Ein Kandidat für den Ignobel-Preis

Ich nominiere hierfür

Urban, Dieter und Joachim Fiebig
Pädosexuelle Viktimisierung und pädosexuelle Straffälligkeit. Ein „harter“ empirischer Hypothesentest.
SISS–Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart, No. 1/2011
(http://www.uni-stuttgart.de/soz/institut/forschung/2011.SISS.1.pdf)

Im Abstrakt wird behauptet:

Auch kann gezeigt werden, dass die Untergruppe derjenigen pädosexuell viktimisierten Personen, die sich in ihrer Kindheit in besonderer Weise aggressiv verhalten haben, im Erwachsenenalter nur mit einem reduzierten Risiko pädosexuell delinquent geworden sind.

In der Arbeit selbst geht es unter anderem um die Hypothese

H3: Personen, welche die Folgen ihrer pädosexuellen Viktimisierung über aggressives Verhalten zu kompensieren versuchen, reduzieren ihr Risiko, im Erwachsenenalter pädosexuell delinquent zu werden.

Schon der Titel suggeriert, sie wäre einem harten empirischen Test unterzogen worden. Die Autoren behaupten:

Zudem konnte gezeigt werden, dass unter den Befragten, die pädosexuell viktimisiert worden waren, ein offen aggressives Verhalten in den Lebensphasen nach der Opfererfahrung (in Kindheit und Jugend) die Chance einer pädosexuellen Delinquenz im Erwachsenenalter reduzieren kann.

oder, kurz darauf:

Denn, wie wir nachweisen konnten, haben diejenigen Straftäter, die infolge einer pädosexuellen Viktimisierung mit aggressivem Verhalten in ihrer Kindheit bzw. Jugend reagierten, eine verringerte Chance, im Erwachsenenalter ein pädosexuelles Delikt zu begehen.

Hm. Ein interessant klingendes Resultat. Um sowas nachweisen zu können, muss man schon einiges draufhaben. Zum Beispiel, wie findet man in einer Untersuchung die Leute heraus, die „infolge einer pädosexuellen Viktimisierung mit aggressivem Verhalten in ihrer Kindheit bzw. Jugend reagierten“?

Keine Bange, in der Viktimologie ist nichts einfacher als das:

Zur Messung von aggressivem Verhalten nach der pädosexuellen Viktimisierung wurden die Angaben der Befragten zu Erfahrungen mit verschiedenen Gewaltformen benutzt, die sich auf Lebensabschnitte nach dem erlebten Missbrauch beziehen. Aus diesen Angaben wurde ein Index gebildet, der sich auf drei Anwendungen leichter Gewalt und vier Anwendungen schwerer Gewalt bezieht. Dieser Index (AGG) wurde mittels Mediansplit dichotomisiert, so dass er nunmehr angibt, ob Personen nach ihrer pädosexuellen Viktimisierung überdurchschnittlich (AGG=1) oder unterdurchschnittlich (AGG=0) verschiedenste Formen aggressiven Verhaltens gezeigt haben bzw. darüber retrospektiv berichten konnten.

Häh? Jemand hat irgendwann nach dem Zeitpunkt eines sexuellen Erlebnisses aggressives Verhalten gezeigt – und das reicht den Autoren auch schon um zu sagen, dass er „infolge einer pädosexuellen Viktimisierung mit aggressivem Verhalten in ihrer Kindheit bzw. Jugend reagierte“. Oje. Also da muss ich schon sagen – um wenigstens den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu erwecken, hätte man zumindest fragen sollen, ob dieselben Personen nicht auch vorher schon aggressives Verhalten gezeigt haben.

Aber es kommt noch sehr viel abenteuerlicher.

Ich meine, wie findet man denn nun heraus, dass diejenigen, die „infolge“ des Missbrauchs gewalttätig werden, eine verringerte Chance haben, ein pädosexuelles Delikt zu begehen? Da muss man ja wohl irgendwie mit Leuten vergleichen, die keine pädosexuellen Delikte begangen haben, aber bei denen ansonsten (soweit erreichbar) alles gleich ist. So was nennt man in der normalen Wissenschaft „Kontrollgruppe“.

Oh, und eine „Kontrollgruppe“ gibt es hier tatsächlich auch. Allerdings sind das keine Leute, die keine Straftaten begangen haben – es sind Gewalttäter:

Als Kontrollgruppen, deren soziale Konstruktionsprinzipien und deren soziodemographischen Mitgliederprofile ähnlich denjenigen der Untersuchungsgruppe sind (vgl. dazu Abschnitt 3), wurden von uns die beiden Gruppen der „nicht sexuell delinquenten GewaltStraftäter“ (N=157) und der „adultsexuell delinquenten Straftäter“ (N=67) ausgewählt.

Für die Kontrollgruppe der Gewalt-Straftäter wurden nur solche Delinquenten berücksichtigt, die wegen Körperverletzung, Mord oder Totschlag (versucht oder verübt) verurteilt waren und bislang nicht pädosexuell oder adultsexuell delinquent gewesen sind. Nicht berücksichtigt wurden Nötigungs- oder Raubdelikte. Mithin befinden sich in dieser Kontrollgruppe allein solche Straftäter, die wegen der Anwendung direkter physischer Gewalt gegenüber anderen Personen verurteilt und inhaftiert waren.

Zur zweiten Kontrollgruppe gehören ausschließlich adultsexuell straffällig gewordene Personen. Zur adultsexuellen Delinquenz wurden u.a. die folgenden Sexualdelikte (aber nicht pädosexuelle Straftaten) gerechnet: sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung oder sonstiger sexueller Missbrauch, Exhibitionismus, Sexualdelikte mit Körperverletzungen oder mit verübtem bzw. versuchtem Mord. Bei allen diesen Sexualdelikten mussten die Opfer zum Zeitpunkt der Tat 14 Jahre oder älter gewesen sein.

Also eigentlich ganz nette Leute, nicht? Immerhin sind sie keine Kinderficker.

Es wird nun Zeit, mal neutral zu formulieren, was man statistisch für eine Korrelation herausgefunden hat. Man hat zwei Gruppen von Straftätern – Gewalttäter, und gewaltfreie Sexualstraftäter. Man befragt sie, ob sie zu einem bestimmten Zeitraum in ihrer Jugend aggressive Verhaltensweisen gezeigt haben, und findet eine statistisch signifikante Korrelation: Die Gewalttäter haben mit höherer Wahrscheinlichkeit schon früher aggressives Verhalten gezeigt. Der Effekt ist sowohl bei sexuellen Gewalttätern als auch bei nichtsexuellen Gewalttätern signifikant.

