Neigungen und Verantwortung für Taten

Es bringt was, Klassiker mal wieder zu lesen. Aus Hannah Arendts Buch „The origins of totalitarianism“:

The moralistic judgment as a crime of every departure from the norm, which fashionable circles used to consider narrow and philistine, if demonstrative of inferior psychological understanding, at least showed greater respect for human dignity. If crime is understood to be a kind of fatality, natural or economic, everybody will finally be suspected of some special predestination to it. „Punishment is the right of the criminal,“ of which he is deprived if (in the words of Proust) „judges assume and are more inclined to pardon murder in inverts and treason in Jews for reasons derived from . . . racial predestination.“ It is an attraction to murder and treason which hides behind such perverted tolerance, for in a moment it can switch to a decision to liquidate not only all actual criminals but all who are „racially“ predestined to commit certain crimes. Such changes take place whenever the legal and political machine is not separated from society so that social standards can penetrate into it and become political and legal rules. The seeming broad-mindedness that equates crime and vice, if allowed to establish its own code of law, will invariably prove more cruel and inhuman than laws, no matter how severe, which respect and recognize man’s independent responsibility for his behavior.

Das sollte man nicht vergessen: Man sollte niemals auf die Idee kommen, sich darzustellen als ein hilfloses Opfer seiner Neigungen. Das wäre etwas, was nach hinten losgehen könnte, und in der heutigen Situation auch würde: Wären wir solche Opfer unserer Neigungen, die sich nicht beherrschen könnten, würden wir ganz schnell auch ohne Straftaten weggesperrt werden, und könnten froh sein wenn wir nicht gleich vergast werden.

Allerdings brauche ich diese Angst gar nicht. Ich halte auch so nichts davon.

Ja klar, ich stehe auf Jungs. Ja und? Ich übernehme trotzdem die volle Verantwortung für das, was ich tue. Wenn ich also durch meine sexuellen Handlungen Jungen schaden würde, dann habe ich kein Problem damit, wenn man mich dafür bestraft. Wenn ich die Befürchtung hätte, dass solche Handlungen für Jungs gefährlich wären, würde ich sie trotz meiner Neigung nicht begehen.

Wenn ich solche Handlungen begehe, dann nicht wegen meiner Neigung – die kommt bloß hinzu. Ich begehe sie, weil ich überzeugt bin, dass sie nicht nur ungefährlich sind, sondern dass sie etwas positives sind, für alle die dabei mitmachen.


0 Antworten auf „Neigungen und Verantwortung für Taten“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei + = zehn