Der Kampf gegen Lolita City

Ende Oktober hat die Hacker-Gruppierung Anonymous einige Kinderpornoseiten attackiert, speziell eine Seite namens „Lolita City“. Eine Attacke, deren Darstellung in den Medien es mir wert erscheint, im Nachhinein etwas genauer ausgewertet zu werden.

Eigentlich, wenn es gegen die böse Kinderpornographie geht, kann man sich öffentlicher Unterstützung fast sicher sein. Und, ja, ein bisschen Medienecho kam auch. Die Huffington Post berichtete beispielsweise. Äh, wussten Sie, dass es so eine Zeitung gibt? Ich nicht. Ok, auch
bekanntere Medien beteiligten sich: Der Telegraph berichtete, und auf den Webseiten der BBC und des Wall Street Journal findet sich etwas. Auch der Guardian hatte darüber geschrieben, erinnere ich mich, kann aber den Artikel nicht mehr wiederfinden. In deutsch schrieb, neben Heise.de und NTV, auch die FAZ darüber. Allerdings auch nur nebenbei im Feuilleton.

Für eine Kombination zweier Themen, die jedes für sich genügend Schlagzeilen machen – einmal Anonymous, und dann auch noch Kinderpornos – ist das eigentlich eher ein Schweigen im Walde statt eines lebhaften Medienechos. Warum wohl?

Vielleicht liegt es daran, dass man die Verfolgung doch besser staatlichen Stellen überlassen möchte? „Es gab Kritik, was sei denn mit der Unschuldsvermutung, man dürfe die Justiz nicht in die eigene Hand nehmen, aber es war zu spät.“ schreibt die FAZ. Der Telegraph argumentiert gegen solche Attacken wegen dem Risiko, dass man damit einer polizeilichen Ermittlung in die Quere kommen könnte.

Was die Polizei unternimmt

Nur, was genau macht denn so die Polizei dagegen? Die Antwort finden wir in einem anderen Telegraph-Artikel über die „Hidden Wiki“:

“When I wrote about the Hidden Wiki before, I had already contacted the FBI and they knew of it,” said Mr Terban.
“They said that it was in the Tor network, and there wasn‘t much they could do.”

Das FBI kennt die Seiten also seit langem, und macht gar nichts, weil es eine Seite im Tor-Netzwerk ist. Da könne man nichts machen.

Was machen die Deutschen? Dasselbe. Golem.de schreibt:

Golem.de hat beim Bundeskriminalamt angefragt, welche Ermittlungen und Maßnahmen dort gegen Lolita City und Hard Candy laufen.

Eine Behördensprecherin erklärte Golem.de: „Der Sachverhalt ist dem Bundeskriminalamt bekannt. In enger Abstimmung mit unseren nationalen und internationalen Ansprechpartnern zur Bekämpfung der Kinderpornografie gehen wir allen in diesem Zusammenhang polizeilich relevanten Hinweisen – insbesondere im Hinblick auf möglicherweise durch eine zuständige Staatsanwaltschaft einzuleitende Ermittlungsverfahren – nach.“ Einzelheiten zum Sachstand oder Bewertungen des Sachverhalts könnten mit Rücksicht auf laufende Überprüfungen nicht mitgeteilt werden.

Bei einem der internationalen Ansprechpartner, den Briten, klingt das laut Telegraph wenigstens etwas gefährlicher:

The Child Exploitation and Online Protection Centre, British policing’s specialist agency for investigating child abuse, is aware of the Hidden Wiki and other darknets, and the challenges they pose.
“We cannot talk about specific sites for operational reasons. However we are aware that some child sex offenders are using these systems in an attempt to conceal their identity and activities,” a spokesman said.
“So called ‘hidden sites’ are not new and the system they use poses some challenges to law enforcement. We continue to use a variety of techniques to monitor online environments used by offenders so we can identify them and safeguard children.”

Auch die Briten sind also in dieser Hinsicht „challenged“. Aber immerhin tun sie etwas: Sie verwenden verschiedene Techniken, um diese Aktivitäten zu beobachten, um diese Kriminellen zu identifizieren.

Klingt ja recht gefährlich für die Bösen: Sie werden beobachtet. Klar, wann immer eine kriminelle Bande von der Polizei schon beobachtet wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dann zugegriffen wird.

Andererseits erlaubt es auch eine andere Interpretation: Genau wie die Amis kennen die Briten die Seiten schon lange, wissen, dass sie nichts machen können, und machen das, was sie können, und, wie jeder andere Kipogucker, auch dürfen, nämlich die dort zum Runterladen angebotenen Pornos runterladen und sie sich ansehen.