Äh, wer hatte das gedacht? Verurteilte Gewalttäter waren schon vorher aggressiv?

Ja, aber mehr als die statistische Beobachtung, dass verurteilte Gewalttäter schon vorher aggressiv waren, habe ich der Studie nicht an empirischen Fakten entnehmen können, die die These der Autoren beweisen. Man genieße es noch mal:

Zudem konnte gezeigt werden, dass unter den Befragten, die pädosexuell viktimisiert worden waren, ein offen aggressives Verhalten in den Lebensphasen nach der Opfererfahrung (in Kindheit und Jugend) die Chance einer pädosexuellen Delinquenz im Erwachsenenalter reduzieren kann.

Das klingt nach einer sinnvollen Strategie für die Therapie missbrauchter Kinder: Man bringe ihnen bei, sich extrem aggressiv zu verhalten. Dann bringen sie ziemlich bald jemanden um, und sitzen ihr Leben lang im Knast, wo sie keine Kinder missbrauchen können.

Ähnliche statistische Untersuchungen konnte ich übrigens selbst während meines Knastaufenthalts machen. Auch mir war dort, ähnlich wie den Untersuchern, wichtig, die Pädophilen unter den Straftätern herauszufinden. Und dabei habe ich auch eine Menge interessanter Korrelationen beobachten können. Insbesondere auch, entsprechend den Resultaten dieser Arbeit, dass Pädophile weniger aggressiv
reagieren als andere Gruppen von Gefangenen, insbesondere im Vergleich zu wegen Gewalttaten einsitzenden Gefangenen.

Für die weitere Forschungsarbeit kann ich noch einige weitere solche Korrelationen anführen, die, nach meinen Beobachtungen unter Strafgefangenen, das „Risiko“ erhöhen, dass der betreffende Gefangene ein verachtenswerter Kinderficker ist: Höheres Alter (übrigens auch in Übereinstimmung mit einem anderen Resultat dieser Arbeit), höhere Bildung, intelligenteres Aussehen, zivilisierte Umgangsformen, Interesse an geistiger oder kultureller Tätigkeit (gemessen durch Teilnahme an Fernstudium, Gottesdiensten, Theatergruppen, und weiteren Angeboten für Gefangene).

Daraus ergeben sich sicherlich weitere sinnvolle Strategien zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs, die man schon in der Kindheit beginnen sollte. (Obwohl, das heutige Schulsystem ist ja schon auf einem guten Weg in diese Richtung – fast alle von mir genannten Gefahrenquellen für spätere pädosexuelle Verbrechen werden ja durch die Schule systematisch reduziert.)

Eigentlich sollte ich wohl jetzt ein Maschinengewehr nehmen, und die Autoren dieser Arbeit sowie die gesamte Redaktion der SISS–Schriftenreihe wegen des Missbrauchs wissenschaftlicher Methoden erschießen. Das würde sicherlich mein Risiko, nochmal pädosexuell rückfällig zu werden, radikal verringern, und auf diese Weise zum Kinderschutz beitragen.

Ich bin am Überlegen.


10 Antworten auf „Ein Kandidat für den Ignobel-Preis“


  1. 1 Peter Mulzer 13. Mai 2012 um 22:38 Uhr

    Vor dir kritisch eingestimmt, habe ich die Arbeit soeben quergelesen. Das PDF ist gut lesbar, was die Sache erleichtert.

    Zu Anfang ärgerte ich mich über die teils bemüht verklausulierten Formulierungen der Verfasser, wie sie nun eben einmal (angeblich) in einer soziologischen Abhandlung unerläßlich sind. Sieht man von solchen und ähnlichen eher formalen Mängeln ab, der mit Fachjargon zugepflasterte Umgang mit Tabellen und Statistiken im späteren Teil des Textes gehört dazu, dann ist die Arbeit nach meiner Einschätzung ganz hervorragend gut und klar.

    Das Kapitel 2.1. (Mechanismen der Opfer-Täter-Transition) zum Beispiel ist ausgezeichnet, überzeugend im Gedankengang, es bereitet einem einen fast ästhetischen Genuß, das zu lesen.

    Im Gegensatz dazu kommt mir deine Kritik seltsam verschwommen und undeutlich vor. Dein Umgang mit Zitaten aus dem Text ist geradezu schauerlich.

    Die Sache, um die es geht, ist bekannt, aber eben nur als Hypothese, die nie jemand näher untersucht hat. Aus meinem Arbeitsgebiet, der Ephebophilie, gibt es dazu wohl ein Dutzend Textbelege, bis hin zu Brongersma und anderen sonst eher umstrittenen Befürwortern. Es ist erfahrenen Beobachtern ja doch schon immer aufgefallen, wie Opfer hier immer wieder zu Tätern werden (um es sehr vereinfacht zu sagen) und die merkwürdige „Bewältigungsstrategie“ der Opfer über Aggressionen gehört schon zu den Selbstverständlichkeiten, die den Praktiker geläufig sind.

    Wir hatten, am Beispiel einer Arbeit aus Nordrhein-Westfalen, vor Jahren schon im Jungsforum die Frage behandelt, ob Aktenauswertungen, ob der Rekurs auf verurteilte Straftäter überhaupt sinnvolle Auswertungen ermöglicht. Ich hatte damals geschrieben (war damit aber allein auf weiter Flur), daß ich das für einen vertretbaren und nützlichen Weg halte. Die Ermittlungsqualität ist in der überwiegenden Zahl der Fälle, die zu einer Verurteilung führen, nämlich sehr gut. Verwende ich Erkenntnisse aus Akten *kritisch* und mit den notwendigen *Vorbehalten* zu weiterführenden Untersuchungen, dann ist das nützlich und legitim, auch wissenschaftlich, jedenfalls im bundesdeutschen Rechtsraum.

    Noch ein Nachsatz zu deiner letzen Antwort (Beitrag Nr. 6), in dem du ein freies Forum, ohne den Tor- und Onion-Unfug, einzurichten dich willens erklärst – falls sich vorher unabhängige Teilnehmer fänden. Das geht, wie du ganz gut selber weißt, leider nur andersherum: Richtest du das Forum ein, stattest du es mit den notwendigen Erklärungen, Deklarationen, Regeln und Formen aus, d a n n finden sich die Teilnehmer ein.

