Aus dem Gerichtssaal

Staatsanwältin: Sie sind angeklagt des schweren sexuellen Missbrauchs an einem siebenjährigen Jungen. Mehrere Zeugen können bezeugen, dass Sie aufgegriffen wurden, als sie mit einer Hand das weinende nackte Kind festhielten, in der anderen Hand ein Messer hielten, und dabei den Penis des Jungen in ihrem Mund hatten. Wollen Sie das etwa bestreiten?

Angeklagter: Aber nein, das war schon so. Nur, es ist völlig missverstanden worden, was ich eigentlich tun wollte. Auf keinen Fall wollte ich damit an dem Jungen auch nur irgendwelche sexuellen Handlungen begehen.

Nein, alles was ich tun wollte, ist, den Jungen zu beschneiden. Mein Helfer war leider plötzlich krank geworden, weswegen ich unerwartet allein war, und der Junge hatte plötzlich Angst bekommen, als er das Messer sah, und so musste ich ihn eben mit der einen Hand festhalten. Die zweite Hand brauchte ich für das Messer, aber womit sollte ich nun die Vorhaut festhalten, um sie abzuschneiden? Da blieb mir einfach nichts anderes übrig, als den Mund zu benutzen, um die Vorhaut zu ergreifen und festzuhalten.

Staatsanwältin: Oh, Entschuldigung, wieso haben Sie dass denn nicht gleich gesagt, da hätten wir uns den Prozess sparen können. Klar, Beschneidung könnte man zwar, wenn man böswillig ist, und insbesondere voll ist von antisemitischen oder antimuslimischen Vorurteilen, als Körperverletzung verunglimpfen, trotzdem ist es nichts weiter als ein harmloser religiöser Brauch, der in einem liberalen Staat unbedingt toleriert werden muss. Die Staatsanwältinschaft fordert, aufgrund der jetzt bekannt gewordenen Fakten, natürlich Freispruch.

Richterin: Selbstverständlich. Der Angeklagte ist hiermit freigesprochen. Kommen wir zum nächsten Fall.

Staatsanwältin: Sie sind angeklagt des schweren sexuellen Missbrauchs an einem dreizehnjährigen Jungen. Mehrere Zeugen können bezeugen, dass Sie aufgegriffen wurden, als sie den Penis des Jungen in ihrem Mund hatten. Wollen Sie das etwa bestreiten?

Angeklagter: Aber nein, das war schon so. Nur, sehen Sie, der Angeklagte vor mir ist doch gerade freigesprochen worden. Dabei hatte er auch den Penis des Jungen in seinem Mund. Und dabei ist, denke ich, sein Fall noch viel schlimmer gewesen. Nicht nur weil sein Junge viel jünger war. Sein Junge wollte das nicht, er hat geweint, und er hielt ihn mit einer Hand fest, außerdem hatte er noch ein Messer. Bei mir war das ganz anders, der Junge hat glücklich gelächelt, er hat mich selbst dazu aufgefordert, er hat mich dabei umarmt. Sein Penis war steif, wie es halt normalerweise der Fall ist, wenn man so etwas gerne mag. Und ich habe ihn weder festgehalten noch mit einem Messer in der Hand verängstigt, sondern ihn mit beiden Händen gestreichelt.

Staatsanwältin: Ich bin entsetzt vor Ihrem Zynismus! Sie wagen es, Ihre zutiefst verabscheuungswürdige Tat nicht nur mit einem heiligen, ehrwürdigen religiösen Ritual zu vergleichen, nein, Sie wagen es sogar noch, dies als besser darzustellen! Haben Sie denn keinerlei religiöses Gefühl?

Angeklagter: Oh doch, ich habe schon auch ein paar religiöse Geühle. Ich vergöttere geradezu die Schönheit von Jungen. Und ich glaube zutiefst daran, dass man etwas Gutes tut, wenn man etwas tut, was einem Jungen Spaß und Freude bereitet.

Richterin: Ich denke, das reicht. Kommen Sie zu Ihren Anträgen.