Zugunsten der Beamten nehmen wir mal an, dass sie die Bilder nicht runterladen, um sich darauf dann auf der Toilette einen runterzuholen (obwohl, vielleicht kommt ja daher die so weit verbreitete Behauptung, den Beamten würde beim Kipoauswerten so oft schlecht werden – dann müssen sie natürlich öfter mal schnell aufs Klo), sondern aus der durchaus nachvollziehbaren Idee heraus, dass man aus den Fotos und Videos vielleicht etwas über die Hersteller herausbekommen kann.

Wenn das so wäre, wäre damit allerdings eins besiegelt: Der Kampf gegen Kipo im Internet wäre einfach mal verloren. Es gäbe dann Seiten im Internet, gegen die die Regierungen einfach nichts machen können, weil niemand weiß, wo sie überhaupt rumstehen. Seiten, die trotzdem jedermann zugänglich sind, wo jeder seine Bildchen und Filmchen hochladen kann, und jeder alle dort hochgeladenen Kipos runterladen kann, mit Hunderten von Gigabytes an Kipo.

Welches dieser beiden doch sehr gegensätzlichen Bilder ist nun zutreffend? Das von der kleinen, hochgeheimen Bande, die in Panik ausbrechen müsste, wenn sie mitbekommt, dass ihre hochgeheime Seite auch von der Polizei beobachtet wird? Oder das von den Siegern im Kampf gegen die Zensur, denen klar ist, dass sich die Polizei auf dem Kiposerver auch bedient, die es aber genausowenig stört wie jede Zeitung, wenn sie auch von Gegnern gelesen wird?

Was könnte man statt dessen dagegen tun?

Um das herauszufinden, ist es ganz hilfreich, zu betrachten, was Anonymous gegen diese Seiten getan hat, und wie die Angegriffenen darauf reagiert haben.

Da wäre zuerst einmal die Frage, wie erfolgreich die Attacke insgesamt war. Zuerst einmal klingt es ja, wenn man die Überschriften liest, nach einer Katastrophe für Lolita City: „Anonymous Hacks Lolita City Alleged Porn Ring“, „Hacker group Anonymous takes down over 40 child porn sites“. Aber das sind, nunja, Überschriften von Mainstream-Zeitungen. Glaubt irgendjemand sowas noch?

Detaillierteres findet sich im Netz selbst, beispielsweise hier.

Aber kommen wir zum Inhalt. In der FAZ (die immerhin neutral „In den dunklen Gassen von Lolita City“ titelt), liest es sich beispielsweise so: „Der Höhepunkt der Aktion war allerdings der vergangene Dienstag, an dem eine Liste der Nutzernamen von Lolita City veröffentlicht wurde. Es dauerte nicht lange, bis eine weitere folgte – dieses Mal eine jener Nutzer, deren echte Namen und Daten man herausgefunden hatte. Sie wurden veröffentlicht, teilweise inklusive Adresse und Telefonnummer.“ Sachlich korrekt. Es erweckt allerdings den falschen Eindruck eines Zusammenhangs – als sei man über die Daten, die man auf Lolita City gefunden hat, an die wirklichen Nutzerdaten herangekommen.

Nur, so war es zumindest nur teilweise. Es gab zwei voneinander völlig unabhängige Attacken. Und wenn man sich diese beiden Attacken genauer ansieht, verlieren sie viel von ihrem Schrecken für die Kiposammler.

Die Nutzernamenliste von Lolita city

Natürlich ist es ein anerkennenswerter sportlicher Erfolg, dass man in Lolita City eindringen und die Nutzerliste rausholen konnte. Die Kiposammler bedanken sich, dass auf diese Art eine Schwachstelle in der Serversoftware erkannt und beseitigt werden konnte.

Mit den Daten selbst kann man allerdings wirklich keinen hinterm Ofen hervorlocken. Oder vielleicht doch? Man könnte ja versuchen, diese Nicks mit gleichen, woanders verwendeten Nicks zu identifizieren. Unter Nummer 694 finden wir beispielsweise den Nutzer „obama“ … Irgendwelche Hinweise darauf, dass sein Vorname Barack sei, fehlen zwar. Aber reicht es vielleicht trotzdem als hinreichender Anfangsverdacht für eine Hausdurchsuchung?

