Was der AfD Sieg für Pädos bedeutet

Auf ersten Blick bedeutet das gar nichts. Alle Parteien sind Anti-Pädo, und die AfD unterscheidet sich in dieser Hinsicht überhaupt nicht vom Rest. Wenn überhaupt, könnte man befürchten, dass sie eher noch schlimmer ist. Schließlich sind die Nazis, mit ihrer „Todesstrafe für Kinderschänder“ Propaganda, ja schlimmer, und angeblich sind die AfD ja Rechte, also irgendsowas in deren Nähe, da könnte man also sogar schlimmeres befürchten. Also, wenn überhaupt, dass ist das alles eher negativ?

Ich sehe das anders. Klar halten die 24% aus Sachsen-Anhalt, die AfD gewählt haben, mit Ausnahme einiger Pädophiler unter ihnen überhaupt nichts von Pädos. Aber trotzdem teilen sie nun etwas mit uns, womit wir vor 20 Jahren noch völlig allein waren. Und das ist die Verachtung für die Lügenpresse.

Für mich gibt es einen Augenblick, ab dem für mich die gesamte deutsche Presse zur Lügenpresse wurde. Dieser Moment war die Dutroux-Hysterie.

Bis dahin war eigentlich alles bestens. Ich kam aus einem Land, der DDR, die unzweifelhaft eine Lügenpresse hatte, der aber sowieso keiner geglaubt hat, und die daher relativ unschädlich war. Was ich dann im Westen erlebte, war Pressefreiheit, und das ohne alle Anführungszeichen. Ja, pädophiler Sex war illegal. Aber, was für mich als Ossi erstmal schockierend, unvorstellbar, war, es gab Zeitschriften von und für Pädophile, Zeitschriften die die Abschaffung dieses Verbots forderten. Es gab Buchläden mit Literatur über Pädophilie, und dies nicht, wie heute, nur mit Horrorsories über Kindesmissbrauch, sondern auch solche, in denen Pädophilie positiv dargestellt wurde. Ja, all dies war nicht die Mainstreampresse. Aber erstens war all das überhaupt da, und zweitens war das, was die Mainstreampresse brachte, auch nicht 100% negativ wie heute. Nachrichten über die Missbrauchshysterie, die in den USA damals schon wütete, las man hier wie irgendwelche Berichte über Menschenfresser in Afrika oder so, als aus einer anderen Welt kommend, etwas, was im zivilisierten Europa unmöglich ist.

Und dann kam Dutroux. Und kurz darauf lernten wir das kennen, was man Lügenpresse nennt. Also nicht eine Presse, die über irgendein Thema berichtet, wo verschiedene Zeitungen verschiedene Standpunkte vertreten, sondern wo alle Zeitungen, alle Fernsehsender denselben Standpunkt vertraten, wo es keine Chance mehr gab, eine Gegenmeinung noch zu vertreten. Eine Zeit, in der über jeden Sexualmord an einem Kind landesweit so intensiv berichtet wurde, dass man die Namen aller Opfer und aller Täter auswendig wusste. Und eben auch die Zeit, in der wir Pädophilen lernten, dass das mit der Pressefreiheit eine Lüge ist, dass die Presse im Westen genau so eine Lügenpresse ist wie es die DDR-Presse war. Nur dass sie noch gemeiner und brutaler war, weil sie die Leute gegen uns aufhetzte, und viel gefährlicher, weil alle anderen ihr glaubten.

Das ist nun schon über 20 Jahre her. Wir leben hier, seit 20 Jahren, mit dieser Lügenpresse. Wir wissen, die ganze Zeit schon, dass das alles Lügen sind, aber war nützt uns das? Die pädophilen Zeitschriften gibt es schon lange nicht mehr. Die Bücher gibt es noch – im Darknet zum Herunterladen, aber schon lange nicht mehr in Buchhandlungen. Und die anderen, die Heten und Schwulen? Die glaubten all diese Lügen. Für sie bestand immer noch Pressefreiheit, sie schätzten weiterhin die Qualitätspresse, dass die gesamte Presse in der Pädofrage einer Meinung war, wird ja wohl daran liegen, dass kein normaler Mensch an dieses Einheitsmeinung zweifelt, genau wie man nun einmal nicht daran zweifelt, dass die Erde rund ist und sich um die Sonne dreht.

Aber dies ist etwas, was sich inzwischen geändert hat. Heute sind es nicht mehr nur die Pädophilen, die erkannt haben, dass sie einer Lügenpresse gegenüberstehen. Mit 9/11, wo die offizielle Version sowas von unglaubhaft war, aber trotzdem von allen Medien konsistent verteidigt wurde, samt der entsprechenden Verleumdung all derer, die an ihr zweifelten, als Verschwörungstheoretiker, gab es schon einmal ein zweites Thema.

