Anarchismus

Warum eine freie Gesellschaft bessere Menschen hervorbringt

Die Kommunisten denken, dass sie einen neuen Menschen brauchen, um damit eine bessere Gesellschaft aufbauen zu können. Die Staatskommunisten wollen sie dazu zwingen, so zu werden, in einer Diktatur des Proletariats. Wie die Anarchokommunisten den neuen Menschen erziehen wollen, ist mir nicht klar. Einig sind sie sich darüber, dass der Kapitalismus egoistische, rücksichtslose, selbstsüchtige Menschen erzeugt.

David D. Friedmann verdanke ich ein gutes Argument, dass es andersrum ist. Eine freie Gesellschaft erzeugt bessere Menschen.

Was ist die Idee des Arguments? In einer freien Gesellschaft bin ich frei, zu entscheiden, mit wem ich zusammen leben oder arbeiten oder mich vergnügen will. Und natürlich bevorzuge ich dabei nettere, auskömmlichere, hilfsbereitere, kurz, bessere Menschen als Partner.

Andererseits hängt man in der freien Gesellschaft stärker von freiwilliger Kooperation anderer ab als in einer Zwangsgesellschaft. Diese bekommt man aber halt nur, wenn man sich anständig verhält. Anständiges Verhalten wird also in einer freien Gesellschaft belohnt.

In einer unfreien nicht. Als Soldat werde ich mit den Soldaten zusammenarbeiten müssen, mit denen ich laut Befehl zusammenzuarbeiten habe. Das können erhebliche Arschlöcher sein. Und Arschloch zu sein kann sich dabei lohnen. Man kann andere fertigmachen und selbst aufsteigen. Wenn hingegen ein Arschloch mich fertigmacht, kann ich trotzdem nicht kündigen.

Ähnliche Probleme haben andere Zwangsgemeinschaften, heute insbesondere Schulen. Man wird einer Schule und Klasse zugeteilt und muss mit den Arschlöchern dort irgendwie auskommen. Arschloch zu sein lohnt sich: Man kann andere abzocken, Schläger werden von anderen Schülern notgedrungen respektiert.

Die heutige Gesellschaft strengt sich also besonders an, Arschlöcher großzuziehen: Man lässt sie in Verhältnissen aufwachsen, in denen es sich lohnt, Arschloch zu sein. Erst Schule, dann Wehrdienst. Erst die ausgewachsenen Arschlöcher werden in die (heute leider nur etwas größere) Freiheit entlassen, wo sie umlernen müssen, sich kooperativ zu verhalten, wenn sie sich nicht isolieren wollen.

Die Libertären hingegen brauchen sich keine Sorgen zu machen – die Moral der Leute wird in einer libertären Gesellschaft steigen, nicht sinken. Die Arschlöcher verarmen von alleine, einfach weil keiner was mit ihnen zu tun haben will. Aber vielleicht merken sie es ja rechtzeitig und bessern sich. Um aufzusteigen, bräuchten sie Bürokratien, wo man nach oben buckelt und nach unten treten kann. Die gibt es in einer libertären Gesellschaft weniger als heute: Staatliche Bürokratien entfallen schon mal, und die Firmen dürften deutlich kleiner werden. Warum, dass ist allerdings eine andere Frage, die ich ein andermal behandeln werde.

Haben Boylover in einer libertären Gesellschaft eine Chance?

Ist es eine gute Idee für Boylover, libertär zu sein, sich für eine staatsfreie Gesellschaft einzusetzen? Kommt man da nicht aus dem Regen in die Traufe? Ist nicht der Rechtsstaat, der uns zwar in den Knast steckt, aber immerhin am Leben lässt, und uns letztendlich immerhin vor dem Lynchmob schützt, nicht das kleinere Übel?

Sicherlich, theoretisch kann man nicht völlig ausschließen, dass es ohne Staat noch schlimmer werden könnte. Nur, ich denke, man unterschätzt dabei das Interesse des heutigen Staates an dieser Hysterie. Krieg macht den Staat stark. Krieg ist jedoch, im Zeitalter von Atomwaffen, zu gefährlich geworden. Und so benutzt man heute etwas anderes dazu, um dem Staat zu stärken. Alles was man dazu braucht, sind Gefahren und vor allem Feinde. Der Jude hat inzwischen Atomwaffen, also den besser nicht noch mal, aber der Pädophile hat ja noch keine.