Sicherlich, die Jungs von Anonymous haben hier etwas geschafft, was sie eigentlich nicht hätten schaffen sollen, wäre es nach den Betreibern der Seite gegangen. Nur, gebracht hat ihnen das letzten Endes gar nichts. Insbesondere auch nichts, was zu holen für die Polizei überhaupt sinnvoll gewesen wäre. Denn viele Nutzernamen, und zumindest die der aktivsten Nutzer, kriegt man in den allermeisten Foren sehr viel einfacher mit – man meldet sich an und sieht sich um.

Der Anonymous-“Trojaner“

Aber wie kam man nun an echte Namen und Daten heran? Nun, dies gelang auf einem völlig unabhängigen Weg, der von Anonymous selbst hier beschrieben ist – mit Hilfe eines gefakten Tor-Button-Updates. Einen Link zum falschen Tor-Button hatte man auf die „Hard Candy“ Seite der „Hidden Wiki“ gestellt. Klar, wer auf so etwas reinfällt und gefakte Software installiert, der kann natürlich problemlos ausspioniert werden, und es bleibt dann kein Geheimnis mehr, wenn er Lolita City besucht.

190 Leute fielen darauf hinein.

Natürlich weiß ich auch, dass „Trojaner“ dafür nicht die richtige Bezeichnung ist, aber was die generellen Attackierungsmöglichkeiten betrifft, so läuft es doch darauf hinaus – Anonymous hat hier das gemacht, worum es in der Diskussion um den Bundestrojaner geht: Die Software auf dem Computer der betroffenen Sammler dadurch manipuliert, dass sie sie in eine Falle gelockt haben. Eine Falle, die vom Prinzip her nicht komplizierter ist als viele andere Möglichkeiten des Dummenfangs im Internet.

Auch hier dankt die Community der Kiposammler aufrichtig dem Anonymous-Kollektiv, durch diese Attacke noch einmal nachdrücklich auf diese Möglichkeit hingewiesen zu haben. Und dies auf eine doch verhältnismäßig ungefährliche Art und Weise getan zu haben: „Unter den Veröffentlichten allerdings fanden sich bislang auch mindestens zwei Leute, die mit Lolita City nichts zu tun hatten.“ Womit ein Auftauchen auf dieser Liste vor einem rechtstaatlichen Gericht keinerlei Beweiswert mehr haben kann. Zudem sind die Leute jetzt vorgewarnt, und haben nun zumindest ausreichend Zeit, ihre Computer zu säubern.

Der härteste Schlag: eine DDOS-Attacke

War noch was? Ja, es gab noch mehrere Denial of Service Attacken: Eine Menge Bots auf gehackten Computern senden massenweise automatische Abfragen an den attackierten Server, um den einfach zu überlasten.

Auch hierbei gab es einen gewissen sportlichen Erfolg. Stolz berichtet Anonymous: „After our last battle, we were successful in taking out a majority of Freedom Hosting 40+ CP sites for over 24 hours.“ Wow, man ist beeindruckt – ein paar Kiposeiten wurden für mehr als 24 Stunden so überlastet, dass man sie in der Zeit nicht mehr nutzen konnte.

Ein wahrlich harter Schlag gegen die Kipo-Mafia. Ich stelle mir die Gesichter der entsetzten Kiposammler vor – einen ganzen Tag ohne neue Kipos, lediglich mit den bisher schon runtergeladenen Gigabyte, zu überleben, das ist wahrlich ein harter Schlag für einen echten Sammler.

Wie man das Ganze zu einem Erfolg hochzureden versucht

Und so wird etwas verständlicher, warum diese Aktion von Anonymous kein größeres Medienecho gefunden hat: Die Blamage, dass die attackierten Server nach der Attacke in aller Ruhe weiterarbeiten können, ist dann doch zu extrem.

Und vor allem: Es gibt ja eben nichts, was man als Alternative vorschlagen könnte. „Warum tut denn die Polizei nichts dagegen“ hat nun einmal die einfache Antwort: Weil selbst Anonymous, die ohne alle rechtstaatlichen Einschränkungen operieren, nicht dagegen tun kann.

Also, wenn man überhaupt darüber berichtet, dann doch wenigstens so, dass das Ganze wenistens noch nach einem Erfolg von Anonymous aussieht. Die FAZ schreibt beispielsweise:

Lolita City wurde hart getroffen

Also unter „hart getroffen“ verstehe ich bei einem Kipo-Server was anderes. Wegen ein paar DDOS-Angriffen ein paar Tage down – geschenkt. Die Nutzerliste veröffentlicht – ja gut, nicht erwünscht, aber letzten Endes auch geschenkt. Schließlich muss man dort natürlich keine e-mail-Adresse beim Anmelden abgeben. Hart getroffen wurden möglicherweise die 190 Leute, die sich den Anonymous-Trojaner eingefangen hatten, aber daran sind sie selbst schuld, und nicht Lolita City. Die Popularität von Lolita City hat offenbar nicht darunter gelitten. Wie Anonymous selbst feststellen musste: „In addition we realized that
there were now 1626 total users on Lolita City db versus the 1589 total users in our dump of the user database on Tuesday.“

