Archiv für September 2011

Kommentarmanipulationen bei Zeit.de

Ich habe mal ein bisschen unter „Alexander Lobov“ auf Zeit.de Kommentator gespielt. Ganz nett dort. Als Anarchist kann man beispielsweise völlig problemlos den Staat pauschal als verbrecherische Organisation bezeichnen, wegen des Verstoßes gegen die Goldene Regel.

Und eine Zeit lang lief auch, aus Anlass eines Artikels über die Odenwaldschule, eine Diskussion über Pädophilie.

Nunja, sie lief, wie ich sowas gewohnt bin. Genügend Möglichkeiten für mich, ein paar sachliche Information zum Thema zu verbreiten, die übliche Taktik der persönlichen Diffamierung von der Gegenseite, da man inhaltlich kaum was zu sagen hatte. Irgendwann wurde es der Redaktion dann zuviel. An sich kein Problem. Sogar sachlich zu rechtfertigen, da sich das Thema von Odenwaldschule weg in Richtung Pädophilie bewegt hatte.

Aber irgendwie muss dann doch jemandem aufgefallen sein, was sich dort inzwischen angesammelt hatte. Wie eine „Dame von Welt“ vermutete: „Ich werde auch den Eindruck nicht los, daß Sie so manches aus Ihren Kommentaren hier einfach öffentlich geschrieben sehen wollen.“ Da hatte sie nicht ganz unrecht.

Und ich konnte in der Hinsicht sehr zufrieden sein. Wie üblich, wenn sachliche pro-pädophile Beiträge nicht pauschal gestrichen werden, ist das, was rauskommt, einschließlich der offensichtlichen Hilflosigkeit der Opponenten, fast reine pro-pädophile Propaganda.

Und Pädophilen darf man natürlich keine Plattform bieten. Also musste was getan werden. Erstmal wurde ich gesperrt. Man liest zwar folgendes: Wir ermahnen Nutzer per E-mail, wenn sie regelmäßig oder besonders heftig gegen unsere Regeln verstoßen. Bei schweren oder wiederholten Verstößen schließen wir Nutzer von der Teilnahme an der Community aus. Allerdings habe ich keine einzige solche E-mail-Ermahnung bekommen. Wüsste auch nicht weswegen. Nicht mal eine Begründung für die Sperrung wurde mir zugeschickt. Aber naja, als Untermensch sollte man da nicht so kleinlich sein.

Dann erfolgte eine nachträgliche Streichung von sehr vielen meiner Beiträge. Und das in einem Ausmaß, welches wohl selbst der Moderation peinlich war. Eigentlich hat die Zeit ja begrüßenswerte Prinzipien bei ihrer Moderation:

Wir bemühen uns, die Moderation Ihrer Beiträge so transparent wie möglich zu gestalten.

Finde ich sehr gut. Wenn beispielsweise der Text des Beitrags vollständig gelöscht wird, findet der Leser trotzdem noch einen Eintrag, der beispielsweise so aussieht:


Alexander Lobov
21.09.2011 um 18:47 Uhr

252. @275 Rechtslage

Entfernt. Die Redaktion/sh

Jeder Leser kann also wenigstens grob abschätzen, wie stark die Diskussion von der Zensur beeinflusst wurde.

Das hat außerdem den Vorteil, dass durch diese Art von Zensur die Kommentar-Nummerierung nicht durcheinander kommt. Weswegen man sich in seinem Kommentaren auf andere Kommentare beziehen kann, indem man ihre Nummer angibt. Man gibt also, wenn man auf Kommentar Nummer 275 antwortet, einfach @275 an. Im obigen Beispiel ist der Kommentar Nummer 252 also eine Antwort auf den Kommentar Nummer 275.

Ups? Nr. 252 als Antwort auf Nr. 275? Wie geht denn das? Habe ich da etwa in die Zukunft geschaut?

Oder sind da über Nacht mindestens 24 Kommentare irgendwohin ins Nirvana entfleucht? Ohne irgendeine Spur in Form eines „Entfernt. Die Redaktion“ zu hinterlassen?

Aber naja, seien wir mal nicht so streng. Schließlich steht ja da nur Wir bemühen uns, die Moderation Ihrer Beiträge so transparent wie möglich zu gestalten. Dass es einem Moderator bei der Zeit nicht möglich ist, eine sachliche Pädodiskussion stehen zu lassen, ist offensichtlich. Aber ist es ihm zumindest noch möglich, das Ausmaß der nachträglichen Zensur transparent zu machen? Scheinbar nicht einmal das.