Staatsanwältin: Nun, ich denke, ich muss hier nicht mehr viel sagen. Der Angeklagte hat die Tat selbst uneingeschränkt zugegeben. Auch die Art und Weise, wie er die Taten selbst beschreibt, zeigen seine Schuld noch zusätzlich: Solch harmlose Erklärungen wie im gerade gehörten Fall kommen hier nicht in Betracht, denn der Junge hat weder Angst gezeigt, wie sie vor Beschneidungen natürlich zu erwarten wäre, noch hatte der Angeklagte überhaupt irgendwelche Schneideinstrumente, mit denen er die Vorhaut des Jungen hätte abschneiden können, ganz zu schweigen davon, dass dies im erigierten Zustand zumindest schwerer fallen würde.

Der Versuch des Angeklagten, seine perversen sexuellen Gelüste auch noch als eine Art Religion zu rechtfertigen, sind hingegen geradezu lächerlich. In normalen Religionen werden schließlich Götter angebetet, die man nicht sehen kann, nicht irgendwelche Alltagserscheinungen, die jeder sehen kann. Außerdem sind religiöse Handlungen mit Verzicht auf Genuss und mit Leiden verbunden, und nicht mit lustvollen Handlungen. Schon deshalb muss dieser Versuch einer Entschuldigung seines Verbrechens abgelehnt werden. Wegen des Fehlens eines klaren Schuldbekenntnisses kann man sich nicht mit der Mindeststrafe von zwei Jahren zufriedengeben, ich fordere daher eine Strafe von vier Jahren.

Angeklagter: Ich fordere Freispruch, einfach weil das was ich getan habe, viel harmloser war als das, was der vorige Angeklagte getan hat, und der freigesprochen wurde.

Richterin: Das Urteil lautet sechs Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Den Argumenten des Staatsanwältins kann ich mich nur anschließen. Über die Strafforderung muss ich allerdings hinausgehen, weil die Staatsanwältinschaft einen wichtigen Punkt übersehen hat: Der Angeklagte ist völlig uneinsichtig, und deswegen ist die Gefahr einer Wiederholung zu befürchten. Eine Wiederholung eines so grausamen Verbrechens wie dem Berühren der Vorhaut eines Kindes, wenn dieses nicht durch dringende medizinische oder religiöse Notwendigkeit bedingt ist, muss jedoch auf jeden Fall verhindert werden, und dazu sind die strengsten staatlich überhaupt möglichen Maßnahmen unbedingt notwendig.

Feministischer Kommentar: Sicherlich muss man enttäuscht sein über das geringe Strafmaß – gerade mal sechs Jahre Haft, wo das Gesetz immerhin 15 Jahre als Höchststrafe zulassen würde, ist natürlich viel zu wenig.

Eine besondere Gefahr, auf die im Urteil leider überhaupt nicht eingegangen wird, stellt schließlich die vom Angeklagten vertretene abstruse Quasireligion dar. Nicht nur dass es völlig pervers ist, solch unvollkommene, unreife Wesen wie Jungen sogar noch religiös zu verehren, wo, wenn überhaupt, nur mündige, erwachsene Frauen einer solchen Verehrung würdig wären. Schlimmer noch, diese Religion verwendet als heilige Handlungen etwas, was zutiefst sexistisch, antihumanistisch und antidemokratisch wäre: Jungen schon im Kindesalter ihre perversen sexistischen Gelüste ausleben zu lassen, dies sogar noch zu billigen und durch eigene Beteiligung zu fördern, ist das Gegenteil einer humanistischen, demokratischen Erziehung im Sinne des Gender-Mainstreaming.

Man stelle sich das nur einmal vor — eine Religion, die etwas anbetet, was viele Perverse auch so schon schön finden, und das mit religiösen Ritualen verbindet, die Pädophile auch so schon gerne tun? Eine solche Religion könnte schnell einen Masseneinfluss erlangen unter den vielen perversen Männern, die sich die Zeiten des Patriarchats zurückwünschen.