Noch amüsanter ist hingegen folgender Beitrag von NTV:

Der Provider spielte seine Sicherungskopien auf – dann trennte Anonymous mit einem finalen Angriff alle Verbindungen des Servers mit anderen Nutzern. Über 40 Internetseiten inklusive kinderpornografischem Material sollen so gelöscht worden sein.

Oje. Eine wahre Perle des investigativen Journalismus. Aus dem zeitlich begrenzten Dossen wird da plötzlich eine finale Attacke. Final war sie höchstens in dem Sinn, dass Anonymous danach aufgegeben hat. Und mit einem Trennen von Verbindungen scheint man magischerweise Daten löschen zu können. Und warum der Provider, falls beim „finalen“ Angriff nochmals alle Daten gelöscht worden wären, nicht einfach dieselben Sicherheitskopien noch mal raufspielen sollte, erschließt sich mir nicht so ganz. Ist vielleicht eine so anstrengende Arbeit, dass man die nur einmal schafft.

Aber NTV hat noch mehr Brüller auf Lager:

Es dauerte einen Tag, dann veröffentlichte Anonymous die Inhalte des gekaperten „Hidden Wiki“, einer Informationsseite für Pädophile aller Art.

Auf so eine Art der Attacke muss man erstmal kommen – das Veröffentlichen von Inhalten einer Informationsseite. Vermutlich unter Verletzung des Copyrights der Seitenbetreiber? Geht es noch?

Wie reagiert man eigentlich auf die Aufforderung, Kipo-Seiten runterzunehmen?

Kommen wir aber nochmal zur Frage zurück, welchen Charakter die Kipo-Seiten haben – geheime Seiten, die nur einer kleinen Gruppe von Insidern zugänglich sind, die Angst davor haben, dass die Polizei von diesen Seiten erfährt, oder, im Gegenteil, Seiten, deren Betreiber wie selbstverständlich davon ausgehen, dass auch die Polizei mitliest.

Die Beschreibung der Mittel, die den Hackern zur Verfügung standen, und deren letztendlicher Misserfolg deutet es eigentlich schon an:

Die Kiposammler haben gar keinen Grund, ängstlich zu sein. Anonymous hat getan, was möglich ist, gebracht hat es fast nichts. Solange es noch Reste rechtstaatlicher Beschränkungen der heutigen Polizei gibt, kann die Polizei auch nicht mehr tun, also nichts Gefährliches.

Wie um diese Machtverhältnisse noch einmal zu unterstreichen, stellte Anonymous vor dem Angriff auf den Provider Freedom Hosting noch ein Ultimatum. „Freedom Hosting weigerte sich, die Daten aus dem Netz zu nehmen, und wurde zum Ziel von Anonymous.“ beschreibt dies die FAZ, während NTV dies mit den Worten „Als das Unternehmen nach einer Aufforderung die Daten nicht löschte, erledigten das die Hacker selbst.“ beschrieb. Nach den obigen Stilblüten von NTV möchte man das allerdings doch noch einmal genauer nachprüfen, aber im Netz wird dies auch nicht anders beschrieben:

Following the initial attack, Anonymous members found out nearly all of the pornography had the Freedom Hosting digital fingerprint and thus issued the host a warning to remove the content from its server at 9 p.m. (CST) on October 14th. Freedom Hosting refused to comply and two and a half hours later, Anonymous completely shut down Freedom’s services with DDoS attacks

Tja, man lese und staune. Und stelle sich vor, die Polizei wäre auch so nett: Ein netter Beamter ruft an, und fordert den Kipo-Händler auf, seine Kipo-Seiten selbst vom Netz zu nehmen. Sonst würde man Maßnahmen ergreifen. Aber der denkt gar nicht daran und schickt den Beamten zum Teufel.

Aber genau darauf läuft es ja hinaus. Denn ob nun der Beamte selbst oder irgendein Bürger anruft, der jederzeit mit einer anonymen Anzeige die Polizei einschalten könnte, ist ja egal – die Unverschämtheit, so ein Ultimatum zu ignorieren, kann man sich nur leisten, wenn man sich sicher ist, dass einem auch die Polizei nichts tun kann.