Und etwas anderes ist wichtig: Der Staat braucht Einheit. Ein einheitliches Recht für alle. Und das legen Politiker fest. Politiker, die sich als Retter der Nation verkaufen. Und damit auch zum Retten vor allen Gefahren verpflichtet sind. Wo immer ein Problem auftaucht, muss der Staat was tun. Was tun. Also Gesetze verschärfen und so weiter. Als Folge wird die Hysterie noch weiter verschärft.

Wie sieht dies in der Anarchie aus? Hier kümmert man sich eher um die eigenen Angelegenheiten. Es gibt keine Politiker, die irgendwelche Probleme lösen oder lösen zu können behaupten, weil es keine Politiker gibt. Es gibt einen lokalen bewaffneten Selbstschutz. Den könnte man beauftragen, das Problem zu lösen. Aber der möchte, wenn wir mal die kapitalistische Variante annehmen, dafür zusätzlich bezahlt werden. Was genau er in der kommunistischen Variante dafür kriegt, ist weniger klar, aber egal: Wie auch immer, das Problem wird lokal betrachtet, und es gibt lokal konkrete Leute, die unter einem zusätzlichem Aufwand zu leiden hätten, entweder weil sie zusätzliche Arbeit ohne Belohnung zu leisten haben oder weil sie die Belohnung zahlen müssten. Und da wird auf jeden Fall die Frage entstehen, ob sich dieser Aufwand lohnt. Was, im Fall einer Hysterie, ja nun gerade nicht der Fall ist.

Man mag vielleicht nichts dagegen haben, wenn der Dorfbulle sich ein paar Kinderpornos runterläd und sich dann in der Dorfkneipe über den Sittenverfall aufregt. Nur, bevor ihm jemand dafür was zahlt, wird eher der Verdacht diskutiert, dass er die Bildchen wohl doch eher geil findet und seine Aufregung künstlich ist.

Der Unterschied zum heutigen Staat, wo der Steuerzahler für die zusätzliche Arbeit von Polizei, Gerichten und Knästen zahlen muss, ist halt der, dass der Steuerzahler nicht gefragt wird, nicht einfach nein sagen kann. Der Politiker sieht die Gefahr, dagegen zu protestieren traut man sich nicht, weil man sich sonst selbst verdächtig macht, und zahlen muss man. In der Anarchie traut man sich vielleicht auch nicht, den Mund aufzumachen, aber zahlen muss man eben nicht. Einer anarchokapitalistischen Schutzfirma zahlt man für das, was man selbst als Schutz wünscht. Und das war es dann auch. Schutz vor Vergewaltigern – ok, das möchte man. Aber vor Pädophilen? Ist doch Blödsinn – dem Knaben kann man schließlich auch selbst sagen, dass man sowas eben nicht macht, und gut ist. Und wenn er es dann doch macht, naja, davon bricht die Welt nicht zusammen.

Sind das jetzt nur meine Wunschträume? Ich denke nicht. Die Tatsache, dass man für Sicherheitsdienstleistungen selbst zahlt, ist ein sehr guter rationaler Grund für die Hoffnung, dass in solch einer Gesellschaft kaum noch opferlose Delikte verfolgt werden. Für den Schutz vor Verbrechen mit Opfern zahlen die potentiellen Opfer. Für den „Schutz“ vor opferlosen „Verbrechen“ hingegen – wer sollte dafür zahlen? Und Boylove ist nunmal ein Delikt ohne Opfer. Oder eins, vor dem die angeblichen „Opfer“ keinesfalls geschützt werden wollen.

Zusammengefasst: Der Hauptgrund für die Pädohysterie – die Stärkung des Staates – entfällt, die Quelle der Finanzierung ebenso. Gute Chancen für uns.

