Kleines Interview

„Wenn ich Journalist wäre und würde Herrn Gieseking befragen, ich denke, ich würde ihm diese entscheidenden Fragen stellen:“ schrieb ein Kevin in einem Kommentar zum taz-Artikel Pädophiler Aktivismus – Neue Heimat im Internet. Nun, warum sollte man darauf nicht mal antworten? Allerdings kann ich eigentlich auch nur für mich sprechen – obwohl in natürlich eine ganze Menge Pädophiler kenne.

1. Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen einem pädophilen Erwachsenen und einem 3-, 7-, 12-jährigen Kind? Welche Rolle und welche Position nimmt der Erwachsene ein und welchen Stellenwert haben die Bedürfnisse des Kindes?

Pädophile die auf 3-jährige stehen sind selten. Und die wollen soweit ich welche kennen eher kuscheln. Sieht also einfach aus wie ein normales Verhältnis zwischen Erwachsenem und Dreijährigem, abgesehen davon dass der viel eher bereit ist, mit dem Kleinen zu spielen und zu kuscheln, als andere.

Die, die wie ich mit 7-12jährigen Kindern zu tun haben, suchen Freundschaften. Der Erwachsene ist einfach der ältere Freund. Die Bedürfnisse des Kindes haben denselben Stellenwert wie Bedürfnisse eines Freundes.

2. Wie gestaltet sich hier insbesondere eine Beziehung auf „Augenhöhe“?

Wie eine ganz normale freundschaftliche Beziehung. Eine, bei der der eine – der Erwachsene – sicher ein paar mehr finanzielle Möglichkeiten hat als der andere. Und daher auch öfter mal was spendiert oder Eintritt bezahlt. Oder, auf der Basis seines größeren Wissens, den anderen berät oder ihm hilft. Aber ansonsten so, wie es bei einer Freundschaft eben ist.

3. In wiefern verändern sich die Gefühle des Pädophilen zu diesem heranwachsenden Menschen?

Die sexuelle Attraktivität lässt irgendwann nach – aber dies passiert zu einem Zeitpunkt, bei dem bei Jungen das Interesse am anderen Geschlecht stärker wird.

4. Welche Konsequenzen hat für die Beziehung?
Oft ist die eigene Freundin für Jungen der Anlass, Schluss zu machen mit Sex. Aus der sexuellen Beziehung wird eine asexuelle Freundschaft. Ein Trennungsprozess, der dem zwischen Eltern und Kindern durchaus vergleichbar ist. Und natürlich manchmal auch wehtun kann.

5. Inwiefern sind Pädophile sich ggf. ihrer Rolle als wichtige Bezugsperson bewusst und welche Konsequenzen hat das für die Zeit, sobald das Kind erwachsen geworden ist?
Dieser Rolle sind sich viele Pädophile durchaus bewusst. Und das bringt auch viele Pädophile dazu, sich auch dann noch um ihren Freund zu kümmern, wenn der für sie nicht mehr sexuell attraktiv ist.

6. Wie sieht ein „Nein“ eines 3-, 7- und 12-jährigen Kindes aus?
Wenden Sie sich an ein solches Kind mit einer Aufforderung zu etwas, was es nicht mag: Hausaufgaben machen, Müll runterbringen, aufräumen. Sie werden es sehen. Wenn Kinder nicht unter Druck gesetzt sind, sondern jemanden als Freund betrachten und behandeln, sagen sie selbstverständlich auch was sie wollen.

Welche Konsequenzen hat es für eine pädophile Beziehung, wenn das Kind nicht sexuell interessiert ist?

Oft überhaupt keine. Wenn ein Pädophiler mehrere Freunde hat, kann ihn dies vielleicht dahingehend beeinflussen, dass er den sexuell Entgegenkommenderen vorzieht – aber auch das ist nicht so häufig, schließlich hängt es nicht so stark vom Entgegenkommen ab, in wen man verliebt ist.

