Über Lust und Schuld

Kerus hat im jufo eine Missbrauchskreische namens Anita Heiliger (nomen est omen: Ist es ein Wunder, dass eine „Sozialwissenschaftlerin“ mit solch einem Namen nur pseudoreligiöses Geschwafel zustande bekommt?) mit folgendem schönen Satz zitiert:

Es ist ein wesentlicher Teil der Täterstrategie, das Kind durch eigenes Lustempfinden in die Falle zu locken, den Missbrauch zu dulden und zu schweigen.

Ich finde, der Satz hat was, worüber es wert ist, nachzudenken. Der interessanteste Punkt ist natürlich erst einmal, den sachlichen, informativen Gehalt zu extrahieren. Dazu muss man ihn einerseits aus der ideologischen in eine wertneutrale Sprache übersetzen, und andererseits die Interpretation (hier die „Strategie“) von den interpretierten Beobachtungen (dem beobachtbaren Verhalten) trennen.

Was dabei herauskommt, ist: Der Pädophile versucht, dem Kind eigene Lust zu bereiten, und dies ist wichtig für ihn. Eine Folge ist, dass das Kind mit ihm kooperiert, sowohl was die sexuellen Handlungen selbst als auch was ihre Geheimhaltung betrifft.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Übersetzung in eine neutrale Sprache unsere Wahrnehmung dessen, was gesagt wird, verändert. Aber viel mehr habe ich nicht gemacht: Was meine Strategie ist, werde ich versuchen durchzuführen, und das ist wichtig für mich. Und „dulden“ ist rein sachlich eine passive Form der Kooperation.

Und so können wir erfreut feststellen, dass Frau Heiliger die Fakten selbst nicht einmal verschweigt, sondern lediglich hinter ideologischer Sprache versteckt. Für Ossis, die schon zu DDR-Zeiten gelernt haben, dass man selbst dem Neuen Deutschland auf ähnliche Weise (Rückübersetzung aus dem Ideologischen, auch „zwischen den Zeilen lesen“ genannt) auch einige Fakten entnehmen kann, ist dies eine leichte Übung, die Fakten waren damals sogar besser versteckt.

Aber natürlich ist es hoffnungslos, auf mehr als ein paar zufällige Ausrutscher zu hoffen, bei denen ein paar Wahrheiten verraten werden, die man sonst so nie zugeben würde. Und auch der obige Ausrutscher enthält natürlich nicht die ganze Wahrheit.

Zum einen wird ein höchst wichtiger Grund, warum der Boylover dem Jungen Lust bereiten will, natürlich verschwiegen: Es steigert einfach unsere eigene Lust, wenn unser Sexualpartner Lust verspürt. Dass Boylover in dieser Hinsicht nicht anders sind als Heten und Schwule passt natürlich nicht ins Bild vom machtgeilen Sexmonster. Und wenn reale Boylover halt versuchen, realen Jungs Lust zu bereiten, muss man dafür, wenn man es nicht einfach leugnen will, natürlich eine andere Erklärung finden. Und so wird aus der Lust, die der Boylover dem Jungen bereitet, eine gemeine, fiese „Täterstrategie“, mit der das arme Kind in eine hinterhältige „Falle gelockt“ wird.

Der zweite wichtige Teil der Wahrheit, den unsere Anita keineswegs zugeben kann, ist natürlich, dass sich die Kooperation der Jungs keineswegs auf ein passives „dulden“ beschränkt.

Trotzdem, könnte es sein, dass an dem Bild, was unsere Anita zeichnet, doch etwas dran ist? Dass hinter dem Bereiten von Lust nicht nur unsere eigene sexuelle Lust, sondern auch eine Strategie steckt? Dass Jungs vielleicht auch einiges „erdulden“?

Nun, das mit der „Strategie“ muss ich zugeben: Es ist nicht nur reine sexuelle Lust, die Boylover dazu bringt, den Jungs Lust zu bereiten. Es ist auch Teil einer ganz fiesen, hinterhältigen Strategie, die unter dem Namen „Goldene Regel“ oder auch „Kantscher kategorischer Imperativ“ bekannt ist: Man versuche, anderen nur das anzutun, von dem man möchte, dass sie es einem selbst auch antun. Eine gemeinere Strategie der Verführung ist schwer denkbar. Man stelle sich nur vor, jemand gäbe Jungs mit offensichtlichem Vergnügen Blowjobs. Da könnte es passieren, dass ein auf solche Weise sowieso schon schwer misshandelter Junge auch mal ausprobieren will, was denn daran so geil ist, anderen einen zu blasen.