    Eine gemeinsame Diskussion über die vorliegende Arbeit, die ich aus dem Stand heraus als „sehr gut und sehr nützlich“ bezeichnen würde, wäre in einem offenen Forum hervorragend zu leisten.

  2. 2 Sascha 15. Mai 2012 um 2:59 Uhr

    Dein ästethischer Genuss 2.1 fängt schonmal mit Schrottbehauptungen an – wie üblich in dieser „Wissenschaft“ ohne jede Unterscheidung zwischen einvernehmlichem Sex und sexueller Gewalt. Wenn die „Opfer“ berichten, emotionale Wärme, Aufmerksamkeit und Zuneigung verspürt zu haben, dann ist das nur Ergebnis einer „Normalisierungsstrategie“ – in Wirklichkeit gab es wohl weder Wärme noch Aufmerksamkeit noch Zuneigung.

    Ich will ja gar nicht bezweifeln, dass auch Opfer von Gewalt in ihrer Kindheit lernen, später selbst Gewalt anzuwenden – dazu ist die Geschichte der Erziehung durch Prügelstrafe genau wie die klassisch weitergegebenen Schikanen gegen Neulinge in Institutionen wie Heimen oder Armee ja genug Evidenz.

    Trotzdem, dass du diesen verlogenen Schrott auch noch ausgezeichnet findest, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

    Worin mein Umgang mit Zitaten schauerlich ist, bitte ich genauer zu erläutern, in der Form ist deine Kritik nicht hilfreich. Auch dass meine Kritik undeutlich sei kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Genaueres bitte.

    Als Wissenschaftler bin ich der Überzeugung, dass man, wenn man es richtig anstellt, oft auch aus dem größten Datenschrott Nützliches herausholen kann. Auch aus Daten nur über Inhaftierte. Nur, dazu müssen schon echte Wissenschaftler ran, Leute, die bereit sind, die verschiedensten, auch politisch inkorrekten, Hypothesen zu durchdenken. Wenn hier jedoch von einem erfolgreichen Hypothesentest gefaselt wird, obwohl nicht mal die elementarste und offensichtlichste Alternativerklärung der Daten (Gewalttäter waren schon früher gewalttätig) auch nur diskutiert wird ….

    Ansonsten hast du mich leicht missverstanden – ich würde mich an einem von anderen eingerichteten Clearnetforum mit eigenen Beiträgen beteiligen, nicht es selbst einrichten. Tor als Unfug zu bezeichnen betrachte ich als billige Beleidigung und ignoriere es – rationale Gründe, kein Tor-Forum zu verwenden, hast du jedenfalls nicht angeführt.

  3. 3 Peter Mulzer 15. Mai 2012 um 15:51 Uhr

    So interessant es wäre, hier nun näher auf diese Arbeit und deine Beurteilung derselben einzugehen, ein munteres Tennismatch anzufangen – ich sehe mich gehemmt und gehindert durch die technische, äußere Form, in der das stattfinden soll. Von allen Möglichkeiten, zu diskutieren, ist mir die Kommentarfunktion eines Blogs immer als die ungeeignetste erschienen.

    Du schreibst, daß du dich an einem neutralen Forum nur als ein Teilnehmer von mehreren beteiligen würdest. Darf ich das so verstehen, daß du bei der Einrichtung, Organisation und vor allem der Moderation nicht engagiert sein möchtest?

    Meine Abneigung gegen Onion und andere Schutzmaßnahmen ist eher psychologisch bedingt. Ich sehe doch an mir selber, wie sich mir alles sträubt, anonymisierende Techniken anzuwenden. Das geht anderen neutralen, am Generalthema Interessierten bestimmt nicht anders. Wir haben natürlich gut reden und wären wir juristisch Betroffene, würden wir stets unter Pseudonym schreiben, ich habe das im Jungsforum ja lang genug getan, obwohl keine Notwendigkeit dazu bestand.

    Das Problem ist also, den Mitdiskutierenden aus der BL-/GL-Szene eine Aufrechterhaltung ihrer Pseudonyme zu ermöglichen, aber für die Außenstehenden als Regelfall ein Schreiben unter Klarnamen vorzusehen. Das geht, so meine ich, ganz gut, ohne daß man das ganze Forum unter tor/ onion-Technik stellt.

    Was meine Teilnahme angeht, sehe ich folgendes Problem. Ich bin quasi mit Google verheiratet, schätze das System und nutze es vielfältig. Aufgrund seiner verqueren US-Regeln kann man mit Google in Foren, Blogs usw. so ungefähr alles machen, was auf Gottes Erdboden denk- und undenkbar ist – nur nicht über Pädothemen schreiben. Ganz egal wie, die kippen das.

    Ich habe als Ersatzlösung im Hinterkopf einen Kontakt zu einem großen deutschen Pornoserver, der in sehr fairer Weise grenzwertige Dienste im sexuellen Bereich betreut. Dort wäre man sicher vor den schnatternden, intrigierenden Tanten vom selbsternannten Kinderschutz und müßte sich nur – was ich für legitim und machbar halte – mit den deutschen Jugendschutzinstanzen im Netz kurzschließen. Mit denen zu diskutieren und auf ihre Argumente einzugehen kann sogar ausgesprochen nützlich sein für die Sache. Dann müßte die Moderation gelegentlich Teilnehmertexte etwas beschneiden.

    Die Ideallösung aber würde ein K l o n des Jungsforums sein, dessen uralte Parsimony-Struktur mich schon vor Gründung des Jungsforums beschäftigt hatte, die tapfere Parsimony-Chefin wohnte 15 Kilometer weiter. Dieses Forum würde in etwa, das wäre mein Vorschlag, so an die Öffentlichkeit gehen:

    Intergenerationelle homosexuelle Beziehungen
    - Ereignisse , Erkenntnisse, Diskussionen -
    Ein neutrales Forum für Täter, Wissenschaftler und Strafverfolger

    Dieser Ansatz impliziert Verschiedenes, über das natürlich vorab diskutiert werden muß.

    1) Girllover leben von der Täter- wie auch von der Opferseite her in einer anderen Welt als Boylover. Ich brauche das hier ja nicht auszuführen. Wir müssen ohnehin Ereignisse und Forschungsarbeiten auch aus dem Girlloverbereich fast ständig mitbehandeln, aber ich würde anregen, wie übrigens beim Jungsforum, bei Boychat usw., die Girllover in ihren eigenen Bereich zu verweisen.

