Boylove und Anarchie

Eine Diskussion auf freiwilligfrei.de

Ich habe auf freiwilligfrei.de eine Diskussion zum Thema Pädophilie gestartet. Sie wurde inzwischen gelöscht.

Sicherlich nichts besonderes, auch nichts unerwartetes. Es ist klar, die Leute, die sich dort versammeln, haben nichts oder nicht allzu viel mit dem Thema zu tun, und es ist völlig normal, dass man in solch einem Fall aufgrund der jahrzehntelangen Hetze voll von Vorurteilen ist, die man nicht so schnell ausräumen kann.

Und es ist auch klar, dass eine solche Diskussion den Betreibern Bauchschmerzen bereitet. Denn neben ihren eigenen Vorurteilen haben sie ja auch, rein pragmatisch gesehen, mit der Gefahr der Anschuldigung gegen ihr Forum, „Pädophilen eine Plattform zu geben“, zu tun.

Ich habe mich daher von dort verabschiedet und die an einer Fortsetzung interessierten eingeladen, die Diskussion hier fortzusetzen. Der Verweis auf diese Seite, und damit verbunden auch mein explizites Outing, waren dann wohl doch zuviel, so dass der ganze Thread inzwischen gelöscht wurde.

Wie auch immer, bei der Verabschiedung hatte ich versprochen, hier noch inhaltliche Antworten auf die letzten Postings dort zu geben. Was ich hiermit tue:

Ein Kind ist nicht vollständig entwickelt. Je jünger es ist, desto weniger ist es „fertig“. Das betrifft sowohl den Körper, als auch den Geist. Die ersten Jahre sind für Kinder prägend. Das, was sie in dieser Zeit erleben, beeinflußt sie für ihr ganzes weiteres Leben. Schlägt man sie, verändert sich ihr Gehirn und sie haben später größere Probleme, sich sozial zu verhalten. Andere Schlechtigkeiten, wie Anschreien und Liebesentzug haben ähnliche Wirkung.
Wir kreisen in dieser Diskussion um die Definition von Gewalt.
Ist es Gewalt, ein Kind in seiner Prägephase sexuell zu was auch immer, ohne dass das Kind begreift, was in Wirklichkeit vorgeht.

Ich denke, man sollte Gewalt ganz klar und eindeutig definieren als etwas, was gegen den erklärten Willen des Kindes geschieht.

Diese Definition sollte man klar von der moralischen Frage trennen, wann Gewalt gerechtfertigt ist.

Also, Notwehr und Nothilfe sind Gewalt, allerdings legitime Gewalt.

Und manchmal kann Gewalt auch moralische Pflicht sein. Dies betrifft insbesondere Nothilfe. Aber eben auch den Schutz von Kindern vor objektiven Gefahren, die sie nicht erkennen. Also ein Kind festzuhalten, dass, dem Ball folgend, ins Auto rennt. Oder auch ihm harte Drogen wegzunehmen.

Den Begriff „Gewalt“ auf einvernehmliche, vom Kind gewollte Handlungen auszudehnen lehne ich als Orwell-artige Sprachmanipulation ab. Man kann inhaltlich Sex mit Kindern moralisch verurteilen, auch ohne die Sprache solcherart zu manipulieren.

Die Sprache auf diese Art reinzuhalten ist auch sehr wichtig für die Frage der Verhältnismäßigkeit der Reaktion. Ungerechtfertigte Gewalt gegen Kinder ist noch verwerflicher als gegen Erwachsene, und legitimiert scharfe Reaktionen. Die Sprachmanipulation verfrachtet Pädophile sofort in diese Kategorie, und legitimiert damit auch diese scharfen Reaktionen. Verurteilt man gewaltfreie sexuelle Beziehungen hingegen moralisch, steht die Frage nach der legitimen Reaktion neu. Ist es zu verurteilen als Manipulation? Das wäre zu diskutieren. Aber wenn es als Manipulation verurteilt wird, sind wir immerhin nicht mehr Vergewaltiger. Und es darf die Frage gestellt werden, warum wir so viel härter bestraft werden als sonstige Manipulatoren.

