Archiv für Juli 2011

Über Lust und Schuld

Kerus hat im jufo eine Missbrauchskreische namens Anita Heiliger (nomen est omen: Ist es ein Wunder, dass eine „Sozialwissenschaftlerin“ mit solch einem Namen nur pseudoreligiöses Geschwafel zustande bekommt?) mit folgendem schönen Satz zitiert:

Es ist ein wesentlicher Teil der Täterstrategie, das Kind durch eigenes Lustempfinden in die Falle zu locken, den Missbrauch zu dulden und zu schweigen.

Ich finde, der Satz hat was, worüber es wert ist, nachzudenken. Der interessanteste Punkt ist natürlich erst einmal, den sachlichen, informativen Gehalt zu extrahieren. Dazu muss man ihn einerseits aus der ideologischen in eine wertneutrale Sprache übersetzen, und andererseits die Interpretation (hier die „Strategie“) von den interpretierten Beobachtungen (dem beobachtbaren Verhalten) trennen.

Was dabei herauskommt, ist: Der Pädophile versucht, dem Kind eigene Lust zu bereiten, und dies ist wichtig für ihn. Eine Folge ist, dass das Kind mit ihm kooperiert, sowohl was die sexuellen Handlungen selbst als auch was ihre Geheimhaltung betrifft.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Übersetzung in eine neutrale Sprache unsere Wahrnehmung dessen, was gesagt wird, verändert. Aber viel mehr habe ich nicht gemacht: Was meine Strategie ist, werde ich versuchen durchzuführen, und das ist wichtig für mich. Und „dulden“ ist rein sachlich eine passive Form der Kooperation.

Und so können wir erfreut feststellen, dass Frau Heiliger die Fakten selbst nicht einmal verschweigt, sondern lediglich hinter ideologischer Sprache versteckt. Für Ossis, die schon zu DDR-Zeiten gelernt haben, dass man selbst dem Neuen Deutschland auf ähnliche Weise (Rückübersetzung aus dem Ideologischen, auch „zwischen den Zeilen lesen“ genannt) auch einige Fakten entnehmen kann, ist dies eine leichte Übung, die Fakten waren damals sogar besser versteckt.

Aber natürlich ist es hoffnungslos, auf mehr als ein paar zufällige Ausrutscher zu hoffen, bei denen ein paar Wahrheiten verraten werden, die man sonst so nie zugeben würde. Und auch der obige Ausrutscher enthält natürlich nicht die ganze Wahrheit.

Zum einen wird ein höchst wichtiger Grund, warum der Boylover dem Jungen Lust bereiten will, natürlich verschwiegen: Es steigert einfach unsere eigene Lust, wenn unser Sexualpartner Lust verspürt. Dass Boylover in dieser Hinsicht nicht anders sind als Heten und Schwule passt natürlich nicht ins Bild vom machtgeilen Sexmonster. Und wenn reale Boylover halt versuchen, realen Jungs Lust zu bereiten, muss man dafür, wenn man es nicht einfach leugnen will, natürlich eine andere Erklärung finden. Und so wird aus der Lust, die der Boylover dem Jungen bereitet, eine gemeine, fiese „Täterstrategie“, mit der das arme Kind in eine hinterhältige „Falle gelockt“ wird.

Der zweite wichtige Teil der Wahrheit, den unsere Anita keineswegs zugeben kann, ist natürlich, dass sich die Kooperation der Jungs keineswegs auf ein passives „dulden“ beschränkt.

Trotzdem, könnte es sein, dass an dem Bild, was unsere Anita zeichnet, doch etwas dran ist? Dass hinter dem Bereiten von Lust nicht nur unsere eigene sexuelle Lust, sondern auch eine Strategie steckt? Dass Jungs vielleicht auch einiges „erdulden“?

Nun, das mit der „Strategie“ muss ich zugeben: Es ist nicht nur reine sexuelle Lust, die Boylover dazu bringt, den Jungs Lust zu bereiten. Es ist auch Teil einer ganz fiesen, hinterhältigen Strategie, die unter dem Namen „Goldene Regel“ oder auch „Kantscher kategorischer Imperativ“ bekannt ist: Man versuche, anderen nur das anzutun, von dem man möchte, dass sie es einem selbst auch antun. Eine gemeinere Strategie der Verführung ist schwer denkbar. Man stelle sich nur vor, jemand gäbe Jungs mit offensichtlichem Vergnügen Blowjobs. Da könnte es passieren, dass ein auf solche Weise sowieso schon schwer misshandelter Junge auch mal ausprobieren will, was denn daran so geil ist, anderen einen zu blasen.

Die Goldene Regel auf eine Art zu befolgen, die nicht staatlich gebilligt ist, ist natürlich für die Stazis generell ein schweres Verbrechen.