Über die Berichterstattung unter den Bedingungen der Zensur

Der eine oder andere Leser wüsste jetzt sicherlich gerne die Links zur Hidden Wiki oder zu Lolita city. Sicherlich, wenn er pädophil ist, auch aus dem einfachen Grund, dass er dort Kipo sucht. Aber das ist keineswegs der einzige Grund. Auch für den Nichtpädophilen wäre es ein sehr viel klarerer Beweis, dass die Attacken von Anonymous vergeblich waren, wenn ich hier einfach einen Link auf die attackierten Seiten angeben könnte.

Die Links, die ich hier angebe, verweisen aber zum größten Teil auf Mainstream-Medien, also auf Quellen, die für ihre Verlogenheit notorisch sind. Medien, die gerade auch meiner Meinung nach extrem verlogen sind – was ich ja teilweise hier auch aufzeige.

Meine inhaltliche Argumentation könnte problemlos viel direkter sein. Ich argumentiere über den gesunden Menschenverstand, stelle die einen Zitate aus den Mainstream-Zeitungen anderen gegenüber um Widersprüche aufzuzeigen, wo es doch eigentlich viel einfacher ginge.

Anonymous attackiert Lolita City, das Ergebnis ist ein Misserfolg. Was wäre hier einfacher, als Sachbeweis, als ein direkter Link auf die attackierte Seite, der beweist, dass die Seite weiterhin existiert, und weiterhin das tut, was ihr Ziel ist, nämlich Kipo zu verbreiten?

Aber diesen einfachsten Sachbeweis kann ich hier nicht leisten. Denn dies wäre, nach deutschem Recht, Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornographie. Nichts läge mir, als Boylover, ferner als Beihilfe zur Verbreitung von Mädchenpornos (wie eklig) zu leisten, aber das würde Gerichte und Staatsanwaltschaft kaum interessieren. Ich könnte dafür problemlos ins Gefängnis wandern.

Dies schränkt mich sogar noch weiter ein. Auch ein Link auf die Hidden Wiki, der beweisen würde, dass auch diese von Anonymous attackierte Seite weiterhin frei zugänglich ist, ist mir nach deutschem Recht, zumindest scheint es so, verboten. Sicher enthält sie selbst keinerlei Kipo. Aber auf irgendeiner ihrer Unterseiten (wie in Wikis halt nicht ganz unerwartet), sollen sich ja Links zu den verschiedenen Kipo-Seiten finden. Also darf ich wohl auch diese Adresse nicht angeben.

Aber sind denn wirklich Links verboten, wenn sie lediglich auf Seiten verweisen, die solche Links enthalten? Ja, in Deutschland ist es (zumindest für die pädophilen Untermenschen) sogar noch schlimmer: Wenn man lediglich eine Seite verlinkt (sagen wir mal, Schutzalter-Blog), wo auf eine Seite verwiesen wird (sagen wir mal, Wikileaks), wo sich dann unter 3863 Links 6 kinderpornographische finden (wie es für geleakte Zensurlisten typisch sein dürfte), kann man deswegen nicht nur eine Hausdurchsuchung kriegen, sondern sogar noch wegen Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornographie in den Knast wandern. Nein, das ist kein Joke. Diese Realsatire auf deutsche Rechtsstaatlichkeit passierte in Pforzheim. Gut, ein bisschen Hoffnung besteht – noch ist dieses Skandalurteil nicht rechtskräftig.

Trotzdem, falls es rechtsgültig bleiben würde, dürfte ich noch nicht einmal auf eine Seite verlinken, die selbst auf die Hidden Wiki verlinkt. Nun, eine Tor-Adresse ist ja eine höchst kryptische Zeichenfolge, die nicht einfach so zufällig vorkommt. Daher dürfte eine Google-Suche nach dieser kryptischen Adresse, die ich Ihnen leider nicht mitteilen darf, eine recht genaue Zahl der Verlinkungen der Hidden Wiki liefern. Google findet dazu „About 28,800 results“. Sicherlich, allzu sehr kann man solchen Zahlen nicht vertrauen, heute früh waren es beispielsweise lediglich um die 24000. Also ergibt es sich, dass ich um die 28000 verschiedene Webseiten, die sich mit dem Thema Hidden Wiki auf die eine oder andere Seite befassen, und die möglicherweise weitere interessante Informationen enthalten, gar nicht verlinken dürfte.

Dies ist selbstverständlich verfassungswidrig. Denn all diese 28000 von Google gefundenen Seiten, wie auch die Hidden Wiki selbst, sind natürlich öffentlich zugängliche Quellen, aus denen sich jedermann informieren kann. Sicherlich, um auf die Hidden Wiki zuzugreifen, muss man Tor installiert haben. Aber Tor ist ja selbst problemlos öffentlich zugänglich. Und damit ist auch die Hidden Wiki eine öffentlich zugängliche Informationsquelle.