Stazi – mein Vorschlag für ein Schimpfwort für Staatsgläubige

Bezeichnungen sind oft verdammt wichtig, und es gibt oft genug eine Menge Streit darüber. Mir fehlt beispielsweise ein gutes, griffiges Schimpfwort für alle Staatsgläubigen, Etatisten, Staatsanhänger. Und da habe ich nun eine Idee, einen Vorschlag dazu: Stazi.

Das ist kurz, griffig, verständlich, und liefert die richtigen Assoziationen: Da ist einmal die Assoziation Nazi, andererseits aber auch Sozi. Dann ist das Wort „Staat“ darin klar genug erkennbar, man versteht also schnell was gemeint ist – jemand, der, so wie der Nazi den Nationalismus und der Sozi den Sozialismus eben die Ideologie der Staatsgläubigkeit vertritt.

Die Assoziation mit der Stasi ist mir auch nicht unwillkommen.

Als Wissenschaftler habe ich zwar keinerlei Probleme mit langen aber dafür genauen Bezeichnungen, aber mir ist auch klar, dass solche Bezeichnungen kaum die Massen ergreifen.

Die interessantere Streitfrage dürfte allerdings sein, unter welcher Bezeichnung man denn nun die Anti-Stazis zusammenfasst. Eigentlich sollte es ja einfach sein: einfach nur Anarchisten. Als zusammenfassende Bezeichnung, die alle einschließt, von den Anarcho-Kommunisten bis zu den Anarcho-Kapitalisten.

Leider erheben die kommunistisch/sozialistisch orientierten Anarchisten hier einen meiner Meinung nach schädlichen Alleinvertretungsanspruch. Schädlich, weil die Fronten da stehen, wo sie meiner Meinung nach gar nicht hingehören: Links gegen Rechts, Anarcho-Sozis vereint mit Staats-Sozis auf der einen Seite gegen Anarcho-Kapitalisten vereint mit liberalen und minarchistischen Stazis auf der anderen. Sicher, da gibt es auch unterschiedliche Meinungen, die man ausdiskutieren sollte. Und zwischen den verschiedenen Varianten der Stazis sind dies nicht nur Meinungsverschiedenheiten sondern zentrale Machtfragen.

Aber ich sehe eine ganz andere politische Unterscheidungslinie als viel wichtiger an: Die zwischen allen Stazis und allen Anarchisten. Die Stazis wollen einen Staat, also eine Organisation mit Sonderrechten für sich selbst, legalen Monopolen, eine Organisation, deren wichtigste Aufgabe es ist, etwas zu tun, was sie selbst als Verbrechen bezeichnet, wenn andere es auch tun, eine Organisation, die prinzipiell gegen die grundlegendste ethische Regel, die Goldene Regel, verstößt. Und die Anarchisten wollen das nicht.

Und wenn sie das wirklich nicht wollen (also nicht nur behaupten), dann müssen sie natürlich auch akzeptieren, dass sie zwar ihren eigenen Vorschlag, wie man zusammenleben sollte, ob nun sozialistisch, kommunistisch oder kapitalistisch, für besser halten kann als den der anderen Anarchisten, aber deshalb den anderen nicht aufzwingen darf.

Und deshalb stören mich Anarchisten mit anderen Vorstellungen, wie man zusammenleben sollte, nicht. Wenn sie es ernst meinen, werden sie mich in Ruhe mein Ding machen lassen, wenn wir gemeinsam den Staat besiegt haben. Und ich werde sie in Ruhe lassen. Selbst wenn Nachbarschaftskonflikte sich als unlösbar herausstellen sollten, trennt man sich eben räumlich etwas auf. Hauptsache da ist kein Staat mehr, der mir überall Vorschriften macht wie ich leben soll.

Also, Leute: Die Frage, wie wir ohne Staat leben, ist es wert, diskutiert zu werden, dies ist sogar notwendig. Aber es gibt einen Grundkonsens – gegen den Staat – dieser Grundkonsens ist genügend klar und unstrittig definiert – der Staat als eine Organisation mit legalen Monopolrechten, insbesondere Gewaltmonopol – und dieser Grundkonsens scheint mir wichtiger als die Unterschiede zwischen uns, und im aktuellen politischen Kampf gegen die Stazis sollten die Anarchisten aller Schattierungen einfach mal zusammenhalten.