Archiv für März 2014

Kleines Interview

„Wenn ich Journalist wäre und würde Herrn Gieseking befragen, ich denke, ich würde ihm diese entscheidenden Fragen stellen:“ schrieb ein Kevin in einem Kommentar zum taz-Artikel Pädophiler Aktivismus – Neue Heimat im Internet. Nun, warum sollte man darauf nicht mal antworten? Allerdings kann ich eigentlich auch nur für mich sprechen – obwohl in natürlich eine ganze Menge Pädophiler kenne.

1. Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen einem pädophilen Erwachsenen und einem 3-, 7-, 12-jährigen Kind? Welche Rolle und welche Position nimmt der Erwachsene ein und welchen Stellenwert haben die Bedürfnisse des Kindes?

Pädophile die auf 3-jährige stehen sind selten. Und die wollen soweit ich welche kennen eher kuscheln. Sieht also einfach aus wie ein normales Verhältnis zwischen Erwachsenem und Dreijährigem, abgesehen davon dass der viel eher bereit ist, mit dem Kleinen zu spielen und zu kuscheln, als andere.

Die, die wie ich mit 7-12jährigen Kindern zu tun haben, suchen Freundschaften. Der Erwachsene ist einfach der ältere Freund. Die Bedürfnisse des Kindes haben denselben Stellenwert wie Bedürfnisse eines Freundes.

2. Wie gestaltet sich hier insbesondere eine Beziehung auf „Augenhöhe“?

Wie eine ganz normale freundschaftliche Beziehung. Eine, bei der der eine – der Erwachsene – sicher ein paar mehr finanzielle Möglichkeiten hat als der andere. Und daher auch öfter mal was spendiert oder Eintritt bezahlt. Oder, auf der Basis seines größeren Wissens, den anderen berät oder ihm hilft. Aber ansonsten so, wie es bei einer Freundschaft eben ist.

3. In wiefern verändern sich die Gefühle des Pädophilen zu diesem heranwachsenden Menschen?

Die sexuelle Attraktivität lässt irgendwann nach – aber dies passiert zu einem Zeitpunkt, bei dem bei Jungen das Interesse am anderen Geschlecht stärker wird.

4. Welche Konsequenzen hat für die Beziehung?
Oft ist die eigene Freundin für Jungen der Anlass, Schluss zu machen mit Sex. Aus der sexuellen Beziehung wird eine asexuelle Freundschaft. Ein Trennungsprozess, der dem zwischen Eltern und Kindern durchaus vergleichbar ist. Und natürlich manchmal auch wehtun kann.

5. Inwiefern sind Pädophile sich ggf. ihrer Rolle als wichtige Bezugsperson bewusst und welche Konsequenzen hat das für die Zeit, sobald das Kind erwachsen geworden ist?
Dieser Rolle sind sich viele Pädophile durchaus bewusst. Und das bringt auch viele Pädophile dazu, sich auch dann noch um ihren Freund zu kümmern, wenn der für sie nicht mehr sexuell attraktiv ist.

6. Wie sieht ein „Nein“ eines 3-, 7- und 12-jährigen Kindes aus?
Wenden Sie sich an ein solches Kind mit einer Aufforderung zu etwas, was es nicht mag: Hausaufgaben machen, Müll runterbringen, aufräumen. Sie werden es sehen. Wenn Kinder nicht unter Druck gesetzt sind, sondern jemanden als Freund betrachten und behandeln, sagen sie selbstverständlich auch was sie wollen.

Welche Konsequenzen hat es für eine pädophile Beziehung, wenn das Kind nicht sexuell interessiert ist?

Oft überhaupt keine. Wenn ein Pädophiler mehrere Freunde hat, kann ihn dies vielleicht dahingehend beeinflussen, dass er den sexuell Entgegenkommenderen vorzieht – aber auch das ist nicht so häufig, schließlich hängt es nicht so stark vom Entgegenkommen ab, in wen man verliebt ist.

Wie stellt ein Pädophiler sicher, dass ein Kind seine Bedürfnisse hierfür klar äußert und nicht nur „mitmacht“, wie einige Opfer sexueller Gewalt es schildern?
In einer Freundschaft merkt man es doch selbst dann, wenn der andere irgendwas nur mitmacht, dass er keine Lust hat. So schwer festzustellen ist das nicht. Eigentlich ist es unübersehbar. Und es nimmt einem selbst auch die Lust, denn wer hat schon Lust, mit seinem Freund was zu machen was der nicht mag?

Wer es nicht merkt, will es normalerweise nicht merken.

Ok, vielleicht schließe ich hier zu sehr von mir auf andere – aber die Jungs, die es mit mir zu tun haben, mit denen mache ich so viel sonstiges zusammen, dass sie schon daher gewohnt sind, zu sagen was sie wollen, was ihnen Spaß macht und was nicht. Und die Gewohnheit behalten sie bei Sexspielen auch bei.

