ZEIT online: Zensur für den Krieg

Ja, ich hatte mich nach dem ersten für die Zeit peinlichen Rausschmiss mal wieder dort angemeldet, diesmal Pädothemen mehr oder weniger rausgelassen, und mich auf die Politik, insbesondere Syrien, konzentriert. Dabei sogar mit der Zeit 7 Redaktionsempfehlungen eingesammelt. Bis ich heute wieder rausgeschmissen wurde.

Und das nur wegen einem Link. Einem völlig legalen Link, auf einen Artikel einer deutschen Zeitung. Der Artikel selbst ist einfach nur eine Übersetzung eines Memorandums einer amerikanischen Organisation, der „Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)“, an Präsident Obama.

Warum eine solche scharfe Reaktion? Das dürfte mit dem Inhalt des Memorandums zusammenhängen. Dort liest man nämlich,

… daß vom Westen gesponserte syrische Oppositionskräfte am 13. und 14. August 2013 in der Türkei für eine unmittelbar bevorstehende große, irreguläre Militäroperation Vorbereitungen trafen. Erste Treffen zwischen hochrangigen Kommandeuren der Opposition und Geheimdienstoffizieren aus Katar, der Türkei und den USA hatten in einer türkischen Kaserne in Antakia in der Provinz Hatay stattgefunden, die heute der »Freien Syrischen Armee« (FSA) und ihren ausländischen Sponsoren als Hauptquartier und Kommandozentrale dient.

Hochrangige Kommandeure der Opposition, die von Istanbul angereist waren, informierten die regionalen Kommandeure über eine unmittelbar bevorstehenden Eskalation der Kämpfe auf Grund einer »den Verlauf des Krieges verändernden Entwicklung«, was zu einer Bombardierung Syriens unter der Führung der USA führen würde.

Während der Treffen zur Koordinierung der Militäraktionen in Antakia, an denen sowohl hochrangige türkische, katarische und US-amerikanische Geheimdienstbeamte teilnahmen, als auch Kommandeure der syrischen Opposition, wurden die Syrer informiert, daß die Bombardierung binnen weniger Tage beginnen würde. Oppositionsführer wurden angewiesen, zügig ihre Truppen darauf vorzubereiten, die US-Bombardierung zu nutzen, um in Damaskus einzumarschieren und die Regierung Bashar Al-Assad zu stürzen.

Für die Verbreitung eines solchen Links zensiert und rausgeschmissen zu werden ist etwas, womit ich nicht nur gut leben kann. Nein, darauf kann ich auch stolz sein, denke ich.

Dies selbst dann, wenn sich später herausstellen sollte, dass die Information selbst falsch ist. Denn Fälschungen gibt es natürlich auch, wie beispielsweise die Britam-Fakes. (Ein Fake, auf das ich zuerst sogar reingefallen bin. Allerdings hab ich dann schnell auch die Widerlegung gefunden, und dann natürlich an all den Stellen, wo ich den Link verbreitet hatte, auch den Link auf die Enttarnung hinterhergeschickt.)

Doch sollte man angesichts der offensichtlichen Gefahr, auf Fälschungen hereinzufallen, etwa auf eigene Recherchen verzichten? Auf keinen Fall. Denn der einfache Rechercheur, der auch nichts weiter hat als seinen Verstand und das Internet mit all seinen Möglichkeiten, hat schon damit sehr viel, was die Menschen früher nicht hatten. Und kann dadurch sehr viel zur Wahrheitsfindung beitragen.

Es ist heutzutage ganz einfach: Einen Artikel in der Online-Ausgabe irgendeiner deutschen Zeitung lesen, was man interessant findet nachrecherchieren. Das kann man auf die einfachste Art und Weise tun, Suchbegriffe aus dem Artikel selbst in google eingeben reicht, und man findet fast immer was, was im Artikel selbst verfälscht dargestellt wird. In den Kommentaren die Verfälschung richtigstellen, Quelle verlinken, und man hat seinen eigenen kleinen Beitrag im Kampf gegen die heutigen Lügen- und Kriegshetzer-Medien geleistet.

Denn das ist der eigentliche Punkt: Die Verlogenheit der Mainstream-Medien. Durch Nachrecherchieren Fehler und Verzerrungen zu finden ist nämlich nur aus einem Grund einfach: Weil die heutigen Massenmedien in ihren Artikeln gezielt manipulieren und verzerren. Wenn es dort ehrliche, professionelle Journalisten gäbe, und die veröffentlichen dürften, was sie für die Wahrheit halten, wäre es weitaus schwieriger, durch Nachrecherchieren Fehler zu finden. Da stände der Laie gegen den Profi, beide mit demselben Ziel – die Wahrheit zu finden – und es wäre zu erwarten, dass der Profi normalerweise besser ist. Heute aber steht der Laie nur gegen den Lügner. Und da hat auch der Laie mit primitivem Google genug in der Hinterhand, um zumindest Seiten zu finden, deren Veröffentlichung den Hetzern gar nicht in den Kram passt.

