Archiv für März 2013

Mehr Männer in die Kitas?

Ja, man staunt – da gibt es inzwischen sogar eine bundesweite Aktion dafür, über die sogar in Zeitungen berichtet wird.

Es gibt ja dort faktisch nur Frauen. Für Nordrhein-Westfalen beispielsweise 3,21% Männer gerade mal.

Ich will mich da nicht künstlich aufregen darüber – kleine Kinder hängen auch bei bei Naturvölkern mehr bei der Mutter rum, wenn also schon die klassische Familie kaputtgemacht und die Kinder vom Staat erzogen werden sollen, dürfte es nicht unbedingt so problematisch sein, wenn den Job bei den Kleinen doch mehr von Frauen übernommen werden. Aber dass dann gleich der ganze Kindergarten ganz ohne einen einzigen Mann auskommt, was bei 3% Männern mehr oder weniger die Regel sein dürfte, ist schon ziemlich pervers.

Und es scheint so, dass ein paar Leute inzwischen mitgekriegt haben, dass das keine gute Idee ist. Ein bisschen Kontakt zu Männern brauchen vor allem die Jungs ja dann doch. Und ein Problem, solche Leute zu finden, sollte es ja eigentlich nicht sein. Also ich kenne jedenfalls ne Menge Männer, die gerne mit Kindern zusammen sind, und ein paar davon durchaus auch mit den Kleinen im Kitaalter.

Nur, da gibt es ein kleines Problem. Die Männer, die gerne mit Kindern zusammen sind, die möchte man ja gerade nicht. Denn das könnten ja Pädophile sein! Und man hat ja nun jahrelang alles getan, was man tun konnte, um Männer davon abzuhalten, auch nur irgendwas mit Kindern zu tun zu haben.

Also, ein paar Luftballons für mehr Männer reichen da nicht. Wenn man will, dass sich mehr Männer um Jungs kümmern, muss man dafür erst einmal eine ganz elementare Voraussetzung schaffen: Aufhören mit der Hetze gegen Männer, die Kontakt zu Kindern suchen.

Solange jeder Mann, der so einen Beruf wählt wie Kindergärtner, unter Pauschalverdacht Pädophilie steht, wird kein normaler Mann einen solchen Beruf wählen – egal ob mit oder ohne Luftballons. Er wäre ja schön blöd. Diese Hetze wirkt so selbstverstärkend – je stärker sie ist, desto eher werden ja vor allem Nichtpädophile abgeschreckt, und desto größer der Anteil von Pädophilen unter denen, die sich selbst davon nicht abschrecken lassen.

Und daher sage ich mal voraus: Mit solchen Aktionen wird man nicht viel erreichen. Gut und wichtig sind sie trotzdem – wenn sie wenigstens ein bisschen Bewusstsein dafür schaffen, dass es ein Problem ist, wenn Kinder überhaupt keinen Kontakt mehr zu Männern haben. Ein Problem besonders für die Jungs.

Neigungen und Verantwortung für Taten

Es bringt was, Klassiker mal wieder zu lesen. Aus Hannah Arendts Buch „The origins of totalitarianism“:

The moralistic judgment as a crime of every departure from the norm, which fashionable circles used to consider narrow and philistine, if demonstrative of inferior psychological understanding, at least showed greater respect for human dignity. If crime is understood to be a kind of fatality, natural or economic, everybody will finally be suspected of some special predestination to it. „Punishment is the right of the criminal,“ of which he is deprived if (in the words of Proust) „judges assume and are more inclined to pardon murder in inverts and treason in Jews for reasons derived from . . . racial predestination.“ It is an attraction to murder and treason which hides behind such perverted tolerance, for in a moment it can switch to a decision to liquidate not only all actual criminals but all who are „racially“ predestined to commit certain crimes. Such changes take place whenever the legal and political machine is not separated from society so that social standards can penetrate into it and become political and legal rules. The seeming broad-mindedness that equates crime and vice, if allowed to establish its own code of law, will invariably prove more cruel and inhuman than laws, no matter how severe, which respect and recognize man’s independent responsibility for his behavior.

Das sollte man nicht vergessen: Man sollte niemals auf die Idee kommen, sich darzustellen als ein hilfloses Opfer seiner Neigungen. Das wäre etwas, was nach hinten losgehen könnte, und in der heutigen Situation auch würde: Wären wir solche Opfer unserer Neigungen, die sich nicht beherrschen könnten, würden wir ganz schnell auch ohne Straftaten weggesperrt werden, und könnten froh sein wenn wir nicht gleich vergast werden.

Allerdings brauche ich diese Angst gar nicht. Ich halte auch so nichts davon.

Ja klar, ich stehe auf Jungs. Ja und? Ich übernehme trotzdem die volle Verantwortung für das, was ich tue. Wenn ich also durch meine sexuellen Handlungen Jungen schaden würde, dann habe ich kein Problem damit, wenn man mich dafür bestraft. Wenn ich die Befürchtung hätte, dass solche Handlungen für Jungs gefährlich wären, würde ich sie trotz meiner Neigung nicht begehen.

Wenn ich solche Handlungen begehe, dann nicht wegen meiner Neigung – die kommt bloß hinzu. Ich begehe sie, weil ich überzeugt bin, dass sie nicht nur ungefährlich sind, sondern dass sie etwas positives sind, für alle die dabei mitmachen.

Abgeordnetenquatsch

Auf Abgeordnetenwatch fand sich von Dr. Beate Merk (CSU), Staatsministerin der Justiz in Bayern, stellv. CSU-Parteivorsitzende, MdL einiges, was auseinanderznehmen mir sinnvoll erscheint.

Es geht um die Legitimität des Strafrechts was den Besitz von Kinderpornographie betrifft.

