibt inzwischen ein Internet, und das ist stark genug, sich gegen Desinformation aus den Mainstreammedien zu wehren.

Wie kann man sich gegen inhaltliche Kommentarzensur wehren? Ganz einfach, mit einem Kommentarzensur-Blog. Der könnte folgendermaßen funktionieren: Er würde Kommentare, die von der jeweiligen Zeitung zensiert werden, obwohl sie gar nicht gegen die Redaktionsrichtlinien für Kommentare verstoßen, sondern sachliche, inhaltlich wertvolle Beiträge darstellen, veröffentlichen. Einreichen könnte man Kandidaten dafür per email an die Betreiber des Blogs. Die suchen sich dann die schlimmsten Verstöße der Zeitung gegen die eigenen Richtlinien aus und veröffentlichen diese. Je mehr die Zeitung in der Kommentarzensur über ihre eigenen offiziellen Richtlinien hinausgeht, desto peinlicher wären die Einträge in diesen Blog für den Ruf dieser Zeitung.

Eine echte Chance, sich dagegen zu wehren, hat die Zeitung kaum. Das Einzige, was sie machen kann, ist, entsprechend fair nach ihren eigenen Kommentarregeln zu moderieren. Da diese Reaktion ja auch das Ziel eines solchen Blogs ist, liefe das aber nicht unter „sich dagegen wehren“.

Auf der sicheren Seite ist sie dann, wenn diese Regeln schärfer formuliert sind als die aktuelle Moderation sie dann durchsetzt. Ob dies der Fall ist, werden die Pädophilen dann in aller Ruhe ausprobieren können. Mit sehr höflichen, sehr sachlichen Kommentaren, die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten zitieren, mit Links oder Verweisen zu den Quellen. Jede Zensur eines solchen Zitats aus einer wissenschaftlichen Arbeit ist dann im Kommentarzensur-Blog willkommen. Was genau der Inhalt ist, ist dabei irrelevant – schon der Fakt, dass Zitate aus wissenschaftlichen Arbeiten zensiert werden, wäre für eine Zeitung, selbst mit nicht allzu hohen Qualitätsansprüchen, blamabel genug.

Schon dies wäre für uns Pädophile ein wichtiger Teilerfolg – denn ein sehr wichtiger Bestandteil der Hetze gegen Pädophile ist es ja, dass Ergebnisse der Wissenschaft keineswegs neutral in den Medien dargestellt werden, sondern, wenn überhaupt, dann extrem verzerrt, während wichtige Ergebnisse in den Medien gar nicht auftauchen. Die Möglichkeit, in Kommentaren die wissenschaftlichen Fakten richtigzustellen, ist uns daher wichtig genug, um uns dafür einzusetzen.

Sicher könnte die Redaktion versuchen, explizit, mit Hilfe restriktiver Regeln speziell auch gegen etwas, was man als „Legitimierung von Kindesmissbrauch“ diffamieren könnte, gegen Kommentare Pädophiler vorzugehen. Nur, wird dies helfen? Denn natürlich wird auch in diesem Fall die Grenze ausgetestet, und somit auch öffentlich gemacht, was genau die Redaktion alles zensiert unter dem Vorwand, keine „Legitimierung von Kindesmissbrauch“ zuzulassen.

Definition des Tages

In einem zensierten Kommentar schreibt die Redaktion von Zeit Online:

Bitte beachten Sie, dass ein Kind per Definition nicht imstande ist, einen Erwachsenen zu verführen. Auch ist es nicht imstande, Erwachsenen Grenzen aufzuzeigen.

LOL

Könnten Literaturlisten uns etwas verraten?

Da gibt es also nun einen „Unabhängigen Beauftragten für sexuellen Kindesmissbrauch“ oder so (ach nein, es ist einer „für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs“, sorry). Und der stellt uns, wie nett, Informationen bereit. Nun, ich gebe ja zu, dass ich da etwas voreingenommen sein könnte, was die Frage der Unabhängigkeit betrifft, und, ehrlich gesagt, auch was die Frage der wissenschaftlichen Kompetenz betrifft. Und was macht man halt als Wissenschaftler, wenn man gewisse Zweifel an der Kompetenz eines Beitrags hat? Man wirft erstmal einen Blick auf die Literaturliste.

Immerhin, es gibt eine. Immerhin 100 Einträge. Viel? Nicht wirklich. Da hat ja die Bibliothek von Pais, ganz ohne Steuerknete geschaffen, schon mehr zu bieten.

Hinzu kommt: kein einziger Fachartikel aus einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Die sind alle englisch? Nein, ganz so ist das auf diesem Gebiet nicht, da gibt es schon ein paar gute Sachen auch auf deutsch, beispielsweise die klassische und viel zitierte BKA-Studie von Baurmann 1983, die sich allerdings nicht in der Literaturliste findet.

Oder Rutschky, Wolff, Handbuch sexueller Mißbrauch von 1994. Unter den 17 bei „Herausgeber und Autoren“ aufgezählten finden sich 14 mal ein Dr. davor und 7 mal zusätzlich ein Prof., was immer diese Abkürzungen bedeuten mögen. Auch nichts für die Literaturliste.

Aber das ginge ja auch gar nicht. Denn das sind ja alles böse Täterlobbyisten, die Ursula Enders unter dem Titel „Die Täterlobby formiert sich“ schon 1995 entlarvt hat.

Wer für erwähnenswert gehalten wird

Diese Arbeit hat natürlich einen weitaus größeren wissenschaftlichen Wert, und sie ist Teil eines fundmentalen Kinderschutzepos, der in seiner aktuellen Auflage seinen verdienten Platz als ein Grundlagen-Fachbuch eingenommen hat: „Enders, U. (Hg.) (2010): Zart war ich, bitter war‘s. Handbuch gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen“. Ich habe zufällig die Ausgabe von 1995 vor mir, mit einer auch sehr beeindruckenden Liste von „AUTORINNEN“. Von den 14 Autorinnen hatten immerhin beeindruckende 9 ein Diplom. Sowas wie Dr. oder Prof. fand sich zwar gar nicht – aber das liegt sicher daran, dass die Prof. und Dr. alle Täterlobbyisten sind.

Die Kompetenz kann man nebenbei bemerkt auch am Inhalt vergleichen. Da ist zum Beispiel die Analyse von Kinderbildern. In beiden Büchern wurde u.a. ein und dasselbe Kinderbild analysiert. In Rutschky & Wolf 1994 untersuchte Hartmut Böhm ein Bild aus Enders 1990 und stellte folgende Diagnose: „Es wurde bei Bild 2 eine verfälschende Ergänzung vorgenommen, die die bei Raack diskutierte Sinngebung erst konstituiert“. Hm, da ist doch mal interessant, wie die Ausgabe Enders 1995 darauf reagiert. Oh, da steht ja was unter dem Bild: „Um den Gesamteindruck des Bildes zu erhalten, wurden vom Verlag die Pastellfarben mit Bleistift nachgezogen.“ Erwischt würde ich sagen.

Was findet sich in der Literaturliste eigentlich noch so? Oh, Ursula Enders noch weitere dreimal. Und Zartbitter e.V. kam auch als Verein nochmal vor. Hm, ob man man nachsieht, ob es noch weitere Autoren von Enders 1995 in die Literaturliste geschafft haben? Dirk Bange – lt. Enders 1995 Hauptamtlicher Mitarbeiter bei Zartbitter Köln – schaffte es vier mal. J.M. Fegert gleich sechs mal. Vermutlich ein weltbekannter Spezialist für Rechtsfragen, bei drei von vier Quellen zu „Rechtliche Themen“. Gisela Braun hat es auch noch mal geschafft.

Und da ist ja noch Marion Mebes, Mitbegründerin von Wildwasser Berlin, die es auch noch dreimal schaffte. Aber nicht nur das – sie ist auch noch Herausgeberin. Erst gründete sie den Verlag „Donna Vita“, der auch noch mal in die Literaturliste geschafft hat, dann „Mebes und Noack“. Und der hat es stolze vierzehn mal in die Literaturliste geschafft.

Also ca. 1/3 der Werke in der Literaturliste wurde entweder von Frau Mebes herausgegeben oder hat Koautoren von Frau Mebes als Autor. Muss wohl eine bedeutende Forscherin auf diesem Gebiet sein.

Welche Themen für wichtig gehalten werden

Allerdings, das war es gar nicht, weswegen ich mich daran gesetzt habe, diesen Artikel zu schreiben. Ich meine, dass das Geld für diese Kampagne rausgeschmissenes Geld ist, ist ja sowieso klar, und die Frage, in welche Richtung es rausgeschmissen wurde, ist zwar für die davon Getroffenen interessant, aber ansonsten sollten wir uns freuen, dass es weder an Al Qaida in Syrien noch an Verfassungsschutzspitzel zur NSU-Finanzierung gespendet wurde.

Was mir als erstes auffiel, und mir eigentlich mehr Sorgen macht, ist ein anderer Punkt. Eine solche Literaturliste könnte uns ja nicht nur verraten, welche Anschauungen die Missbrauchs-Beauftragten vertreten, oder von welchem Autorenkreis sie unabhängig sind, sondern auch für welche Themen sie sich überhaupt interessieren.

Als ich mich mal wieder dafür interessierte, was denn die Wissenschaft zur Frage des sexuellen Missbrauchs neues gefunden hat, fiel mir auf, dass es deutlich weniger Arbeiten gibt, in denen sexueller Missbrauch isoliert betrachtet wird. Er wird immer häufiger im Zusammenhang mit vielen anderen Misshandlungsformen betrachtet – körperliche Misshandlung, verbale und emotionale Misshandlung, Vernachlässigung, Gewalt in der Familie. Sexuelle Misshandlungen sind dabei eine wichtige, aber keineswegs mehr die wichtigste oder gar einzige Misshandlungsform, deren Folgen man untersucht. Es wird immer klarer, dass viele Opfer unter verschiedenen Misshandlungsformen leiden müssen, und das es nicht so sehr die konkrete Form der Misshandlung ist, sondern das dauernde Ausgeliefertsein, das Fehlen von Sicherheit gerade dort, wo das Kind sie besonders braucht – zu Hause.

Und diese Verschiebung in Richtung hin zu anderen Misshandlungsformen in der Familie ist natürlich auch eine Verschiebung weg von der vom Kind gewollten pädophilen Beziehung, hin zum vom Kind nicht gewollten Sex, insbesondere in der Familie – zu Formen der sexuellen Misshandlung, die mit den anderen Misshandlungsformen so viele Gemeinsamkeiten haben, dass es verständlich ist, dass sie alle dieselben traumatisierenden Folgen haben – etwas vom Kind nicht gewolltes, dem es ausgeliefert ist, und was sich ständig wiederholen kann.

Soviel dazu wofür sich die Wissenschaft heute interessiert. Aber was interessiert den Beauftragten für Fragen des Missbrauchs? Ganz was anderes.