Die Goldene Regel auf eine Art zu befolgen, die nicht staatlich gebilligt ist, ist natürlich für die Stazis generell ein schweres Verbrechen.

Eine weitere „Täterstrategie“, die mit der Goldenen Regel nichts zu tun hat, die ich aber trotzdem immer befolgt habe, gibt es allerdings auch: Man begehe keine illegalen Handlungen mit Kids, die zu jung sind, weil sie sich verquatschen könnten und zu leicht auszuhorchen sind. Nach der Goldenen Regel sollte man ihnen die Zärtlichkeiten, die sie wünschen, natürlich nicht verweigern, aber da geht die eigene Sicherheit doch vor. Wie egoistisch.

Ist allerdings für die meisten Boylover keine relevante Einschränkung – die Jungs, die sie attraktiv finden, gehen schon zur Schule und sind in dieser Hinsicht alt genug. Man muss ihnen nicht erst erklären, dass man gewisse Spielchen einfach geheimhalten muss. Das versteht sich von selbst. Es kann schon mal vorkommen, dass die Jungs den Boylover selbst noch einmal explizit auffordern, das niemandem zu verraten. Was ihm sicherlich nicht schwerfällt zu versprechen.

Wieso Schuld einreden keine „Täterstrategie“ ist

Soweit die realen Strategien. Aber zurück zur Phantasiewelt des Kinderschutzes. Worin besteht nun das so besonders Hinterhältige und Verwerfliche an der „Täterstrategie“ des Lustbereitens, worin die „Falle“, in die es gelockt wird? Nun, die Falle besteht darin, dass beim Kind Schuldgefühle erzeugt werden. Wird zumindest im nächsten Satz so beschrieben:

Es fühlt sich schuldig, weil es sich nicht gewehrt, dass es mitgemacht oder gar Lust empfunden habe.

Aber hallo – meine „Täterstrategie“ soll das Ziel haben, dass der Junge irgendwelche Schuldgefühle bekommt? Tickt da noch alles richtig? Nichts ist für mich gefährlicher als ein Junge mit Schuldgefühlen. Der für den Boylover ideale Junge hat jedenfalls keine. Er pfeift auf sinnlose Moralvorschriften der Gesellschaft und macht, was ihm Spaß macht, ohne sich deswegen mit Schuldgefühlen zu belasten. Schuldgefühle hingegen gefährden die Sexspiele in höchstem Maße. Die Folge kann sein, dass er beim Sex nicht mehr mitmacht. Oder er bleibt ganz weg. Oder, noch schlimmer, er beichtet alles irgendwem.

Klar, solche Schuldgefühle können entstehen – schließlich wissen die Jungs, dass sie bei verbotenen, geheimzuhaltenden Spielchen mitmachen. Aber wenn es in dieser Frage „Täterstrategien“ gibt, dann haben die ganz eindeutig das genau entgegengesetzte Ziel – nämlich solche Schuldgefühle soweit wie möglich zu reduzieren.

Alles andere wäre Schwachsinn, geradezu Suizid. Auch die primitivste, eigensüchtigste Strategie wird dem Jungen keine Schuldgefühle einreden. Wofür denn? Er macht doch alles richtig, wenn er beim Sex mitmacht. Und, sowohl die Rechtfertigung der eigenen Handlungen, als auch der Versuch, den Jungen vom weiteren Mitmachen zu überzeugen, erfordern klar ein und dasselbe: Dem Jungen klarzumachen, dass die sexuellen Handlungen völlig ok sind, und nur deshalb geheimgehalten werden müssen, weil es ein paar völlig sinnlose und ungerechte Gesetze gibt, die den Jungs verbieten, bei dem Spaß, den die Erwachsenen sich selbst gönnen, auch mitzumachen. Was passiert, ist schließlich von allen Beteiligten gewollt und macht Spaß, und die Erwachsenen selbst machen es ja untereinander auch. Also wirklich kein Grund für irgendwelche Schuldgefühle.