    2) Natürlich spielt die Erotik eine sehr große, oft genug die einzige Rolle im Leben vieler Boylover, konkrete Sexualität wird sehr oft nicht ausgeübt. Trotzdem plädiere ich aus mehreren Gründen dafür, nicht Bezeichnungen wie „Boylove“ in der Forenbezeichnung aufscheinen zu lassen, sondern das Sexuelle offen anzusprechen. Allerdings ist „pädosexuell“ inzwischen zum Lesben- und Blödzeitungskampfwort degeneriert und sollte auch nicht im Titel stehen.

    3) „Intergenerationell“ könnte theoretisch auch Gerontophilie meinen, das kann man aber in Kauf nehmen. „Homosexuell“ ist viel problematischer, denn es ist noch lang nicht geklärt, ob, inwieweit und wie Boylover „homosexuell“ seien – oder eben nicht. Indessen versteht der außenstehende Leser dann viel besser, was gemeint ist.

    4) „Ereignisse“ bezeichnet eine fortlaufende Darstellung aktuellen Geschehens, also der Tatumstände aus Zeitungen, Polizeiberichten, aktuellen Blogs usw. „Erkenntnisse“ meint die Auswertung von Forschungsergebnissen als Kurzreferat.

    5) „Neutral“ versteht sich so, daß es nicht Aufgabe der Redaktion, der Forengründer, der Moderatoren ist, moralisch zu werten. Das muß den beiden Seiten überlassen bleiben, die sich im Forum virtuell die Köpfe einschlagen.

    Im Idealfall würde man versuchen, bei Free Spirits mit einem solchen Jungsforum-Klon unterzukommen. Ich traue mir auch zu, den englischen und französischen Teil von Free Spirits vom Sinnvollen eines solchen neuen Forums zu überzeugen, sehe aber Null Chancen, die deutschen Admins irgendwie solchen Überlegungen näherzubringen. Da habe ich jede, aber auch wirklich jede Hoffnung aufgegeben.

    Ich gestehe, daß ich hier recht gern deine Verantwortlichkeit in Anspruch nehmen würde, das gerade erst geborene Kind also zur Adoption freigeben möchte. Was später dann die konkrete Arbeitsleistung angeht, darfst du auf mich zählen, ich bin eigentlich nicht als faul bekannt.

    Mit stiller Rührung beobachte ich im Jungsforum dieser Tage das – hoffentlich nicht nur vorübergehende – Wiederauftauchen von „Pädolover“. Wieviel Postings haben wir nicht gewechselt, ich war ihm gegenüber meistens unfair, aber vermissen hätte ich ihn nicht mögen. Ähnliches gilt für Antinoos, dem ich in der Rückschau manches gute Wort verdanke. Wenn es gelingt, auf der BL-Seite einige Mitstreiter von solchem Format zu gewinnen, dann könnte was draus werden.

    Im Idealfall ergäbe sich ein echtes Parallelforum zum Jungsforum, in jeder Hinsicht, mit vielen täglichen Querverbindungen, als Öffnung nach außen.

    Weitere Probleme und Chancen ergeben sich. Boywiki müßte restrukturiert und eingebunden werden, und Dieter Gieseking ist ja irgendwie auch noch da.

    Warum nicht zu Beginn ganz naiv vorschlagen, bei „Free Spirits“ ein offizielles Parallelforum zum Jungsforum einzurichten, gleiche Technik, gleiche Verwaltungsstruktur, mit der klaren Aufgabenstellung einer neutralen, fairen Diskussion nach Außen?

  4. 4 Sascha 16. Mai 2012 um 12:14 Uhr

    Meine Mitarbeit als Beteiligter, gerne auch als Moderator, könnte das Forum haben. Mehr nicht. Was die rechtliche Verantwortlichkeit betrifft – nicht mit mir.

    Und das sehe ich auch als ein Problem: Selbst wenn alles dort völlig legal ist, können auf den Verantwortlichen erhebliche Rechtsanwaltskosten zukommen. Man muss nun einmal, wie man am Beispiel Stefan-Text sieht, mit 5 Instanzen rechnen, und die gewinnt man nur mit guten, also teuren, Rechtsanwälten. Oder für einen Link auf eine in D legale Seite in D zu einer Haftstrafe verurteilt werden, wie Gieseking aktuell.

    Dies sind, wohlgemerkt, Risiken, die bei völlig legaler Handlungsweise bestehen, und gegen diese schützt man sich durch Plazierung solcher Seiten im Onion-Netz.

    Hinzu kommt, dass die Kriterien für wissenschaftliche Legitimität eines Beitrags ganz andere sind als die für Legalität, und wissenschaftlich legitime Beiträge heutzutage durchaus illegal sein können. Wenn dies vielleicht auch in D formal noch anders sein mag – weil Darstellungen sexueller Handlungen im wissenschaftlichen Kontext formal-rechtlich wohl immer noch keine Pornographie sind – dürfte D international da eher die Ausnahme sein.

    Boywiki ist natürlich Boywiki und bleibt selbstverständlich unabhängig von irgendwelchen Foren. Wäre ich jedenfalls dafür.

    Ansonsten könntest du mit „Täter“ im Titel die Teilnahme von BLs (auch von mir) vergessen. Es ist ein zu eindeutig negativ wertendes Wort.

  5. 5 Peter Mulzer 16. Mai 2012 um 19:15 Uhr

    Die rechtliche Seite abzuklären traue ich mir zu – in jeder Hinsicht ein kompliziertes, aber juristisch auch interessantes und innovatives Vorhaben. Wo immer die Seite gehostet würde – sogar bei free spirits –, gelten ja für uns deutsche Verantwortliche in vollem Umfang die deutschen Netzregeln.

    Hier ist der ständige Kontakt mit den Jugendschutzinstanzen unverzichtbar, auch Seitenblicke auf den (heute seltsam angestaubten) literarischen Pornographiebegriff können nicht schaden. Auch die (gar nicht so unwichtige) Verleitung zu Straftaten ist wichtig, Jugendpornographie sowieso.