Und außerdem hat er ja noch seinen gesunden Menschenverstand. Und der hat in solchen Zeiten einiges zu sagen. Da ist das klassische cui bono – wem nutzt es – welches im Fall des Giftgasangriffs ganz klar und eindeutig in eine Richtung zeigt, nämlich in die der Rebellen.

Die ja auch überhaupt nicht begeistert reagierten, als die diplomatische Lösung bekannt wurde. Komisch. Die Opfer der Giftgasattacke, sicherlich voller Angst vor neuen Giftgasattacken, freuen sich überhaupt nicht darüber, dass der, der sie mit Giftgas angegriffen hat, nun all sein Giftgas einfach weggibt und zerstören lässt. Häh? Sollten die nicht jubeln, dass ihr Feind eine seiner schlimmsten Waffen bald loswird? Die Enttäuschung wird schon leichter verständlich, wenn man sich überlegt, wie sich die armen Jungs fühlen, die gerade eine Attacke auf die eigenen Leute organisiert haben und nun enttäuscht feststellen, dass die Belohnung in Form des Kriegseintritts Amerikas auf ihrer Seite ausbleibt.

Wem das cui bono nicht reicht, der dürfte spätestens dann stutzig geworden sein, als sich herausstellte, dass die eindeutigen Beweise der Schuld Assads Geheimbeweise waren, die man komischerweise nicht veröffentlichen kann. Warum nicht? Weil sie Erkenntnisse des Geheimdienstes sind, und der so seine Quellen aufdecken müsste. Häh? Es geht gerade um Krieg und Frieden, manche befürchten gar einen Dritten Weltkrieg, aber der Geheimdienst möchte seine Beweise nicht offenlegen, die könnten vielleicht Quellen gefährden, die er noch für wichtigere Sachen in der Zukunft braucht, wie z.B. hm, ja, für was eigentlich, wenn die Begründung eines Kriegseintritts viel zu unwichtig ist, um dafür Beweise auf den Tisch zu legen?

Und auch an anderer Stelle sind die Anschuldigungen unglaubhaft – die Rebellen wären dazu gar nicht in der Lage. Als wenn nicht bekannt wäre, dass auch die Rebellen Giftgas haben und auch schon eingesetzt haben.

In solch einer Situation ist es dann gar nicht mehr so wichtig, ob man dann auch gleich explizite Beweise dafür findet, dass die Rebellen für die Anschläge verantwortlich sind. Die Beweise dafür werden sich mit der Zeit schon anfinden. Schon jetzt gibt es allerdings einige Hinweise, insbesondere der Bericht einer freigelassenen Geisel oder der Bericht von Dale Gavlak und Yahya Ababneh. Was, mit dem Bericht, für dessen Verbreitung mich die ZEIT gekickt hat, schon drei voneinander völlig unabhängige Quellen sind.

Ansonsten, auch wenn das Thema selbst ein sehr ernstes ist, kann Recherchieren manchmal auch sehr lustig sein. Denn viele ausländische Seiten schreiben nicht nur deutlich weniger einseitig, sie schreiben auch bei ernsten Themen humorvoller. So dürfte dem deutschen Leser entgangen sein, wie sich die Welt über etwas lustig macht, was wohl als „Kerry gaffe“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Da wird beispielsweise Kerry wird zum ersten Kriegsopfer getitelt und das Ganze so zusammengefasst:

Kerry: We won‘t attack…if you do this impossible thing.
Syria: Oh? We‘ll do it.
Russia: They‘ll do it.
UN: They‘ll do it.
Kerry: Shit!

Viel Spaß bei der Suche nach anderen Kommentaren dazu, Kommentare, die vor allem deswegen so lustig sind, weil die Verlogenheit der US-Diplomatie, insbesondere das Fehlen jedes echten Interesses an der Kontrolle der Chemiewaffen, dadurch so richtig schön vorgeführt wurde.


2 Antworten auf „ZEIT online: Zensur für den Krieg“


  1. 1 Snoopy 19. Februar 2014 um 11:44 Uhr

    Ja schlimm… Aber wie seht es denn um von Dir ansonsten so gelobten Instititutionen wie dem Jungsforum?
    Da hatte ich ein paar Beiträge geschrieben an denen weder im Tonfall noch juristisch das Geringste auszusetzen gab – und trotzdem wurde der User *Snoopy* ohne Angabe eines Grundes von den Admins gelöscht. Schade.

  2. 2 Sascha 11. März 2014 um 23:13 Uhr

    Versuch es doch mal mit Neuanmeldung, ich denke mal, was auch immer da zwischen euch vorgefallen ist, so nachtragend werden die Admins schon nicht sein, selbst wenn sie merken, dass da eine Reinkarnation des guten alten Snoopy aufgetaucht ist.

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