Was steht statt dessen im Mittelpunkt des Interesses? Gehen wir mal kurz durch, was unter Punkt 1 – Fachbücher – so alles angegeben wird:

1.1 Grundlagen – gerade mal 4 Bücher, 50% Zartbitter-Anteil (Enders und Bange)

1.2 Jungen – 2 Quellen, 50% Zartbitter-Anteil (Bange)

1.3 Täterinnen – 2 Quellen, 50% Zartbitter-Anteil (1 x Donna Vita)

1.4 Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen – 4 Quellen, 50% Zartbitter-Anteil (Bange, 1x Mebes und Noack)

1.5 Sexueller Missbrauch in Institutionen – 9 Quellen, 33% Zartbitter-Anteil (Enders, 2x Fegert)

1.6 Interkultureller Kontext – 2 Quellen, 100% Zartbitter-Anteil (2x Mebes & Noack)

1.7 Beratung und Therapie – 9 Quellen

1.8 Selbsthilfe / Literatur von Betroffenen – 7 Quellen

1.9 Besonderer Förderbedarf – 3 Quellen

1.10 Rechtliche Themen – 4 Quellen, 75% Zartbitter-Anteil (3x Fegert)

Die schlimmsten Formen des sexuellen Missbrauchs – sexuelle Gewalt von Vätern an ihren Kindern, besonders Töchtern, die Inzest zu nennen Verharmlosung ist weil dieses Wort ja auch einvernehmlichen Sex bezeichnen kann – spielen irgendwie überhaupt keine Rolle.

Worum geht es denn dann? Offentsichtlich um eine Ausweitung der Hysterie. Statt die Sexhysterie zurückzufahren und sich auf sexuelle Gewalt und Misshandlung in der Familie zu konzentrieren, und sich mehr um die vernachlässigten anderen Formen von Kindesmisshandlung zu kümmern, konzentriert man sich auf den Sex, und gerade auf die Formen des Sex, die viel häufiger gewollt und harmlos sind: Jungen, von denen schon lange bekannt ist, dass sie Sex viel positiver sehen als Mädchen, Frauen als Täterinnen – da kriegt ja selbst die Volksseele mit, dass es Quatsch ist, und dass die meisten „missbrauchten“ Jungs sich freuen, wenn sie von den Frauen rangelassen werden.

Und die Sexspiele von Kindern untereinander. Das ist natürlich wichtig – kann ja nicht sein, dass die Leute es gut finden, wenn Jungs untereinander alle möglichen Sexspiele machen, und der Boylover dann verwundert fragen kann, warum es so eine Katastrophe sein soll, wenn einer der Mitspieler über 14 ist. Nein, auch Sex unter Kindern muss immer Missbrauch sein – schließlich wird ja immer eins von ihnen älter sein als die anderen.

Und dann geht es gegen Institutionen – einmal wohl Kulturkampf gegen die kath. Kirche, in der Tradition von Bismarck und Goebbels, oder auch alternative Schulformen wie Odenwaldschule, sicher aber auch mehr staatliche Kontrolle über Sport- und Freizeitvereine.

Warum mir diese Ausweitung Sorgen macht? Weil es meiner Voraussage entspricht, was passiert, wenn es weiter in Richtung Totalitarismus geht. Denn der Pädophile ist zwar fast der ideale Feind – aber eben nur fast. Das ideale Feindbild in einem totalitären System ist eines, bei dem jeder jederzeit verdächtig ist, der Feind zu sein, und somit jeder jeden Augenblick verhaftet werden kann, ohne dass es auch nur irgendeine Form von Solidarität durch seine Freunde oder Angehörigen gibt. Der Pädophile ist da fast ideal – es gibt ihn überall, in jeder Rasse, jeder Nation, jeder Schicht, jeder Religion, jeder politischen Partei.

Nur eben nicht in jedem Alter und jedem Geschlecht. Er ist männlich und erwachsen. Und das reicht eben nicht. Deswegen braucht man Frauen als Täterinnen und Kinder als Täter.

Die Selbstimmunisierung der Missbrauchsideologie

Wenn Beziehungen zwischen Boylovern und Jungs so positiv sind, wie ich sie schildere, warum gibt es so viele Berichte von Opfern, aber so wenige, die Sex mit Erwachsenen in ihrer Kindheit positiv schildern? Dieses Argument kommt in Diskussionen öfter mal.

Wo sind die positiven Berichte der Kinder?

Finden tut man sie durchaus, beispielsweise in der in in dieser Arbeit zitierten Literatur, aber selten sind sie durchaus. Aber dafür gibt es verschiedene objektive Gründe. Einmal würde man dadurch seine pädophilen Freunde gefährden. Selbst wenn wegen Verjährung kein Knast mehr drohen würde, das soziale Leben des bloßgestellten Freundes wäre ruiniert.

Hinzu kommen sogar direkte Verfolgungen wegen Veröffentlichungen solcher Berichte durch die Justiz, bei denen diese als Kinderpornographie verunglimpft werden. Selbst wenn im Falle des Stefan-Textes diese Verfolgung in der fünften Instanz mit einem Freispruch endete, blieben die Veröffentlicher doch auf den Anwaltskosten sitzen.

Und in den etablierteren Medien wäre ein positiver Bericht sowieso nicht zu veröffentlichen.

Oder doch? Es findet sich eine Ausnahme – ein Artikel von Joseph Haslinger in der Welt. Aber diese Ausnahme ist im wahrsten Sinne des Wortes eine, die die Regel bestätigt. Denn wirklich positiv werden die sexuellen Handlungen keineswegs bewertet:

Ich verstehe, dass die Gesellschaft Pädophilen keinen Freibrief ausstellen kann. …
Die Kinder sind zu schützen, keine Frage. …
Ich wurde von diesen Erwachsenen sicherlich ausgenutzt …
Das Hauptbestreben der derzeitigen Thematisierung von Pädophilie und Pädosexualität muss es sein, heutige Fälle aufzudecken und künftige zu verhindern.

Auch ist der Autor, Josef Haslinger, kein Nobody, sondern ein etablierter Schriftsteller. Und trotzdem, selbst dieser eher neutrale als positive Bericht wurde mit einer Vorrede bedacht, in der sich die Redaktion vom Text selbst recht eindeutig distanziert:

Dieser Text ist eine Grenzüberschreitung. Er hat auch in der Redaktion Diskussionen ausgelöst. Weil er provoziert und Gefühle verletzen könnte. Wir drucken ihn als Dokument. Der Schriftsteller Josef Haslinger erzählt von seiner Jugend mit pädophilen Priestern …

Da fragt man sich, welche Grenzen überschritten, wessen Gefühle verletzt werden könnten durch einen autobiographischen Bericht eines Opfers von sexuellem Missbrauch durch pädophile Priester. Etwa die dieser Priester? Kaum, denn so schlecht kommen die nicht weg: „Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit“. Nun, welche Grenzen wurden wohl mit solchen Sätzen überschritten?

Die Frage, ob ein wirklich positiver Bericht veröffentlicht worden wäre, erübrigt sich wohl.

Aber dieser Bericht erlaubt es, noch etwas weit Interessanteres aufzuzeigen, nämlich die Art und Weise, wie auf solche, nun, sagen wir, nicht-negativen Berichte reagiert wird. Die Welt brachte zwei ausführliche Antworten darauf. Gerhard Amendt titelte „Die abnormen Argumente der Pädophilie-Versteher“, und Liane Dirks „Die Macht der Missbrauchten ist eine Ohnmachtsfantasie“.

Haslinger hat immerhin noch in einem Leserbrief auf Amendt antworten können, und in der Stuttgarter Zeitung konnte er noch deutlicher werden: „Ich muss nicht das ewige Opfer sein. Und schon gar nicht will man diesen Status von einem ferndiagnostischen Kurpfuscher zugesprochen bekommen.“

Dass dies eine angemessene Antwort ist, werden wir weiter unten sehen. Aber muss man dazu überhaupt noch mehr schreiben? Ich denke schon, dass es sich lohnt, denn die Argumentationsweise der beiden Kritiker Haslingers ist selbst höchst interessant und wert, genauer analysiert zu werden.

Wie reagiert man auf positive Berichte?

Auch wenn Haslingers Bericht eher neutral als positiv ist – vom Standpunkt des Dogma aus gesehen ist er tatsächlich ein Tabubruch. Denn die pädophilen Priester, mit denen er als Klosterschüler einige sexuelle Erlebnisse hatte, wurden nicht als perverse Monster dargestellt. Es finden sich Sätze wie „Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit“.

Wie reagiert man nun auf so etwas? Nun, eigentlich gibt ja die Forderung aus der Missbrauchsszene, man solle den Kindern glauben. Nur ist davon seltsamerweise nichts zu merken, wenn die Berichte der Kinder nicht zum Dogma passen. Im Gegenteil:

Missbrauch ist deshalb so dramatisch, weil missbrauchte Kinder mit dem Täter mitfühlen, Josef Haslinger führt dieses psychologische Phänomen in seinem Artikel aufs Beste vor. (Dirks)

Wer die Pädophilen in der Sphäre von klösterlicher Gewalt als eine Oase der Zärtlichkeit benennt, wie Josef Haslinger das tut, der enthüllt nicht nur das ganze Elend des damaligen Kindes, sondern ebenso das des gegenwärtigen Erwachsenen. Er scheint zeitlebens unfähig, sich gegen seine Missbraucher aufzulehnen. … Es fällt ihm schwer, trotz der heutigen Stärke als Erwachsener seine Erfahrungen angemessen zu bedenken. (Amendt)

Mit anderen Worten, Haslinger ist lediglich ein geschädigtes Psychowrack, dessen eigene Meinung, wie die eines Geisteskranken, völlig irrelevant ist und ignoriert werden kann.

Haslinger ist nun, allerdings, weder Patient von Dirks noch von Amendt. Er hat keinen von beiden um psychologische Hilfe gebeten. Es gibt auch nicht den geringsten Grund zur Annahme, dass sie auch nur irgendwelche Informationen über Haslinger selbst zur Verfügung haben, die über seinen Text hinausgehen. Ihre Argumentationsbasis ist dieselbe wie unsere – ein öffentlich zugänglicher Zeitungsartikel von Haslinger, auf den sie antworten.

Natürlich wäre es im Prinzip möglich, dass der Artikel selbst genügend Anlass gibt, an der geistigen Gesundheit von Haslinger zu zweifeln. Nun, ich nehme das Urteil vorweg – er tut es nicht. Im Gegenteil. Es ist eine gut durchdachte Position. Eine Position, der ich zwar selbst in mehreren Punkten nicht zustimme. Was mich allerdings nicht davon abhält, sie als Position in allen Punkten ernst zu nehmen.

Es sind eher die Antwortartikel, die (allerdings nur rhetorisch) gewisse Zweifel an der geistigen Gesundheit ihrer Autoren aufkommen lassen. Immerhin, wie wir sehen werden, stellen sie Thesen über Haslinger auf, die nicht nur Haslinger selbst, sondern jeder aufmerksame Leser des Artikels, auf den sie antworten, als offensichtlich im Widerspruch zu Haslingers eigenem Text erkennen kann. Und da sie nicht einmal behaupten, dies wären Schlussfolgerungen aus anderen Informationsquellen über Haslingers Kindheit oder seine heutige geistige Gesundheit, kann auch jeder Leser diese Widersprüche als Verfälschungen und Verleumdungen identifizieren und entsprechend bewerten.

Normalerweise wird man so etwas entweder als extreme Dummheit klassifizieren, oder als Notlösung eines Angeklagten, der sachlich nichts zu entgegnen hat, aber sich halt irgendwie rechtfertigen muss. Aber weder Professoren noch Schriftstellerinnen sind typischerweise dumm, und beide haben völlig freiwillig und unbedrängt auf den Artikel geantwortet. Und somit drängt sich, als eine weitere Erklärungsmöglichkeit, Zweifel an der geistigen Gesundheit der Autoren förmlich auf.