Die Entstehung von Schuldgefühlen

Woher kommen aber dann die Schuldgefühle? Oder sind die nur Ausgeburt der Kinderschutzphantasien?

Nun, die Projektion eigener Schuldgefühle für Sex durch die Kinderschützer spielt sicherlich eine Rolle. Ein antisexuell-religiöser Hintergrund ist bei vielen ziemlich offensichtlich. Es ist nicht nur der Altersunterschied, der den Sex zwischen Männern und Jungs so schlimm macht. Sex außerhalb der Ehe, gar schwuler Sex, ist auch heute keineswegs für alle unproblematisch. Und die meisten Kinderschützer sind Frauen, für die Sex eine andere, negativere Bedeutung hat, und für die eine moralische Verurteilung als Schlampe oder Nutte immer noch im Raum steht, wenn sie Sex zu positiv sehen. Das Jungs in dieser Beziehung anders sind, ist natürlich nichts, was in Zeiten des Gender Mainstreaming auch nur zur Kenntnis genommen wird.

Trotzdem, bei den Kids, mit denen Frau Heiliger zu tun bekommt, ist durchaus zu vermuten, dass sie reale Schuldgefühle entwickelt haben. Und dafür gibt es einen einfachen sachlichen Grund – es sind schließlich Kids, deren Beziehungen aufgeflogen sind. Und das, was passiert, wenn die Sache auffliegt, kann wohl auch dem abgebrühtesten Jungen einige Schuldgefühle beibringen.

Sicherlich, ein paar Schuldgefühle mag der eine oder andere Junge auch vorher schon gehabt haben – schließlich macht er ja Verbotenes und hält es geheim. Aber das sind kaum besonders starke Schuldgefühle – schließlich macht er es nicht allein, und sein großer Freund versucht, so gut er kann, ihm solche Schuldgefühle auszureden. Und falls sogar noch ein paar mehr Jungs mitmachen, werden solche Schuldgefühle völlig irrelevant.

Was die Kids allerdings bei der Aufdeckung erleben – die augenblicklich völlig hysterische, extreme Überreaktion der Gesellschaft – ist für die geistige Gesundheit der betroffenen Kinder nicht förderlich. Dass dadurch beim Kind Schuldgefühle entstehen, halte ich für eine voraussagbare Folge.

Ich bin zwar kein ausgebildeter Psychologe. Allerdings habe ich ein paar Vorteile: Ich bin nicht von der Kinderschutzideologie verblendet, kann also meinen Verstand benutzen, wo die Kinderschützer ihrem Dogma folgen. Und ich weiß aus eigenem Erleben, was in Boylove-Beziehungen wirklich abläuft.

Und das ist in diesem Fall ziemlich ausreichend. Ich brauche nur noch herzunehmen, was die Kinderschützer selbst über Therapien missbrauchter Kinder schreiben, und eins uns eins zusammenzuzählen. Und es kommt heraus, dass es solche Therapien sind, die bei den Kindern solche Schuldgefühle erst erzeugen.

Das scheint auf ersten Blick ein Widerspruch: Ist die These Kinder haben niemals schuld am Sex nicht eines der grundlegendsten Dogmen der Kinderschützer? Tun sie nicht alles, um den Kindern ihre Schuldgefühle auszureden?

Aber ich bezweifle ja gar nicht, dass die Kinderschützer das wollen. Nur, zwischen dem, was gewollt ist, und den realen Folgen klaffen ja oft genug Welten. Und dies ganz besonders dort, wo auf der Grundlage sachlich völlig falscher Theorien gehandelt wird.

Und genau dies ist hier der Fall. Das Bild, was die Medien und die Kinderschutzideologie von sexuellen Beziehungen zwischen Männern und Jungs zeichnen, hat so wenig mit der Realität zu tun, dass mich schon ein zufälliges, ungewolltes Aufblitzen von Realität in einem Kinderschutztext zu einem längeren Artikel wie diesem hier motivieren kann.

Und so überlege man einfach mal, was herauskommt, wenn ein Junge aus einer typischen Boylove-Beziehung herausgerissen und von einer Kinderschützerin therapiert wird, deren Vorstellung von dem, was in der Beziehung passiert ist, durch die Dogmen der Kinderschutzideologie bestimmt ist.