Der Wunsch nach Freiheit

Was macht die Boylover eigentlich für Jungs so attraktiv?

Der eine oder andere Boylover mag diese Frage völlig abstrus finden, weil er, trotz sehnlichstem Wunsch danach, gar keine Kontakte mit Jungs hat, und all seine Versuche, solche zu etablieren, in totalen Fiaskos geendet haben. Aber ich denke, die Mehrheit derjenigen, die Kontakte mit Jungs haben oder hatten, wissen, wie einfach so etwas zumindest im Prinzip geht.

Wo immer das geht, spielen Jungs gerne mit Männern, quatschen auch gerne mit ihnen, und kommen, wenn die soziale Umgebung dies gestattet, auch gerne zu ihnen nach Hause. Was wollen sie da? Was haben sie dort verloren? Es ist eigentlich ganz einfach – sie wollen halt den Mann als Freund haben. Warum auch immer. Das wird immer von den verschiedenen Wünschen der Jungs abhängen, genau wie auch von den verschiedensten persönlichen Qualitäten des Boylovers – Qualitäten, die unter Boylovern genauso verschieden sind wie unter anderen Leuten auch.

Aber es gibt ein Bedürfnis, welches so ziemlich alle Jungs teilen: Der Wunsch nach Freiheit, der Wunsch, das tun zu können, was sie selbst wollen. Diesem Wunsch können sie die meiste Zeit ihres Lebens nicht folgen – in der Schule haben sie Lehrern zu gehorchen, und zu Hause haben, zumindest normalerweise, die Eltern das Sagen. Um ihren eigenen Willen durchzusetzen, müssen Jungs kämpfen.

Und das tun sie auch. Wer als Erwachsener mit Jungs zu tun hat, egal in welcher Art, weiß es: Man wird ausgetestet. Jeder normale Junge versucht, sich soviel Freiheit wie möglich zu erkämpfen, indem er einfach ausprobiert, wie der Erwachsene darauf reagiert. Was toleriert er, was nicht? Wie weit kann man gehen? Wie schlimm ist es, wenn er sauer wird?

Boylover verhalten sich in dieser Hinsicht anders als die meisten anderen Menschen. Sie sind glücklich, dass die Jungs bei ihnen sind. Und außerdem wollen sie selbst die Jungs als Freunde haben. Und Freundschaft bedeutet Gleichwertigkeit. Selbst wenn die Beziehung offiziell keine gleichberechtigte ist, wenn der Boylover also Lehrer, Erzieher, Betreuer oder Vater ist, ist diese gesellschaftliche Rolle für ihn eher eine Belastung als sein Wunsch. Die Rolle, die er anstrebt, ist eine andere: Die des Freundes.

Damit ist aber auch klar, dass der Junge sich in dieser Freundschaft weitaus mehr erlauben kann, weitaus mehr Freiheit hat, als in der üblichen Vater-Sohn oder Lehrer-Schüler Beziehung. Und dies ist Jungs eben sehr wichtig.

Aber weil es ihnen so wichtig ist, testen sie auch in der Freundschaft aus, wie weit sie gehen können, bevor der Freund ernsthaft sauer ist. Dessen kann man als Boylover ziemlich sicher sein: Die Jungs werden herausfinden, wo seine Toleranz zu Ende ist, wo er zu schimpfen beginnt, und wo er wirklich sauer wird.

Und so stellt sich mit der Zeit ein Gleichgewicht ein. Ein Machtgleichgewicht – was der Boylover einmal hat einreißen lassen, kann er kaum, nur unter erheblichem Stress, wieder umkehren. Denn die Jungs wissen ja schon, dass dies eigentlich möglich ist.

Und wo auch immer die Grenzen sind – sie sind meist deutlich weiter als bei anderen Männern. Und das ist etwas, was auch den durchschnittlichen Boylover für Jungs attraktiv macht.

Dass Jungs bei Boylovern vieles dürfen, was sie woanders nicht dürfen, haben inzwischen sogar schon ihre Feinde herausgefunden. Sie stellen es dar als eine raffinierte, hinterhältige Taktik: Die Jungs dürfen alles mögliche tun, was sie woanders nicht dürfen, und müssen dafür mit unerwünschtem Sex bezahlen.