Und dann nahm etwas, was eigentlich früher nur ein Randthema war, größere Ausmaße an. Bei der Propaganda gegen rechts die Nazikeule hervorzuholen war ja nun überhaupt nichts Neues. Karl Eduard von Schnitzler benutzte sie ständig. Der war aber nun seit der Wende weg vom Bildschirm – eigentlich, sollte man denken, spielt sie keine Rolle mehr, und, vor allem, es gibt doch eigentlich genug rechte Presse, sowas wie FAZ oder BILD oder was so die klassischen linken Feindblätter waren. Diese Vermutung erwies sich jedoch als falsch. Langsam aber sicher wurde die gesamte Presse immer linker, die eigentlich mal rechten Parteien, CDU wie CSU, bewegten sich auch, insbesondere die CDU unter Merkel, immer weiter nach links, und das zusammen mit den Zeitungen, die sie unterstützten. Die Tradition, alles was sich rechts von CDU/CSU befand, mit der Nazikeule niederzuschlagen, blieb jedoch bestehen.

Nur dass es mit der Zeit immer mehr wurden, die sich dort befanden. Klar, darunter natürlich auch wirkliche Nazis. Nur, deren Zahl nahm keineswegs zu. Was zunahm, waren Rechte, die sich von der immer weiter nach links rückenden CDU immer weniger vertreten fühlten.

Und diese langsam immer mehr werdenden Rechten sahen sich immer mehr einem gesamtnationalen „Kampf gegen rechts“ ausgesetzt, der mit genau denselben Mitteln der Lügenpresse geführt wurde: Alle Zeitungen, alle Fernsehsender waren einig im Kampf gegen rechts, keiner war mehr bereit, „Rechtsextremen“ eine „Plattform zu geben“, das heißt, sie hatten gar keine Möglichkeit mehr, in den Medien ihre Argumente auch nur vorzubringen. Und damit standen sie der Lügenpresse genauso hilflos gegenüber wie die Pädophilen schon seit langem.

Nur mit einem Unterschied: Diesmal betraf es sehr viel mehr Leute. Genug, dass sie sich irgendwann auf die Straße trauten. Genug, um eine Partei zu gründen. Genug, um mit dieser Partei in Sachsen-Anhalt 24% zur erringen.

Und die Presse hat in dieser Zeit nicht nur keinen Rückzieher gemacht, nein, sie hat in ihrer Hetze gegen die AfD Vollgas gegeben. So dass wir nicht nur aus den „Lügenpresse“-Rufen von Pegida-Demonstrationen wissen, dass die AfD-Wähler die Lügenpresse verachten – die reine Logik reicht schon aus, darauf zu schließen. Denn wäre der AfD-Wähler solch ein Nazi, Ausländerhasser, und Rassist, als den ihn die geeinte Medienfront dargestellt hat, würde er nicht AfD sondern, wenn überhaupt, NPD wählen. Und wäre er so dumm und primitiv, wie ihn die Medien darstellten, würde er dem folgen, was Zeitungen und Medien ihm einreden – also auf keinen Fall AfD wählen, die sind ja schließlich ganz böse.

Der AfD-Wähler sieht sich als, in jedem Fall, faktisch nachweisbar, als Opfer einer Medienkampagne, die ihn persönlich verunglimpft, verleumdet und beleidigt. Und die Presse, die das macht, ist für ihn nur noch eine Lügenpresse. Und damit sind sie, so seltsam das ist, plötzlich auf unserer Seite. Sie sind, genau wie wir, Opfer der Lügenpresse, und, genau wie wir, verachten sie diese Lügenpresse.

Das halte ich für wichtig, weil es eben auch eine langfristige Angelegenheit ist. Wer sich einmal auf solch eine Art, konsequent von allen Massenmedien, verleumdet sieht, vergisst so etwas nicht so schnell. Die Ablehnung der Presse als Lügenpresse ist also etwas Langfristiges. Das geht nicht einfach wieder weg. Oder wird irgendjemand von Euch irgendwann den Massenmedien wieder glauben, selbst wenn die plötzlich aufhören, über Pädophilie Lügen zu verbreiten? Also ich jedenfalls nicht. Und warum sollten die AfD-Wähler da anders drauf sein?

Die AfD-Wähler sind deswegen noch lange nicht unsere Freunde. Aber sie sind immerhin schon die Feinde unserer Feinds. Unseres Hauptfeindes wohlgemerkt, denn ohne die Lügenpresse hätten wir womöglich trotzdem weniger Erfolge erreicht als die Schwulen bei der Emanzipation, aber unsere Lage wäre sehr viel harmloser.