Ansonsten: Alles was wir tun beeinflusst die Kinder, und bei allem was wir tun, kann man argumentieren, dass die Kinder nicht beurteilen können, auf welche Weise wir dies tun. Die Tatsache der Beeinflussung allein, und der Unfähigkeit der Kinder, dies zu beurteilen, allein, ist somit nicht ausreichend für eine moralische Verurteilung.

Ist es aus biologischer und evolutionärer Sichtweise „normal“, pädophil oder schwul zu sein? Ich würde das in beiden Fällen verneinen. Schwulsein ist gesellschaftlich sicherlich „normal“ und akzeptiert, weil es Handlungen beinhaltet, die von zwei „gleichwertigen“ Erwachsenen ausgeübt werden, deren Prägephasen längst abgeschlossen sind. Hier herrscht keine Gewalt.

Bei sexuellen Handlungen mit Kindern sehe ich das völlig anders. Selbst das, was Du als „harmlos“ betrachtest, ist für mich Gewalt, da das Kind dadurch in einer Weise geprägt wird, was es weder einschätzen, noch wollen kann.
Das Problem, dass ich mit Pädophilie habe, ist kein wissenschaftliches, sondern ein moralisches.
Ist es unethisch oder gar unmoralisch, ein Kind in seiner Prägephase, zur eigenen Befriedigung zu manipulieren und auch in seiner späteren Entwicklung zu verändern. Ich bin davon überzeugt, dass es unmoralisch und ein gewaltsamer Akt ist.

Also Prägung durch gemeinsames, einvernehmliches Handeln ist in keinem Fall Gewalt. Dies ist völlig unabhängig von der moralischen Bewertung einer solchen Prägung. Es ist einfach Folge der Bedeutung des Wortes „Gewalt“ in der deutschen Sprache.

Manipulation zur eigenen Befriedigung ist, in einer engen Bedeutung, unethisch und unmoralisch. Es gibt allerdings auch weite Bedeutungen, nach der jede menschliche Sprachhandlung Manipulation ist (sie versucht ja, den Angesprochenen irgendwie zu beeinflussen) und in der jedes Handeln der eigenen Befriedigung dient (auch ethisches Handeln erhöht das Selbswertgefühl und verbessert das Selbstbild). Und hier gibt es, wenn man von der Gefahr des Missbrauchs solcher Bedeutungsverschiebungen absieht, auch ein reales Abgrenzungsproblem. Wo ist die Grenze zwischen fairer Argumentation und Manipulation?

Mein Vorschlag hier wäre, verurteilenswerte Formen der Manipulation unabhängig vom sexuellen Kontext herauszuarbeiten, und dies dann auf den sexuellen Kontext anzuwenden.

Verurteilenswert ist beispielsweise die Verheimlichung von wichtigen Informationen, das Ausnutzen von Unwissenheit und Unfähigkeit, etwas genau genug zu durchdenken. Dann gibt es Techniken der Überredung, beispielsweise Wir-Botschaften im Vergleich zu Ich-Botschaften („das wollen wir doch nicht, oder?“ statt „ich will das nicht. Was denkst du darüber?“)

Ähnlich kann man auch den Eigennutz abzugrenzen. Sicher, alles was wir erreichen wollen, ist im abstrakten Sinn unser Eigennutz. Daher würde ich vorschlagen, hier einen anderen Aspekt zu betrachten: Den Nachteil des Anderen. Eigennutz in diesem engen Sinn liegt vor, wenn das, was ich versuche zu erreichen, zum Nachteil des anderen ist. Wenn ich beispielsweise um den Preis feilsche, ist dies gegeben (und natürlich auch legitim). Versuche ich hingegen jemandem vom wahren Glauben zu überzeugen, um seine Seele zu retten, ist dies kein Eigennutz im engeren Sinn, obwohl ich natürlich auch was davon habe – Erfolg meiner Mission in diesem Leben und vermutlich noch Belohnungen danach.