Das hat allerdings wenig mit der Realität zu tun. Denn diesen Unterschied in den Beziehungen gibt es auch bei Boylovern, die viel zu viel Angst haben, Jungs überhaupt sexuelle Angebote zu machen. Aber auch sie haben Jungs gerne als Freunde, und auch bei ihnen finden die Jungs schnell heraus, dass sie sich – deswegen – weitaus mehr herausnehmen können als bei anderen.

Als Beispiel mein erster Einsatz als Betreuer in einem Ferienlager. Der war lange bevor ich mich getraut habe, Jungen sexuelle Angebote zu machen. Die Jungs (9-11) mochten mich, ich sie, aber schon damals tanzten sie mir ziemlich auf der Nase rum und machten was sie wollten. Irgendwann hatten sie mich zur Weißglut gebracht, und ich brüllte einen mit voller Lautstärke an, er solle aufhören. Die Antwort werde ich nie vergessen: „Gibs auf, Sascha, du kannst ja gar nicht richtig böse sein“. Das war es auf den Punkt gebracht. Er hatte mich durchschaut, besser als ich mich selbst damals.

Dass Jungs Boylover auf diese Art erkennen und durchschauen können, ist, wie gesagt, kein Zufall. Es ist ihr Interesse an der eigenen Freiheit, ihr täglicher Kampf gegen Schikane und Unterdrückung, der sie geradezu dazu nötigt, auf feine Unterschiede zwischen den Erwachsenen zu achten. Je besser ein Junge die Erwachsenen durchschaut, desto mehr kann er sich erlauben.

Und das liegt nicht an irgendeiner bewussten Entscheidung des Boylovers, sondern viel tiefer, an seinen Gefühlen. Er ist einfach mal glücklich, wenn Jungs um ihn herum sind, und das ist er auch dann noch, wenn die Jungs nicht allzu gehorsam sind. Und deshalb kann er, wenn die gesellschaftlichen Konventionen es verlangen, zwar böse werden, aber eben nicht „richtig böse“.

Wieviel sich Jungs dann wirklich erlauben können, hängt natürlich auch von persönlichen Qualitäten des Boylovers ab. Unerfahrene oder charakterschwache Boylover können geradezu schikaniert werden. Erfahrene Boylover können sich hingegen durchsetzen, bevor ihre Grenzen erreicht sind. Aber auch sie werden ausgetestet, und auch bei ihnen wissen die Jungs: Sie können sich einiges erlauben, was woanders verboten ist, und sie können insbesondere auch einiges tun, was der Boylover nicht mag. Und selbst wenn der Boylover wirklich mal sauer ist, ist das auch nicht weiter schlimm, denn man verträgt sich schnell wieder.

Wie kommt nun eigentlich Sex in die Beziehung hinein? Nun, erst einmal auf eine ganz natürliche Weise, bei der der Boylover gar nichts tun muss: Es gibt ja auch gesellschaftliche Regeln gegen sexuelle Schimpfwörter und gegen andere Verhaltensweisen wie Rülpsen oder Pupsen. Und es gehört fast automatisch zum Austesten, dass man testet, wie sich der Boylover in dieser Hinsicht verhält. Also wird da mal gerülpst, da mal ein sexuelles Wort fallengelassen, da mal ein sexueller Witz erzählt, man lacht dazu und wartet die Reaktion ab. Der Boylover könnte mitlachen, seine eigenen Witze erzählen, einen empörten Erwachsenen parodieren, je nach Stil.

Die Jungen merken hier, dass sexualisierte Sprache und sexuelle Themen überhaupt kein Tabu sind. Das ist ein für Jungs durchaus wichtiger Unterschied: Wer sich mal in der Nähe eines Schulhofs oder eines Bolzplatzes aufgehalten hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass sexbezogene Wörter dort sehr verbreitet sind, während man von Erwachsenen, insbesondere Lehrern, erwartet, dass sie dagegen einschreiten. Dass der Boylover dies toleriert, wird also beim Austesten der Grenzen der freien Rede automatisch mit festgestellt.