Wie stellt ein Pädophiler sicher, dass ein Kind seine Bedürfnisse hierfür klar äußert und nicht nur „mitmacht“, wie einige Opfer sexueller Gewalt es schildern?
In einer Freundschaft merkt man es doch selbst dann, wenn der andere irgendwas nur mitmacht, dass er keine Lust hat. So schwer festzustellen ist das nicht. Eigentlich ist es unübersehbar. Und es nimmt einem selbst auch die Lust, denn wer hat schon Lust, mit seinem Freund was zu machen was der nicht mag?

Wer es nicht merkt, will es normalerweise nicht merken.

Ok, vielleicht schließe ich hier zu sehr von mir auf andere – aber die Jungs, die es mit mir zu tun haben, mit denen mache ich so viel sonstiges zusammen, dass sie schon daher gewohnt sind, zu sagen was sie wollen, was ihnen Spaß macht und was nicht. Und die Gewohnheit behalten sie bei Sexspielen auch bei.

7. Wie stellt ein Pädophiler sicher, dass das von ihm begehrte Kind durch ihn keine Traumatisierungen erleidet und in wie weit ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn dies doch passiert?
Die verbreitete These, dass Sex für Kinder gefährlich sei, hat mich motiviert, in dieser Frage gründlich die wissenschaftliche Literatur zu studieren. Dort fand ich keinerlei Bestätigung für irgendwelche Gefährlichkeitshypothesen – mit Ausnahme von Sekundärschäden durch die Strafverfolgung und Gesundheitsschäden durch unsichere Sexpraktiken, an denen ich sowieso nicht interessiert bin.

Sicher haben nur wenige Pädophile die Fähigkeit, wissenschaftliche Untersuchungen im Original zu studieren. Trotzdem versuchen sich viele zu informieren. Und verwendet natürlich auch den eigenen gesunden Menschenverstand.

Und der sagt eigentlich jedem, dass Spiele, die von allen Beteiligten gewollt werden, niemanden traumatisieren.

8. Hätte er als Kind gerne Sex mit einem Erwachsenen gehabt?
Ich hätte gerne Sex mit anderen gehabt. Gegen Sex mit Erwachsenen hätte ich dabei auch nichts gehabt. Das, was ich mit Jungs an Sex gemacht habe, hätte ich auch als Junge von Erwachsenen genossen. Verliebt habe ich mich allerdings immer nur in Jungs – und Sex mit denen hätte ich natürlich vorgezogen.

9. Warum gibt es nahezu keine Menschen, die als Kind sexuelle Kontakte zu Pädophilen hatten und heute positiv darüber sprechen?
Erstmal können sie, ohne ihren Freund zu gefährden, erst sehr spät darüber reden, faktisch erst wenn der gestorben ist. Dann kommen sie gar nicht erst in die Medien. Schon ein nichtmal wirklich positiver Bericht von Josef Haslinger wurde nur unter Vorrede „Die­ser Text ist eine Grenz­über­schrei­tung“ überhaupt publiziert. In einem Antwortartikel gibt Amendt ihm dafür die beleidigende Ferndiagnose „Er scheint zeit­le­bens un­fä­hig, sich gegen seine Miss­brau­cher auf­zu­leh­nen. … Es fällt ihm schwer, trotz der heu­ti­gen Stär­ke als Er­wach­se­ner seine Er­fah­run­gen an­ge­mes­sen zu be­den­ken.“ Welcher normale Mensch will sich so etwas aussetzen?

10. Kennen Sie welche? Ich würde gerne einmal mit so einer Person sprechen. Besser zweien.
Ja, ich kenne welche. Einer von ihnen wurde im Artikel so erwähnt: „Im Publikum saßen auch bekennende Pädophile. Einer sagte, er fände „einvernehmlichen“ Sex zwischen Kindern und Erwachsenen immer noch okay. Man kenne den Mann, hieß es hinterher aus dem Büro des Grünen-Vorstands, wolle aber seinen Namen nicht nennen.“ Er wird hier also als pädophil dargestellt. Solch einem Verdacht ausgesetzt zu werden ist ein weiterer guter Grund für Leute mit solchen Kindheitserlebnissen, heutzutage zu schweigen.


5 Antworten auf „Kleines Interview“


  1. 1 Kevin 15. März 2014 um 8:19 Uhr

    Hallo lobov,

    vielen Dank für diese Antworten auf meine Fragen! Mir sind da in Reaktion auf die Antworten noch mehr Fragen gekommen.

