Der Einsiedler in Zürich

Mackay

Der Einsiedler in Zürich

E.T. in Zürich 1888 – 1895

Dies ist mein Zürich, mein altes,
Hier weil‘ ich seit manchem Jahr:
Ein seltener Zauber umwallt es,
Mild, duftig und wunderbar.

Wie lieb ich das Tal und die Hügel,
Den See und die ruhende Flur! –
Mein sind sie! – Und hätte ich Flügel
Ich höbe bisweilen sie nur,

Um über die Kuppen zu schauen,
Der Höhen duftigen Saum,
Denn was seine Fernen, die blauen,
Mir bergen, ahn‘ ich’s doch kaum . . .

Ich hab‘ keine Flügel. Ich bleibe
Und raste hier Jahr und Tag . . .
Und dichte ein wenig . . . und treibe
Es so, wie ich treiben es mag.

Was wollt Ihr? – Dies stumme Versenken
In alle die Schönheit ringsum,
Das reichste von allen Geschenken
Des Lebens, ich gäb’s nicht darum! –

Nie saht ihr diese Gelände,
Wie ich sie noch heute gesehn,
Um die Tag- und Abend-Wende,
Wenn in Gluten die Hänge stehn,

Ihr, die im Vorüber-Eilen
Nur flüchtig die Grenzen ihr streift,
Und was mir mein sinnendes Weilen
Erst gibt, nicht versteht und begreift. –

Ihr wagt meine Wege zu stören? –
O lasst mich in meinem Revier!
Ich werde doch nie auf Euch hören,
Denn ich lausche den Stimmen in mir.

Die nennen mich: seliger Träumer! . . .
Und trösten: recht hast du getan! . . .
Ach, ob Ihr mich Alles-Versäumer
Auch scheltet, was liegt mir daran!

Ein Schicksal ward mir beschieden,
Das dünkt mich beneidenswert . . .
Hier bleibe ich! – Lasst mich in Frieden!
Ich hab‘ Euren Rat nicht begehrt! . . .

John Henry Mackay


6 Antworten auf „Der Einsiedler in Zürich“


  1. 1 Peter Mulzer 23. April 2012 um 16:29 Uhr

    In Sachen M a c k a y
    Kleines Gedicht, das ich im Jungsforum auch schon vor zehn Jahren hätte schreiben können

    Nur bitte nichts ändern! Ich lasse
    Beim alten die Dinge. Nicht handeln!
    Tun, wirken, agieren? Ich hasse
    Aktionen. Da siehst du mich wandeln,

    Mein Regenschirm heißt Anarchie,
    Da bleib ich schön theoretisch,
    Kämpfen muß ich dann nie,
    Mich schützt der anarchische Fetisch.

    Nur unverbindlich, geistig, in Lüften,
    Nie greifbar, nie praktisch, stets dunkel,
    Die anderen darben in Grüften,
    Sehn nie der Sterne Gefunkel -

    Was kümmern mich wirkliche Leiden,
    Was schert mich Reform, was Konkret,
    Auf meinen anarchischen Weiden
    Siehst du mich in stillem Gebet.

    Ich bete zum Gott der Vernunft,
    Die Aufklärung ist mein Geselle,
    Ich wart auf die Wiederkunft
    Der vermeintlichen griechischen Helle,

    Und wenn man konkrete Reformen,
    Vereine und Bünde und Taten
    Verwirklichen will, neue Normen -
    Sieht man dich da sinnen und raten?

    Das ist dir dann flugs zu konkret,
    Es stört deinen Mackay-Tempel,
    Gefährdet womöglich dein Blumenbeet -
    Was soll dir der praktische Krempel?

    So schwebst du über den Wassern,
    So wandelst du rings um den See,
    Umgeben von tausend Hassern,
    Verleumdet, verschmäht mehr denn je,

    Teilst du das Los, bist verschmäht,
    Legst deinen Hals auf den Block.
    Wenn um die Liebe es geht
    Bleibst du im Fetischrock.

    Weibisch, nicht handelnd, die Taten
    Seien mir fern. Nein, ich denke!
    Von der Gesellschaft verraten
    Brav mein Köpfchen ich senke.