Also erklärt sie dem Jungen, dass er nur ein unschuldiges armes Opfer ist. Dass er nur von einem hinterhältigen Pädophilen ausgenutzt worden ist. Dass dieser hinterhältige Pädophile ihn gemeinserweise so manipuliert hat, dass er bereit war, all das zu erdulden, und dass er sich nicht traut, über das, was ihm angetan wurde, zu erzählen. Aber nun ist das Leiden ja vorbei, und sie macht ihm keine Vorwürfe, dass er mitgemacht hat, sie weiß ja schließlich, dass Kinder so etwas niemals selbst wollen, dass sie es alle nur erdulden, dass sie alle nichts lieber getan hätten als über diese Verbrechen zu erzählen, sich aber nicht getraut haben.

Und dies wird einem Knaben erzählt, der sich in der Wohnung des Boylovers Sachen erlauben durfte, die zu Hause oder gar in der Schule unmöglich gewesen wären, der den Boylover oft genug dahingehend manipuliert hat, ihm alles mögliche zu spendieren, der selbst Spaß am Sex hatte, der sogar selbst ab und zu die Initiative dazu ergriffen hat, der den Boylover selbst gebeten hat, das niemandem weiterzuerzählen.

Mit anderen Worten, der Knabe kriegt ungewollt beigebracht, dass er selbst ganz anders empfindet als alle, alle anderen Kinder, ohne Ausnahme. Nein, nicht explizit – ein Junge in so einer Situation hat kaum das Selbstbewusstsein, unserer gelehrten Diplompsychologin zu sagen „Tut mir leid, aber sie erzählen Stuss, das lief ganz anders als sie sich das vorstellen“. Er wird über sein Anderssein schweigen. Unsere Diplompsychologin bekommt also keinerlei Anlass, ihr Dogma in Frage zu stellen. Sie hat lediglich ein weiteres Kind von den Schuldgefühlen befreit, die hinterhältige Pädophile ihm eingeredet haben. Denkt sie.

Das, was ihm die Kinderschützerin über alle anderen Kinder erzählt, wird er ihr durchaus glauben. Sie ist schließlich eine Autoritätsperson. Aber der Junge weiß halt auch das, was er selbst erlebt hat, und was er nicht erzählt. Und natürlich zieht er seine eigenen Schlussfolgerungen. Er weiß also, dass er genossen hat, was alle anderen Kinder nur erdulden, er weiß, dass er selbst kräftig manipuliert hat, wo alle anderen Kinder nur manipuliert wurden, er weiß, dass er geheimhalten wollte, was alle anderen Kinder jemand anderem anvertrauen wollen, und er war der beste Freund des Verbrechers, wo alle anderen Kinder nur seine Opfer sind. Was folgt nun daraus? Ganz einfach, dass er selbst pervers ist. Und wenn das kein Grund für Schuldgefühle ist, was dann?

Was für eine Schuld überhaupt?

Die These, dass das Kind niemals schuld am Sex ist, erzeugt allerdings auch schon auf direktere Weise Schuld. Es wird ja implizit vorausgesetzt, dass irgendjemand schuld haben muss. Die Frage ist nur, wer – der böse Pädophile oder das arme Kind.

Und das ist halt der andere wichtige Unterschied in der Schuldfrage: Für uns Boylover steht sie überhaupt nicht. „Schuld“ ist keiner von uns beiden, weil nichts passiert ist, was irgendeine Schuldzuweisung erforderlich macht. Sex ist was schönes, was Spaß macht, für beide. Also was für eine Schuld überhaupt?

Und das ist ein weiterer Mechanismus, der Schuldgefühle erzeugen kann. Der Junge kommt aus einer Umgebung, in der niemand irgendjemandem eine Schuld am Sex zuweist – Sex macht Spaß, und erzeugt keinerlei Schuld.

Aber plötzlich ist der Freund im Gefängnis, und der Junge selbst findet sich in einer Umgebung wieder, in der eines unstrittig ist – dass etwas Schlimmes passiert ist, und dass jemand daran schuld ist.

