Archiv für April 2012

Der Einsiedler in Zürich

Mackay

Der Einsiedler in Zürich

E.T. in Zürich 1888 – 1895

Dies ist mein Zürich, mein altes,
Hier weil‘ ich seit manchem Jahr:
Ein seltener Zauber umwallt es,
Mild, duftig und wunderbar.

Wie lieb ich das Tal und die Hügel,
Den See und die ruhende Flur! –
Mein sind sie! – Und hätte ich Flügel
Ich höbe bisweilen sie nur,

Um über die Kuppen zu schauen,
Der Höhen duftigen Saum,
Denn was seine Fernen, die blauen,
Mir bergen, ahn‘ ich’s doch kaum . . .

Ich hab‘ keine Flügel. Ich bleibe
Und raste hier Jahr und Tag . . .
Und dichte ein wenig . . . und treibe
Es so, wie ich treiben es mag.

Was wollt Ihr? – Dies stumme Versenken
In alle die Schönheit ringsum,
Das reichste von allen Geschenken
Des Lebens, ich gäb’s nicht darum! –

Nie saht ihr diese Gelände,
Wie ich sie noch heute gesehn,
Um die Tag- und Abend-Wende,
Wenn in Gluten die Hänge stehn,

Ihr, die im Vorüber-Eilen
Nur flüchtig die Grenzen ihr streift,
Und was mir mein sinnendes Weilen
Erst gibt, nicht versteht und begreift. –

Ihr wagt meine Wege zu stören? –
O lasst mich in meinem Revier!
Ich werde doch nie auf Euch hören,
Denn ich lausche den Stimmen in mir.

Die nennen mich: seliger Träumer! . . .
Und trösten: recht hast du getan! . . .
Ach, ob Ihr mich Alles-Versäumer
Auch scheltet, was liegt mir daran!

Ein Schicksal ward mir beschieden,
Das dünkt mich beneidenswert . . .
Hier bleibe ich! – Lasst mich in Frieden!
Ich hab‘ Euren Rat nicht begehrt! . . .

John Henry Mackay