    Pläne! Aktionen! Handeln! Direkt
    Stellung beziehen im Land!
    Tausend Pläne ausgeheckt!
    Reformen, Aufklärung… die Hand

    Sinkt dir hinunter. Du wandelst am See,
    Nur manchmal spricht dein Gewissen,
    Bedenkst du der Freunde Wohl und Weh,
    Die dich im Jungsforum missen:

    Du könntest der Motor zum Fortschritt sein,
    Kongresse, Debatten und Taten,
    Kein Fremdwort ist dir „Gesellschaft“ – und dein
    Schirmherr, er bleibt dir verraten,

    Denn würde M a c k a y hier und im Jetzt
    Leben und schreiben und tun:
    Er wäre bitter enttäuscht, ja entsetzt,
    Wie müßig die Waffen ruhn.

    Aber du wandelst gemach um den See,
    Nichts wird geplant, nichts ist getan,
    Verachtet seid ihr mehr denn je,
    Und am Galgen stellt ihr euch an.

  2. 2 Sascha 24. April 2012 um 8:53 Uhr

    Eine nette Idee, politische Polemik in Gedichtform zu präsentieren. Der Literaturkritiker in mir bemängelt zwar den Übergang der kritisierten Person vom Ich zum Du und am Ende gar Ihr, aber das sind formale Kleinigkeiten.

    Von der politischen Polemik selbst fühle ich mich allerdings nicht getroffen. Was Mackay selbst getan hat, war die literarische Form des Kampfes – die Verbreitung von Ideen, zum Anarchismus wie auch zur Jungenliebe. Genau in diesen Bereichen bin ich auch aktiv – in diesem Blog genau wie in den neuen Onion-Foren. Am Galgen anstellen? Nichts da. Im Gegenteil, im Spofo gibt es Hinweise, wie man sich heute am besten vor dem Galgen schützt. Und wie man Informationen auch gegen den Willen von Zensoren verbreiten kann.

    Ja, Vereine und Bünde verachte ich. Es sind die klassischen, demokratischen Mittel des Parteienkampfes um die besten Posten beim Ausbeuten anderer, sie sind mir suspekt. Das organisatorische Ideal ist letzten Endes der Staat im Kleinen. Darin wäre ich mir der Unterstützung Mackays sehr sicher.

    Der andere Teil meiner Tätigkeit ist das Ausarbeiten von realistischen Plänen für einen libertären Umsturz. Daran kannst du dich in Pais auch gerne beteiligen. Sicher, das ist nicht der klassische Sturm des Winterpalais, wo erstmal Leute umgebracht und Strukturen zerstört werden ohne zu wissen wie die Neue Ordnung überhaupt funktionieren soll. Nein, da sollen Strukturen aufgebaut werden, die besser sind als die bestehenden, und erst wenn sie sich praktisch bewähren, entfallen die alten Strukturen, weil keiner mehr sie nutzt. Aber mit Anstellen am Galgen hat das nun wirklich nichts zu tun.

  3. 3 Peter Mulzer 24. April 2012 um 11:40 Uhr

    Der Literaturkritiker in dir hat Recht, man soll nicht Brüche entstehen lassen zwischen Ich und Er.

    In der Sache meine ich, daß nur dann – gesellschaftlich gesehen – ein Fortschritt möglich ist, wenn eine gemeinsame, offene Plattform eingerichtet wird, in der die Beteiligten und Befaßten aller Seiten miteinander diskutieren.

    Dies müßtest du als Anarchist und Mackay-Anhänger jetzt tun.

    Dabei sollte man, alter Erfahrungen eingedenk, eine strenge Moderation vornehmen nach „unten“ hin, um den Bodensatz der Kinderschützer- und Bildzeitungskrakeeler herauszuhalten, da sonst alles in (zumeist Weiber-) Gezänk untergehen würde.

    Die Gesamtanlage, der Stil und die Verwendung von Dokumentationen und Verlinkungen sollte so geplant werden, daß auch Juristen, Politiker und Wissenschaftler mittelfristig angesprochen werden könnten. Dabei kann man (leider ganz überwiegend nur über die tu-es-nicht) von Dieters komplizierter Webseite lernen.

    Ich sehe keine ernsthaften Sicherheitsprobleme für beteilige Pädophile. Die von dir bis zur Karikatur angepriesenen Anonymisierungstechniken sollten und könnten hier – in einem an sich offenen Forum – den Pädophilen zur Verfügung gestellt werden. Wer als Teilnehmer im Jungsforum den Glauben an die Rechtssicherheit und den Anonymitätsschutz der Niederlande (bzw. der spiegelnden Russen, wenn ich gut berichtet bin) nicht verliert, der kann ebensogut an einem allgemeinen offenen Forum teilnehmen.