    Ich sehe solche juristischen Netzregelungen etwas heiterer als Mignon, dessen rabenschwarze Brille mich da schon aufregen kann. Es ist doch auch – nicht zuletzt wegen der schauerlichen Europa-Frauengruppe mit dem heuchlerisch-absurden Motto „ein 17jähriger ist ein Kind“ – juristisch teilweise Neuland und man wird nicht gleich in den Käfig gesteckt, um es schweizerisch zu sagen, wenn der Staatsanwalt selbst nicht so recht weiß, wo die Reise hingehen soll, bestes Beispiel unsere schöne „Jugendpornographie“.

    Im Gegenteil wird ein Unternehmen dieser Art lehrreich und spannend. Man darf nur nicht so tun, als wüßte man schon alles. Mir hat es sich bewährt, für solche Vorhaben erst einmal eine Woche im juristischen Seminar in Klausur zu gehen. Man muß versuchen, da Insider zu werden, auch wenn die letzte Vorlesung 30 Jahre zurückliegt.

    Mit Boywiki habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Ich meinte eine beständige Verlinkung und Fortentwicklung dahin bzw. damit. Jede Verlinkung bringt, klar, die Verpflichtung mit, sich den verlinkten Text anzusehen. Und da ist manches in Boywiki halt in der jetzigen Form nicht verlinkbar.

    Das Forum würde nicht so sehr „selber arbeiten“, sondern eine Informationszentrale sein wollen.

    Ich habe da nicht den Kopf in den Wolken. Vermutlich würde in der Praxis etwas Simples und Bescheidenes wie die Herstellung täglicher Abstracts aus der Garconniere, Boychat usw. am ehesten genutzt und geschätzt. Dies zu leisten bin ich jedenfalls bereit.

    Fassen wir zusammen: Ich könnte das schöne Amt des „Sitzredakteurs“ übernehmen, das war zu Bismarcks Zeiten auch irgendein ansonsten nutzloser Greis, der die Gefängnisstrafen absaß, die die böse Zeitung aufgebrummt bekam. Meine einzige Bedingung dafür wäre ein Vetorecht: Immer dann, wenn ich etwas für juristisch nicht möglich halte, dann unterbleibt es.

    Meine zweite Aufgabe wäre das Herstellen der Abstracts, und bei der Moderation würde ich als einer von Mehreren mithelfen, demokratisch.

    Die Planungsphase wird recht spannend. Es gibt viele Punkte zu bedenken und zu diskutieren.

  6. 6 Peter Mulzer 16. Mai 2012 um 22:55 Uhr

    Hier mein Arbeitspapier für den weiteren Ausbau.

    Das Forum gliedert sich in drei Teile.

    Der aktuellen, themenbezogenen Diskussion dient der S p r e c h s a a l, ein nach dem Vorbild des Jungsforum gestaltetes Forum vom Parsimony-Typ. Vor- und Nachteile der Parsimony-Struktur sind bekannt: Rede und Gegenrede entwickeln sich zwar sehr lebendig und leicht überschaubar, aber ältere Themenbäume verschwinden optisch und eine Archivfunktion kann nur durch zusätzliche Sacherschließung eingerichtet werden.

    Aktuelle Ereignisse, aber auch Rechtsfortschritte, politische und psychologische Entwicklungen werden in Kurzfassungen, sogenannten Abstracts, fortlaufend dargestellt in einem der üblichen PhpBB-Foren, also in einem „Kästchenforum“, wie es heute allgemein verwendet wird. Die einfachste Bezeichnung hierfür ist die einer Art „Zeitschrift“ mit dem Titel E r e i g n i s s e und E r k e n n t n i s s e. Soweit es die Rechtslage zuläßt, werden im Interesse einer wissenschaftlichen Auswertung auch längere Kopien aus den Quellentexten veröffentlicht, schon weil viele Netzfunde nach kurzer Zeit am Ort ihrer ersten Veröffentlichung nicht mehr greifbar sind. Zu diesem Quellenmaterial gehören auch ausgewählte, seriöse Textstellen aus den drei größeren Free-Spirits-Foren.

    Während Sprechsaal und Zeitschrift stets tagesaktuell gehalten werden, dient das A r c h i v der Sammlung und Darstellung älterer Texte, insbesondere solcher, bei denen das Urheberrecht einer Wiedergabe nicht im Weg steht. Umstrittene Werke, etwa aus der Feder von Brongersma oder Hakim Bey, müssen im Hinblick auf die deutschen Jugendschutzbestimmungen diskutiert und im Einzelfall auch mit Kennzeichnung gekürzt werden. Soweit angängig, sollte das Archiv auch Bilddarstellungen umfassen, etwa in Kooperation mit Rinrin bei imgsrc.ru. Durch die Wahl einer Servers, der nicht den restriktiven Bilderregeln im angelsächsischen Bereich unterstellt ist, kann eine „optische Sprachlosigkeit“ vermieden werden.

    Das Forum befaßt sich mit homosexueller Pädophile und Päderastie.

    Die verwirrende, zum Teil sogar absurde Vielfalt und Unlogik fast aller Definitionen, Begriffe und Alterszuordnungen im Bereich dessen, was der Gebildete pauschal „pädophil“, der Volkmund aber „Kinderficker“ nennt, kann hier nicht aufgeschlüsselt werden.

    Nützlich ist eine altersmäßige Eingrenzung, wonach im Forum die exotischen Bereiche der Kleinkinderkontakte („Windelsex“) vor der Kindergartenzeit ebenso ausgeschlossen bleiben wie jungmännliche, doch schon eher klassisch-homosexuelle Beziehungen zu Jungen über 16-18 Jahren („Frischfleisch“). Auch ist der Bereich pädophiler Beziehungen von Männern zu Mädchen in fast jeder Hinsicht so deutlich unterschieden von Mann-Junge-Kontakten, daß sich ein Verzicht auf heterosexuelle Pädophilie nahelegt.

    Zwar gab und gibt es im Jungsforum immer wieder Tendenzen, programmatisch-tolerant auch „Girllover“ mit einzubeziehen, in der Tagespraxis aber überwiegt dort das Jungen-Thema zu über 95 vom Hundert. Bei der Dokumentierung in „Ereignisse und Erkenntnisse“ wird man so verfahren: Wenn homosexuelle Pädophilie in irgendeiner Form mit einbezogen ist, erfaßt man Mädchen-Pädophilie am Rande mit.