Bei jedem anderen Thema wäre es wohl auch die plausibelste Erklärung. Bei diesem Thema jedoch scheinen andere Erklärungen erforderlich. Genauer, andere Befürchtungen. Denn im Vergleich zu ihnen wäre es geradezu eine Erleichterung, sollte sich herausstellen, dass lediglich ein emeritierter Professor, eine Schriftstellerin, und ein Redakteur gleichzeitig den Verstand verloren haben, und sich dies nur rein zufällig darin zeigt, dass sie auf denselben Artikel blödsinnige Antworten schreiben und der Redakteur beide durchgehen lässt.

Aber sehen wir uns erstmal die Widersprüche selbst an:

Im Sog der falschen Erinnerung

So die Überschrift einer Version von Amendts Artikel. Sie sagt schon mal viel. Insbesondere ist sie eine explizite Ablehnung der Kinderschützer-These, man solle dem Kind glauben. Die gilt offenbar nur, wenn das, was das ehemalige Kind erzählt, politisch korrekt ist.

Ironischerweise kommt die Phrase „falsche Erinnerungen“ ja aus einer ganz anderen Ecke – einer Gegenbewegung gegen die Missbrauchshysterie, entstanden als Reaktion auf eine Welle ritueller satanistischer Missbrauchsfälle, die die Kindergärten (nicht nur) der USA heimsuchte, deren durch keinerlei Sachbeweise getrübte Anschuldingen so pervers und unglaubwürdig waren, dass jeder, der noch etwas gesunden Menschenverstand übrig hatte, schnell zu dem Schluss kam, dass hier fanatische Psychotherapeuten hilflosen Kindergartenkindern diese perversen „falschen Erinnerungen“ eingeredet hatten.

Im Fall Haslinger ist die Erinnerung des „Opfers“ politisch nicht korrekt. Und somit ist Haslingers Erinnerung falsch. Das ist das Wichtigste, was Amendt uns mitteilen will – schließlich ist es die Überschrift.

Wer jetzt allerdings erwartet, dass Amendt uns Fakten präsentiert, die zeigen, dass Haslingers Bericht über seine Kindheitserlebnisse sachlich falsch sein muss (wie es die Opponenten der satanistischen Missbrauchshysterie getan haben), wird enttäuscht. Amendt behauptet nicht einmal, auch nur ein Bit mehr Information über Haslinger zu besitzen als jeder andere Leser von Haslingers Artikel. Und es geht auch gar nicht um irgendwelche Fakten. Haslingers Erinnerung ist falsch, nicht weil irgendetwas sachlich falsch ist, sondern weil er die falschen Gefühle hat:

[Josef Haslinger] scheint zeitlebens unfähig, sich gegen seine Missbraucher aufzulehnen. …

Es fällt ihm schwer, trotz der heutigen Stärke als Erwachsener seine Erfahrungen angemessen zu bedenken. Solche Angemessenheit ließ Gefühle des Zorns, der Rache, der grenzenlosen Enttäuschung erwarten, die selbst vor Vernichtungsfantasien angesichts von Erniedrigung und lebenslanger Glückseinschränkung nicht zurückschrecken.

Diese Gefühle scheinen ihm aber nicht möglich zu sein. (Amendt)

Wer allerdings nach dieser Charakterisierung Haslingers Text liest, wird sich verwundert die Augen reiben: Er findet nämlich eine ausführliche Beschreibung von Haslingers Auflehnung gegen die priesterlichen Peiniger seiner Kindheit vor. Er liest, dass Haslinger, der mit 12 noch selbst Priester werden wollte, mit der Kirche gebrochen hat, und 15 Jahre später, um der Kirche das heimzuzahlen, was ihm als Kind angetan wurde, eine drastische Kurzgeschichte mit einer oralen Vergewaltigung durch einen Priester veröffentlicht hat. Dies zu einer Zeit, als Missbrauch durch Priester noch keineswegs solch ein Modethema war wie heute. Er war also gewissermaßen sogar ein Vorkämpfer (was wohl ein Grund gewesen sein dürfte, dass er überhaupt publiziert wurde). Wenn das keine Auflehnung ist, was dann?

Und was motiviert Amendt, diese Auflehnung, und den Bericht Haslingers darüber, nicht nur einfach zu verschweigen, sondern obige, elementar durch den Text selbst widerlegte These aufzustellen, Haslinger wäre zeitlebens zu solcher Auflehnung unfähig?

Die einfachste und plausibelste Antwort ist: Es ist das Missbrauchsdogma. Dieses Dogma schreibt vor, welche Gefühle ein Kind zu haben hat, wenn es um Sex mit Erwachsenen geht. Und wenn ein Kind andere Gefühle hat, dann ist dies keine Tatsache, die das Dogma widerlegen könnte, sondern Ausdruck eines schweren, durch den Missbrauch erzeugten, psychischen Schadens, der „Identifikation mit dem Aggressor“.

Ein einfaches, logisch unwiderlegbares Schema. Es ist völlig egal, was diejenigen, die als Kinder Sex mit Erwachsenen hatten, über ihre eigenen Erlebnisse denken: Entweder sie denken so, wie das Dogma es vorschreibt, und stützen so das Dogma. Oder sie denken anders, und zeigen dadurch, dass sie psychisch schwer geschädigt wurden. Und stützen so auch das Dogma. Sehr praktisch und höchst wichtig für ideologische Dogmen, aber genau deswegen natürlich auch völlig unwissenschaftlich (nicht empirisch falsifizierbar).

Doch auch wenn das Dogma logisch unangreifbar erscheint – in der Praxis kann die logisch unwiderlegbare Behauptung, der Häretiker leide an einer „Identifikation mit dem Aggressor“, so extrem unplausibel sein, dass das Dogma trotzdem in Gefahr gerät.

Und genau dies ist hier passiert. Würde Haslinger an einer „Identifikation mit dem Aggressor“ leiden, wäre er – faktisch laut Definition – nicht fähig gewesen, das zu tun, was er getan hat: Mit der Kirche zu brechen, und, um sich an der Kirche zu rächen, eine Erzählung über einen schweren sexuellen Missbrauch durch Priester zu veröffentlichen.

Um mit den empirischen Fakten des Falls Haslinger kompatibel zu sein, bräuchte man eine neue Variante der psychischen Krankheit namens „Identifikation mit dem Aggressor“, eine latente Variante, die zeitweise völlig verschwinden kann, so dass der Betroffene an der fordersten Front im Kampf gegen die Aggressoren steht, um dann plötzlich und unerwartet wieder auszubrechen. Wissenschaftlichen Wert hätte so etwas natürlich kaum, aber das wird nicht einmal probiert.

Oder, und das ist die Variante, die von beiden Kritikern gewählt wurde, man versucht, so gut es geht, die gefährlichen Fakten zu ignorieren, totzuschweigen, vergessen zu machen. Haslingers über mehrere Absätze beschriebene Auflehnung ist dann kein interessanter Einzelfall, der dem einfachen Schema der „Identifikation mit dem Aggressor“ zu widersprechen scheint und daher genauer betrachtet zu werden verdient – das wäre er lediglich für Wissenschaftler, oder, allgemeiner, für Wahrheitssucher.

Nein, Haslingers Auflehnung darf auf keinen Fall genauer betrachtet werden. Es ist nicht einmal ausreichend, sie einfach zu ignorieren. Sie muss aktiv vergessen gemacht werden.

Und dies tut man, indem man in einem Antwortartikel das Dogma explizit wiederholt, als wenn es diesen Widerspruch gar nicht gäbe. Schließlich werden die wenigsten Leser die alte Zeitung noch mal vorholen und die Artikel vergleichen, wie ich es getan habe. Und wenn man das nicht tut, bleibt normalerweise das letzte Wort hängen.

Und so gehen beide Kritiker mit keinem Wort auf das ein, was für die These von der „Identifikation mit dem Aggressor“ problematisch ist – Haslingers in mehreren Absätzen beschriebene Auflehnung gegen die Kirche als junger Erwachsener, seine heutige Beziehung dazu, und die Gründe, die er dafür anführt.

Aber beide wiederholen explizit das Dogma, unterstellen Haslinger die vorgeschriebene „Identifikation mit dem Aggressor“, nicht nur als wäre nichts zu finden, was dem widerspricht, sondern als wäre der Artikel sogar noch eine Unterstützung dafür:

… Missbrauch ist deshalb so dramatisch, weil missbrauchte Kinder mit dem Täter mitfühlen, Josef Haslinger führt dieses psychologische Phänomen in seinem Artikel aufs Beste vor. (Dirks)

Wer die Pädophilen in der Sphäre von klösterlicher Gewalt als eine Oase der Zärtlichkeit benennt, wie Josef Haslinger das tut, der enthüllt nicht nur das ganze Elend des damaligen Kindes, sondern ebenso das des gegenwärtigen Erwachsenen. Er scheint zeitlebens unfähig, sich gegen seine Missbraucher aufzulehnen. (Amendt)

Die Behauptung von Haslingers Unfähigkeit zur Auflehnung, trotz der expliziten Beschreibung dieser Auflehnung im Text, ist jedoch nicht der einzige Widerspruch.

Die Macht der Missbrauchten ist eine Ohnmachtsfantasie

So der Titel des Artikels von Liane Dirks – als hätten sich beide Kritiker verabredet, die gröbsten Verfälschungen als Überschriften zu verwenden.

Beginnen wir einfach mal mit dem sachlichen Hintergrund der Machtfrage in Boylove-Beziehungen, so wie er von Haslinger beschrieben wurde:

Aber von da an habe ich natürlich gewusst, dass ich mit meinen Erlebnissen diejenigen, die sie verursachten, erpressen konnte; dass ich ein Mittel der Gegenwehr in der Hand hielt. Und ich habe auch gesehen, wie einfach das ist. Man redet darüber, und der Mann zieht den Kürzeren. (Haslinger)

Aber schon bevor er das wusste, war Haslinger kein hilfloses Opfer:

Es hat eine Weile gedauert, bis mein Religionslehrer sich die intime Annäherung traute. Als er merkte, dass ich es zuließ, suchte er nach Gelegenheiten, das Spielchen zu wiederholen und, wenn möglich, ein wenig auszuweiten. Ich ging mehrere Etappen der Ausweitung dieser Spielchen mit.

Die Sprache – „traute“, „zuließ“, „wenn möglich“ – sagt klar genug wer die Kontrolle hatte. Und „mehrere Etappen“ hat natürlich auch die Bedeutung „nicht alle Etappen“. Dass der Junge schon die Kontrolle hatte, als ihm die Erpressbarkeit des Pädophilen noch gar nicht bewusst war, ist übrigens weder Ausnahme noch Zufall – auch deer egoistischste Pädophile muss schließlich damit rechnen, dass er Junge es schon weiß, und selbst wenn nicht, es höchstwahrscheinlich später erfahren wird.

Wie gehen Missbrauchsfanatiker mit diesem einfachen objektiven Fakt um, der so diametral ihre Thesen vom machtgeilen Pädophilen, der Sex mit Kindern sucht, weil diese keine Macht haben, widersprechen?

Amendt übergeht das Problem mit Schweigen, verwendet lediglich hemmungslos Charakterisierungen, die in der realen Machtkonstellation pädophiler Beziehungen, wie sie von Haslinger beschrieben wurde, einfach keinen Sinn ergeben: Der Pädophile selbst ist „angreifend“, es ist die Rede von „kindliche[r] Ohnmacht“ und von der „sexuellen Unterwerfung von Kindern“, und die völlig gesellschaftskonforme „Auflehnung“ gegen priesterliche Pädophile, die heutzutage sogar noch eine finanzielle Entschädigung verspricht, ist eine „tapfere Leistung“. Ole.