7. Wie stellt ein Pädophiler sicher, dass das von ihm begehrte Kind durch ihn keine Traumatisierungen erleidet und in wie weit ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn dies doch passiert?
Die verbreitete These, dass Sex für Kinder gefährlich sei, hat mich motiviert, in dieser Frage gründlich die wissenschaftliche Literatur zu studieren. Dort fand ich keinerlei Bestätigung für irgendwelche Gefährlichkeitshypothesen – mit Ausnahme von Sekundärschäden durch die Strafverfolgung und Gesundheitsschäden durch unsichere Sexpraktiken, an denen ich sowieso nicht interessiert bin.

Sicher haben nur wenige Pädophile die Fähigkeit, wissenschaftliche Untersuchungen im Original zu studieren. Trotzdem versuchen sich viele zu informieren. Und verwendet natürlich auch den eigenen gesunden Menschenverstand.

Und der sagt eigentlich jedem, dass Spiele, die von allen Beteiligten gewollt werden, niemanden traumatisieren.

8. Hätte er als Kind gerne Sex mit einem Erwachsenen gehabt?
Ich hätte gerne Sex mit anderen gehabt. Gegen Sex mit Erwachsenen hätte ich dabei auch nichts gehabt. Das, was ich mit Jungs an Sex gemacht habe, hätte ich auch als Junge von Erwachsenen genossen. Verliebt habe ich mich allerdings immer nur in Jungs – und Sex mit denen hätte ich natürlich vorgezogen.

9. Warum gibt es nahezu keine Menschen, die als Kind sexuelle Kontakte zu Pädophilen hatten und heute positiv darüber sprechen?
Erstmal können sie, ohne ihren Freund zu gefährden, erst sehr spät darüber reden, faktisch erst wenn der gestorben ist. Dann kommen sie gar nicht erst in die Medien. Schon ein nichtmal wirklich positiver Bericht von Josef Haslinger wurde nur unter Vorrede „Die­ser Text ist eine Grenz­über­schrei­tung“ überhaupt publiziert. In einem Antwortartikel gibt Amendt ihm dafür die beleidigende Ferndiagnose „Er scheint zeit­le­bens un­fä­hig, sich gegen seine Miss­brau­cher auf­zu­leh­nen. … Es fällt ihm schwer, trotz der heu­ti­gen Stär­ke als Er­wach­se­ner seine Er­fah­run­gen an­ge­mes­sen zu be­den­ken.“ Welcher normale Mensch will sich so etwas aussetzen?

10. Kennen Sie welche? Ich würde gerne einmal mit so einer Person sprechen. Besser zweien.
Ja, ich kenne welche. Einer von ihnen wurde im Artikel so erwähnt: „Im Publikum saßen auch bekennende Pädophile. Einer sagte, er fände „einvernehmlichen“ Sex zwischen Kindern und Erwachsenen immer noch okay. Man kenne den Mann, hieß es hinterher aus dem Büro des Grünen-Vorstands, wolle aber seinen Namen nicht nennen.“ Er wird hier also als pädophil dargestellt. Solch einem Verdacht ausgesetzt zu werden ist ein weiterer guter Grund für Leute mit solchen Kindheitserlebnissen, heutzutage zu schweigen.

Womöglich verharmlost?

70. […]
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokation und das Posten von Inhalten, die womöglich Straftaten verharmlosen könnten. Danke, die Redaktion/sam

Oh, wer hat denn da womöglich Straftaten verharmlost? Hier das Original dazu:

70. Interessiert es denn was die Knaben selbst möchten?
“ Ob die Knaben das damals gern mochten, „geliebt“ zu werden, möchte ich doch sehr stark bezweifeln.“

Das steht Ihnen offen. Diskutiert werden kann es hier leider nicht. Denn jeder Diskussionsbeitrag, der bezweifelt, dass sich all diese Knaben schon damals immer nur missbraucht fühlten, wäre ja eine Verharmlosung, und müsste sofort zensiert werden. Nur die Position der Knaben, die sich missbraucht fühlen, darf veröffentlicht werden.

Oder ist es doch nicht so schlimm? Ich probiers mal, ob es vielleicht doch möglich ist, wenigstens Ergebnisse einer wissenschaftlichen Befragung hier zu erwähnen.

Helweg-Larsen & Larsen 2006 fanden: Von 5829 dänischen Jugendlichen hatten 11% illegale sexuelle Erlebnisse, 7% der Jungs und 16% der Mädchen, aber nur 1% der Jungs und 4% der Mädchen fühlte sich „definitiv“ oder „möglicherweise“ sexuell missbraucht. (K. Helweg-Larsen, H.B. Larsen, The prevalence of unwanted and unlawful sexual experiences reported by Danish adolescents: results from a national youth survey in 2002, Acta Paediatrica 11/2006; 95(10):1270-6 http://onlinelibrary.wile… )

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu starke Verharmlosung.