Aber wen interessiert schon das Grundgesetz, wenn man auf Pädohatz ist?


10 Antworten auf „Der Kampf gegen Lolita City“


  1. 1 May 17. Januar 2012 um 0:39 Uhr

    Absolut geiler Artikel! Und ich geh mal davon aus dass man mit ein bisschen googeln die Seiten gut findet :-) Womit Anonymous eher das Gegenteil erreicht hat xP

  2. 2 Peter Mulzer 17. Januar 2012 um 1:36 Uhr

    Mir ist auch nach zweimaligem Lesen deines Beitrags nicht recht klar, was Du uns Neues sagen möchtest. Das kann freilich auch an mir liegen.

    Ein Versuch, Ordnung in deinen Text zu bringen, würde aus meiner Sicht vom Ende her stattfinden, deinen Text also auf den Kopf stellen:

    1.
    Die Misere, aber auch die Stärken der deutschen Internet-Gesetzgebung Kinderpornographie betreffend sind bekannt. Das Dilemma der Verlinkung auch. In Klammern wäre anzumerken, daß Dieter sein Verfahren in Pforzheim niemals bekommen haben würde, wenn er nicht, wohl zurecht, als Kinderporno-Aktivist in dem Sinn bekannt wäre, daß er in sein allzuweites Herz auch – in gewissen Grenzen – Kinderpornographie eingeschlossen hat.

    Der von dir erwähnte „Schutzalter“-Blog dagegen bewegt sich, wie auch meine Arbeit, mehr im äußerst unklaren Bereich der Jugendpornographie, den man einstweilen in Ruhe läßt – wohl wissend, daß wir da ein unausgegorenes, fast nicht umsetzbares Gesetz haben.

    2.
    Das führt uns zum nächsten Punkt, der sich bei dir nur über die reichlich zitierten Presselinks nachvollziehen läßt – ist denn Lolita City nach einer Einschätzung nun jugendgefährdend, findet man dort Pornographie, insbesondere Kinderpornographie?

    Wenn ja, dann weiß man doch aus vielen Beispielen, was stattfindet. Erstens jagt die Polizei mit wechselndem Erfolg hinter der Seite und ihren Nutzern her. Zweitens mobilisieren die Kinderschützer auch noch ihre letzte Flinte. Drittens, auch das ist doch nicht neu, versuchen sich diverse Hacker an den schlimmen Seiten. Viertens benutzen die User bewährte und nicht bewährte Umwege – über Tor wäre viel zu sagen – zum vermeintlich sicheren Zugang. Aber, bitte, was soll uns das Neues sagen?

    3.
    Dein Beitrag sagt über dich mehr aus als über die Situation. Was bitte soll deine durchgängig angewandte Ironie, die Veralberung, das spöttische Gehabe, mit dem du deine Schreibe entwertest, deklassierst? Warum beziehtst du nicht klare Stellung zu den zugrundeliegenden Fragen? Sag doch, was Sache ist!

    Der geplagte Leser möchte von dir zunächst hören, was denn du von Lolita City hältst, wie du sie einschätzest! Er will wissen, wie du den Kinderschutzfaktor, die Dienstleistungen, die T e n d e n z von Lolita City beurteilst! Und – ist sie deiner Einschätzung nach jugendgefährdend – diesen Punkt vergißt man gern. Es geht nämlich auch um Jugendschutz um Netz, nicht nur um die Kinderpornofrage.

    Wird die W ü r d e der kleinen Mächen in Lolita City geachtet, ist dieses System verantwortungsbewußt geleitet, w e r bestimmt dort, wer leitet?

    Zusammenfassung:

    Bitte erst d e i n e klare Einschätzung und Wertung von Lolita City, davon ausgehend d e i n e Einschätzung der Polizeiarbeit, der Rechtslage überhaupt in diesem Fall, und dann erst die Schelte, wo sie angebracht sein mag.

    Über deinen Text bin ich diesmal gar nicht amused.

  3. 3 Sascha 17. Januar 2012 um 12:45 Uhr

    Tut mir leid, aber irgendwelche Stärken deutscher Internet-Gesetzgebung sind mir nicht bekannt. Ich wüsste auch gar nicht, worin die bestehen könnten, außer in der Nichtexistenz einer Gesetzgebung. Denn als Anarchist bin ich gegen jede staatliche Einmischung, in was auch immer.