Und nun soll, angeblich, der Boylover die Jungs unter Druck setzen, die angeblich gar nichts sexuelles wollen? Das passt einfach nicht zusammen. Sie wissen, wenn sie keine Lust haben, sagen sie nein und das wars. Denn das haben sie ausgetestet. Ob der Boylover das mag oder nicht, ist dabei nicht die Frage. Denn sie wissen, auch wenn er es nicht mag, wird er das tolerieren. Denn er toleriert ja sogar genug Sachen, die er erklärterweise nicht mag. Und selbst wenn er mal sauer ist, ist das nicht schlimm. Das haben sie bereits ausgetestet. Und eben auch weil das so ist, sind sie ja so gerne bei ihm.

Eine Diskussion auf freiwilligfrei.de

Ich habe auf freiwilligfrei.de eine Diskussion zum Thema Pädophilie gestartet. Sie wurde inzwischen gelöscht.

Sicherlich nichts besonderes, auch nichts unerwartetes. Es ist klar, die Leute, die sich dort versammeln, haben nichts oder nicht allzu viel mit dem Thema zu tun, und es ist völlig normal, dass man in solch einem Fall aufgrund der jahrzehntelangen Hetze voll von Vorurteilen ist, die man nicht so schnell ausräumen kann.

Und es ist auch klar, dass eine solche Diskussion den Betreibern Bauchschmerzen bereitet. Denn neben ihren eigenen Vorurteilen haben sie ja auch, rein pragmatisch gesehen, mit der Gefahr der Anschuldigung gegen ihr Forum, „Pädophilen eine Plattform zu geben“, zu tun.

Ich habe mich daher von dort verabschiedet und die an einer Fortsetzung interessierten eingeladen, die Diskussion hier fortzusetzen. Der Verweis auf diese Seite, und damit verbunden auch mein explizites Outing, waren dann wohl doch zuviel, so dass der ganze Thread inzwischen gelöscht wurde.

Wie auch immer, bei der Verabschiedung hatte ich versprochen, hier noch inhaltliche Antworten auf die letzten Postings dort zu geben. Was ich hiermit tue:

Ein Kind ist nicht vollständig entwickelt. Je jünger es ist, desto weniger ist es „fertig“. Das betrifft sowohl den Körper, als auch den Geist. Die ersten Jahre sind für Kinder prägend. Das, was sie in dieser Zeit erleben, beeinflußt sie für ihr ganzes weiteres Leben. Schlägt man sie, verändert sich ihr Gehirn und sie haben später größere Probleme, sich sozial zu verhalten. Andere Schlechtigkeiten, wie Anschreien und Liebesentzug haben ähnliche Wirkung.
Wir kreisen in dieser Diskussion um die Definition von Gewalt.
Ist es Gewalt, ein Kind in seiner Prägephase sexuell zu was auch immer, ohne dass das Kind begreift, was in Wirklichkeit vorgeht.

Ich denke, man sollte Gewalt ganz klar und eindeutig definieren als etwas, was gegen den erklärten Willen des Kindes geschieht.

Diese Definition sollte man klar von der moralischen Frage trennen, wann Gewalt gerechtfertigt ist.

Also, Notwehr und Nothilfe sind Gewalt, allerdings legitime Gewalt.

Und manchmal kann Gewalt auch moralische Pflicht sein. Dies betrifft insbesondere Nothilfe. Aber eben auch den Schutz von Kindern vor objektiven Gefahren, die sie nicht erkennen. Also ein Kind festzuhalten, dass, dem Ball folgend, ins Auto rennt. Oder auch ihm harte Drogen wegzunehmen.

Den Begriff „Gewalt“ auf einvernehmliche, vom Kind gewollte Handlungen auszudehnen lehne ich als Orwell-artige Sprachmanipulation ab. Man kann inhaltlich Sex mit Kindern moralisch verurteilen, auch ohne die Sprache solcherart zu manipulieren.

Die Sprache auf diese Art reinzuhalten ist auch sehr wichtig für die Frage der Verhältnismäßigkeit der Reaktion. Ungerechtfertigte Gewalt gegen Kinder ist noch verwerflicher als gegen Erwachsene, und legitimiert scharfe Reaktionen. Die Sprachmanipulation verfrachtet Pädophile sofort in diese Kategorie, und legitimiert damit auch diese scharfen Reaktionen. Verurteilt man gewaltfreie sexuelle Beziehungen hingegen moralisch, steht die Frage nach der legitimen Reaktion neu. Ist es zu verurteilen als Manipulation? Das wäre zu diskutieren. Aber wenn es als Manipulation verurteilt wird, sind wir immerhin nicht mehr Vergewaltiger. Und es darf die Frage gestellt werden, warum wir so viel härter bestraft werden als sonstige Manipulatoren.