Wendet man dieses Kriterium auf sexuelle Beziehungen an, können sie eigennützig sein, sind es aber in der Regel nicht. Man geht ja davon aus, dass auch der Partner Befriedigung erhält. Und die Befriedigung des Partners erhöht sogar noch die eigene Lust.

Antworten auf weitere Beiträge dort finden sich in den Kommentaren.

Kleiner Hinweis

Auf libertarian.blogsport.de/eine-geschaeftsidee wurde eine Geschäftidee vorgestellt, die wegen ihrer politischen Auswirkungen für Libertäre besonders interessant sein könnte.

Der Grund dafür, dass die Idee für Libertäre interessant ist, ist einfach der, dass die Idee für alle interessant ist, die kluge Minderheitsideen vertreten.

Eine kluge Minderheitsidee ist eine, die vielleicht insgesamt nur von 5% der Bevölkerung unterstützt wird, unter der dümmeren Hälfte jedoch nur von 1%, unter der klügeren Hälfte hingegen von 9%.

Libertäre Ideen sind dafür sicherlich ein gutes Beispiel.

Aber wie ist das mit Boylove?

Dafür, dass die Boylover selbst dümmer oder klüger als die Durchschnittsbevölkerung wären sehe ich keine Hinweise. Aber, was das Verhältnis zur Anti-Pädo-Hysterie angeht, sieht das schon deutlich anders aus.

In meinem Bekanntenkreis ist die Korrelation zwischen Klugheit und Ablehnung der Hysterie jedenfalls deutlich und erheblich. Am deutlichsten war die Korrelation zwischen Dummheit und Pädohass jedoch im Knast: Es gab eine sehr kleine Gruppe Intellektueller, in der das Verhältnis am unproblematischsten war, dann Vietnamesische Zigarettenhändler – also Leute, die nicht wegen ihrer kriminellen Natur, sondern wegen zivilisierten aber illegalen Handelns einsaßen – die freundlich zu mir waren, im Gegensatz zum Rest der dortigen Menschheit, bei dem sich die besonders aktiven Hasser noch durch besondere Primitivität auszeichneten. Aber auch außerhalb des Knastes: Die weitere Verwandschaft (Durchschnitt) will nichts mit mir zu tun haben, die eigene Bekanntschaft und die meiner (geschiedenen) Frau – Hochschulabschluss ist weit verbreitet – sieht mich deutlich positiver.

Und die Geschäftsidee ist einfach, Kluge und Dumme getrennt zu befragen. Wenn man liest, nur 5% sind gegen was auch immer, ist man natürlich dafür. Liest man hingegen, nur 1% der Dummen, aber 10% der Klugen sind dagegen, sieht das schon anders aus – man möchte schließlich lieber zu den Klugen gehören. Und Journalisten wie Politiker werden ähnlich reagieren – heute heulen sie mit der Mehrheit, aber werden sie auch die Meinung der Dummen verteidigen wollen?

Also, wenn die Geschäftsidee funktioniert, dürften wir Boylover davon profitieren.

Versuchen wir es doch einfach mal. Entweder jemand macht es selbst. Oder, wie ich hier, einfach die Idee weiterverbreiten. Wenn sie gut ist, und ich denke das ist sie, wird sie schon jemand realisieren. Und je früher das passiert, desto besser.

Und beim Weiterverbreiten müsst ihr ja nicht sagen, dass ihr die Idee hier gefunden habt.

Haben Boylover in einer libertären Gesellschaft eine Chance?

Ist es eine gute Idee für Boylover, libertär zu sein, sich für eine staatsfreie Gesellschaft einzusetzen? Kommt man da nicht aus dem Regen in die Traufe? Ist nicht der Rechtsstaat, der uns zwar in den Knast steckt, aber immerhin am Leben lässt, und uns letztendlich immerhin vor dem Lynchmob schützt, nicht das kleinere Übel?