Dirks geht direkter darauf ein. Aber ihre Theorie bietet nichts, was auch nur einer einfachen Konfrontation mit dem Original standhalten könnte:

[die Kinder] reden sich ein, sie hätten in Wahrheit Macht gehabt. Sie wären es, die den anderen in der Hand hatten. Aber das ist keine Macht. Diejenigen, die sich einreden, sie hätten den Täter in der Hand gehabt, sind ja gerade diejenigen, die sich nicht gewehrt haben. Es ist eine der vielen Rationalisierungen. Und man muss es sagen: Es ist eine ganz typische. Es ist eine Fantasie, eine Ohnmachtsfantasie. „Wenn ich könnte, würde ich“, lautet sie. (Dirks)

Man vergleiche mit Haslinger: „Und ich habe auch gesehen, wie einfach das ist. Man redet darüber, und der Mann zieht den Kürzeren.“ Das soll eine Ohnmachtsphantasie sein? Na hallo. Nein, das ist die offensichtliche Schlussfolgerung aus dem, was in einem realen Fall passiert ist. Und das damals schon – in einer Form, die heute als „Vertuschung“ verteufelt wird, aber nichts weiter als eine etwas zivilisiertere Form der Unterdrückung Pädophiler war.

Klar, auch Haslinger hat diese Macht nicht angewendet. Musste er ja auch nicht. Denn dem Pädophilen ist ja diese Machtkonstellation sehr bewusst. Und er vermeidet daher, schon aus reinem Eigennutz, aus seinem eigenen Sicherheitsbedürfnis heraus, alles, was den Jungen dazu motivieren könnte, diese Macht gegen ihn zu verwenden.

Nein, die Logik der Macht ist eine andere: Je größer die Macht, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass der Machthaber die Machtmittel irgendwann einsetzen muss. Die Existenz von Macht zu verleugnen, weil das Machtmittel nicht eingesetzt wird, ist bestenfalls ein Denkfehler.

Was motiviert die Jungs zum Mitmachen?

Auch in dieser Frage gibt Haslinger Antworten, die überhaupt nicht ins Missbrauchsschema passen. Amendt kennt eigentlich nur die kindliche Sehnsucht nach Zärtlichkeit:

Die Instrumentalisierung der kindlichen Sehnsucht nach elternähnlicher Wärme …

… die zugefügte Sexualisierung, den Vertrauensbruch und die Ausnutzung seiner kindlichen Sehnsucht nach Zärtlichkeit … (Ament)

Irgendwelche sexuellen Motive haben Kinder einfach nicht. Selbst einfache sexuelle Neugier – also nichts weiter als natürlicher Bestandteil der natürlichen Neugier auf alles was es gibt auf der Welt – kommt lediglich als „Sexualisierung“ vor.

„Sexualisierung“ ist eine psychische Schädigung, die durch sexuellen Missbrauch erst hervorgerufen wird, die sich darin äußert, dass das Kind auch nur irgendwelche eigenen sexuellen Interessen entwickelt. Etwas ganz Schlimmes, schließlich sind Kinder völlig asexuell. Für Kinder, die noch nicht schwer geschädigt sind, ist Sexualität (zumindest mit Erwachsenen) unerwünscht, und ihr wird Widerstand entgegengesetzt:

Wer als Erwachsener die eigene Verführung zu unerwünschter Sexualität im Rückblick noch immer aus dieser Perspektive erlebt, … Die Art, in der er als Kind manipulativ überlistet und sein Widerstand gegen Sexualität mit seinem Lehrer und Vorbild außer Kraft gesetzt wurde … (Amendt)

Mit der von Haslinger beschriebenen Realität hat dies allerdings wenig zu tun. Nach einer Erwähnung „seiner kindlichen Sehnsucht nach Zärtlichkeit“ sucht man in Haslingers Text jedenfalls vergeblich. Dort wird lediglich neutral und objektiv festgestellt, dass die Pädophilen zärtlich waren. Von der Theorie, dass dahinter eine Strategie der Ausnutzung irgendeiner Sehnsucht nach Zärtlichkeit stehen würde, hält Haslinger kaum etwas:

Sie hätten das gar nicht nötig, weil es Kinder gibt, die sich mit Neugier darauf einlassen.

Und über die eigenen Motive macht Haslinger auch hinreichend deutliche und verallgemeinerbare Aussagen:

Ein Penis, der ejakuliert. Wenn man zwölf Jahre alt ist, will man das endlich einmal sehen.

Von Widerstand ist nicht die Rede:

Ich habe mich nicht gerade angeboten, dazu war ich zu schüchtern

oder, mit anderen Worten, wäre er nicht zu schüchtern gewesen, hätte er sich sogar angeboten. Wo wurde da „sein Widerstand gegen Sexualität … außer Kraft gesetzt“? Dies bleibt Amendts Geheimnis.

Wir können hier einen weiteren Punkt der Missbrauchsideologie identifizieren: Es geht nicht nur darum, dass verleugnet wird, dass Jungs eigene sexuelle Wünsche haben. Nicht einmal die offensichtlich vorhandene sexuelle Neugier der Jungs – etwas, was sogar mit der Hypothese völliger Asexualität der Jungs kompatibel wäre – kann zugegeben werden. Die klaren und deutlichen Hinweise auf die sexuelle Neugier als Motiv für die Beteiligung der Jungs an sexuellen Handlungen mit Erwachsenen werden einfach ignoriert. Im Gegenteil, es wird ohne jeden Anhaltspunkt – sogar im Widerspruch zum Text – Unerwünschtheit und Widerstand unterstellt.

Die sexuelle Neugier ist auch für Dirks nicht existent. Sie beklagt, dass

… wir es nicht schaffen, Kindern ein freies, sie in ihrer Entwicklung bestärkendes Erziehungssystem zu bieten, in dem sie auch ihre Sexualität liebevoll entdecken können und zwar dort, wo sie hingehört: unter ihresgleichen.

Also frei, aber bitte schön, gefälligst ohne jedes Interesse an einem erwachsenen Penis, der ejakuliert. Und, wie alles, was nicht ins Schema passt, wird das Interesse am ejakulierenden Penis einfach verschwiegen. Dirks bietet immerhin eine andere Variante an – nicht das Bedürfnis nach Zärtlichkeit, sondern das nach Anerkennung, in Kombination mit der Unterstellung, dass diese nur im Tausch zu bekommen war. Eine Unterstellung, für die sich in Haslingers Text keinerlei Grundlage findet:

Die meisten Opfer von Kindesmissbrauch sind dringend auf Zuwendung angewiesen und greifen deshalb nach jedem Strohhalm, nehmen jede Form der Beachtung als eine Art von Liebe hin: „Endlich werde ich bemerkt, es gibt mich, ich bin kein Nichts.“ Weil das so ist, gehen sie den Pakt mit dem Täter ein: „Du beachtest mich, ich ahne, dass nicht ganz richtig ist, was du machst, es tut mir vielleicht auch weh, aber ich verrate dich nicht, dafür beachtest du mich weiterhin.“ …

Sich einzigartig zu fühlen, erkannt und gefördert, dafür muss man, um es einmal klar und hart zu sagen, nicht den Hintern hinhalten. …

Im Falle Haslingers wäre Freiheit gewesen, die Gedichte des Pfarrers hören und lesen zu dürfen, ohne ihn dafür befriedigen zu müssen. Es ist traurig, dass genau das schon gar nicht mehr gedacht wird. (Dirks)

Zuerst einmal – nein. Niemand ist in seiner Freiheit eingeschränkt, wenn er meine Gedichte nicht hören oder lesen darf. Es ist, im Gegenteil, meine Freiheit, meine Gedichte nur einem kleinen, von mir ausgewählten Kreis vorzulesen. Das kann der Kreis derer sein, die Eintritt für eine Lesung bezahlt haben, aber im Prinzip kann die Bezahlung auch in Form einer sexuellen Dienstleistung erfolgen.

Aber von der typisch antikapitalistischen Verteufelung jeglicher freiwilliger Austauschbeziehungen, insbesondere auf sexuellem Gebiet, einmal abgesehen, ist es reine Unterstellung, zwischen den Gedichten und dem Sex eine direkte Tauschbeziehung, mit Gedichtlesungen als Bezahlung für Sex, zu behaupten.

Sicher, jede positive zwischenmenschliche Beziehung funktioniert langfristig nur dadurch, dass beide oft genug etwas tun, was der andere möchte. In einer reinen Tauschbeziehung funktioniert das auf der Basis einer expliziten Absprache – ich mache das, du machst dafür das. In einer Freundschaft läuft dies jedoch nicht mehr so direkt – du tust dem anderen etwas Gutes, weil du ihn magst, auch ohne direkte Erwiderung. Und du bekommt irgendwann etwas zurück, weil auch der Freund dich mag. Eine Beziehung, in der Gedichte eine Rolle spielen, ist üblicherweise zumindest eine Freundschaft, auf der man das Niveau des primitiven Tausches überwunden hat. Und eine pädophile Beziehung ist oft sogar mehr als eine Freundschaft, nämlich eine, wenn auch oft nur einseitige, Liebesbeziehung.

Schon eine Freundschaft auf eine primitive Austauschbeziehung zu reduzieren ist jedoch nichts weiter als eine primitive Verleumdung.

Und Dirks antikapitalistische Traurigkeit ist daher unnötig: Der Wunsch nach Sex mag Motiv zum Schreiben von Gedichten sein, das Vorlesen eine Form der Werbung. Möglicherweise war Haslinger von den Gedichten beeindruckt, und dies hatte möglicherweise einen Einfluss auf seine Bereitschaft, den Pfarrer zu befriedigen. Und möglicherweise hat Haslingers positive Reaktion auf sexuelle Vorschläge die Verliebtheit des Pfarrers verstärkt und ihn zu neuen Gedichten motiviert.

Das ist aber auch schon alles. Die Vorstellung, der Pfarrer hätte Sex explizit zur Bedingung für das Vorlesen von Gedichten gemacht, ist einfach nur lächerlich. Haslinger konnte die Gedichte des Pfarrers zweifellos lesen, ohne ihn zu befriedigen.

Ob Haslinger den dichtenden Priester nun befriedigt hat oder nicht, ist irrelevant und sollte Haslingers Privatsphäre bleiben. Und auch ob die Gedichte für diese Entscheidung irgendeine Rolle gespielt haben kann offenbleiben. Nur, dass er ihn dafür nicht hat befriedigen müssen, ist für jeden Pädophilen so offensichtlich, dass es einfach keiner Erwähnung bedarf.

Was hat sexuell nun eigentlich stattgefunden?

Kommen wir nun zu einer anderen Frage. Sie ist ein bisschen subtiler, weil Haslinger selbst in seinem Text keine eindeutigen Aussagen macht. Trotzdem, hinreichend klare, wenn auch indirekte, Hinweise gibt es genug.

Die Frage ist, welche konkreten sexuellen Handlungen Haslinger selbst in seinen pädosexuellen Beziehungen erlebt hat.

Diese Frage ist allein schon deshalb interessant, weil es Unterschiede gibt zwischen den rein sexuellen Wünschen von Schwulen und Boylovern. Diesen Unterschied kann man am einfachsten in folgender Regel zusammenfassen: Je jünger die Jungs sind, die sexuell begehrt werden, desto weniger penisorientiert, und desto mehr zärtlichkeitsorientiert, sind die rein sexuellen Wünsche.