    Der allgemeinen Verschiebung und Verwirrung der Begriffe ist es geschuldet, wenn der zunächst vermutete Schwerpunkt der Berichte und Analysen im Kinderbereich sich als Trugschluß erweist. Nimmt man bei einem Jungen weltweit die Marke die Marke von 12 Jahren als Untergrenze für den Beginn seiner Pubertät an, dann handelt die weit überwiegende Anzahl der Berichte und Analysen von Pubertierenden, nach landläufiger kontinentaler Auffassung also eher von Jugendlichen als von Kindern. Sehr viele der unter „pädophil“ rubrizierten Skandale etwa im Kirchenbereich, meist auch in Schulen handeln bei näherem Hinsehen von Pubertierenden, sind also einer klassisch definierten Päderastie zuzuordnen.

    Die deutsche Sprache deckt mit dem Begriff des J u n g e n die Alterspräferenzen sowohl des („pädophilen“) Kindknabenliebenden wie auch die des („päderastischen“) Liebhabers älterer Jungen (nach Beginn der Pubertät) ab. Mit seiner Hilfe entkommen wir dem Dilemma der Definitionen.

    Eine weitere Überlegung führt dazu, daß sehr viele homosexuelle Pädophile wenn nicht ihre Wünsche, so doch ihre Lebenspraxis nicht bis in konkret sexuelle Handlungen ausdehnen. Es ist für Pädophile wie für Päderasten typisch, ein reiches erotisches Innnleben zu kultivieren, dagegen haben sie Hemmungen und Verzichtshaltungen in sexueller Hinsicht. Der durchschnittliche Pädophile/ Ephebophile wird durch den Begriff der E r o t i k also ebenso zutreffend gekennzeichnet wie durch den der Sexualität.

    Aus diesen Gründen nennt sich das Forum

    „Erotische Beziehungen zwischen Männern und Jungen“

    mit den Unterabteilungen „Sprechsaal“, „Ereignisse und Erkenntnisse“ und „Archiv“

    und nimmt Umständlichkeit und Länge der Bezeichnung in Kauf. Als Kurz- und Zitierform wird „Erotische Beziehungen“ angestrebt.

  7. 7 Peter Mulzer 17. Mai 2012 um 13:31 Uhr

    Hier nun das praktische Beispiel einer Kurzkritik (im Einzelfall würde ich ins psychologische Seminar rübergehen, mir den Aufsatz antun und eine ausführliche Kurzfassung schreiben):

    Achterberg stellt fest, daß Kinder in stufenweiser Entwicklung ihre eigene Sexualität erleben. Hieraus leitet sie ab, daß Erwachsene Sexualerziehung an Kindern nicht nur als Aufklärung aus der Sicht der Erwachsenen betreiben dürfen, sondern das besondere Sexualerleben des Kindes mit einbeziehen sollen. – Neben unglücklichen Definitionen wie „Kompetenz“ in vielerlei Ausgestaltungen (sexuelle Kompetenz / sozial kompetentes Kind) vermittelt die Autorin gut bekannte Selbstverständlichkeiten über Kindheitssexualität, ihre daraus sich ergebenden Schlußfolgerungen bleiben eher blaß. Kommt dann noch das Einfordern von Kinderrechten hinzu und die Hoffnung, Kinder könnten ihr eigenes Erleben in halbbewußten Seelenbereichen für sich und andere verbal verstehbar schildern, fühlt man sich in die Kinder- und Psychoseiten der taz (Tageszeitung) vor dreißig Jahren zurückversetzt. Nur wurde damals klarer und sorgfältiger geschrieben.

    Und nun die Form, in der ich die Zusammenfasssungen aus jungsforum, Garconniere und Boychat schreiben würde:

    (Achterberg: Kompetentes Kind)
    Dazu wird im Jungsforum diskutiert:
    (Jungsforum, ab 15.5.12) „Lotterbube“ sieht die Autorin als „eine Art trojanisches Pferd im Herzen des Feminismus“, er entlarvt den unnötigen Modebegriff der „Kompetenz treffsicher und vermutet darüberhinaus: „Wenn wir dieses Bild auf die entwickelte Sexualität eines Heranwachsenden übertragen, kommt mir der Verdacht, die Dame wolle nach von ihr geprüftem Erwerb sexueller Verhaltensnormen vielleicht einen Fickpass ausstellen. –
    „Spiderman“ nutzt die Gelegenheit, um für Pädophile eine Art Rechtsgleichheit zu fordern. Seine Formulierung ist insoweit klassisch, als sie eines der Standardargumente der Pädophilen perfekt zusammenfaßt:
    „Das ist ja auch kein Wunder: Wenn feministische Missbrauchsideologen die Kinder mit Aufdeckungszwang bis in deren Intimsphäre traktieren, dann ist es heilsam. Wenn der Pädo mit dem Kind ungezwungen und beiderseits gewollt über Sex spricht, dann ists Missbrauch.
    Wenn das Kind sich einen Porno auf youporn ansieht, dann ists zumindest „bäh“. Schaut der Pädo mit, ists Missbrauch.
    Betreuer sollen Kinder nicht mehr über ihre sexuellen Erfahrungen ausfragen dürfen, wenn auf dem Lehrplan aber steht, dass Kinder über Homosexualität reden müssen oder Selbstbefriedigung vorspielen müssen, dann ists ok. Oder wenn das Kind wildfremden Polizisten über sein Intimleben Auskunft geben muss, dann ists auch ok. Anscheinend ist es auch ok Jugendliche schwer zu bestrafen, weil sie mit 12- oder 13-Jährigen ein bisschen rumgesexelt haben. All das ist ok und wunderbar und notwendig hat man gesagt.
    In Wirklichkeit hat man sich inzwischen völlig von der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen entfernt und sich obendrein völlig, völlig verrannt im Schwarz-Weiß-Denken. Es ist nur noch ein Scherbenhaufen übrig von dem Versuch alles Sexuelle von Kindern als möglichen Missbrauch fernzuhalten und zu kriminalisieren, sich selbst aber gleichzeitig einen Persilschein auszustellen für jegliche Form des Eindringens in die kindliche Sexualität wenn man es für nötig erachtet. Im Grunde macht man genau das, was man den Pädos vorhält. In seiner krassesten Form geht es bis hin zu Erektionsmessungen, Masturbationstagebüchern und Aversionstherapien in den USA. Einzig für den Pädophilen soll das Sexualleben von Kindern tabu sein. Denn schließlich ermordet er Kinderseelen. Die Missbrauchsideologen dagegen wollen auf diesem Feld wüten wie sie lustig sind. Sie meinen es ja schließlich gut.“

