Lügenpresse – Wort des Jahres

Das Wort „Lügenpresse“ wurde von der Lügenpresse (ok, von deren Unterstützern) zum Unwort des Jahres gewählt. Was es für mich zum Wort des Jahren macht.

Es gab ja eine lange Zeit, da fühlten wir Pädos uns recht allein in dieser Situation – man weiß, dass die Presse, wann immer zu zu diesem Thema etwas schreibt, lügt. Man weiß es aus eigener Erfahrung im Umgang mit Jungs, man weiß es aus den Berichten anderer Pädos, wer es erleben musste, dass über ihn selbst in der Presse berichtet wird, weiß es direkt, dass selbst wenn er wirklich Sex mit Kindern hatte – also wirklich gegen das Gesetz verstoßen hat – es der Presse keineswegs ausreicht, sondern sie in jedem Fall noch ein paar Lügen drauf setzen muss, man weiß es, wenn man wissenschaftliche Literatur selbst gelesen hat, dass das, was die Presse als wissenschaftlich erwiesen darstellt Lüge ist – wo immer zu unserem Thema berichtet wird, ist es Lüge.

Und das Unangenehme daran ist die Unmöglichkeit, diese Lügen zu korrigieren. Das Einzige, was man tun kann, ist, so einen Blog zu schreiben.

Nur, das war halt unser Thema. Wenn sie über Briefmarkensammler schreibt, warum sollte sie lügen?

Allerdings gibt es inzwischen noch andere Gruppen, die feststellen, dass alles, wirklich alles, was die Presse zu ihrem Thema schreibt, Lügen sind. Und die dieselbe Machtlosigkeit verspüren, denselben Frust verspüren gegen diese Lügenbande, die ihre Einheitslügenmeinung überall verbreitet.

Da sind erstmal die Rechten. Die werden konsequent in eine Naziecke gestellt, auch wenn sie mit Nazis überhaupt nichts am Hut haben und die, im Gegenteil, als Linke sehen – schließlich feiern die ja auch 1. Mai und haben rote Fahnen. Ok, die haben sich mit anderen Linken, die auch 1. Mai mit roten Fahnen feiern, irgendwann in den dreißiger Jahren mal verkracht, aber das war ja wohl eher ein Krach innerhalb der Familie, und nichts, was die Nazis zu Konservativen oder so machen würde. Egal, in den Medien wird auch der konsequenteste konservative Antifaschist zum Nazi. Die ganzen Pegidas konnten jetzt in der Berichterstattung über sie diese Lügenpresse live erleben. Kein Wunder, dass sie so reagieren wie sie reagieren, und die Lügenpresse Lügenpresse nennen.

Und dann gibt es noch all die, die irgendwas mit Russland zu tun haben, und die nicht umhinkönnen, zu bemerken, wie die Lügenpresse über Russland lügt. Über Russland insgesamt, und speziell über Putin. Auch hier Penetranz, ständige Wiederholung derselben Lügen, und die faktische Gleichschaltung aller Massenmedien, mit der Unmöglichkeit, diesen Lügen innerhalb der Massenmedien zu widersprechen – nur mit dem Internet als Ausweichmöglichkeit.

Ohne Frage, man kann rechte, konservative Ideologie ablehnen, sogar mit guten Gründen, oder einiges an der russischen Politik nicht mögen, und auch gute Gründe dafür haben. Aber das sind Positionen, die offen sein müssen für eine Diskussion, in der man eben auch die gegenteilige Position verteidigen kann, in der man rechte, konservative Ideen vorstellen und verteidigen kann, oder den einen oder anderen Aspekt der russischen Politik verteidigen kann. Genau das geht aber nicht. Und diese Unmöglichkeit der Diskussion, diese Einseitigkeit der einen Position, der einzigen Position die vertreten werden darf, diese Einseitigkeit macht die Presse zur Lügenpresse.

Man komme mir nicht mit „Huch, die Nazis haben das auch gesagt“. Ja und? Das soll ein Argument zur Verteidigung einer Presse sein, die mit ihren Lügen seit einem Jahr eine offen faschistische Junta in der Ukraine feiert und unterstützt? Die fleißig „Slawa Ukraine“ mitschreit – den Gruß der ukrainischen Bandera-Faschisten, zu dem seinerzeit auch noch das Heben der Hand zum römischen Gruß gehörte?

Die Verlogenheit, mit der harmlose Konservative hier in Deutschland zu Faschisten gestempelt werden, während man offen bekennende Nazis in der Ukraine unterstützt, indem man sie als proeuropäische Demokraten darstellt, ist noch eine besondere Perversion der heutigen Lügenpresse.

Wobei man eins überlegen sollte: Propaganda erreicht irgendwann einen Punkt, wo es nicht mehr darum geht, dass sie glaubwürdig sein muss. Paradox? Nicht wirklich. Weder die Nazipropaganda im Dritten Reich noch die russische Propaganda in der Stalinzeit musste sich um Glaubwürdigkeit noch einen Kopf machen – es war klar, dass jeder, der widerspricht, ein Volksfeind ist. Die, die naiverweise zeigen, dass ihnen der Glauben fehlt, verraten sich selbst. Gibt es etwas, woran man erkennen kann, dass dieser Punkt in der Propaganda überschritten wurde, dass man sich nicht mehr um Glaubwürdigkeit kümmert, weil es darauf nicht mehr ankommt, überschritten ist?

Mir scheint dieser Punkt in der Ukrainehetze überschritten worden zu sein. Wer glaubt noch diese Schönschreiberei faschistischer Verbrechen, von Leuten, die, wenn sie über AfD oder Pegida schreiben, so tun, als wären sie Antifaschisten? Sind wir schon so weit, dass die offene, für jedermann erkennbare Verlogenheit nicht mehr stört, nicht mehr wichtig ist?


2 Antworten auf „Lügenpresse – Wort des Jahres“


  1. 1 Anonymous 11. September 2015 um 15:56 Uhr

    schade….
    hab mal sehr viel von dir gehalten, auch von deinem blog.
    hier unterstellst du allen, die nicht deiner anfechtbaren meinung sind zu lügen. hab dich mal für einen ernsthaften wissenschaftler gehalten……
    gruss raphael

  2. 2 Sascha 22. September 2015 um 17:43 Uhr

    Das hat nichts damit zu tun, dass die nicht meiner Meinung sind. Ich akzeptiere eine ganze Menge verschiedener Meinungen.

    Die Lügenpresse ist aber was anderes. Der Unterschied zur anderen Meinung ist, dass es da überhaupt nur eine „Meinung“ gibt. Wo es wirklichen ehrlichen Streit über verschiedene Standpunkte gibt, würde ich nicht von Lügenpresse sprechen, selbst wenn mein Standpunkt da nicht mal vertreten ist.

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