Eine weitere „Täterstrategie“, die mit der Goldenen Regel nichts zu tun hat, die ich aber trotzdem immer befolgt habe, gibt es allerdings auch: Man begehe keine illegalen Handlungen mit Kids, die zu jung sind, weil sie sich verquatschen könnten und zu leicht auszuhorchen sind. Nach der Goldenen Regel sollte man ihnen die Zärtlichkeiten, die sie wünschen, natürlich nicht verweigern, aber da geht die eigene Sicherheit doch vor. Wie egoistisch.

Ist allerdings für die meisten Boylover keine relevante Einschränkung – die Jungs, die sie attraktiv finden, gehen schon zur Schule und sind in dieser Hinsicht alt genug. Man muss ihnen nicht erst erklären, dass man gewisse Spielchen einfach geheimhalten muss. Das versteht sich von selbst. Es kann schon mal vorkommen, dass die Jungs den Boylover selbst noch einmal explizit auffordern, das niemandem zu verraten. Was ihm sicherlich nicht schwerfällt zu versprechen.

Wieso Schuld einreden keine „Täterstrategie“ ist

Soweit die realen Strategien. Aber zurück zur Phantasiewelt des Kinderschutzes. Worin besteht nun das so besonders Hinterhältige und Verwerfliche an der „Täterstrategie“ des Lustbereitens, worin die „Falle“, in die es gelockt wird? Nun, die Falle besteht darin, dass beim Kind Schuldgefühle erzeugt werden. Wird zumindest im nächsten Satz so beschrieben:

Es fühlt sich schuldig, weil es sich nicht gewehrt, dass es mitgemacht oder gar Lust empfunden habe.

Aber hallo – meine „Täterstrategie“ soll das Ziel haben, dass der Junge irgendwelche Schuldgefühle bekommt? Tickt da noch alles richtig? Nichts ist für mich gefährlicher als ein Junge mit Schuldgefühlen. Der für den Boylover ideale Junge hat jedenfalls keine. Er pfeift auf sinnlose Moralvorschriften der Gesellschaft und macht, was ihm Spaß macht, ohne sich deswegen mit Schuldgefühlen zu belasten. Schuldgefühle hingegen gefährden die Sexspiele in höchstem Maße. Die Folge kann sein, dass er beim Sex nicht mehr mitmacht. Oder er bleibt ganz weg. Oder, noch schlimmer, er beichtet alles irgendwem.

Klar, solche Schuldgefühle können entstehen – schließlich wissen die Jungs, dass sie bei verbotenen, geheimzuhaltenden Spielchen mitmachen. Aber wenn es in dieser Frage „Täterstrategien“ gibt, dann haben die ganz eindeutig das genau entgegengesetzte Ziel – nämlich solche Schuldgefühle soweit wie möglich zu reduzieren.

Alles andere wäre Schwachsinn, geradezu Suizid. Auch die primitivste, eigensüchtigste Strategie wird dem Jungen keine Schuldgefühle einreden. Wofür denn? Er macht doch alles richtig, wenn er beim Sex mitmacht. Und, sowohl die Rechtfertigung der eigenen Handlungen, als auch der Versuch, den Jungen vom weiteren Mitmachen zu überzeugen, erfordern klar ein und dasselbe: Dem Jungen klarzumachen, dass die sexuellen Handlungen völlig ok sind, und nur deshalb geheimgehalten werden müssen, weil es ein paar völlig sinnlose und ungerechte Gesetze gibt, die den Jungs verbieten, bei dem Spaß, den die Erwachsenen sich selbst gönnen, auch mitzumachen. Was passiert, ist schließlich von allen Beteiligten gewollt und macht Spaß, und die Erwachsenen selbst machen es ja untereinander auch. Also wirklich kein Grund für irgendwelche Schuldgefühle.

Die Entstehung von Schuldgefühlen

Woher kommen aber dann die Schuldgefühle? Oder sind die nur Ausgeburt der Kinderschutzphantasien?

Nun, die Projektion eigener Schuldgefühle für Sex durch die Kinderschützer spielt sicherlich eine Rolle. Ein antisexuell-religiöser Hintergrund ist bei vielen ziemlich offensichtlich. Es ist nicht nur der Altersunterschied, der den Sex zwischen Männern und Jungs so schlimm macht. Sex außerhalb der Ehe, gar schwuler Sex, ist auch heute keineswegs für alle unproblematisch. Und die meisten Kinderschützer sind Frauen, für die Sex eine andere, negativere Bedeutung hat, und für die eine moralische Verurteilung als Schlampe oder Nutte immer noch im Raum steht, wenn sie Sex zu positiv sehen. Das Jungs in dieser Beziehung anders sind, ist natürlich nichts, was in Zeiten des Gender Mainstreaming auch nur zur Kenntnis genommen wird.