Grob gesagt, bei Päderasten – Boylovern die auf Jungs in oder nach der Pubertät stehen – spielt der Wunsch nach Analsex durchaus eine wesentliche Rolle. Bei Boylovern, die auf Jungs vor der Pubertät stehen, ist das Interesse an Analsex weitaus geringer. Beispielsweise bei mir: Ich würde niemals einem Jungen Analsex vorschlagen, ganz einfach weil dies nichts ist, was für mich sexuell interessant ist. Nein, nicht weil es eklig ist (nicht mein Problem), nicht weil es unmoralisch ist (ist es nicht), sondern einfach weil es in meinen sexuellen Phantasien keine Rolle spielt. Und bei denen, die auf noch Jüngere stehen, reicht bereits einfaches Streicheln des Kindes – ohne dessen Geschlechtsteile auch nur zu berühren – zur eigenen sexuellen Befriedigung aus.

Das ist natürlich nichts, was mit der Missbrauchsideologie kompatibel wäre. Die hat klare Vorstellungen: Der sexuelle Wunsch des pädophilen Sexmonsters ist der Koitus, wenn das Opfer ein Mädchen ist, und Analsex wenn das Opfer ein Junge ist. Und das völlig unabhängig vom Alter des Jungen.

Haslinger selbst gibt keine allzu konkreten Informationen über die sexuellen Handlungen, die stattgefunden haben. Trotzdem, Hinweise gibt es durchaus genug:

Ich war zwölf Jahre alt, als erstmals ein Priester, mein damaliger Religionslehrer, sich für meinen kleinen Penis interessierte und dabei ganz offensichtlich in Erregung geriet. … Als er merkte, dass ich es zuließ, suchte er nach Gelegenheiten, das Spielchen zu wiederholen und, wenn möglich, ein wenig auszuweiten. Ich ging mehrere Etappen der Ausweitung dieser Spielchen mit. … Ein Penis, der ejakuliert. Wenn man zwölf Jahre alt ist, will man das endlich einmal sehen.

„Mehrere“ bedeutet natürlich auch „nicht alle“. Was nicht dabei war, kann man aus den Kommentaren zu seiner literarischen Darstellung einer oralen Vergewaltigung zumindest erraten:

Das formulierte ich wohl zu einer Zeit, als ich schon Pornofilme kannte. Gerade diese Szene weicht am weitesten von der Realität ab.

Ich sag mal, hier passt alles mit dem zusammen, was Boylover typischerweise sexuell mit Jungs machen. Da ist das Interesse am Penis des Jungen. Da ist offenbar die gemeinsame Masturbation. Die Zärtlichkeit wird woanders auch erwähnt. Eine Penetration des Jungen – oral oder anal – spielt hingegen keine Rolle. Da ist lediglich der Fakt, dass es Etappen der Ausweitungen des Spielchens gab, die Haslinger nicht mitgegangen ist.

Das ist genau das, was auch in meinen Beziehungen mit Jungs ablief. Das für mich interessanteste Sexualobjekt ist der Penis des Jungen. Analsex schlage ich gar nicht erst vor, weil es nicht nicht zu meinen sexuellen Interessen gehört – sowas müsste ein Junge schon selbst vorschlagen. (Was übrigens durchaus vorkommt.)

Und daher halte ich es für wahrscheinlich, dass Haslinger von den pädophilen Priestern nicht penetriert wurde. Zumindest gibt sein Text keinen Anlass zu der Vermutung, er sei es.

Dirks hingegen nimmt dies als selbstverständlich an. Mit offensichlicher Referenz zu Haslingers Beschreibung eines der Pädophilen („Einer der drei schrieb Gedichte. Ich kann heute noch eines seiner Gedichte auswendig.“) schreibt sie:

Ein- und derselbe Mensch kann Gedichte schreiben und einfühlsam sein und gleichzeitig Kinder penetrieren.

Was im Kontext der realen Information, die Haslinger gegeben hat, nichts weiter ist als eine Verleumdung des (glücklicherweise durch diese Verleumdung nicht geschädigten) dichtenden Pädophilen.

Die Penetrationsfixierung von Dirks kommt auch an anderer Stelle zum Ausdruck:

„Du beachtest mich, ich ahne, dass nicht ganz richtig ist, was du machst, es tut mir vielleicht auch weh, aber ich verrate dich nicht, dafür beachtest du mich weiterhin.“

Die Sexspiele, die zwischen Männern und Jungs stattfinden, tun nicht weh. Wenn etwas weh tun sollte, dann wird das abgebrochen. Und selbst wenn weder das eigene sexuelle Bedürfnis (welches die Lust des Partners wünscht) noch die Moral des Pädophilen ausreichen, dies zu bewirken, tut es das elementare Sicherheitsinteresse angesichts der realen Machtverhältnisse.

Soweit die expliziten Widersprüche. Fassen wir zusammen:

  • Haslingers eigene Auflehnung gegen die Kirche wird totgeschwiegen, statt dessen behauptet, er sei zu Auflehnung unfähig.
  • Haslingers Beschreibung der realen Machtverhältnisse wird totgeschwiegen, statt dessen behauptet, dies sei eine Ohnmachtsphantasie.
  • Haslingers Beschreibung sexueller Neugier als eigenes Motiv wird totgeschwiegen, statt dessen ohne Grundlage im Text ein Wunsch nach Zärtlichkeit, Tausch von Anerkennung und Aufmerksamkeit gegen Sex, Unerwünschtheit von und Widerstand gegen Sex unterstellt.
  • Obwohl Haslingers Text einige Hinweise gibt, dass kein Analsex stattfand, wird suggeriert, er sei penetriert worden.

Und dies alles in einer Situation, in der jeder den Originaltext nachlesen und die Widersprüche selbst feststellen kann. Doch es kommt noch mehr hinzu:

Falsche Gefühle

Dass Kinderschützer die Gefühle von Kindern nur dann ernst nehmen, wenn sie in ihre Ideologie passen, wurde schon erwähnt. Doch die Antworten illustrieren außerdem ganz gut, welche Gefühle die richtigen sind – Gefühle der Abstoßung und des Hasses:

So kann als Zärtlichkeit noch heute benannt werden, was für andere allein die abstoßende Zuwendung gegenüber einem Kind in perverser Sexualbefriedigung war. (Amendt)

Das Richtige und Angemessene ist Hass, bis hin zu Vernichtungsfantasien. Mitgefühl, Vergebung und Nachsicht hingegen sind falsch, sogar eine Gefahr:

Angemessenheit ließ Gefühle des Zorns, der Rache, der grenzenlosen Enttäuschung erwarten, die selbst vor Vernichtungsfantasien angesichts von Erniedrigung und lebenslanger Glückseinschränkung nicht zurückschrecken. … er schwebt in der Gefahr, ihn zu verteidigen oder Nachsicht für ihn vor seinen Richtern zu erbitten. (Amendt)

Missbrauch ist deshalb so dramatisch, weil missbrauchte Kinder mit dem Täter mitfühlen … (Dirks)

Ist es verwunderlich, dass eine solche Ideologie des Hasses unter Verbrechern, Nazis, Politikern und Polizisten besonders beliebt ist?

Haslinger als Geisteskranker

Man vergesse in diesem Zusammenhang nicht, dass, bei allem (oft genug nur vorgespielten) Mitgefühl mit psychisch Kranken, die Unterstellung einer psychischen Erkrankung beim Opponenten eine klassische Form der Beleidigung ist. „Idiot“ kenne ich als Beleidigung noch aus meiner Kindheit (während ich „Opfer“ als Beleidigung zum ersten mal 1998 hörte – die Reaktion der Jungs auf die Dutroux-Hysterie).

Sicherlich, beide Autoren dürften einen Vorwurf, sie hätten auf diese Weise Haslinger beleidigen wollten, vehement bestreiten. Und vielleicht wollten sie es in der Tat nicht, zumindest bei Dirks würde ich das auch nicht vermuten. Trotzdem ändert dies nichts an der Wirkung. Eher im Gegenteil: ein einfaches, als Beleidigung gemeintes und von allen so verstandenes „du bist ein Idiot“ ist harmlos im Vergleich zu einer ernst gemeinten Diagnose einer Geisteskrankheit durch einen Professor.

Insbesondere ändert sich auch nichts an der für die Erhaltung des Dogmas so wichtigen Abschreckung von Abweichlern: Wer möchte schon, als Antwort auf die Offenlegung intimster Details seines Privatlebens, öffentlich als geisteskrank bezeichnet werden, ohne das auf die Argumente, die man vorgebracht hat, auch nur ansatzweise inhaltlich eingegangen wird?

Noch dazu ein gefährlicher Geisteskranker

Mehr noch, die These von der „Identifikation mit dem Aggressor“ hat, außerdem, noch eine weitere aggressive, gegen den Abweichler gerichtete, Komponente:

Der lange zurückliegende Missbrauch gipfelte in einer lebenslang wirksamen Identifikation mit dem Angreifer. Sie haben das Böse der Aggressoren sich zu Eigen gemacht und sind damit dazu verdammt, diese sogar zu verteidigen. (Amendt)

Haslinger ist also nicht nur geisteskrank, sondern gemeingefährlich geisteskrank – er hat das Böse selbst in sich, es sich zu Eigen gemacht, ist verdammt dazu, es zu verteidigen.

Und die These, dass Missbrauch eine Art ansteckende Krankheit ist, ist ja auch noch nicht ausgestorben:

Wir wissen aus der langjährigen Arbeit, dass Täter oftmals selbst Opfer waren. (Dirks)

Auch für Dirks hat das Opfer also, im Endeffekt, das Böse selbst in sich.

Und damit klärt sich auf, wieso unsere beiden Kritiker keine Angst davor haben, dass ihre Leser sich den Originaltext noch einmal zum Vergleich vornehmen.

Denn was sollte man mit den Texten von Geisteskranken, die das Böse der Aggressoren in sich tragen, tun? Sie intensiv durcharbeiten, um herauszufinden, ob sie vielleicht doch recht haben? Und sich so der Gefahr aussetzen, vom Bösen selbst infiziert zu werden? Himmel bewahre.

Dass es Widersprüche gibt zwischen den Texten derer, die das Böse in sich tragen, und den Texten derer, die dieses Böse bekämpfen, ist ja wohl selbstverständlich. Wer würde anderes erwarten?

Die Orwellsche Wahrheit

Die geradezu erstaunliche Vielfalt von Behauptungen, deren Falschheit schon aus dem Text selbst folgt, auf den in den Artikeln geantwortet wird, und der jedem zur Lektüre offensteht, ist trotzdem noch ein paar weitere Überlegungen wert.

Denn es scheint, dass es nicht nur die Hoffnung ist, dass die Faulheit oder die Abschreckung durch die Identifikation Haslingers mit dem Bösen die Leser davon abhält, nochmal nachzulesen.

Ich vermute, die Situation ist schon weitaus schlimmer: Dass es bereits egal ist, wenn die Behauptungen der Missbrauchsideologen leicht als Lügen und Verleumdungen enttarnt werden könnten. Weil es auf die Wahrheit gar nicht mehr ankommt.

Worauf es ankommt, sind andere Fragen. In der klassischen, stalinistischen Variante ist es einfach die Information darüber, welches die aktuelle Linie der Partei ist, die jeder Parteisoldat bis auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen hat.