Dass der Junge bei all dem, was passiert ist, ein sehr erhebliches Mitspracherecht hatte, dass ohne sein Einverständnis nichts lief, ist etwas was nicht ins Kinderschützerdogma passt, dem Jungen selbst aber sehr wohl bewusst ist. Und so mögen zwar unsere Kinderschützerinnen die These vertreten, dass das Kind niemals schuld ist. Aber die Begründung dafür ist, für den Jungen erkennbar, auf seine Situation nicht zutreffend. Denn sie lautet, dass das Kind den Sex niemals will, und dass es keinerlei Macht hat, dem Erwachsenen zu widerstehen. Der Junge hingegen weiß sehr wohl, dass er das alles wollte, und dass er sehr wohl die Macht hatte, nein zu sagen, und diese auch oft genug genutzt hat.

Der Junge identifiziert sich also nicht nur selbst als pervers, als anders als all die normalen Kinder, die so sowas Perverses niemals wollen. Es gibt eben auch noch die Frage, wem die erhebliche, geradezu riesige Schuld zuzuschreiben ist für das Perverse, was stattgefunden hat. Der Junge ist natürlich erleichtert, dass die Kinderschützerinnen gar nicht auf den Gedanken kommen, er könne mitschuldig sein. Aber das liegt ja nur daran, dass sie nichts von seiner Perversität wissen. Er selbst weiß allerdings, dass nichts gegen seinen Willen stattgefunden hat, dass er problemlos nein sagen konnte, und auch nein gesagt hat, wenn er mal keine Lust hatte, dass er das alles auch selbst wollte. Und daraus muss er schließen, dass er ganz erheblich mitschuldig ist. Sicher, diese Schuld bleibt unentdeckt, aber Schuldgefühle werden auch durch unentdeckte Schuld erzeugt.

Und sein Freund, der Einzige, der ihm gerne sagen würde, dass es überhaupt keine Schuld zu verteilen gibt, und er deswegen auch keinerlei Mitschuld haben kann, ist selbst ein schlimmer Verbrecher, der wegen seiner schweren Schuld im Knast sitzt, und mit dem er natürlich nicht reden darf.

Wer solch eine Therapie ohne Psychotrauma, ohne schwere Schuldgefühle, übersteht, kann es sich glücklich schätzen.


6 Antworten auf „Über Lust und Schuld“


  1. 1 Samia 24. Juli 2011 um 14:08 Uhr

    Schöner Artikel. Das einzige, was mich stört, ist der Absatz mit dem Gender Mainstreaming. Viele Frauen kämpfen schon lange GEGEN die bürgerliche Sexualmoral und damit auch gegen die von dir beschriebene Stigmatisierung. Statt die Parallelen zu erkennen, scheinst du dich lieber – s. Diplompsychologin, Kinderschützerinnen – auf ein Feindbild einzuschießen. Überhaupt glaube ich dir nicht einfach so, dass das mehrheitlich Frauen sein sollen. Kannst du das irgendwie untermauern?

  2. 2 Sascha 10. August 2011 um 18:23 Uhr

    Zugegeben, ich pauschalisiere da etwas. Ich sehe halt auch Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein, und eines der Probleme, die ich sehe, ist halt, dass Frauen wenig Verständnis für die Sexualität von Jungen haben, sie waren ja schließlich nie welche. Da ist man schnell geneigt, allgemeine sexuelle Empfindungen von Kindern anzunehmen.

    Ich denke nicht, dass ich mich damit auf ein Feindbild einschieße, ich kenne auch selbst Frauen, die ein anderes Bild von Pädophilen haben als Wildwasser.

    Ich habe allerdings auch generell etwas gegen die Ablehung jeder „Pauschalisierung“. So ziemlich alles was wir über Menschen wissen können sind streng genommen nur statistische Aussagen: Wenn jemand A ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er B tut größer als wenn er nicht A ist. Statt diese lange und wissenschaftlich korrekte Phrase zu verwenden, sagen wir einfach „A tun B“. Der gesunde Menschenverstand sollte uns sagen, dass damit nicht „Alle A tun B“ gemeint ist, sondern eben die obengenannte lange Phrase über Wahrscheinlichkeiten.