    „Didier“ bringt hier eine gesellschaftliche Sündenbock- bzw. Hexenfunktion der Pädophilen zur Sprache, als „psychohygienische Funktion, welche die Päds als Monster der Jetztzeit wahrnehmen“. Begründet wird das nicht, es folgen wirre Spekulationen von westlicher vs. östlicher Kultur. – „Sonny_V“ stellt ihn wieder auf die Füße: „Was Päderastie im Hier und Jetzt bedeutet und bedeuten kann, muss ohne solche kulturkämpferischen, demagogiegetränkten Endzeitphrasen besprochen und bedacht werden!“

    „warrier“ meint: „Ich würde dieses Statement so interpretieren, dass bei der heute üblichen Form der sexuellen Aufklärung von Kindern, den Kindern Sexualität auf Erwachsenenebene „verpasst“ wird. Diese hat aber mit der kindlichen Sexualität nichts zu tun, berücksichtigt diese nicht. (…) “ Man kann im übrigen aus der Reaktion von Kindern sehr genau erkennen, ob man Fragen beantwortet, die die Kinder gar nicht gestellt haben. Das gilt nicht nur für die sexuelle Aufklärung. Die synthetische Welt der Schule ist generell für die Aufklärung von Kindern (wie auch generell für die Wissensvermittlung) sehr ungeeignet, da sie die Besonderheiten der Kinder überhaupt nicht anerkennt, sondern diese über ein gemeinschaftsschädigendes Leistungsprinzip zueinander und in Bezug auf den Lehrer unter Konkurrenz setzt.“

    Cuddly macht anschaulich, wohin eine rabiate Nutzanwendung der (falschverstandenen?) Thesen Achterbergs aus der Sicht des Pädophilen führen wird – sie holen die Vermittlung der fehlenden Kompetenz auf ihre Weise gern nach: „Kompetenz erwächst aus Wissen und Erfahrung. Wenn Kinder über Sexualität genug Wissen aneignen und sexuelle Erfahrungen machen, dann wissen sie auch wie sie sich oder andere stimulieren können, welche Gefühle sie mögen oder nicht mögen, welche Formen sexueller Interaktion sie initiieren können, das funktioniert und wie sie spüren oder erfahren können, was der Andere will oder mag. Wenn man Kinder vor sexuellem Wissen und sexueller Erfahrung fernhält, dann bleiben sie eben sexuell inkompetent.“ –

    „Spiderman“ wird da noch deutlicher: „Bisher war es ausnahmslos so, dass diejenigen, die es erst mit 13 oder 14 Jahren entdeckt haben, enttäuscht darüber waren, dass sie es nicht früher herausgefunden haben, bzw. es es ihnen nicht früher einfach mal jemand gezeigt hat. (…) Wenn man dann mit anderen Jungs redet, die teilweise schon im Alter von 5 oder 6 angefangen sich an ihren Plüschtieren oder Kissen zum Orgasmus zu reiben, dann sagen die, dass sie froh sind, das so früh entdeckt zu haben. (…) Wenn man das überlegt, dann verpassen die bewusst inkompetent gelassenen Kinder tatsächlich was.“

    +++++++++++++++++++++
    Ist diese Art des Zitierens unfair? Ich würde jeden Absatz dann auch ins zugehörige Sachgebiet stellen.

  8. 8 Peter Mulzer 18. Mai 2012 um 17:35 Uhr

    Nachtrag:
    Die Frage stellt sich, wie ich über Beiträge berichte, in denen sich der Verfasser zwar Mühe gibt, aber offensichtlich in eine ganze Reihe von Fettnäpfchen tritt, den Ausgangsbeitrag nicht verstanden hat oder sonst Dunkles äußert. Beispiel der heutige Nachtragsaufsatz von „Kerus“ (Jungsforum 18.5.12).
    „Kerus“ schenkt uns Stilblüten wie „Ich hatte und habe Jungen im Blick – außerhalb pädagogisierter Räume. Und ich „sehe“ auf sie nicht als „Institution“ sondern als Pädo-Person. Ich sehe nicht mit ihren Augen auf sie. Ich unterstelle nur, daß sie „immer schon“ kompetent für sich selber sind und auch so handeln“ oder, ähnlich kurios:
    „Ich habe vorgeschlagen, deshalb den diffamierenden Kampfbegriff des „Machtgefälles“ zu ersetzen durch Kompetenzgefälle. Richtig bleibt, daß dieses Gefälle „wechseln kann“, was schlecht zum Begriff (Bild von Gefälle) passt.
    Persönliche Begegnungen, zumal sich entfaltende persönlich-private, sind gleichrangig – auch im Gefälle der unterschiedlichen Kompetenzen, die Beide ergänzend, komplementär also einbringen und auch Beide zu akzeptieren suchen. “
    Solche Schwurbelsätze sind reines Wortgeklingele, solang die zugrundeliegenden Definitionen von „Kerus“ nicht vorgelegt werden. Aber darf man das in einem Abstract sagen?
    Interessant ist seine Idee, „In anderen Beiträgen habe ich geschrieben, daß es zwischen Junge-Mann ein – hoffentlich – Kompetenzgefälle gibt. In Vielem ist der Bl ja Orientierung für den Jungen. Ich habe vorgeschlagen, deshalb den diffamierenden Kampfbegriff des „Machtgefälles“ zu ersetzen durch Kompetenzgefälle.“.
    Der (ich bleibe dabei:) zweitklassige Aufsatz der Autorin wird so langsam zum universell nutzbaren Haustier für Pädophile.
    Macht es Sinn, die verschlungenen Wege solcher Forendiskussionen nachzuzeichnen in Abstracts?
    Ähnlich schrecklich ist Kerussens Herleitung dessen, was „Sexualität“ bei Kindern sein könnte – spielerisch, vororgiastisch, erst dann richtigen Sex. Ein rührendes Baukastenmodell, von jeglicher Psychoanalyse ganz unbeleckt, haarsträubende Naivitäten vorgetragen im akademischen Ton. Würde „Kerus“ diese meine Beurteilung lesen, könnte ich ihn fragen, was er uns denn sagen wollte.
    Fazit: Es treten methodische Probleme auf, über die diskutiert werden sollte.

  9. 9 Peter Mulzer 19. Mai 2012 um 14:18 Uhr

    Das neue Portal ist im Minimalanspruch nicht viel mehr als eine Sammelstelle dessen, was anderswo gedacht und geschrieben wurde.

    Wir sprachen noch nicht darüber, was denn damit erreicht werden könnte.