Sicherlich, theoretisch kann man nicht völlig ausschließen, dass es ohne Staat noch schlimmer werden könnte. Nur, ich denke, man unterschätzt dabei das Interesse des heutigen Staates an dieser Hysterie. Krieg macht den Staat stark. Krieg ist jedoch, im Zeitalter von Atomwaffen, zu gefährlich geworden. Und so benutzt man heute etwas anderes dazu, um dem Staat zu stärken. Alles was man dazu braucht, sind Gefahren und vor allem Feinde. Der Jude hat inzwischen Atomwaffen, also den besser nicht noch mal, aber der Pädophile hat ja noch keine.

Und etwas anderes ist wichtig: Der Staat braucht Einheit. Ein einheitliches Recht für alle. Und das legen Politiker fest. Politiker, die sich als Retter der Nation verkaufen. Und damit auch zum Retten vor allen Gefahren verpflichtet sind. Wo immer ein Problem auftaucht, muss der Staat was tun. Was tun. Also Gesetze verschärfen und so weiter. Als Folge wird die Hysterie noch weiter verschärft.

Wie sieht dies in der Anarchie aus? Hier kümmert man sich eher um die eigenen Angelegenheiten. Es gibt keine Politiker, die irgendwelche Probleme lösen oder lösen zu können behaupten, weil es keine Politiker gibt. Es gibt einen lokalen bewaffneten Selbstschutz. Den könnte man beauftragen, das Problem zu lösen. Aber der möchte, wenn wir mal die kapitalistische Variante annehmen, dafür zusätzlich bezahlt werden. Was genau er in der kommunistischen Variante dafür kriegt, ist weniger klar, aber egal: Wie auch immer, das Problem wird lokal betrachtet, und es gibt lokal konkrete Leute, die unter einem zusätzlichem Aufwand zu leiden hätten, entweder weil sie zusätzliche Arbeit ohne Belohnung zu leisten haben oder weil sie die Belohnung zahlen müssten. Und da wird auf jeden Fall die Frage entstehen, ob sich dieser Aufwand lohnt. Was, im Fall einer Hysterie, ja nun gerade nicht der Fall ist.

Man mag vielleicht nichts dagegen haben, wenn der Dorfbulle sich ein paar Kinderpornos runterläd und sich dann in der Dorfkneipe über den Sittenverfall aufregt. Nur, bevor ihm jemand dafür was zahlt, wird eher der Verdacht diskutiert, dass er die Bildchen wohl doch eher geil findet und seine Aufregung künstlich ist.

Der Unterschied zum heutigen Staat, wo der Steuerzahler für die zusätzliche Arbeit von Polizei, Gerichten und Knästen zahlen muss, ist halt der, dass der Steuerzahler nicht gefragt wird, nicht einfach nein sagen kann. Der Politiker sieht die Gefahr, dagegen zu protestieren traut man sich nicht, weil man sich sonst selbst verdächtig macht, und zahlen muss man. In der Anarchie traut man sich vielleicht auch nicht, den Mund aufzumachen, aber zahlen muss man eben nicht. Einer anarchokapitalistischen Schutzfirma zahlt man für das, was man selbst als Schutz wünscht. Und das war es dann auch. Schutz vor Vergewaltigern – ok, das möchte man. Aber vor Pädophilen? Ist doch Blödsinn – dem Knaben kann man schließlich auch selbst sagen, dass man sowas eben nicht macht, und gut ist. Und wenn er es dann doch macht, naja, davon bricht die Welt nicht zusammen.

Sind das jetzt nur meine Wunschträume? Ich denke nicht. Die Tatsache, dass man für Sicherheitsdienstleistungen selbst zahlt, ist ein sehr guter rationaler Grund für die Hoffnung, dass in solch einer Gesellschaft kaum noch opferlose Delikte verfolgt werden. Für den Schutz vor Verbrechen mit Opfern zahlen die potentiellen Opfer. Für den „Schutz“ vor opferlosen „Verbrechen“ hingegen – wer sollte dafür zahlen? Und Boylove ist nunmal ein Delikt ohne Opfer. Oder eins, vor dem die angeblichen „Opfer“ keinesfalls geschützt werden wollen.

Zusammengefasst: Der Hauptgrund für die Pädohysterie – die Stärkung des Staates – entfällt, die Quelle der Finanzierung ebenso. Gute Chancen für uns.