    Das Neue besteht ganz klar darin, dass es anders ist als in den vielen Beispielen, die du kennst. Die Polizei jagt eben nicht hinterher. Sie hat die Adresse, kann auf die Seiten zugreifen und sich, wie jeder Nutzer, die neuesten Kipos von dort runterladen. Dann können sie sich die Kipos ansehen, nach Hinweisen auf die Hersteller. Den Kampf gegen die Verbreitung hat die Polizei verloren.

    Ansonsten verlangst du von mir gerade einen klaren Rechtsbruch: Ich soll mir eine als Kinderporno-Seite bekannte Seite anschauen, begutachten, was dort wirklich drauf ist, und dann noch die Information darüber verbreiten.

    Dem werde ich natürlich nicht folgen. Wozu auch? Mich interessiert nämlich überhaupt nicht, was man auf Lolita City für den Jugendschutz tut. Ich denke mal, rein gar nicht. Aber vielleicht hat ja der Seitenbetreiber, aus Jux, irgendwo ein „Erst ab 18″ oder auch „Erst ab 99″ eingebaut. Überprüfen könnten die Betreiber das sowieso nicht, selbst wenn sie es wollten. Davon, dass dort Zensurgesetze aller Art gebrochen werden, gehe ich aus.

    Denn darum geht es in Netzwerken wie Tor: Die technische Verhinderung von Zensur. Und bei einer solchen technischen Verhinderung von Zensur steht die Frage überhaupt nicht, was man von einer konkreten Seite hält, ob man selbst glücklich darüber ist, dass es diese Seite gibt. Technische Verhinderung der Zensur ist, genau wie Zensur selbst, eine Waffe, die, wie jede Waffe, von jedem genutzt werden kann, von den Guten und den Bösen. Und wenn diese Waffe bewirkt, dass der FBI, eine unglaublich mächtige Polizeiorganisation, machtlos gegen einen Kinderpornographieverbreiter ist, der, glaubt man den Angaben von Anonymous, bescheidene 600 britische Pfund pro Tag einnimmt, dann ist das eine gute Nachricht für die Informationsfreiheit, vergleichbar mit der, dass die Zahl der iranischen Tor-Nutzer, trotz Tor-Zensur, die der Deutschen von Platz 2 in der Welt verdrängt hat.

    Eine Einschätzung der Polizeiarbeit erübrigt sich also, weil es glücklicherweise gar keine Alternativen gibt. Oder etwa doch? Es wäre hochinteressant, hochbrisant, zu erfahren, wenn die Polizei doch etwas tun könnte.

    Schelte verteile ich lediglich an die Berichterstattung darüber und an die aktuelle Zensurgesetzgebung. Deine Anmerkung was Dieter betrifft teile ich. Nur klingt das bei dir irgendwie fast wie eine Entschuldigung. Das sehe ich anders – gerade deswegen geht es hier ganz klar um polizeistaatliche Verfolgung wegen seiner politischen Position.

  4. 4 Peter Mulzer 17. Januar 2012 um 15:41 Uhr

    Sei bedankt für deine Klarstellung. Ich schätze persönlich und menschlich die Anarchisten, von denen ich einige in Basel und Zürich näher kennengelernt habe – aber zu einer vernünftigen Rechtspolitik und Ordnung unserer Gesellschaft haben sie meistens keine Lust. Die brauchen wir aber, das wäre meine Gegenposition.

    Dieters Art, seine Anliegen zu vertreten, hat sich in letzter Zeit sehr gemausert, um es mal so zu sagen, aber p o l i t i s c h vermag ich da keine Position zu sehen. Auch nicht bei seinen „Verfolgern“. Die Staatsanwälte gucken ihm vielmehr, so meine Einschätzung, genau auf die Finger, ob er Kindern und Jugendlichen schaden könnte mit seiner Arbeit. Da geht es nicht um „Politik“, sondern um Schadensabwägung.

    Du schreibst von „polizeistaatlich“, wenn ich aber meinen Blick in die nahen und ferneren Länder richte, von Frankreich über England in die USA und weiter nach Australien, dann atme ich tief durch und freue mich, in Deutschland zu leben. „Polizeistaat“? Das ist, so meine ich, ungerecht formuliert.

    Als Anarchist bist du in Diskussionen quasi unangreifbar. Aber auch einsam.