    @2:
    Wie wirkt sich das auf das soziale Umfeld des Heranwachsenden aus? Hast du Kontakt zu Eltern oder anderen Altersgenossen des Heranwachsenden?

    @3:
    Kannst du versichern, dass diese Heranwachsenden eine gesunde Sexualität entwickeln?
    Wie reagieren Heranwachsende, wenn sie im Laufe der Pubertät merken, dass sie heterosexuell sind und in der Zeit vorher sexuelle Erfahrungen mit einem Mann gemacht haben?
    [Zusatz: sind die in deinem Fall eher explorativ, also der kindlichen Sexualität entsprechend oder penetrativ, also einer erwachsenen Sexualität entsprechend?]

    @4:
    Trennungsprozess zwischen Eltern und Kind? Was genau meinst du?

    @6:
    Ggf. habe ich da nicht präzise genug gefragt, daher formuliere ich die Frage nochmal anders: Wo und wie fängt ein „Nein“ konkret an?

    @7:
    Heißt das, du schließt die Möglichkeit einer Traumatisierung von Heranwachsenden durch sexuelle Erfahrungen mit Pädophilen aus? Falls Nein: Wie stellt ein Pä­do­phi­ler si­cher, dass das von ihm begehr­te Kind durch ihn keine Trau­ma­ti­sie­run­gen er­lei­det und in wie weit ist er be­reit, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, wenn dies doch pas­siert?
    Wie stehst du zu Fällen wie dem von Norbert D. vom netzerkB, der ja nicht nur von sexuellem Missbrauch spricht sondern sogar von Seelenmord?

    @9:
    Ich verstehe das Problem und finde den Antwortartikel empörend respektlos gegenüber der Gefühlswelt des Herrn Haslinger (aber typisch für autoritäre Arschlöcher).

    @10:
    Den Homosexuellen ging es damals meines Wissens ähnlich: Jeder, der sich für die zu der Zeit noch geächtete Homosexualität aussprach, der musste damit rechnen, selbst als homosexuell stigmatisiert und Opfer sexueller Denunziation zu werden. Letzten Endes haben Homosexuelle sich aber darüber in die „Mitte der Gesellschaft“ gekämpft, dass sie sich zum einen sichtbar machten und dass sie zum anderen „Straight Allies“, oder besser: „Zeugen“ und „Bürgen“ aus der Mitte der Gesellschaft hatten, die sich mit ihnen für ihre Rechte eingesetzt haben und somit autoritäre, antiaufklärerische und antihumanistische Strukturen aufbrechen konnten, die heute in Teilen wieder versuchen, Oberhand zu gewinnen.

    lg

    „Kevin“

  2. 2 Dieter-K13 15. März 2014 um 22:25 Uhr

    Hallo zusammen,
    ich habe die obigen Fragen bei der taz natürlich gelesen und auch verfolge ich dort alle anderen Kommentare, aber leider funktioniert beim Button zum Abschicken meiner Texte nicht. Mein Profil funktioniert und ich kann mich bei der taz auch einloggen, aber leider nicht an der Diskussion dort teilnehmen. Das muss auch nicht unbedingt sein, denn ich komme ja im Artikel selbst zu Wort – und auf meinen eigenen Webseiten sowieso.
    Wenn sich jemand wundern sollte, warum dort wieder pro-pädophile Meinungen zugelassen sind, dann hier die Lösung:
    In den Vorbereitungsgesprächen zu dem Artikel habe ich eine offene und Pro- und Contra Debatte bei der taz zur Bedingung gemacht. Daran hat sich die taz offensichtlich gehalten. Ob dies jetzt auch bei weiteren Artikeln zu unserem Thema so bleiben wird, muss abgewartet werden.
    Sicherlich hat auch mein Hinweis auf das eingerichtete taz-Zensur-Blog geholfen, dass bei taz wieder offen diskutiert werden kann. Das ist nun wirklich das Minimum, was man erwarten muss. Euch weiterhin viel Erfolg beim posten…

  3. 3 Sascha 16. März 2014 um 19:58 Uhr

    „Hast du Kontakt zu Eltern oder anderen Altersgenossen des Heranwachsenden?“

    Ja. Ihre Freunde bringen die Jungs oft mit, und mit den Eltern Kontakt zu haben ist immer gut.