Ansonsten: Alles was wir tun beeinflusst die Kinder, und bei allem was wir tun, kann man argumentieren, dass die Kinder nicht beurteilen können, auf welche Weise wir dies tun. Die Tatsache der Beeinflussung allein, und der Unfähigkeit der Kinder, dies zu beurteilen, allein, ist somit nicht ausreichend für eine moralische Verurteilung.

Ist es aus biologischer und evolutionärer Sichtweise „normal“, pädophil oder schwul zu sein? Ich würde das in beiden Fällen verneinen. Schwulsein ist gesellschaftlich sicherlich „normal“ und akzeptiert, weil es Handlungen beinhaltet, die von zwei „gleichwertigen“ Erwachsenen ausgeübt werden, deren Prägephasen längst abgeschlossen sind. Hier herrscht keine Gewalt.

Bei sexuellen Handlungen mit Kindern sehe ich das völlig anders. Selbst das, was Du als „harmlos“ betrachtest, ist für mich Gewalt, da das Kind dadurch in einer Weise geprägt wird, was es weder einschätzen, noch wollen kann.
Das Problem, dass ich mit Pädophilie habe, ist kein wissenschaftliches, sondern ein moralisches.
Ist es unethisch oder gar unmoralisch, ein Kind in seiner Prägephase, zur eigenen Befriedigung zu manipulieren und auch in seiner späteren Entwicklung zu verändern. Ich bin davon überzeugt, dass es unmoralisch und ein gewaltsamer Akt ist.

Also Prägung durch gemeinsames, einvernehmliches Handeln ist in keinem Fall Gewalt. Dies ist völlig unabhängig von der moralischen Bewertung einer solchen Prägung. Es ist einfach Folge der Bedeutung des Wortes „Gewalt“ in der deutschen Sprache.

Manipulation zur eigenen Befriedigung ist, in einer engen Bedeutung, unethisch und unmoralisch. Es gibt allerdings auch weite Bedeutungen, nach der jede menschliche Sprachhandlung Manipulation ist (sie versucht ja, den Angesprochenen irgendwie zu beeinflussen) und in der jedes Handeln der eigenen Befriedigung dient (auch ethisches Handeln erhöht das Selbswertgefühl und verbessert das Selbstbild). Und hier gibt es, wenn man von der Gefahr des Missbrauchs solcher Bedeutungsverschiebungen absieht, auch ein reales Abgrenzungsproblem. Wo ist die Grenze zwischen fairer Argumentation und Manipulation?

Mein Vorschlag hier wäre, verurteilenswerte Formen der Manipulation unabhängig vom sexuellen Kontext herauszuarbeiten, und dies dann auf den sexuellen Kontext anzuwenden.

Verurteilenswert ist beispielsweise die Verheimlichung von wichtigen Informationen, das Ausnutzen von Unwissenheit und Unfähigkeit, etwas genau genug zu durchdenken. Dann gibt es Techniken der Überredung, beispielsweise Wir-Botschaften im Vergleich zu Ich-Botschaften („das wollen wir doch nicht, oder?“ statt „ich will das nicht. Was denkst du darüber?“)

Ähnlich kann man auch den Eigennutz abzugrenzen. Sicher, alles was wir erreichen wollen, ist im abstrakten Sinn unser Eigennutz. Daher würde ich vorschlagen, hier einen anderen Aspekt zu betrachten: Den Nachteil des Anderen. Eigennutz in diesem engen Sinn liegt vor, wenn das, was ich versuche zu erreichen, zum Nachteil des anderen ist. Wenn ich beispielsweise um den Preis feilsche, ist dies gegeben (und natürlich auch legitim). Versuche ich hingegen jemandem vom wahren Glauben zu überzeugen, um seine Seele zu retten, ist dies kein Eigennutz im engeren Sinn, obwohl ich natürlich auch was davon habe – Erfolg meiner Mission in diesem Leben und vermutlich noch Belohnungen danach.

Wendet man dieses Kriterium auf sexuelle Beziehungen an, können sie eigennützig sein, sind es aber in der Regel nicht. Man geht ja davon aus, dass auch der Partner Befriedigung erhält. Und die Befriedigung des Partners erhöht sogar noch die eigene Lust.

Antworten auf weitere Beiträge dort finden sich in den Kommentaren.