    Hier nun scheint mir dein anarchistischer Ansatz ganz ideal zu sein! Von fern hängt das auch mit der Piratenpartei zusammen, die ich an sich gar nicht mag, aber das Prinzip ist politisch ein ähnliches: Gesellschaftlich wird eine ganz neue, „unvoreingenommene“ Ebene gesucht und vorausgesetzt.

    Natürlich bleibt dann immer noch die Schadensfrage im Kern bestehen und die Abstinenzfrage, aber dann könnte eben gemeinsam und offen darüber diskutiert werden. Als Anarchist bist du offen für alle Möglichkeiten, die sich aus der gesellschaftlichen Diskussion ergeben werden, auch wenn sie sich gegen dich selbst richten.

    Wir hatten das tatsächlich – ich rufe Dieter als Zeugen – vor vielen Jahren schon einmal im Jungsforum vorbereitet, nur erwies sich der Testfall „Heidelberg“ damals als nicht tragfähig, mea culpa. Ich wage mir nicht vorzustellen, wie sich die gesellschaftliche Diskussion hätte verändern können, wenn wir damals ein

    *neutrales Forum für den Ausgleich zwischen Pädophilen und der Gesellschaft

    auf die Beine gebracht hätten.

    Der Hauptfehler bei Dieters Bemühungen ist eine ganz närrische Jagd nach juristischen Kleinigkeitserfolgen, eine unsinnige Rechthaberei und der fehlende Blick aufs gesellschaftliche Ganze. Du hättest ihn, diesen Blick, aber Du verrennst dich in die Konstruktion von Sicherheitskammern und Notfallbunkern. Hinter Stacheldraht und von geheimen Höhlen aus läßt sich aber gesellschaftlich nichts erreichen.

    Am meisten zu lernen ist – unter Berücksichtigung der ganz anderen juristischen und sozialen Ausgangslage – aus der NAMBLA-Geschichte. Ich habe die Quellen zur Hand, auch persönliche Erfahrungen dazu, aber außer einigen alten Kämpfern im Jungsforum dürfte das Material niemandem mehr bekannt sein, vor allem den Jüngeren nicht. Damals wurde viel diskutiert über die Anonymisierungsfrage, über Tagungen, Pressekontakte, Verbindung zu Wissenschaft und Rechtssprechung usw.

    Fazit aus meiner Sicht: Hätten die NAMBLA-Leute vor fünfzehn Jahren im alten Europa gearbeitet und nicht in den USA, dann würden sie heute ein lebendiges, wichtiges, segensreiches F o r u m darstellen. Du bist, soweit ich sehe, weit und breit der einzige, der willens und in der Lage ist, gesellschaftspolitisch zu arbeiten im Bereich der Pädophilie – mein Gott, dann tu das doch! Nicht am Zürichsee spazieren gehen, sondern schaffen: Ein neutrales Forum für den Ausgleich zwischen Pädophilen und der Gesellschaft.

  4. 4 Sascha 28. April 2012 um 20:55 Uhr

    Aber das Forum dazu ist doch da – Pais. Wer immer sachlich dort diskutieren will ist herzlich willkommen.

    Die Anonymisierungstechniken werden hier allen zur Verfügung gestellt, jeder kann sich pseudonym anmelden, nicht einmal eine reale e-mail-Adresse braucht man (auch wenn die Software eine solche Eingabe fordert, wird diese nicht überprüft).

    Das Problem ist (und ist es immer schon gewesen), dass die andere Seite gar nicht mit uns diskutieren will. Macht sie ja hier im Blog auch nicht. Das ist kein Problem Einzelner, denn Einzelne, die dies durchbrechen, werden zur „Missbrauchslobby“ erklärt und angegriffen weil sie „Pädophilen eine Plattform geben“. Mit uns sachlich zu diskutieren widerspricht einfach ihrer Strategie. Klar, ist ja auch logisch, wenn klar ist, dass man argumentativ den Kürzeren zieht, lässt man sich auf sowas natürlich nicht ein.

    Aber ich kann da wenig dagegen machen.

  5. 5 Peter Mulzer 28. April 2012 um 23:13 Uhr

    Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, wenn wir eine Handvoll beteiligter Fachleute an den Tisch bekommen wollen.