Was Haslinger erlebt hat, was er denkt, welche Argumente er vorbringt – das alles ist völlig irrelevant, einfach weil er ein Feind ist, einer, der das Böse in sich trägt. Wenn Amendt und Dirks ihm widersprechen, widersprechen sie gar nicht ihm – das ist unnötig. Sie haben eigene Ziele, und Haslingers Artikel ist lediglich eine Gelegenheit, sich für diese eigenen Ziele einzusetzen.

Aus dieser Perspektive betrachtet, werden die offensichtlichen Widersprüche zu Haslingers Text, und die geradezu primitive Wiederholung des Dogmas, gerade auch der Aspekte des Dogmas, die durch Haslingers Text am offensichtlichsten widerlegt werden, verständlich. Es sind gar keine Argumente gegen Haslinger. Es sind Glaubensbekenntnisse, Loyalitätserklärungen: Sie selbst stehen auf der Seite der Guten, verteidigen das Dogma auch dann, wenn weniger überzeugte, weniger konsequente Kämpfer gegen das Böse zu zweifeln beginnen.

In einer Orwellschen Welt ist ein Glaubensbekenntnis notwendig, wenn man sich zu Wort meldet.

Ein Glaubensbekenntnis ist aber kein Argument. Es ist nicht den Gesetzen der Logik unterworfen. Der treueste, überzeugteste Kämpfer ist schließlich der, der treu bleibt, auch wenn jede Logik dagegen spricht. Das ideale Glaubensbekenntnis widerspricht der Logik offen: „Alles spricht dagegen, aber ich glaube trotzdem'‘.

Meiner Meinung ist nur die Interpretation der „Kritiken“ als Glaubensbekenntnisse geeignet, die vielen offensichtlichen Widersprüche zu Haslingers Text und die Übereinstimmung beider Texte in dieser Hinsicht zu erklären. Alles andere erscheint implausibel: Schließlich wäre es ein höchst seltsamer Zufall, wenn zwei völlig verschiedene Menschen, beide hinreichend intelligent, partiell den Verstand verlieren. Und es nicht nur genau dieselbe Sachfrage ist, über die sie ihren Verstand verlieren, sondern sie außerdem noch auf ein und denselben Artikel Antworten schreiben, in denen sich diese Geisteskrankheit auf mehr oder weniger dieselbe Art und Weise äußert. Eindeutig zu viele Zufälle.

Mögliche Motive

Nur, die Frage bleibt: Was konkret motiviert unsere beiden Kritiker, sich hier zu Wort zu melden und das Missbrauchsdogma zu verteidigen?

Nun, diese Frage muss notgedrungen offenbleiben. Denn in einer von einem Dogma beherrschten Gesellschaft gibt es die verschiedensten Gründe, das Dogma zu verteidigen. Darunter finden sich der eigene Glaube an das Dogma genau wie die irrationale Angst, was wäre, wenn das Dogma falsch wäre, was zu einer instinktiven Ausblendung aller dem Dogma widersprechenden Fakten führt. Aber genauso findet sich das eigensüchtige Interesse, in dieser Gesellschaft Macht zu erringen, und die Angst, als Feind entlarvt und verfolgt zu werden. Aber es können auch Machtkämpfe innerhalb der Verteidiger des Dogmas ausgetragen werden, indem man formell den Feind angreift, in Wirklichkeit jedoch die eigene Variante des Dogmas gegen andere Varianten verteidigt.

Was konkret für Dirks und Amendt zutrifft, wird ihr Geheimnis bleiben. Hier kann ich lediglich spekulieren.

Dirks zumindest geht inhaltlich kaum auf Haslinger ein, sie verteidigt hingegen inhaltlich eine durchaus etwas zivilisiertere Variante des Dogmas – eine Variante, in der missbrauchte Kinder die Möglichkeit haben, anonym Hilfe zu finden, ohne Anzeigepflichten, eine Variante, in der Sexspiele unter Gleichaltrigen legitim sind, und damit eine Variante, die in zwei ihrer zentralen Punkte heute auf der Verliererstraße ist – sowohl Anzeigepflichten als auch die Verfolgung von Sex unter Kindern sind immer weiter auf dem Vormarsch. Sich offen dagegen zu stellen wäre allerdings zu gefährlich, und so ist der Artikel Haslingers einfach eine gute Gelegenheit für sie, ihre moderatere Position zu verteidigen, aber trotzdem offiziell auf der Seite der Guten – also gegen Haslinger – zu stehen.

Amendt hingegen behauptet so vehement und demonstrativ, den Gefühlen Pädophiler nicht folgen zu können, dass mir persönlich plausibel erscheint, dass er ihnen in Wirklichkeit nur zu gut folgen kann:

Es ist das Wesen der pädophilen Perversion, dem wir mit unseren Gefühlen nicht folgen können. Denn das Perverse als Charakterstörung ist uns nicht eigen. Im Prinzip respektieren wir die Grenzen zwischen Erwachsenen und Kindern.

Wenig plausibel. Ich kann jedenfalls den Gefühlen Heterosexueller oder Schwuler problemlos folgen – ich muss mir dazu lediglich vorstellen, dass sie dieselbe Attraktion für erwachsene Frauen oder Männer empfinden wie ich für Jungs. Auch wenn ich diese Gefühle nicht teilen kann, warum sollte ich ihnen nicht intellektuell folgen können? Und daher scheint mir persönlich plausibler, dass Amendt das umgekehrt genauso kann. Dass er also einfach nur lügt. Warum? Vielleicht, weil er in Wahrheit den Gefühlen Pädophiler sogar zu gut folgen kann? Aber das ist lediglich rein private Spekulation.

Worauf es ankommt, ist etwas anderes. Was auch immer die Motive sind – sie erfüllen ihre Funktion als Teil eines ideologischen Systems vom Orwellschen Typ. Eines Systems, bei dem es nicht mehr um Wahrheit geht. Ob es dem Leser möglich ist, zu erkennen, dass es sich rein sachlich um Lügen handelt, ist irrelevant – genauso irrelevant wie die Frage, ob die Anschuldigungen in den stalinistischen Schauprozessen glaubhaft waren oder nicht.

Die Funktion solcher Artikel ist eine andere: Sie beschreiben, welches die politisch korrekte Reaktion auf solche parteifeindlichen Meinungsäußerungen ist. Sowohl den Autoren als auch den Lesern ist klar, dass es gar nicht um die Frage geht, was wahr ist. Es geht lediglich darum, die Leser zu informieren, welches die aktuelle Linie der Partei ist, welche Position von allen Parteisoldaten bis zum letzten Blutstropfen verteidigt werden muss, und das unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt.

Sind wir schon soweit? Ich denke, noch nicht. Noch ist auch Haslingers Originaltext zugreifbar. Noch kann ich diesen Artikel hier veröffentlichen.

Aber wir nähern uns diesem Zustand eindeutig immer mehr. Die Leichtigkeit, mit der die Verfälschung hier erkennbar ist, hat durchaus schon etwas an sich, was fatal an die Absurdität der Beschuldigungen in stalinistischen Prozessen erinnert. Und die Darstellung von Haslinger als nicht nur durch „Identifikation mit dem Aggressor“ geschädigtes Opfer, sondern als Träger und Verteidiger des Bösen selbst, lässt Schlimmes für die Zukunft befürchten. Vielleicht noch keine Gulags. Aber es ist, wie beim Missbrauch der Psychiatrie in der Breshnew-Zeit, als Antisowjetismus ausreichend für eine Diagnose der Schizophrenie und das Wegsperren in einer psychiatrischen Klinik war, bereits der sachliche Inhalt einer politischen Meinung, der ausreicht, den Abweichler als geisteskrank zu disqualifizieren. Und noch dazu als gefährlichen Geisteskranken, der das Böse in sich trägt. Gefährliche Geisteskranke werden weggesperrt. Es bleibt also nur noch der kleine Schritt, auch die an dieser gefährlichen Geisteskrankheit Erkrankten wegzusperren.

Ich hoffe, ich irre mich hier.

Ich finde leider keinen sachlichen Grund, der diese Hoffnung stützen würde.

Gewaltpornographie

Während ich bisher angenommen hatte, Kinderpornographie sei im wesentlichen die Darstellung einvernehmlicher sexueller Kontakte – Grund dazu hatte ich, aufgrund vielfältiger Kontakte zu Boylovern, unter denen mehrere auch entsprechende Pornographie sammeln, genug – und die Berichte der Medien als reine Hetze betrachtete, scheint es doch andere Teile der Kipo-Szene zu geben, in denen das Verhältnis anders aussieht:

1) Graphik 1: Einvernehmlichkeitsgrad Gesamt-Mädchen-KiPo in Prozent

47,58% nicht einvernehmlich
29,07% einvernehmlich
15,71% nicht deutbar
07,64% neutral

Gesamtdateien: 1362

2) Graphik 15: Einvernehmlichkeitsgrad Gesamt-Jungs-KiPo in Prozent

73,36% einvernehmlich
15,72% neutral
5,68% nicht deutbar
5,24% nicht einvernehmlich

Gesamtdateien: 458

3) Graphik 29: Einvernehmlichkeitsgrad Gesamt-CL-KiPo in Prozent

95,16% einvernehmlich
04,84% nicht deutbar

Gesamtdateien: 124

Quelle für diese Statistik ist ein Jufo-Artikel. Noch keine etablierte Wissenschaft, obwohl an der Qualität im Vergleich zu üblichen wissenschaftlichen Arbeiten zu solchen Themen nichts zu meckern ist. Potentielle Fehlerquellen gibt es zwar viele, aber sie werden auch gar nicht verheimlicht, und andere Methoden sehen dabei auch nicht besser aus. Für die Wissenschaft gilt letztendlich, dass man die besten vorhandenen Daten verwenden sollte, und solange es keine besseren gibt, nimmt man eben diese.

Die Massenmedien sind durch diese Zahlen keineswegs gerechtfertigt. Würde man ihnen glauben, gäbe es so etwas wie einvernehmlichen Sex bei Kinderpornographie ja überhaupt nicht. Trotzdem, diese Zahlen korrigieren auch meine Vorstellungen von den Anteilen – meine bisherigen Vorstellungen entsprechen denen, die hier für Jungs-Kipo angegeben sind – was kein Wunder ist, ich bin ja schließlich Boylover, und die meisten meiner Kontakte sind auch Boylover. Und ich bin auch nicht der Einzige, den diese Zahlen verwunderten. So meinte ja auch Leon:

Übrigens ist nicht nur dir der Wert an Abusographie in diesem Kontext merkwürdig vorgekommen. Viele russische Boylover konnten es sich auch nicht vorstellen. Mich persönlich hat der Wert auch überrascht…

Allerdings: So sehr überrascht haben mich diese Zahlen nun auch nicht. Merkwürdig kamen mir nur die zusammengefassten Zahlen vor, wie sie ursprünglich gepostet worden waren (hier). Ich hätte pauschal auf rund 5% nicht einvernehmlich getippt, was ja dann auch fast exakt der Wert bei Jungs war.

Dass sich Sex zwischen Männern und Mädchen in vielen Zahlen weitaus problematischer darstellt als Sex zwischen Männern und Jungs war mir auch vorher schon bekannt. Jungen reagieren beispielsweise in sehr vielen Studien sehr viel positiver: (wie z.B. hier zusammengefasst).

