Meinungsfreiheit für Pädophile?

Zur Wendezeit, als ich das erste Mal in den Westen kam, war ich beeindruckt. Nein, nicht so sehr von den Läden – ich habe mir nie viel aus Klamotten und Luxus gemacht. Nein, von den Realitäten der Meinungsfreiheit damals. Ich fand schnell heraus, dass es sogar Journale von Pädophilen für Pädophile gibt. Journale, in denen die bestehende Gesetzgebung als Unrecht kritisiert wurde. Und es gab noch mehr – Gruppen von Pädophilen, deren Treffpunkt und Zeiten in solchen Journalen zu finden waren. Und sogar Organisationen von Pädophilen gab es.

Ich erinnere mich noch ziemlich gut, wie tief mich dies beeindruckt hat. Der Gedanke allein, dass man in einer völlig legalen Zeitung etwas Illegales verteidigen konnte. So etwas war im Osten undenkbar gewesen. Dort durfte ja fast gar nichts in den Zeitungen stehen, mit Ausnahme von primitiver Propaganda. Und nun plötzlich war es möglich, in einer Zeitschrift illegale Handlungen zu veteidigen und die Bestrafung solcher Handlungen als Unrecht anzuprangern.

Es war dieses mich konkret betreffende Beispiel, welches mir den prinzipiellen Unterschied zwischen einem demokratischen Rechtsstaat und einem Polizeistaat verdeutlicht hat. Klar, im Nachhinein scheint das alles klar und selbstverständlich – Demokratie kann ja nur funktionieren, wenn an den bestehenden Gesetzen öffentlich gezweifelt werden kann. Und so fremd war mir der Gedanke ja auch gar nicht – ich hatte mir ja auch schon vorher meine Gedanken gemacht, und in meiner Sammlung von Erinnerungen gibt es einiges Illegales aus der Vorwendezeit: Umweltblätter vom Frühjahr 1989 und russische und lettische Perestroika-Literatur von Sommer 1989. Ich habe damals schon selbst für eine freie Presse gekämpft.

Und trotzdem war ich tief beeindruckt. Ich denke, der Punkt war, dass ich mich damals, zumindest im Unterbewusstsein, eigentlich nur für eine freie Presse für die Mehrheitsmeinung eingesetzt habe. Die Katastrophe der DDR-Presse war ja, dass die Mehrheitsmeinung nichts, aber auch gar nichts, mit der veröffentlichten Meinung zu tun hatte. Dass die Mehrheitsmeinung nun endlich auch in den Zeitungen und im Fernsehen dargestellt werden durfte und wurde, war ja ein riesiger Erfolg der Demokratiebewegung.

Mir ist erst durch die pädophilen Journale wirklich bewusst geworden, dass es wirkliche Meinungsfreiheit erst dann gibt, wenn auch Minderheiten ihre Meinung offen sagen können. Und dass es wirkliche Freiheit der Vereinigung erst dann gibt, wenn auch solche Minderheiten wie Pädophile Vereine bilden können.

Warum ich mich heute daran erinnere? Der Leser darf dreimal raten. Von den pädophilen Journalen ist heutzutage nichts übrig. Die Organisationen der Pädophilen sind faktisch zerschlagen. Was überlebt hat sind ein paar Freundeskreise aus alter Zeit, mehr nicht.

Mit anderen Worten, Pressefreiheit und Freiheit der Vereinigung stehen uns Pädophilen vielleicht noch formal, aber nicht mehr faktisch zur Verfügung. Die pädophilen Vereine sind schließlich nicht wegen Mangels an Pädophilen eingegangen, und die pädophilen Journale auch nicht am Mangel an Lesern. Sondern wir hatten einfach damals noch Freiheiten, die wir heute eben nicht mehr haben.

Wir haben heute wieder, wie zu DDR-Zeiten, eine Einheitsmeinung in den Medien. Nur ist es heute nicht mehr die des ZK der SED, sondern durchaus die der Mehrheit. Wir haben sogar lebhaften Streit in den Medien. Allerdings nicht mit den Pädophilen. Man streitet sich nur untereinander darüber, wie man mit solchen Untermenschen umgeht. Gleich Vergasen oder nur Schwanz ab? Lebenslang Knast oder lebenslang Klapsmühle?

Ohne das Internet wären wir heute wieder wo wir in der DDR waren, nur halt eben mit Mehrheitsmeinung an Stelle der ZK-Meinung.

Klar, auch im Internet ist die Lage nicht rosig. Viele unserer Seiten sind schon kaputtgemacht worden, viele unserer Foren geschlossen, viele Menschen wegen des Besitzes und Verbreitens von Bildern verhaftet und eingesperrt, und jeder Betreiber einer noch so unschuldigen pädophilen Seite fragt sich, wann er wieder einmal den Provider wechseln muss.

Trotzdem, im Internet gibt es sie doch noch, die zaghaften Überreste von Meinungsfreiheit für Minderheiten.