  5. 5 Sascha 17. Januar 2012 um 19:52 Uhr

    Nun, zu einer vernünftigen Ordnung unserer Gesellschaft habe ich durchaus Lust, und die marktlibertäre oder anarcho-kapitalistische Richtung, der ich mich zurechne, hat recht klare Ordnungsvorstellungen. Da ist einmal eine ganze Menge ökonomischer Theorie der östereichischen Schule (Rothbard, Hoppe), wie man sie auf mises.org findet aber, aber auch David Friedman zu nennen, oder das hier vorgestellte Modell einer Netzwerkgesellschaft.

    Diese Modelle dürfen alle gerne argumentativ angegriffen werden. Dass sie es nicht werden, ist ein Problem der heutigen „demokratischen“ Diskussionskultur, in der Argumente nichts mehr zählen und durch ad hominem Attacken ersetzt werden, und alle politischen Positionen außerhalb des sozialdemokratischen Mainstream als extremistisch verdammt werden.

    Der Polizeistaatsvorwurf ist eher qualitativ gemeint, die Verfolgung eines pädophilen Aktivisten wegen eines Links auf eine Seite, die hier in D legal ist (soweit ich verstanden habe, wurde ein Verfahren gegen diese Seite eingestellt) hat nichts mehr mit einer rechtsstaatlichen Durchsetzung von Gesetzen zu tun, sondern ist Willkür.

    Deiner Einschätzung, dass es irgendeinem der Strafverfolger wirklich um mögliche Schäden bei Kindern ginge, kann ich überhaupt nicht folgen. Als wenn sich Kinder und Jugendliche auf Dieters Seiten herumtreiben würden. Und wenn eine klar formulierte Forderung nach Änderung von Gesetzen keine politische Forderung ist, was dann? Und das ist ja nicht das Einzige, was bei ihm politisch ist, der gesamte Kampf gegen die Diskriminierung Pädophiler ist politisch.

  6. 6 Janus 20. Januar 2012 um 23:29 Uhr

    Dass du die Huffington Post nicht kennst ist schon ein echtes Recherchedefizit. Diese Zeitung hat sich in den letzten Jahren zu einer erstklassigen Quelle entwickelt und man kennst sie eigentlich auch wenn man im globalen Internet unterwegs ist.

  7. 7 Sascha 21. Januar 2012 um 14:12 Uhr

    @Janus: Erwischt. Naja, ich bin ja auch nicht der große Recherchierer. Viel mehr als gegoogelt habe ich für den Artikel ja auch nicht.

  8. 8 Politie 23. Januar 2012 um 22:49 Uhr

    „Es wäre hochinteressant, hochbrisant, zu erfahren, wenn die Polizei doch etwas tun könnte. “

    Hat sie doch schon längst. Man erinnere sich an diverse von der niederländischen Polizei gehackte Foren letztes Jahr:
    http://wireupdate.com/wires/19812/dutch-police-infiltrate-hidden-child-porn-websites-in-the-u-s/
    Die werden sicher nicht tatenlos zusehen. Es existieren ja einige potentielle Angriffsmöglichkeiten auf die Nutzer.

  9. 9 Sascha 24. Januar 2012 um 16:01 Uhr

    Dass es einige potentielle Angriffsmöglichkeiten gibt, insbesondere Schwachstellen der Server selbst, und außerdem Dummheiten der Nutzer, ist ja klar. Dies sind aber alles Sachen, die auch in einem ideal arbeitendem Tor-Netzwerk möglich wären, also keine Schwachstellen von Tor.

    Beim beschriebenen Szenario scheint mir außerdem plausibel, dass es nicht mal Schwachstellen der Server waren, sondern dass der unabhängig davon gefasste Niederländer selbst die Admin-Privilegien hatte, und entweder kooperiert hat, oder die Zugangsdaten selbst nicht ausreichend gesichert hat. Damit könnte man alles erklären, sogar das behauptete Löschen von Kipo auf den nicht geknackten Servern – mit den Zugangsdaten eines Nutzers kann man die von diesem hochgeladenen Dateien auch ohne Sicherheitslücke wieder löschen, wenn der Server dies erlaubt.

    Die anderen Beschreibungen der „Infiltration“ – also das eigene Sichern der zugänglichen Daten, das Anmelden von Undercover-Agenten, das Erschrecken von Nutzern durch Information über polizeiliche Ermittlungen – stehen der Polizei selbstverständlich zur Verfügung.

  10. 10 Marco 07. Mai 2016 um 21:47 Uhr

    Ich wusste 2005 durch zukunftia von der Existenz der Huffington Post. Ooh, da steht Los Angeles Times, aber trotzdem habe ich dadurch von der Huffington Post erfahren. www.zukunftia.de/366/steckt-das-paedophilie-virus-in-star-trek/

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