Ähnliches kann man auch von Studien über Schäden sagen. Schon die Unterschiede in den Zahlen der Studien hat mich seinerzeit beeindruckt. Studien, die die Folgen sexuellen Missbrauchs von Mädchen untersuchten, war zumindest zu der Zeit, als ich das verfolgte, auffallend größer als die, die solche Schäden bei Jungen untersuchten.

Dies klingt zwar nur recht indirekt. Aber Wissenschaftler untersuchen schon von sich aus bevorzugt das, wo man etwas nachweisen kann, und das Publizieren von Studien, die statistisch signifikante Ergebnisse haben, ist sehr viel leichter. Aber auch was die Inhalte betrifft, sieht es ähnlich aus. Bei Baurmann 1983 liest man beispielsweise

Gleichgeschlechtliche Kontakte spielten statistisch und kriminologisch keine wesentliche Rolle bei der Untersuchung (S. 215 ff). Zum einen machten sie nur 10-15% der Fälle aus und zum anderen waren die beschriebenen sexuellen Handlungen „harmloser“, fast ausschließlich ohen Gewaltanwendung durch den Beschuldigten (S. 287 ff) und es fühlte sich deshalb auch keines der männlichen Opfer geschädigt. In diesen Fällen konnte auch kein Schaden mit Hilfe der Testverfahren gemessen werden.

Damit haben wir also lediglich noch ein weiteres Gebiet, auf dem Sex mit Mädchen weitaus problematischer ist als Sex mit Jungs.

Sind Girllover nun schlimmer als Boylover?

Nun, dies anzunehmen gibt es keinen Grund. Nur, sie haben ein Problem: Man kann sie in all solchen Statistiken nicht von all denen trennen, die Sex mit Kindern aus anderen Gründen vorziehen: Sadisten, für die Kinder interessant sind, weil sie sich nicht wehren können. Inzest-Väter, die bei Eheproblemen auf ihre Töchter ausweichen. Also Leute, die gar nicht pädophil sind, die Erwachsene vorziehen würden, für die Kinder lediglich Ersatz sind. Und die entsprechend problematisch mit diesem Ersatz umgehen.

Und all die Ersatztäter dürften sich nun einmal ähnlich auf heterosexuell vs. homosexuell aufteilen wie es ansonsten auch üblich ist – also 95% Heten zu 5% Schwule.

Unter den Pädophilen ist die Verteilung ja ganz anders, auch wenn die Zahlen stark variieren, gehe ich bei Boylover zu Girllover etwa von 50:50 aus.

Und daraus folgt die für die Girllover recht ungünstige Situation, dass es in allen Statistiken, die Sex mit Mädchen betreffen, viel mehr um heterosexuelle Ersatztäter geht, während es bei Sex mit Jungs viel eher darum geht, was Boylover mit Jungs machen.

Insbesondere in der obigen Statistik passen die Zahlen durchaus zusammen: Bei geschätzt genauso vielen Girllovern wie Boylovern tauchen in der Statistik 396 einvernehmliche Mädchenkipos und 336 einvernehmliche Jungskipos auf. Und die nicht einvernehmlichen 648 Mädchenkipos stehen zu den 24 nicht einvernehmlichen Jungskipos in einem dem Verhältnis Heten zu Schwulen erstaunlich ähnlichem Verhältnis.

Wie aber umgehen mit Gewaltpornographie?

Trotzdem, auch wenn wir die Girllover hier entlasten können, gibt es doch ein anderes Problem, jedenfalls für mich. Was bisher für mich eine vernachlässigbare Größe war – nämlich Gewaltkinderpornographie – die nur aufgrund von extremer Medienhetze von 5% auf 100% hochgepuscht wird, erweist sich nun, mit grob der Hälfte, doch nicht als so vernachlässigbar.

Wie also damit umgehen? Sind nun die Kipo-Jäger wenigstens teilrehabilitiert? Bekommen die Hetzer in den Medien mildernde Umstände, weil sie nicht von 5%, sondern von 50% auf 100% hochlügen? Es ist in jedem Fall eine Gelegenheit, zu überdenken, wie man mit der halt doch nicht so seltenen Gewaltkinderpornographie umgehen sollte.

Was meine Empfindungen betrifft, finde ich mich hierbei plötzlich auf der Seite der Mehrheit wieder. Für jemanden wie mich ist dies allein schon etwas erschreckend. Meine Empfindungen sind dieselben wie die des Mobs. Vorsicht ist allein schon deswegen angeraten.

Aber trotzdem, auch wenn ich meine bisherigen Argumente zur Kipo-Verfolgung von diesem neuen Blickpunkt aus überprüfe, es ändert sich nichts. (Was nun, ein bisschen Eigenlob muss auch mal sein, auch nicht so verwunderlich ist – schließlich habe ich mich schon immer um Neutralität bemüht.)

Wer sind die Gewaltpornosammler eigentlich?

Also, sind nun diese ekligen Typen, die solche perversen Vergewaltigungs-Pornos geil finden, Verbrecher, die man wegsperren sollte, am besten für immer? Nein. Aber sehen wir uns erstmal die Gründe an, warum man solche Leute verfolgen sollte.

Ein recht natürlicher Wunsch hinter der Kipoverfolgung ist, dass man dadurch hofft, Menschen zu enttarnen, die Kindern gefährlich werden könnten. Der Pädophile, wie man ihn aus den Medien kennt, ist ein solches gefährliches Monster, welches man möglichst gerne enttarnen möchte, bevor es sich an realen Kindern vergreift.

Aber dass es sich bei den Konsumenten von Gewaltkinderpornos um Pädophile handelt, ist eben nicht zu erwarten. Die obigen Zahlen sprechen dafür – bei Jungspornos, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie von Boylovern bevorzugt werden, ist der Gewaltanteil gering. Aber auch bei Girllovern ist es recht irrational, davon auszugehen, dass sie gerne Gewaltpornographie konsumieren. Der normale Pornographiekonsument zieht Pornos vor, in denen die nach Alter und Geschlecht bevorzugte Gruppe die sexuellen Handlungen gerne und lustvoll mitmacht. Und in dieser Hinsicht sind Pädophile nun einmal sehr normal.

Sicherlich findet man, wenn man Pädophile identifiziert, auch Leute, die möglicherweise mal Sex mit Kindern haben werden. Aber das ist normalerweise eben auch die Art von Sex, die sie in den Pornos bevorzugen, nämlich einvernehmlicher Sex. Und, auch wenn die Medienhetzer anderes behaupten, ist einvernehmlicher Sex eben keine Gefahr für die Kinder.

Wer aber sind Gewaltpornosammler eigentlich? Hier gibt es von der sexuellen Präferenz her gesehen ganz natürliche Kandidaten – nämlich die Sado-Maso-Szene.

Einmal wären da die Sadisten. Leute, die man, sicherlich auch mit gutem Grund, für gefährlich halten kann. Allerdings haben Sadisten durchaus legale Möglichkeiten, ihre sexuellen Triebe auszuleben, in einer einvernehmlichen SM-Szene. Gewalt gegen Kinder ist für sie vor allem dadurch sexuell interessant, dass Kinder besonders hilflos sind. Die wenigsten von ihnen sind außerdem noch pädophil, also auch noch sexuell am Kinderkörper selbst interessiert. Also, so gefährlich für Kinder ist dieser Kreis der Gewaltpornosammler nicht.

Noch klarer, dass man völlig harmlose Leute trifft, wenn man Gewaltpornosammler verfolgt, wird es bei den Masochisten. Die stehen ja sexuell überhaupt nicht darauf, anderen Menschen Gewalt anzutun. Im Gegenteil. Eine Gefahr für Kinder stellen sie also überhaupt nicht dar. Für sie sind solche Gewaltvideos sexuell interessant, weil sie in ihren sexuellen Phantasien vergewaltigte Kinder sind.

Und, sicherlich, gibt es noch andere Kiposammler. Beispielsweise einfach nur Neugierige. Das sind vermutlich die, die sich am ehesten erwischen lassen – weil es ihnen gar nicht wichtig ist, sie so etwas nur nebenbei mitnehmen, und eben auch nur nebenbei an die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen denken. Und die fallen auch am leichtesten auf die Honigtöpfe hinein, die die amerikanische Polizei gerne aufstellt. Nutzen tut das niemandem, von einer Prävention realer Straftaten kann bei dieser Gruppe überhaupt keine Rede sein.

Dass solche Leute allein durch Kipo-Anschauen pädophil werden könnten ist so extrem dumm, dass einem die Worte fehlen. Niemand wird durch Pornos in seiner sexuellen Neigung verändert. Ginge das, hätten wohl so ziemlich alle Menschen mit abweichenden sexuellen Neigungen sich selbst durch das Ansehen normaler Hetenpornos schon lange von ihren Abweichungen „geheilt“. Leider bringt das überhaupt nicht. In der anderen Richtung bringt es genauso wenig.

Strafverfolgung von Gewaltpornosammlern?

Aber selbst wenn man ihnen Gefährlichkeit unterstellt, und auch wenn ich sie eklig finde – sie schaden objektiv noch niemandem. Und bevor man jemanden wegsperrt – und ihn damit auf extrem schwere Art schädigt – muss er schon selbst jemanden geschädigt haben, und dies auf eine durchaus schwere Art.

Und dies gilt auch deshalb, weil ich überzeugt bin, dass Abschreckung funktioniert. Genau deshalb ist es wichtig, dass es einen möglichst großen Unterschied gibt zwischen der realen Vergewaltigung und dem Ersatz – dem Anschauen von Vergewaltigungsvideos.

Aber könnte es nicht sein, dass das Anschauen solcher Videos bewirkt, dass man dann irgendwann doch auch selbst vergewaltigen will? Durchaus möglich. Allerdings recht spekulativ. Aber auch gerade dann ist es ja wichtig, dass es eine hohe Hürde gibt zwischen dem Anschauen solcher Videos und der realen Vergewaltigung. Gerade dann ist es wichtig, dass der Videogucker nicht schon durch das Videogucken allein zum Schwerverbrecher geworden ist.

Man bedenke: Zugang zu und Besitz von illegalen Daten ist in Zeiten von Tor und Truecrypt leicht und relativ sicher. Egal wie hoch also die Strafandrohungen sind, der Videogucker lernt am eigenen Beispiel, dass man kriminell sein kann und trotzdem unbehelligt leben kann.

Ok, es sei denn, er wird gefasst. Aber was erreicht man damit? Man ruiniert seinen sozialen Status, zerstört sein soziales Umfeld, also all das, was normalerweise Menschen davon abhält, kriminell zu werden. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Ist es das, was man wünschen sollte? Ich würde sagen, es ist eher das genaue Gegenteil.

Also, egal ob die Strafverfolgung von Videoguckern „Erfolg“ hat oder nicht, der „Erfolg“ der Strafverfolgung ist jemand, der sehr viel weniger Hemmungen hat, wirkliche Verbrechen zu begehen.

Ist die Weiterverbreitung für die Opfer nicht extrem belastend?

Sicherlich ist der Gedanke daran nicht angenehm. Aber dieser Gedanke daran ist unabhängig von der realen Verbreitung. Er ist auch da, wenn der Täter lediglich, um das Opfer weiter zu erniedrigen, behauptet, er würde das Video nun verbreiten, dies aber aus Angst vor der Strafverfolgung gar nicht tut. Möglicherweise ist er aber auch gar nicht da, obwohl das Video verbreitet wird, weil das Opfer gar nichts davon weiß.