5 Antworten auf „Meinungsfreiheit für Pädophile?“


  1. 1 Roman Czyborra 02. Oktober 2010 um 2:41 Uhr

    Danke Dir für diesen Beitrag zur Einheitsfeier! Ein Beispiel für die Einheitsmeinung ist der Niedergang des neutralen Standpunktes in der Wikipedia. Dort war bis 2007 noch wissenschaftliche Diskussion über Pädophilie möglich. Jetzt schreibt die Kinderschutzpolitik eine Meinung vor, die findet sich im Artikel Kindesmissbrauch – wieder: sexuelle Handlungen zu erlauben wäre laut Beier „unverantwortbar“, weil es wie im Glücksspiel eine 50%-ige Chance auf Traumatisierung gibt.

  2. 2 K13online-Dieter.Gieseking 02. Oktober 2010 um 16:56 Uhr

    So düster, wie von Dir beschrieben, würde ich alles nicht sehen wollen. Die wenigen Pädo-Aktivisten sind jedoch oft gezwungen, einen juristischen Kampf zu führen. Dazu benötigen diese Aktivisten passive und aktive Unterstützung von der sogenannten Pädobasis/Pädoszene. Das funktioniert aber nicht so, wie es eigentlich sein müßte. Und deshalb liegt genau an diesem Punkt das Problem begraben. Es reicht eben alleine nicht aus, das UNrecht zu benennen und zu publizieren, sondern zum sog. Widerstand gehört pädophile Organisation und Solidarität und Kampfgeist im Sinne der gesamten Sache Pädophile. Ich weiß, dass dies die Masse der Pädos nicht gerne hört – aber: Das primäre Problem liegt bei den Pädophilen erstmal selbst begründet. Niemand wird uns irgend etwas schenken…

    Gruß Dieter-K13

  3. 3 mackay 06. Oktober 2010 um 16:03 Uhr

    @Roman:

    Wirklich krass: „… or who identify themselves as pedophiles, will be indefinitely blocked.“ Die Neigung selbst, plus Ehrlichkeit, als Grund fuer unbefristeten Rausschmiss. Fast schon offener Faschismus.

    @Dieter:

    Das funktioniert aber nicht so, wie es eigentlich sein müßte.

    In deinem Fall liegt das Problem wohl eher bei dir begruendet, genauer im Verhaeltnis der anderen Paedos zu dir.

  4. 4 wessi 11. Oktober 2010 um 10:36 Uhr

    Meinungsfreiheit existierte in der DDR nicht, aber lockererer Umgang mit Nacktheit und Sexualitaet. Bin vor 1989 selber gerne zum Familien-FKK an die Ostsee gefahren und habe viel Schoenes erleben duerfen. Bereden und diskutieren brauchte man seine Vorlieben nicht, es wurde einfach gehandelt. Es gab dort ja viele alleinerziehende Muetter…

    Ich bin nicht der Einzige, der behauptet: 1989 hat zwar „Wir sind das Volk“ gesiegt, aber gewonnen hat die StaSi und die SED-Bonzen. Die arbeiten jetzt zu zigtausenden bei der Polizei, als Schergen der BRD-Staatsmacht und private Ermittler, oder kriegen fette Pensionen. Damit die was zu tun haben, werden sie auf Paedo-Hatz geschickt. Alle Systemparteien inkl Gruene und PDS sind gegen uns!

    Da hilft nur eine neue politische Partei. Eigentlich naheliegend, denn Paedos und ihre Sympathisanten werden auf >10% geschaetzt.

    Aber leider sind die Paedo-Aktivisten eine heillos zerstrittne Bande von Individualisten BL ./. GL, Giesking ./. Sakura, bekennnete ./. heimliche usw.

    Der Autor Jerry Hoss hat in seinem Werk: „5 Abtreibungen & 2 Adoptionen“ einen unausgegorenen, aber interessanten Manifestentwurf der noch zu gruendenden Totalen Freiheitspartei „Die Totalen“ veroeffentlicht. Leseprobe gibts bei google books.

  5. 5 mackay 12. Oktober 2010 um 13:27 Uhr

    Allerdings unausgegoren.

    Eine „totale Freiheitspartei“ und einige der wesentlichen Programmpunkte sind Verbote – von Zinsen auf Kredite (macht die Wirtschaft kaputt), von Kosten fuer Privatschulen (macht die letzte nichtstaatliche Konkurrenz zur Zwangsschule wirtschaftlich kaputt), bis zum Verbot von Fischfang. Statt Abschaffung der Steuern wird hohe Besteuerung von Hasch vorgeschlagen. Und dann auch noch die letzten freien Alternativen zur Staatspoliklinik verbieten.

    Also mit totaler Freiheit hat das ueberhaupt nichts zu tun.

    Allerdings, eine libertaere Partei, die ein klares Konzept hat, waere schon wuenschenswert. Und das ist ja nun rein programmatisch nicht so schwer, alles was den Staat staerkt, ihm mehr Rechte gibt, von dem zu unterscheiden was ihn schwaecht, was seinen verbrecherischen Charakter vermindert.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sechs + = dreizehn