    Zwei Kommentare weiter oben hatte ich gezeigt, wie versucht werden soll, eine gewisse Objektivität /Neutralität /Fairness durchzusetzen – indem nämlich beide Seiten in gleicher Weise kritisch beäugt und kommentiert werden. Ich sehe da zur Zeit keinen anderen Weg. Es gibt bisher (vornehm verdeckt wie in Boywiki oder radikal herausproletet wie in manchen Jungsforums-Postings) eine einseitige, subjektive Meinungswelt der Pro-Pädophilen – und dann, interessanterweise ebenfalls in vornehmer bis pöbelhafter Redeweise, die Kinderschützer-, Paragraphen- und Wissenschaftswelt (von exzellenten, oft angelsächsischen Fachartikeln bis zur gnadenlosen Hetze der Boulevardpresse).

    Schon wegen der offenkundigen Symmetrie bietet sich an, beide Kampfhunde einfach gegenseitig loszulassen, bis sie sich die Wunden lecken, um dann wieder aufeinander gehetzt zu werden. Es erscheinen also nicht die Gurus Sascha und Mulzer und äußern verstiegene Weisheiten, sondern die Parteien sprechen selbst. Wobei sie aber, ohne Moderation geht das nicht, von mir und (hoffentlich) weiteren Leuten kommentiert werden. Schon die Textauswahl ist ja Moderation. Nicht nur gescheite, sondern auch *typische* Texte sollen aufgenommen werden. In jeweils kurzen Häppchen, denn lange Texte, das lehrt uns grausam die Realität, werden im Netz meist nicht gelesen.

    Mangelndes Zeitbudget beim Netzleser – ich bin offenbar der einzige hier, der Zeit hat – und ein ausgeprägter Unwillen, in Strukturen zu denken, muß berücksichtigt werden. Wichtig ist deshalb jener Forenteil, der sich „kästchenweise“ den Sachgebieten widmet, jedem Gedanken also eine Nummer vergibt und sie in den komplexen Gesamtbereich einordnet. Was ich meine, ist dies:

    Wir lasen vorgestern die (für mich wirklich ärgerliche) Vorstellung von einer eher harmlosen Kindersexualität, ausgehend von Friktionen und Manipulationen, die das Kind „einfach“ nur angenehm, interessant oder ganz unbeachtlich findet, die dann in Richtung beginnender Pubertät seelisch besetzter und komplexer werden, bis dann der pubertierende Jugendliche endlich seelisch-körperlichen klassischen Sex empfindet. So ähnlich läßt sich die These zusammenfassen. Daraus folgt auf dem Fuße, daß der Pädophile sich ziemlich folgen- und schadenslos in die vorpubertären Stufen der kindlichen Sexualität einklinken könne.

    (Anmerkung: Von fern grüßt hier der alte Initiationsgedanke etwa der Bündischen Jugend, der aber etwas gänzlich anderes und weitaus Sinnvolleres meint).

    Nun gilt es, diese neue(?) These von der harmlosen Kindersexualität mit einer Sachgebietsnummer zu versehen und sie in den Gesamtkontext der Pädodiskussion einzufügen. So können dann ähnliche Gedanken, wenn sie anderswo auftauchen, rasch eingeordnet werden. Dazu brauchen wir aber eine treffende Bezeichnung. Im vorlegenden Beispiel könnte das sein: *These von der harmlosen Kindersexualität.

    Sie würde eingeordnet in den Bücherschrank jener Arbeiten und Thesen, die dieser vermutlich äußerst verantwortungslosen Theorie entgegenstehen. Denn die Fachwelt sieht jene vermeintlich harmlose Kindersexualität in Wahrheit eingebunden in ungeheuer starke, das ganze – auch spätere – Leben beeinflussende seelische Strömungen. Jeder Eingriff, jeder Versuch, jede Manipulation daran kann zu ganz grauenhaften Folgen führen.

    Als Kampftheorie ist die *These von der harmlosen Kindersexualität aber glänzend einsetzbar. Sie hat dann im System des Forums die Bezeichnung „F12″ und jedes Auftauchen dieser Überlegungen kann dort abgelegt werden. Das ist alles sehr vereinfacht gesagt.

    Zurück zur Aufgabe des neuen Forums. Wenn es gelingt, die „Ereignisse und Erkenntnisse“-Abteilung halbwegs seriös zu gliedern und nachzuführen, dann ist die Alltagsdiskussion sehr viel einfacher zu führen. Ich sehe das pragmatisch: Auch Boywiki ist zu akademisch, zu wissenschaftlich angelegt. Vergessen wir doch nicht, daß Psychologen, Soziologen, Pädagogen, Juristen, Kriminologen, Sozialarbeiter, Schulräte, Generalvikare usw. jeweils ihre eigenen Fachtermini und Publikationsorgane haben. Wenn wir alle gleichermaßen und gleichzeitig ansprechen wollen, brauchen wir ein vergleichsweise bescheidenes technisches Niveau, damit alle sich orientieren können.

    Ich breche hier ab, um Saschas Blog nicht noch mehr zuzumüllen.

  10. 10 Sascha 21. Mai 2012 um 21:18 Uhr

    Sicher wäre die Diskussion irgendwo in Pais sinnvoller als hier im Blog, aber, naja, deine Sache, mein Blog wird es überleben.

    Deine Ideen für ein Forum sind ja ganz nett, nur, es findet sich leider niemand der mitmacht. Und da kann man zwar ein Forum mit Unterforen von A16 bis Z32 anlegen, nur bleibt da einfach alles leer. Denn wer sachlich mit Pädophilen diskutiert, ist out, ist Missbrauchslobbyist usw.

    Ich finde es natürlich bedauerlich, dass du dich über eine richtige Theorie ärgerst, naja, dein Problem. Sie beruht halt auf vielfältigen Erfahrungen von Boylovern mit Jungs, die sich gerne einen rubbeln oder rubbeln lassen und gleichzeitig Computer oder Fernseher folgen. Sex ist ein Spiel unter anderen, das gerne gespielt wird, aber halt nicht die Bedeutung hat, die sie für den BL hat. Und die grauenhaften Folgen solcher Spiele sind einfach nur wilde Kinderschützerphantasien ohne jede reale Grundlage. Du siehst mich hier also auf der extremen Seite, und bereit mich zu streiten. Wo auch immer, und mit wem auch immer, ich bin bereit.

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