Und wenn der Gedanke einmal da ist, dann kann auch eine noch so ideale Polizeiarbeit nicht mehr verhindern, dass er bleibt – irgendeine Garantie, dass alle Kopien vernichtet wurden, kann es ja im Prinzip nicht geben. Im Gegenteil, jeder Polizeierfolg – man hat das Video bei jemandem entdeckt – verstärkt, wenn er dem Opfer bekannt wird, den Gedanken daran nur noch, da es auf eine weite Verbreitung seines Videos hinweist. Oft genug wird dem Opfer dadurch erst bekannt, dass ein Video, das eigentlich nur für den Privatgebrauch gedreht wurde, eine solche Verbreitung gefunden hat.

Der Kinderpornomarkt

Auch das Märchen vom Milliardenmarkt Kinderpornographie bleibt so verlogen wie es immer schon war. Und die Argumentation damit bleibt auch so irrational wie bisher.

Die Musik- und Filmindustrie klagt, möchte kostenlose Tauschbörsen mit allen Mitteln bekämpfen, am liebsten langjährige Haftstrafen für Copyright-Verletzungen sehen. Wollen die das etwa, um den Musik- und Filmmarkt zu bekämpfen? Natürlich nicht. Im Gegenteil, sie wollen möglichst viel Geld machen mit Musik und Filmen.

Aber genau dasselbe – nämlich die Bekämpfung von kostenlosen Kipo-Tauschbörsen mit Androhung hoher Haftstrafen für alle Nutzer und Verbreiter – soll angeblich gegen den Kipo-Markt gerichtet sein?

Äh, geht es noch? Das von der Musikindustrie zu ihrer finanziellen Rettung Gewünschte dient der Bekämpfung einer angeblich existierenden Kipoindustrie? Wenn man so etwas liest, werden Konspirationstheorien, bei denen diese angeblich existierende Kipoindustrie die Politik unterwandert hat, irgendwie plausibel.

Nein, ich werde deswegen nicht zum Konspirationstheoretiker. Hier lässt sich natürlich alles mit Dummheit erklären, weswegen man auf Konspiration verzichten kann. Die Dummheit der Massen ist hier gemeint, die Zusammenhänge, die länger sind als zwei Worte wie gegen Kipo, nicht zur Kenntnis nehmen.

Also: Einen Milliardenmarkt Kipo gibt es nicht, er ist eine Medienerfindung. Gäbe es ihn, dann wäre das beste Mittel gegen ihn ganz einfach: Den Handel verbieten, aber den kostenlosen Tausch und Besitz erlauben.

Was spräche denn dagegen? Man müsste nachweisen, dass jemand damit handelt, um ihn verknacken zu können, was aber schwerer wäre, als ihm nur Besitz nachzuweisen? Na, so schwer ist das ja nun auch wieder nicht. Wenn nur der Verkauf illegal ist, können ja zivile Fahnder selbst nach deutschen Prinzipien ganz legal auf die Suche nach illegalen käuflichen Angeboten gehen, ganz legal bezahlen, und nach der Lieferung hätten sie dann den Beweis. Das wäre rechtlich gesehen sogar leichter als heute, wo zumindest in Deutschland ein solcher Einkauf den Ermittlern verboten ist. Klar, dieser Unterschied ist unwesentlich, denn einem einigermaßen cleveren Verkäufer käme man auch so nicht auf die Spur. Aber eben genau wie heute auch schon.

Auf einem Markt herrscht Angebot und Nachfrage. Und auf einem Markt, wo es genügend kostenlose Angebote gibt, ist der Preis generell niedrig. Es gäbe da die Frage der Qualität – aber mit der technischen Verbesserung digitaler Kameras verschwindet der Unterschied, und auch Laien können immer leichter zumindest technisch hohe Qualität anbieten. Die Aussichten für einen professionellen Kipo-Markt wären also schlecht, selbst wenn der Handel selbst legal wäre. Wäre Handel illegal, kostenlose Verbreitung jedoch legal, würde ein Handel kaum aufkommen.

Faktisch spielt er schon heute kaum eine Rolle. So erwies sich in einer Untersuchung: die
Trends sind eindeutig: So war in nur 10 von 81 Fällen Geld im Spiel.
Mich wundert hier eher, dass es so viele sind. Aber das dürfte einen einfachen Grund haben: Geldüberweisungen lassen sich sehr viel leichter nachverfolgen als das Verbreiten von Bildern.

Also, das, was angeblich die Kipoverbreitung so verwerflich macht – die Förderung der Herstellung von Kipo durch Schaffung eines Marktes – kann man überhaupt nur einem Achtel der deswegen Verfolgten vorwerfen.

Ganz abgesehen davon, dass auch in diesen Fällen eine Ursache-Wirkungs-Beziehung lediglich eine sehr theoretische Annahme ist. Denn empirisch sieht wenig danach aus, dass allzu viel für den Verkauf hergestellt wird.
Schuijer & Rossen schreiben beispielsweise selbst über Zeiten als es kommerzielle Kipo legal gab:

The work group suggested that the American claims that 70% of all commercial material comes initially from private sources was correct. Typical of this material is the generally poor quality, and usually black and white photographs. The photographs were apparently not made with publication in mind.

Also, geschätzte 70% der kommerziellen Kipo wurde damals gar nicht für die kommerzielle Nutzung hergestellt, sondern sind Privatvideos, die gar nicht für die Verbreitung hergestellt wurden, sondern erst irgendwann später mal zu Geld gemacht wurden. Und heute gibt es guten Grund zur Annahme, dass diese „nichtkommerzielle kommerzielle“ Anteil noch höher ist.

Die Verfolgung der Vergewaltiger

Eine Legalisierung kostenlosen Tausches hätte auch noch einen anderen positiven Effekt: Solche Videos würden schneller und weiter verbreitet werden als heute, und damit schneller und wahrscheinlicher bei der Polizei landen. Und für die Polizei ist ein Vergewaltigungsvideo wichtiges Beweismaterial, welches durchaus zur Überführung der Täter beitragen kann.

Für die Polizei wäre es in dieser Hinsicht ideal, wenn es Plätze gäbe, wo jeder Liebhaber von Vergewaltigungsvideos seine Sammlung ohne eigenes Risiko hochladen könnte, und, neben anderen Liebhabern solcher Videos, eben auch die Polizei all diese Videos herunterladen könnte.

Könnte man hingegen die kostenlose Verbreitung effektiv bekämpfen, würde die Polizei sich von dieser Art von Informationsquellen über reale Verbrechen selbst abschneiden. Eine extreme Dummheit, weil es hierbei um
eine Verschlechterung der Strafverfolgung der wirklich schweren Verbrechen handelt – nämlich der realen Vergewaltigung von Kindern.

Durch eine Strafverfolgung einer kostenlosen Verbreitungsszene verringert sich nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass solche Videos überhaupt in Polizeibesitz gelangen. Es ist auch zu erwarten, dass dies weitaus später erst passiert. Auch das ist aber fatal für die Strafverfolgung: Je schneller ein solches Vergewaltigungsvideo in die Hände der Polizei gelangt, desto eher kann dies zu einer Überführung des Täters führen. Irgendetwas aus dem Video könnte wiedererkannt werden – aber die Wahrscheinlichkeit dessen sinkt mit der Zeit, schon durch Vergessen, aber auch durch das Älterwerden der Kinder. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass man Kleidung, Möbel, und was noch alles auf dem Video sieht, in der Realität noch so vorfindet, dass es Beweiskraft haben kann, sinkt.

Und da wäre auch noch der Missbrauch durch den Staat

Ich habe es mir für den Schluss aufgehoben – das wohl im Prinzip allerwichtigste Argument gegen die heutige Kipohysterie, nämlich den Missbrauch durch den Staat.

Denn es ist offensichtlich genug, dass der Staat, als Institution, hierbei ein ganz anderes Interesse hat: Den Aufbau einer Kontrolle über das Netz. Dass der Kampf gegen Kinderpornographie nur Vorwand ist, um etwas kontrollieren zu können, was dem Staat selbst gefährlich werden könnte – eine freie Neue Welt, in der es keine staatliche Zensur mehr gibt.

Nichts ist zum Aufbau einer solchen Zensur geeigneter als eine Gruppe von Menschen, die etwas verbreitet, was allgemein Abscheu erregt. Pornographie, in der die Vergewaltigung von Kindern darstellt wird, ist so etwas.

Und daher sollte man keinesfalls vergessen, dass die andere Gefahr eine sehr viel größere ist – eine totalitäre Gesellschaft, in der der Staat kontrolliert, was gesagt und gedacht werden darf, und in der der Staat dies auf die brutalste Art und Weise durchsetzt, und auch durchsetzen kann, weil jeder, der die Wahrheit über die staatlichen Verbrechen verbreiten will, in ein KZ wandert. Eine Gesellschaft, in der die Sadisten nicht heimlich Vergewaltigungsvideos anschauen, sondern ganz legal, als KZ-Aufseher, ihre sadistischsten Triebe an allen ausleben können, die gerade als Untermenschen oder Volksfeinde gelten.

Die Etablierung von Zensur ist immer und überall auf der Welt eines der ersten und wichtigsten Mittel gewesen, um Unrechtssysteme zu errichten und zu festigen. Und damit ist der Kampf gegen Zensur, gegen jegliche Zensur, das wohl wichtigste und sicherste Mittel zur Verhinderung einer solchen Diktatur.

Und dazu gehört es, die Zensur auch dort zu bekämpfen, wo die verbreiteten Ideen und Darstellungen uns selbst zutiefst verletzen.

Und dies nicht nur in der Politik, sondern überall. Denn einmal, auf einem Gebiet technisch etabliert, kann und wird die Zensur ausgeweitet werden. Verfassungen und Grundgesetze sind zur Verteidigung dagegen zwar nett gemeint, aber kaum wirksam, da es letzten Endes nur staatliche Gerichte sind, die beurteilen, ob die Zensurgesetze verfassungskonform sind.

Der weitaus sicherere Schutz ist ein Netz, für welches man nur ein Grundrecht verteidigen muss – das Recht auf den Schutz seiner Privatsphäre durch starke Verschlüsselung: My truecrypt-container is my castle.

Aber wenn wir diesen neuen zentralen Teil unserer Privatsphäre vor dem Großen Bruder verteidigen, für alle, dann verteidigen wir damit zwangsläufig auch die Freiheit eines jeden Menschen, dort, neben Ideen, die wir für gefährlich halten, auch pornographische Darstellungen zu sammeln, die wir widerlich finden.

Was bleibt

Gerade auch wir Boylover sollten uns nicht dazu verlocken lassen, uns gegen eine andere Minderheit aufhetzen zu lassen.

Einerseits sollte uns dies ja leichter fallen als anderen – wir haben schließlich schon am eigenen Leib gespürt, wie unrecht Mehrheiten haben können.

Und doch, die Verlockung ist groß, auf der Seite der Guten, der moralisch Anständigen, der Mehrheit zu stehen. Und dem Gefühl der Abscheu nachzugeben, das uns befällt, wenn wir mit Bildern von Vergewaltigungen konfrontiert werden.

Aber es ist genau dieser gute Vorsatz, mit dem der Weg in die totalitäre Hölle des alles kontrollierenden Staates gepflastert ist.

Wir sollten sehr vorsichtig sein, dass unsere Gefühle nicht missbraucht werden für eine Menschenjagd auf irgendwelche anderen Minderheiten.