    Zunächst muß der Rahmen seriös sein. Wissenschaftler haben Regeln, die durchgesagt sind und die sie nicht gut durchbrechen können. Zunächst fachinterne. Besonders schwierig sind da Juristen, aber auch Psychologen beäugen sich gegenseitig kritisch, Mediziner sowieso. Soziologen und Kriminologen werden mitunter auch hemdsärmlich-formlos tätig.

    Das Ganze geht nur, wenn die Z i e l e des Forums vorab klar definiert werden. Diese Zielvorgaben sollten nicht an versteckter Stelle notiert sein (wie etwa im Jungsforum), sondern plakativ vorangetragen werden.

    Zunächst könnte man vorschlagen, das Gespräch zwischen Tätern, Opfern und Experten direkt führen zu wollen, mit dem Hintergrund einer Klärung der Sachfragen und im Idealfall eines Ausgleichs. Das Forum würde also die Aufgabe einer M e d i a t i s i e r u n g erfüllen.

    Das wäre ziemlich neu. Läßt man die bisherigen Auftritte von Dieter Gieseking in den Medien Revue passieren, dann fällt auf, daß immer Journalisten zwischengeschaltet waren. Nie kam es zu einer echten, längeren Diskussion zwischen ihm und der Gegenseite.

    Das muß, so meine ich, das neue Forum gewährleisten.

    Die Diskussion über Antinoos heute im Jungsforum bringt zum Beispiel (1) einen der wirksamsten, besten und interessantesten Aspekt ins Spiel, den Pädophile/ Päderasten auf ihrer Seite haben – die Initation. Nur schon dieser eine Punkt ermöglicht eine spannende Auseinandersetzung.

    Weitere Punkte wären etwa die Bandbreite pädophilen Verhaltens zwischen der (ja ganz vorherrschenden) praktischen Abstinenz einerseits und dem frischfröhlichen Ge- und Verbrauch Berliner Knaben aus Plattenbauvierteln nach Schema Karremann. Beides gibt es. Es gibt im Pädobereich äußerst zynisch-leichtfertige Forennutzer und sehr subtile, fürsorgliche und anständige. Ebenso sollten Pädophile ihrerseits auch die typischen Reaktionsmuster der Kinderschützer hinterfragen dürfen.

    Rein formal muß ein Forum, an dem Wissenschaftler teilnehmen können, ohne Zugangsvorbehalte geführt werden. Schon bei mir, der ich nun nur ein alter Rand-Wissenschaftler bin, ist der Gedanke, mich an deinem Geheimforum nach deiner Strickart zu beteiligen, ganz unmöglich. Wissenschaft lebt von ganz offener Webpräsenz und universeller Verlinkung.

    Da ein Forum solcher Art äußerst medienwirksam und hochgefährlich für die Verantwortlichen sein würde, sollte eine motivierte Leitungsgruppe dafür geradestehen. Das könnten sowohl anonyme wie auch namentlich genannte Personen sein.

    Weil diese Gruppe Kopf und Kragen riskiert bei einem solchen Unterfangen, müßten die Ziele und Methoden des Forums erst einmal gemeinsam ausdiskutiert und festgeschrieben werden.

    (1) http://www.jungsforum.net/messages/238401.htm?thread

  6. 6 Sascha 12. Mai 2012 um 17:39 Uhr

    Es sei hier nochmal gesagt: Pais hat keine Zugangsvorbehalte. Es ist ein völlig offenes Forum. Es ist universell verlinkbar (man verlinke für Nicht-Tor-Nutzer auf .onion.to oder .tor2web.org statt auf .onion), die Zugriffssoftware für die Teilnahme (Tor) ist quelloffen und frei herunterladbar.

    Nichts dort ist ein „Geheimforum“. Lediglich der Betreiber hat keine Lust, Kopf und Kragen zu riskieren, und tut das deshalb auch nicht. Wenn du irgendwo nichtpädophile Leute (müssen ja nicht mal Wissenschaftler sein) findest, die dazu bereit sind, kann ich meine Teilnahme an einem von ihnen eingerichteten Forum zusichern und freue mich schon im Voraus auf eine gehaltvolle Diskussion.

    Leider erwarte ich nicht einmal, dass sich heutzutage überhaupt Wissenschaftler bereitfinden, mit Untermenschen zu diskutieren. Von ein paar mutigen Einzelgängern, denen ihre Karriere wurscht ist, mal abgesehen. In der Hoffnung auf ein Wunder ein leeres Clearnetforum einzurichten habe ich kein Bedürfnis.

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