    „Wie reagieren Heranwachsende, wenn sie im Laufe der Pubertät merken, dass sie heterosexuell sind und in der Zeit vorher sexuelle Erfahrungen mit einem Mann gemacht haben?“

    Normalerweise sind sie heterosexuell, man kann auch über ihre ersten Freundinnen quatschen, und ihnen Tipps dafür geben.

    „…eher explorativ, also der kindlichen Sexualität entsprechend oder penetrativ, also einer erwachsenen Sexualität entsprechend?“

    Explorativ. Ich selbst stehe gar nicht auf Analverkehr, dass müsste mir ein Jungs schon selbst vorschlagen (gibt es), und wäre dann natürlich auch nur explorativ.

    „Trennungsprozess zwischen Eltern und Kind?“

    Damit meinte ich den natürlichen Ablösungsprozess – das Kind entwickelt eigene Anschauungen, Unabhängigkeit gegenüber den Eltern, bis es dann irgendwann auch auszieht. Ohne dass es da Streit geben müsste.

    „Wo und wie fängt ein „Nein“ konkret an?“

    Das kann auch schon ein wortloses Abwenden sein oder ein Wegschieben der Hand. Alles was in Heterobeziehungen auch zeigt, dass man jetzt gerade keine Lust auf sowas hat.

    „Heißt das, du schließt die Möglichkeit einer Traumatisierung von Heranwachsenden durch sexuelle Erfahrungen mit Pädophilen aus?“

    Nein, natürlich gibt es auch pädophile Vergewaltiger, natürlich gibt es bei unsicheren Sexpraktiken Gefahren, und natürlich kann das, was bei der Aufdeckung passiert, eine Katastrophe für den Jungen sein: Er wird genötigt, den Freund zu verraten, muss fremden Leuten über sein Intimleben erzählen.

    „Wie stellt ein Pä­do­phi­ler si­cher, dass das von ihm begehr­te Kind durch ihn keine Trau­ma­ti­sie­run­gen er­lei­det und in wie weit ist er be­reit, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, wenn dies doch passiert?“

    Gegen die Gefahren, die nach der Aufdeckung drohen, kann man nicht viel machen außer vorsichtig zu sein oder halt auf Sex zu verzichten – obwohl auch dann Verhöre nicht ausgeschlossen werden können. Ich hab vor Gericht alles was mir vorgeworfen wurde zugegeben und den Jungs so ein Verhör vor Gericht ersparen können.

    „Seelenmord?“

    Ist für mich ein Unwort aus dem Repertoire von Goebbels 1937.

    Die eigentliche Schwulenbewegung begann auch erst als schwuler Sex legal war.

  4. 4 GaiJin 04. August 2016 um 16:00 Uhr

    @ Kevin:
    Grade Dein @2 ist (für mich) d e r Dreh- und Angelpunkt einer funktionierenden Freundschaft!

    Ohne die Eltern bzw. deren Wissen und Einwilligung, ist es kaum bis unmöglich, eine „vernünftige“ Freundschaft zu führen!

    `kay, seine Freunde sind auch ein (relativ) wichtiger Faktor, aber haben eben nicht DEN Stellenwert, das die Eltern bescheid wissen!

    @Diether:
    Finde Deinen jahrelange, aussichtslosen Kampf für DIE Pädos ja einmalig…
    Wobei es etwas hat, das man (durchaus) mit Trump vergleichen kann!
    Kritiker werden beleidigt und bedroht, deren Freunde zum Verrat oder Denunziantum aufgefordert!

    Trotz fehlender Unterstützung und Ablehnung vieler, (sehr) vieler (mir bekannter BL´s), führst DU Deinen Kampf gegen Windmühlen weiter und wähnst Dich in der Position, als einziger Pädo/BL für „uns“ sprechen zu können!

  1. 1 Verharmlosung von Pädophilie « Kommentarzensur bei der taz Pingback am 20. März 2014 um 16:22 Uhr

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