    Ob unter den Kinderschützerinnen mehr Frauen sind als Männer – nun, das ist einfach nur mein persönlicher Eindruck. Nachgezählt habe ich nicht. Und es ist mir auch die Zeit nicht wert, da nachzuzählen, da ich ja gar nicht gegen Frauen polemisieren will. Und nur wegen rechtbehalten?

  3. 3 heikophilo 11. September 2011 um 15:02 Uhr

    Hallo, ich bin durch freiwilligfrei aufmerksam geworden. Da ich im Kinderschutz arbeite, habe ich das Bild im Kopf, dass Boylover Kinder und Jugendliche ausnutzen: Im besten Fall haben sie sexuelle Interessen, die sie den Kindern nahebringen, indem sie eine gute kindgerechte Beziehung anbieten und in dieser Beziehung auch Sexualität passend finden. Das ist aber nicht das Anliegen von Kindern, sondern sie sind eher an der Aufmerksamkeit eines netten Erwachsenen interessiert. So kann es zu einvernehmlich scheinenden Kontakten kommen, aber häufiger kommt es zu sexuellen Handlungen, die von den Kindern geduldet werden, weil sie psychisch nicht stark genug sind, sich diesen Teil der Beziehung zu verbitten. Im schlechteren Fall übertölpeln Boylover diese Kindern und drängen ihnen sexuelle Kontakte auf, bis hin zu zwingen. So ist mein Bild, nach den Erfahrungen, die ich mit den Opfern und den Tätern, mit denen ich gearbeitet habe, gesammelt habe. Ich habe verstanden, dass du es ablehnst, Sexualität aufzudrängen.
    Daher meine Fragen: Würdest du sagen, dass mein Bild falsch ist? Oder würdest du sagen, mein Bild trifft leider oft zu, aber es fehlt etwas, nämlich der wirklich und nicht scheinbar einvernehmliche sexuelle Kontakt zwischen Erwachsenem und Kind?
    Da ich vermute, dass du meine letzte Frage bejahst: Würdest du mir helfen, von meinem opfergeprägten Bild runterzukommen, indem du ein Kind beschreibst und die sexuellen Kontakte, die es zu einem Erwachsenen hatte, mit all den Hintergrundinformationen, die wichtig sind, um den Zweifel auszuschließen, dass es sich vielleicht gedrängt fühlt zum Blowjob. Wie alt, wie ist die Beziehung zu den Eltern, warum ist es überhaupt am Erwachsenen interessiert, wie kommt Sex in die Sache rein, was hat es sonst für Freunde, etc. Mir geht es nicht darum, dass dies ein reales Beispiel sein soll – schon aus strafrechtlichen Erwägungen – sondern ein konstruiertes Beispiel, das sich so zutragen könnte oder am besten hundertfach jeden Tag in Deutschland zuträgt, bei dem du findest, dass es völlig in Ordnung ist und ein klarer Fall von ungerechfertigtem gesellschaftlichem Verbot.

  4. 4 mackay 15. September 2011 um 21:48 Uhr

    Hallo Heiko,

    erstmal danke für dein Interesse.

    Dein Bild ist meiner Meinung nach (wie von dir erwartet) unvollständig, die einvernehmlichen Kontakte fehlen. Aber zu dieser Frage will ich mehr in einem Extrabeitrag schreiben.

    Ich habe mir die Videos zu „The effects of child abuse“ angesehen, ich muss ehrlich zugeben, dass ich dabei natürlich mit ziemlich negativer Erwartung rangegangen bin. Und, relativ zu diesem negativen Vorurteil gegenüber allem, was von „Kindesmissbrauch“ redet, war ich doch positiv überrascht. Denn es fehlte die Fokussierung auf Sex, die die Medienhetze auszeichnet (sex sells), und die normalerweise ignorierten, aber in Wirklichkeit zumindest ebenso schlimmen anderen Misshandlungsformen (physische und verbale Misshandlung, Liebesentzug, Vernachlässigung) wurden nicht ignoriert.