Aber so ist dies nun einmal heutzutage. Solche ideologischen Bedrohungen spielen bei der Strafzumessung leider noch nicht die Rolle, die sie eigentlich spielen müssten.

Dem verständlichen Wunsch, diese Bestie qualvoll zu kastrieren und dann langsam zu Tode zu martern, sind heute noch Grenzen gesetzt. Und man muss den Verteidigern des heutigen Rechtssystems zugute halten, dass die Wiedereinführung solcher Strafen auch gewisse Risiken mit sich bringt, da es durchaus nicht völlig auszuschließen ist, dass es auch mal zu einem Fehlurteilen kommen könnte.

Aber was ist dies schon im Vergleich zu der Gefahr, dass Jungen heranwachsen könnten, die nach solchen perversen Erlebnissen zu sexistischen Monstern werden, die glauben, Sex sei etwas, was Spaß und Freude macht, statt zu erkennen, dass es auch dann Vergewaltigung ist, wenn die Frauen sich dazu überreden lassen?

Hier muss offensichtlich noch viel Aufklärungsarbeit über den sexuellen Missbrauch und seine tiefgreifende, auch ideologischen, Folgen geleistet werden.


5 Antworten auf „Aus dem Gerichtssaal“


  1. 1 Cyber008 11. September 2012 um 17:58 Uhr

    Danke Mackay, für deinen Beitrag. Wie sich das Thema „Beschneidung“ noch weiter entwickeln wird, bleibt noch abzuwarten. Ich tendiere dazu das sich die Lobbys der Muslime und Juden durchsetzen werden.

    MfG
    Cyber008

  2. 2 Stefan 06. Oktober 2012 um 2:31 Uhr

    Aber in Deutschland wird doch gerade diskutiert, dass Richter Menschen bestraft haben, weil sie ihre Jungs beschnitten haben. Du tust hier gerade so, als sei das nicht passiert, als sei die Beschneidung in Deutschland straffrei. Damit bist du an der aktuellten Debatte völlig vorbeigelaufen. Dass du gleichzeitig Sex mit Jungs als uneingeschränkt gut deklarierst macht dich dabei nicht glaubwürdiger.

    Dein Schwarz-Weiß-Denken hier im Text offenbart, wie einfach du es dir machst. Die Welt ist aber komplizierter.

  3. 3 Ovid 11. Oktober 2012 um 16:30 Uhr

    >> „Du tust hier gerade so, als sei das nicht passiert, als sei die Beschneidung in Deutschland straffrei.“

    Ist das neue Gesetz irgendwie völlig an dir vorbeigegangen?

    >> „Dass du gleichzeitig Sex mit Jungs als uneingeschränkt gut deklarierst macht dich dabei nicht glaubwürdiger. “

    Wo schrieb er „uneingeschränkt gut“? Du unterstellst ihm keine Einschränkungen zu machen.

  4. 4 Sascha 19. Oktober 2012 um 21:47 Uhr

    Ach, bestraft haben sie die. Für wie lange müssen die nun in den Knast? Für mindestens zwei Jahre, wie es für einen einvernehmlichen Blowjob festgelegt ist? Klar ist mein Text satirisch ein wenig übertrieben, aber das zentrale Element – kein Knast für den Beschneider, eine Menge Knast für den Blowjob – ist einfach nur Realität.

  5. 5 Cyber008 04. Dezember 2012 um 11:16 Uhr

    Auf YouTube kann man die Debatte in Bundestag zur Beschneidung anschauen. Bei so einer Debatte stelle ich mir ernsthaft die Frage, wer eigentlich die Politik in der BRD lenkt. Für mich steht außerfrage, dass die Beschneidung ein gesetzlich bisher legitimes Unrecht ist. Statt jetzt nachdem Kölner-Urteil einen Fortschritt zu machen, wird sofort wieder zurückgerudert und die Religionsfreiheit in Deutschland in allen Tönen beschwört. Jedoch das Recht des Jungen auf körperliche Unversehrtheit abgesprochen.

    R.I.P. Demokratie

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