Trotzdem, bei den Kids, mit denen Frau Heiliger zu tun bekommt, ist durchaus zu vermuten, dass sie reale Schuldgefühle entwickelt haben. Und dafür gibt es einen einfachen sachlichen Grund – es sind schließlich Kids, deren Beziehungen aufgeflogen sind. Und das, was passiert, wenn die Sache auffliegt, kann wohl auch dem abgebrühtesten Jungen einige Schuldgefühle beibringen.

Sicherlich, ein paar Schuldgefühle mag der eine oder andere Junge auch vorher schon gehabt haben – schließlich macht er ja Verbotenes und hält es geheim. Aber das sind kaum besonders starke Schuldgefühle – schließlich macht er es nicht allein, und sein großer Freund versucht, so gut er kann, ihm solche Schuldgefühle auszureden. Und falls sogar noch ein paar mehr Jungs mitmachen, werden solche Schuldgefühle völlig irrelevant.

Was die Kids allerdings bei der Aufdeckung erleben – die augenblicklich völlig hysterische, extreme Überreaktion der Gesellschaft – ist für die geistige Gesundheit der betroffenen Kinder nicht förderlich. Dass dadurch beim Kind Schuldgefühle entstehen, halte ich für eine voraussagbare Folge.

Ich bin zwar kein ausgebildeter Psychologe. Allerdings habe ich ein paar Vorteile: Ich bin nicht von der Kinderschutzideologie verblendet, kann also meinen Verstand benutzen, wo die Kinderschützer ihrem Dogma folgen. Und ich weiß aus eigenem Erleben, was in Boylove-Beziehungen wirklich abläuft.

Und das ist in diesem Fall ziemlich ausreichend. Ich brauche nur noch herzunehmen, was die Kinderschützer selbst über Therapien missbrauchter Kinder schreiben, und eins uns eins zusammenzuzählen. Und es kommt heraus, dass es solche Therapien sind, die bei den Kindern solche Schuldgefühle erst erzeugen.

Das scheint auf ersten Blick ein Widerspruch: Ist die These Kinder haben niemals schuld am Sex nicht eines der grundlegendsten Dogmen der Kinderschützer? Tun sie nicht alles, um den Kindern ihre Schuldgefühle auszureden?

Aber ich bezweifle ja gar nicht, dass die Kinderschützer das wollen. Nur, zwischen dem, was gewollt ist, und den realen Folgen klaffen ja oft genug Welten. Und dies ganz besonders dort, wo auf der Grundlage sachlich völlig falscher Theorien gehandelt wird.

Und genau dies ist hier der Fall. Das Bild, was die Medien und die Kinderschutzideologie von sexuellen Beziehungen zwischen Männern und Jungs zeichnen, hat so wenig mit der Realität zu tun, dass mich schon ein zufälliges, ungewolltes Aufblitzen von Realität in einem Kinderschutztext zu einem längeren Artikel wie diesem hier motivieren kann.

Und so überlege man einfach mal, was herauskommt, wenn ein Junge aus einer typischen Boylove-Beziehung herausgerissen und von einer Kinderschützerin therapiert wird, deren Vorstellung von dem, was in der Beziehung passiert ist, durch die Dogmen der Kinderschutzideologie bestimmt ist.

Also erklärt sie dem Jungen, dass er nur ein unschuldiges armes Opfer ist. Dass er nur von einem hinterhältigen Pädophilen ausgenutzt worden ist. Dass dieser hinterhältige Pädophile ihn gemeinserweise so manipuliert hat, dass er bereit war, all das zu erdulden, und dass er sich nicht traut, über das, was ihm angetan wurde, zu erzählen. Aber nun ist das Leiden ja vorbei, und sie macht ihm keine Vorwürfe, dass er mitgemacht hat, sie weiß ja schließlich, dass Kinder so etwas niemals selbst wollen, dass sie es alle nur erdulden, dass sie alle nichts lieber getan hätten als über diese Verbrechen zu erzählen, sich aber nicht getraut haben.

Und dies wird einem Knaben erzählt, der sich in der Wohnung des Boylovers Sachen erlauben durfte, die zu Hause oder gar in der Schule unmöglich gewesen wären, der den Boylover oft genug dahingehend manipuliert hat, ihm alles mögliche zu spendieren, der selbst Spaß am Sex hatte, der sogar selbst ab und zu die Initiative dazu ergriffen hat, der den Boylover selbst gebeten hat, das niemandem weiterzuerzählen.