So sehe ich es keinesfalls als akzeptabel an, wenn jemand sich „alte“ Kinderpornografiebilder „mit einem kostenlosen Klick“ auf den Computer lädt. Derartige Fotos zeigen Kinder und damit Menschen, die in die Aufnahme weder wirksam einwilligen noch sich erfolgreich gegen sie wehren konnten. Schon die Existenz solcher Bilder missachtet das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Kinder.

Es mag natürlich sein, dass durch die Verbreitung ein Persönlichkeitsrecht verletzt wurde – nur, woher will man das wissen? Eine Anzeige des Kindes liegt nicht vor, eine explizite Genehmigung des Kindes würde an der Rechtslage nichts ändern – weswegen sich natürlich auch niemand um so etwas kümmert. Aber das ist nicht der Punkt:

Wie lange es zurückliegt, spielt für den schon angesprochenen Schutz der abgebildeten Kinder so wenig eine Rolle wie für den zentralen Schutzzweck des Straftatbestands gegen Kinderpornografie: Er soll verhindern, dass zukünftig weitere Kinder missbraucht werden, um pornografisches Material herzustellen.

Ach ja? Und wie funktioniert das? Es ging in der Anfrage ausdrücklich um das kostenlose Herunterladen älterer Pornos. Wer ein Bedürfnis nach solchen Pornos hat, und ein solches Angebot zur Verfügung hat, wird es natürlich nutzen. Ob er danach noch ein Bedürfnis nach mehr hat?

Sicher mag es auch einige wenige Süchtige geben, die Mehrzahl der Nutzer ist jedoch nicht süchtig, und wird daher vom kostenlosen Angebot, welches keinen Markt erzeugt, ausreichend befriedigt sein. Dies wäre noch viel mehr der Fall, wenn es rechtlich einen Unterschied machen würde, ob man die Bilder kostenlos heruntergeladen hat oder dafür bezahlt und somit einen Markt geschaffen hat.

Möglich ist das nur, indem der gesamte Markt für diese Produkte ohne Ausnahme unterbunden und ausgetrocknet wird. Denn dieser Markt existiert, weil vorhandene Darstellungen die Nachfrage offensichtlich nicht befriedigen, sondern stets neue Begehrlichkeiten wecken: „Altem“ Material folgt der Wunsch nach „Neuem“.

Oh, offensichtlich? Das würde mich jetzt genauer interessieren, auf welche Art und Weise dies für Frau Merk offensichtlich ist. Ich vermute mal, durch Lesen der Bildzeitung und ähnlicher Schundliteratur, welche Märchen von einem angeblich existierenden Kinderpornomarkt verbreiten.

Aber solch ein Markt existiert nun einmal faktisch nicht. Einfach weil es ein riesiges Angebot an Kinderpornographie gibt, welches kostenlos angeboten wird.

Vollkommen zu Recht erfasst unser Strafrecht derartige erkennbar fiktive Darstellungen aber dann, wenn solche zum Beispiel verbreitet, öffentlich zugänglich gemacht oder hergestellt werden. Niemand kann die Gefahr ausschließen, dass entsprechend veranlagte Personen schon durch den Konsum solchen Materials dazu angeregt werden, auch reale Darstellungen nachzufragen oder gesehene Handlungen gar an realen Opfern selbst zu wiederholen. Dieser Gefahr darf und muss der Gesetzgeber mit allen Mitteln entgegentreten.

Es ist schon erschütternd, was heutzutage alles dazu legitimiert, dass der Gesetzgeber dem mit allen Mitteln entgegentreten muss. Dazu reicht offenbar schon eine Gefahr. Eine Gefahr, die nicht vom Verbreiter selbst ausgeht, wohlgemerkt. Nein, eine Gefahr, die von dem ausgeht, der das Bild erhält.

Und worin besteht die Gefahr? Darin, angeregt zu werden, irgendwelche Straftaten zu begehen. Woher weiß man, dass eine solche Gefahr besteht? Hm, man weiß es ja gar nicht. Es könnte ebenso sein, dass das fiktive Porno den Betrachter von Straftaten abhält. Wenn man nun schon einmal solche Pornos hat, braucht man nicht unbedingt auch reale, wenn die fiktiven dieselbe Funktion erfüllen können. Und dass die Zulassung von Pornographie zu einem Rückgang an Vergewaltigungen führt, dazu gibt es sogar empirische Studien. Man mag deren Wert gerne anzweifeln – Fakt ist, dass man nicht weiß, dass durch das Verbreiten fiktiver Pornographie überhaupt eine solche Gefahr besteht.

Und das wird ja auch gar nicht behauptet. „Niemand kann die Gefahr ausschließen“ ist für Frau Merk ja schon ausreichend.

Also, fassen wir zusammen: Es reicht, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass jemand anders durch die fraglichen Handlungen dazu angeregt werden könnte, irgendeine Straftat zu begehen, um zu rechtfertigen, damit der Gesetzgeber dem mit allen Mitteln entgegentreten muss.

Wenn ich solche Sachen lese, dann regt mich das zugegebenerweise dazu an, vor Wut Straftaten verschiedenster Art gegen Frau Merk zu begehen. Nun bin ich ein überzeugter Gegner jeglicher Gewalt, und werde schon deshalb solchen Anregungen nicht folgen. Aber das ist in diesem Fall ja auch völlig egal – ich stelle ganz neutral fest, dass alle fraglichen Kriterien auf die Veröffentlichung dieses Textes durch Frau Dr. Merk zutreffen, und daher der Gesetzgeber mit allen Mitteln der Veröffentlichung solcher Texte entgegentreten muss. Also ab in den Knast mit Frau Merk. (Häh, unmöglich wegen Rückwirkungsverbot? Also bitte, da steht schließlich „mit allen Mitteln“!)