Kommentarmanipulationen bei Zeit.de

Ich habe mal ein bisschen unter „Alexander Lobov“ auf Zeit.de Kommentator gespielt. Ganz nett dort. Als Anarchist kann man beispielsweise völlig problemlos den Staat pauschal als verbrecherische Organisation bezeichnen, wegen des Verstoßes gegen die Goldene Regel.

Und eine Zeit lang lief auch, aus Anlass eines Artikels über die Odenwaldschule, eine Diskussion über Pädophilie.

Nunja, sie lief, wie ich sowas gewohnt bin. Genügend Möglichkeiten für mich, ein paar sachliche Information zum Thema zu verbreiten, die übliche Taktik der persönlichen Diffamierung von der Gegenseite, da man inhaltlich kaum was zu sagen hatte. Irgendwann wurde es der Redaktion dann zuviel. An sich kein Problem. Sogar sachlich zu rechtfertigen, da sich das Thema von Odenwaldschule weg in Richtung Pädophilie bewegt hatte.

Aber irgendwie muss dann doch jemandem aufgefallen sein, was sich dort inzwischen angesammelt hatte. Wie eine „Dame von Welt“ vermutete: „Ich werde auch den Eindruck nicht los, daß Sie so manches aus Ihren Kommentaren hier einfach öffentlich geschrieben sehen wollen.“ Da hatte sie nicht ganz unrecht.

Und ich konnte in der Hinsicht sehr zufrieden sein. Wie üblich, wenn sachliche pro-pädophile Beiträge nicht pauschal gestrichen werden, ist das, was rauskommt, einschließlich der offensichtlichen Hilflosigkeit der Opponenten, fast reine pro-pädophile Propaganda.

Und Pädophilen darf man natürlich keine Plattform bieten. Also musste was getan werden. Erstmal wurde ich gesperrt. Man liest zwar folgendes: Wir ermahnen Nutzer per E-mail, wenn sie regelmäßig oder besonders heftig gegen unsere Regeln verstoßen. Bei schweren oder wiederholten Verstößen schließen wir Nutzer von der Teilnahme an der Community aus. Allerdings habe ich keine einzige solche E-mail-Ermahnung bekommen. Wüsste auch nicht weswegen. Nicht mal eine Begründung für die Sperrung wurde mir zugeschickt. Aber naja, als Untermensch sollte man da nicht so kleinlich sein.

Dann erfolgte eine nachträgliche Streichung von sehr vielen meiner Beiträge. Und das in einem Ausmaß, welches wohl selbst der Moderation peinlich war. Eigentlich hat die Zeit ja begrüßenswerte Prinzipien bei ihrer Moderation:

Wir bemühen uns, die Moderation Ihrer Beiträge so transparent wie möglich zu gestalten.

Finde ich sehr gut. Wenn beispielsweise der Text des Beitrags vollständig gelöscht wird, findet der Leser trotzdem noch einen Eintrag, der beispielsweise so aussieht:


Alexander Lobov
21.09.2011 um 18:47 Uhr

252. @275 Rechtslage

Entfernt. Die Redaktion/sh

Jeder Leser kann also wenigstens grob abschätzen, wie stark die Diskussion von der Zensur beeinflusst wurde.

Das hat außerdem den Vorteil, dass durch diese Art von Zensur die Kommentar-Nummerierung nicht durcheinander kommt. Weswegen man sich in seinem Kommentaren auf andere Kommentare beziehen kann, indem man ihre Nummer angibt. Man gibt also, wenn man auf Kommentar Nummer 275 antwortet, einfach @275 an. Im obigen Beispiel ist der Kommentar Nummer 252 also eine Antwort auf den Kommentar Nummer 275.

Ups? Nr. 252 als Antwort auf Nr. 275? Wie geht denn das? Habe ich da etwa in die Zukunft geschaut?

Oder sind da über Nacht mindestens 24 Kommentare irgendwohin ins Nirvana entfleucht? Ohne irgendeine Spur in Form eines „Entfernt. Die Redaktion“ zu hinterlassen?

Aber naja, seien wir mal nicht so streng. Schließlich steht ja da nur Wir bemühen uns, die Moderation Ihrer Beiträge so transparent wie möglich zu gestalten. Dass es einem Moderator bei der Zeit nicht möglich ist, eine sachliche Pädodiskussion stehen zu lassen, ist offensichtlich. Aber ist es ihm zumindest noch möglich, das Ausmaß der nachträglichen Zensur transparent zu machen? Scheinbar nicht einmal das.


1 Antwort auf „Kommentarmanipulationen bei Zeit.de“


  1. 1 yyaa 26. September 2011 um 23:05 Uhr

    Zensur ist überall. Und das nicht nur bei Pädo-Themen!

    Es ist leider echt immer das gleiche…

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