Mit anderen Worten, der Knabe kriegt ungewollt beigebracht, dass er selbst ganz anders empfindet als alle, alle anderen Kinder, ohne Ausnahme. Nein, nicht explizit – ein Junge in so einer Situation hat kaum das Selbstbewusstsein, unserer gelehrten Diplompsychologin zu sagen „Tut mir leid, aber sie erzählen Stuss, das lief ganz anders als sie sich das vorstellen“. Er wird über sein Anderssein schweigen. Unsere Diplompsychologin bekommt also keinerlei Anlass, ihr Dogma in Frage zu stellen. Sie hat lediglich ein weiteres Kind von den Schuldgefühlen befreit, die hinterhältige Pädophile ihm eingeredet haben. Denkt sie.

Das, was ihm die Kinderschützerin über alle anderen Kinder erzählt, wird er ihr durchaus glauben. Sie ist schließlich eine Autoritätsperson. Aber der Junge weiß halt auch das, was er selbst erlebt hat, und was er nicht erzählt. Und natürlich zieht er seine eigenen Schlussfolgerungen. Er weiß also, dass er genossen hat, was alle anderen Kinder nur erdulden, er weiß, dass er selbst kräftig manipuliert hat, wo alle anderen Kinder nur manipuliert wurden, er weiß, dass er geheimhalten wollte, was alle anderen Kinder jemand anderem anvertrauen wollen, und er war der beste Freund des Verbrechers, wo alle anderen Kinder nur seine Opfer sind. Was folgt nun daraus? Ganz einfach, dass er selbst pervers ist. Und wenn das kein Grund für Schuldgefühle ist, was dann?

Was für eine Schuld überhaupt?

Die These, dass das Kind niemals schuld am Sex ist, erzeugt allerdings auch schon auf direktere Weise Schuld. Es wird ja implizit vorausgesetzt, dass irgendjemand schuld haben muss. Die Frage ist nur, wer – der böse Pädophile oder das arme Kind.

Und das ist halt der andere wichtige Unterschied in der Schuldfrage: Für uns Boylover steht sie überhaupt nicht. „Schuld“ ist keiner von uns beiden, weil nichts passiert ist, was irgendeine Schuldzuweisung erforderlich macht. Sex ist was schönes, was Spaß macht, für beide. Also was für eine Schuld überhaupt?

Und das ist ein weiterer Mechanismus, der Schuldgefühle erzeugen kann. Der Junge kommt aus einer Umgebung, in der niemand irgendjemandem eine Schuld am Sex zuweist – Sex macht Spaß, und erzeugt keinerlei Schuld.

Aber plötzlich ist der Freund im Gefängnis, und der Junge selbst findet sich in einer Umgebung wieder, in der eines unstrittig ist – dass etwas Schlimmes passiert ist, und dass jemand daran schuld ist.

Dass der Junge bei all dem, was passiert ist, ein sehr erhebliches Mitspracherecht hatte, dass ohne sein Einverständnis nichts lief, ist etwas was nicht ins Kinderschützerdogma passt, dem Jungen selbst aber sehr wohl bewusst ist. Und so mögen zwar unsere Kinderschützerinnen die These vertreten, dass das Kind niemals schuld ist. Aber die Begründung dafür ist, für den Jungen erkennbar, auf seine Situation nicht zutreffend. Denn sie lautet, dass das Kind den Sex niemals will, und dass es keinerlei Macht hat, dem Erwachsenen zu widerstehen. Der Junge hingegen weiß sehr wohl, dass er das alles wollte, und dass er sehr wohl die Macht hatte, nein zu sagen, und diese auch oft genug genutzt hat.

Der Junge identifiziert sich also nicht nur selbst als pervers, als anders als all die normalen Kinder, die so sowas Perverses niemals wollen. Es gibt eben auch noch die Frage, wem die erhebliche, geradezu riesige Schuld zuzuschreiben ist für das Perverse, was stattgefunden hat. Der Junge ist natürlich erleichtert, dass die Kinderschützerinnen gar nicht auf den Gedanken kommen, er könne mitschuldig sein. Aber das liegt ja nur daran, dass sie nichts von seiner Perversität wissen. Er selbst weiß allerdings, dass nichts gegen seinen Willen stattgefunden hat, dass er problemlos nein sagen konnte, und auch nein gesagt hat, wenn er mal keine Lust hatte, dass er das alles auch selbst wollte. Und daraus muss er schließen, dass er ganz erheblich mitschuldig ist. Sicher, diese Schuld bleibt unentdeckt, aber Schuldgefühle werden auch durch unentdeckte Schuld erzeugt.

Und sein Freund, der Einzige, der ihm gerne sagen würde, dass es überhaupt keine Schuld zu verteilen gibt, und er deswegen auch keinerlei Mitschuld haben kann, ist selbst ein schlimmer Verbrecher, der wegen seiner schweren Schuld im Knast sitzt, und mit dem er natürlich nicht reden darf.

Wer solch eine Therapie ohne Psychotrauma, ohne schwere Schuldgefühle, übersteht, kann es sich glücklich schätzen.