    Mein Bild über die wirklichen Gefahren durch Misshandlungen assoziiere ich mit dem Namen Seligman, obwohl ich die konkreten Zitate nicht wiederfinden konnte. Grob gesagt, sind Kinder ziemlich stabil, und wenn die Eltern sich einigermaßen normal verhalten, schadet der eine oder andere Erziehungsfehler ihnen nicht. Es gibt allerdings auch die Gruppe der stark geschädigten Kinder, aber die leiden normalerweise unter einem katastrophalen Elternhaus, in dem verschiedene Misshandlungsformen vorkommen, und sexueller Missbrauch nur ein Faktor ist. Eine Arbeit dazu ist http://newgon.com/prd/lib/Ney1994.html.

    Allgemein muss man zwischen Jungs und Mädchen unterscheiden: Wie auch Erwachsene, haben schon Kinder deutlich verschiedene sexuelle Interessen, Jungen sind sexuell aktiver, interessierter, egoistischer, vertreten ihre eigenen Interessen viel aggressiver. Die Girllover haben außerdem noch das Problem, dass sie schwerer von Heten, die Sex aufgrund von Beziehungsproblemen oder gar sadistischen Neigungen/Dominanzwünschen auf Sex mit Kindern ausweichen, unterschieden werden können: In der Medienhetze sind das ja trotzdem alles Pädophile.

  5. 5 Snoopy 13. Februar 2014 um 15:53 Uhr

    Menschen sind verschieden. Es gibt junge Männer die äußerst respektvoll auf Frauen zugehen und in Folge dessen vergleichsweise wenige aber intensive Beziehungen erleben.
    Es gibt aber auch den „Pussyhunter“ der mit einer oder mehreren erfolgsbewährten Strategien Frauen ins Bett bekommt.

    Auch Boylover sind Menschen und verschieden. Es gibt tatsächlich den Boylover der geradezu vom Kind „verführt“ werden muß. Und es gibt natürlich auch Boylover die auch aus Erfahrung ein gutes Gespür dafür haben „welche Jungs“ man „unter welchen Bedingungen“ schnell ins Bett bekommen kann.

    Ein Boylover der z.B. gezielt nach Single-Frauen mit Kindern im passenden Alter sucht und sich unter der Vorspiegelung des Interesses an einer Beziehung mit der Frau an das Kind ranmacht ist sicher kein Mensch der primär das Wohl des Kindes im Auge hat oder eine Beziehung zum Kind auf Augenhöhe sucht.

    Das eigentliche Problem liegt wohl in der „statistischen Erfolgsauswertung“. Ein Boylover im Sinne eines „Pussyhunters“ bekommt natürlich mehr Kinder „ins Bett“ als Jemand der nicht aktiv Kinder sexuell anspricht. Wir haben also unter den Kindern mit sexuellem Kontakt zu Erwachsenen wohl einen relativ hohen Anteil an Kindern die sich zumindest ex post „reingelegt“ fühlen. Und einen vergleichsweise geringen Anteil von Kindern die auch ex post das Gefühl haben Partner in einer Beziehung gewesen zu sein.
    Letzteres dürfte sich auch weiter in der Wahrnehmung bemerkbar machen. Denn ein Kind das das Verhältnis mit dem Erwachsenen auch ex-post noch als richtig und wichtig empfindet wird auch in den allerseltensten Fällen einen Beratungsbedarf bei der Verarbeitung des Erlebten entwickeln.
    Wir haben also wohl relativ viele Kinder die an einen Menschen geraten sind von dem sie sich ex post ausgenutzt fühlen – die wiederum auch verstärkt auf spätere Hilfe bei der Aufarbeitung entstandener Probleme angewiesen sind.

    Ein entscheidender Punkt warum Jungs es mitunter schwer fällt sich entsprechend ihres eigentlichen Bauchgefühls gegenüber einem Boylover ablehnend zu zeigen liegt auch in der für die Jungen zutiefst unerwarteten Art der Annäherung des Boylovers.
    Jungen erleben sich selbst und die Männerwelt allgemein als sexuell aktiv und einfordernd.
    Der Boylover begegnet ihnen jedoch im Regelfall nicht als Jemand der primär befriedigt werden will oder eindringen möchte – sondern vielmehr „devot“ im sexuellen Sinne.
    Das Verhalten des Mannes ist also zunächst primär darauf ausgerichtet dem Jungen angenehme sexuelle Empfindungen zu verschaffen. Der Junge wird also masturbiert oder oral befriedigt. Ein Verhalten das den Jungen aus seiner eigenen Selbsterfahrung heraus „überrascht“.