Und damit komme ich auf das, was wir jetzt auf jeden Fall, und ohne große Probleme, machen können: Die Lügenpresse bekämpfen. Mit 25% im Rücken kann jeder von uns mutig genug sein, die Lügenpresse Lügenpresse zu nennen, offen, wo immer es um die Presse geht.

Dazu braucht man sich ja nicht einmal scheinbar rechts oder irgendwie pro-AfD oder so zu positionieren. Lügenpresse ist Lügenpresse einfach weil sie lügt. Nicht weil meine eigene Position dabei irgendwie verleumdet wird – Lüge ist Lüge, egal ob sie Rechte, Russen, 9/11 Zweifler oder Pädophile trifft. Auch wenn man kein Russe und kein Rechter ist, muss man ja wohl nicht warten, bis man selbst von denen verleumdet wird, oder?

Ist das wichtig? Ja, auf jeden Fall. Die 24% haben gemerkt, dass sie selbst verleumdet wurden. Sie sind daher schon einmal viel offener, zu erkennen, dass nicht nur sie, sondern auch andere verleumdet werden. Das ist der logische nächste Schritt für die AfD-Wähler – zu erkennen, dass es auch andere Opfer der Lügenpresse gibt. Und hier kann eben jeder auch ohne Pädophilie auch nur zu erwähnen andere Beispiele bringen. Die Russen. Die 9/11 Zweifler, die zu Verschwörungstheoretikern gemacht werden. Und gerade der Konflikt zwischen den Dreckkübeln, die über einer recht harmlosen rechten Partei, leicht recht von der CDU, ausgeschüttet werden, und dem Schönschreiben der ukrainischen Faschisten – die ja ganz offen Faschisten sind, ist eines der härtesten Argumente gegen die Lügenpresse überhaupt.

Und wenn die Lügenpresse ihren Einfluss verliert, von immer mehr Leuten verachtet wird, dann ist das auf jeden Fall ein Gewinn für uns. Denn es gab nirgends eine Pädohysterie ohne Lügenpresse an der fordersten Hetzfront.


3 Antworten auf „Was der AfD Sieg für Pädos bedeutet“


  1. 1 Anonym 18. März 2016 um 21:18 Uhr

    Ich teile Ihren Optimismus überhaupt nicht. Die meisten nennen die Lügenpresse nur wegen denjenigen Berichten Lügenperesse, die nicht ihrem Weltbild entsprechen. Fremdenangst und das Unbehagen angesichts abweichender Praeferenzen liegen nun mal sehr nahe beieinander – zu nahe, als dass die Verdammung von solchen unbequemen Minderheiten als analog verdrehte Wahrheit erkannt werden könnte. Sehen Sie sich doch mal an, welche Rolle diejenige Schweizer Partei bei den Strafverschärfungen gespielt hat, welche die AfD gerne als Vorbild nimmt.
    Mit freundlichen Grüssen

    Anonym

  2. 2 anonym 24. März 2016 um 22:21 Uhr

    Sensationell! Nun hat die Lügenpresse sogar meinen Kommentar verschluckt, den ich hier gepostet hatte!

  3. 3 anonym 07. April 2016 um 19:13 Uhr

    Ich teile Ihren Optimismus nicht. Angst vor Fremden und Furcht vor abweichenden Minderheiten gehen Hand in Hand. Da reicht ein gemeinsamer Feind nicht aus, um etwas Konstruktives entstehen zu lassen. Viielmehr begünstigt die populistische Abwehrkultur Gesetzesverschärfungen und härteres Durchgreifen bei Grenzfällen. Es reicht, die Rolle derjenigen Schweizer Partei, die der AfD zum Vorbild dient, bei menschenrechtsverletzenden Volkksbegehren anzusehen.
    Zudem ist die Presse eher Spiegelbild der sozialen Repräsentationen einer Gesellschaft als deren Macher. Gewiss haben die Affäre Dutroux und die Tatsache, dass durch das Internet Aktivitäten von BLs plötzlich ganz leicht ans Licht gezogen werden konnten, viel Medienecho erzeugt. Die Ablehnung der meisten Nicht-BLs war aber vorher genau so dezidiert, wenn sie denn mit Konkretem konfrontiert wurde. Und die Presse hat schon immer dämlich Skandale verbraten und unter Vorheucheln von Mitleid „Opfer“ an den Pranger gestellt, sie hat schon immer „wissenschaftliche“ Erkenntnisse blöde nachgebetet. Ihr Antrieb war schon immer der Marktanteil. Wenn denn etwas Hass und Häme verdiente, so wäre es meines Erachtens eher die Zunft der normativen Psychologen, die vorgaukeln, sie könnten mit Gehinrwäsche an unbequemen Subjekten die Gesellschaft sicherer und besser machen , und damit immer wieder neue unsägliche Statements alimentieren.
    (Dieser Kommentar ersetzt den obenstehenden.)

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