    Erst aus dieser Situation heraus entsteht für viele Jungen eine Art „Zugzwang“ der Gestalt daß sie sich dem Erwachsenen gegenüber verpflichtet oder in der Schuld sehen. Und das gerade weil sie es selbst nicht nachvollziehen können was schön daran sein soll einen anderen Mann mit Hand oder Mund befriedigen.
    Die Jungen tun dies also nicht weil sie aus eigenem Antrieb Lust dazu empfinden – sondern weil sie meinen sich revanchieren zu müssen. In diesem Punkt liegt auch der Grund für gelegentlich aufkommende „Selbstzweifel“ des Kindes. In der Vorstellungswelt des Kindes existiert der „böse fremde Mann“ als 1) fremd 2) böse und 3) Vergewaltiger der Schmerzen zufügt. All dies trifft zumindest zunächst nicht zu! Das Kind gelangt somit zu der Vorstellung daß es selbst die Vorgänge ausgelöst hat.

    An dieser Stelle liegt natürlich auch das Versagen der „Kinderschätzer“ und der Medien welche bei der Beschreibung eines Pädophilen das Bild eines „Vergewaltigers“ generieren an statt die Kinder mit der Gedankenwelt eines möglichen Täters vertraut zu machen.
    Das Kind wäre dann zumindest nicht überrascht und könnte (was wohl vor allem die Kinderschützer fürchten) ggf. auch tatsächlich frei in eine ihm vielleicht rein mechanisch lustbringende Beziehung einwilligen ohne das Gefühl zu haben sich durch Erdulden oder aktives Tun „erkenntlich zeigen zu müssen“.
    Aber eine derart differenzierte Betrachtungsweise wäre ja geeignet das in bare Münze und sichere Arbeitsplätze umsetzbaren „Bedrohungsszenario“ in Frage zu stellen. Aus diesem Grund brauchen wir natürlich GRUNDSÄTZLICH „ermordete Kinderseelen“ und „Vergewaltiger“.
    Traurige Tatsache bleibt: Jedes unglückliche Kind läßt die Kassen klingeln – Kinder die einer vielleicht unerfreulichen Situation ausweichen – oder in einer lediglich von Anderen als unerfreulich definierten Situation glücklich sind – bringen weder Schlagzeilen noch Geld oder Arbeitsplätze.

  6. 6 Snoopy 26. Februar 2014 um 15:29 Uhr

    Das mit dem „sich gedrängt fühlen“ ist gerade in einer engen gleichgeschlechtlichen Beziehung immer gegenwärtig.

    Ich erinnere mich noch gut an „pubertären Sex“ mit einem gleichaltrigen Jungen. Eigentlich wollte ich ja nur mit ihm wichsen. Die Sache endete allerdings damit dass er mich oral bis zum Schluss befriedigte. Keine Frage dass sich das für mich schön anfühlte.
    Beim Nächsten Mal revanchierte ich mich obwohl ich alleine die Vorstellung – den Geruch – den Geschmack – Eiegntlich Alles total eklig fand.
    Ich tat es nur weil ich vermutete dass der andere Junge sich „mir zuliebe“ ebenso überwinden musste. Erst lange nachdem ich realisiert hatte dass mein damaliger Freund noch immer auf Jung steht realisierte ich auch dass er wohl große Freude an meinem „besten Stück“ hatte – und er mit der „Gegenleistung“ die ich eigentlich bereit gewesen wäre zu geben auch zufreiden gewesen wäre.

    Auf dieser Erfahrung folgere ich mit Blick auf „Sex mit Erwachsenen“ eine bessere Aufklärung der Jungen.
    Wenn der Junge sich im Klaren darüber ist dass es dem Mann bereits ein ihn vollauf befriedigendes Anliegen ist einen Jungen zu befriedigen – dann relativiert dies entscheidend das Gefühl sich „erkenntlich zeigen zu müssen“.

    Letzteres ist nicht nur wichtig um Handlungen zu vermeiden die den Jungen vielleicht sogar ernsthaft belasten – es ist vor allem auch wichtig um dem Erwachsenen die Möglichkeit zu geben zu verstehen dass die Zuneigung einseitig ist oder gewisse Grenzen kennt.

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