Haben Boylover in einer libertären Gesellschaft eine Chance?

Ist es eine gute Idee für Boylover, libertär zu sein, sich für eine staatsfreie Gesellschaft einzusetzen? Kommt man da nicht aus dem Regen in die Traufe? Ist nicht der Rechtsstaat, der uns zwar in den Knast steckt, aber immerhin am Leben lässt, und uns letztendlich immerhin vor dem Lynchmob schützt, nicht das kleinere Übel?

Sicherlich, theoretisch kann man nicht völlig ausschließen, dass es ohne Staat noch schlimmer werden könnte. Nur, ich denke, man unterschätzt dabei das Interesse des heutigen Staates an dieser Hysterie. Krieg macht den Staat stark. Krieg ist jedoch, im Zeitalter von Atomwaffen, zu gefährlich geworden. Und so benutzt man heute etwas anderes dazu, um dem Staat zu stärken. Alles was man dazu braucht, sind Gefahren und vor allem Feinde. Der Jude hat inzwischen Atomwaffen, also den besser nicht noch mal, aber der Pädophile hat ja noch keine.

Und etwas anderes ist wichtig: Der Staat braucht Einheit. Ein einheitliches Recht für alle. Und das legen Politiker fest. Politiker, die sich als Retter der Nation verkaufen. Und damit auch zum Retten vor allen Gefahren verpflichtet sind. Wo immer ein Problem auftaucht, muss der Staat was tun. Was tun. Also Gesetze verschärfen und so weiter. Als Folge wird die Hysterie noch weiter verschärft.

Wie sieht dies in der Anarchie aus? Hier kümmert man sich eher um die eigenen Angelegenheiten. Es gibt keine Politiker, die irgendwelche Probleme lösen oder lösen zu können behaupten, weil es keine Politiker gibt. Es gibt einen lokalen bewaffneten Selbstschutz. Den könnte man beauftragen, das Problem zu lösen. Aber der möchte, wenn wir mal die kapitalistische Variante annehmen, dafür zusätzlich bezahlt werden. Was genau er in der kommunistischen Variante dafür kriegt, ist weniger klar, aber egal: Wie auch immer, das Problem wird lokal betrachtet, und es gibt lokal konkrete Leute, die unter einem zusätzlichem Aufwand zu leiden hätten, entweder weil sie zusätzliche Arbeit ohne Belohnung zu leisten haben oder weil sie die Belohnung zahlen müssten. Und da wird auf jeden Fall die Frage entstehen, ob sich dieser Aufwand lohnt. Was, im Fall einer Hysterie, ja nun gerade nicht der Fall ist.

Man mag vielleicht nichts dagegen haben, wenn der Dorfbulle sich ein paar Kinderpornos runterläd und sich dann in der Dorfkneipe über den Sittenverfall aufregt. Nur, bevor ihm jemand dafür was zahlt, wird eher der Verdacht diskutiert, dass er die Bildchen wohl doch eher geil findet und seine Aufregung künstlich ist.

Der Unterschied zum heutigen Staat, wo der Steuerzahler für die zusätzliche Arbeit von Polizei, Gerichten und Knästen zahlen muss, ist halt der, dass der Steuerzahler nicht gefragt wird, nicht einfach nein sagen kann. Der Politiker sieht die Gefahr, dagegen zu protestieren traut man sich nicht, weil man sich sonst selbst verdächtig macht, und zahlen muss man. In der Anarchie traut man sich vielleicht auch nicht, den Mund aufzumachen, aber zahlen muss man eben nicht. Einer anarchokapitalistischen Schutzfirma zahlt man für das, was man selbst als Schutz wünscht. Und das war es dann auch. Schutz vor Vergewaltigern – ok, das möchte man. Aber vor Pädophilen? Ist doch Blödsinn – dem Knaben kann man schließlich auch selbst sagen, dass man sowas eben nicht macht, und gut ist. Und wenn er es dann doch macht, naja, davon bricht die Welt nicht zusammen.

Sind das jetzt nur meine Wunschträume? Ich denke nicht. Die Tatsache, dass man für Sicherheitsdienstleistungen selbst zahlt, ist ein sehr guter rationaler Grund für die Hoffnung, dass in solch einer Gesellschaft kaum noch opferlose Delikte verfolgt werden. Für den Schutz vor Verbrechen mit Opfern zahlen die potentiellen Opfer. Für den „Schutz“ vor opferlosen „Verbrechen“ hingegen – wer sollte dafür zahlen? Und Boylove ist nunmal ein Delikt ohne Opfer. Oder eins, vor dem die angeblichen „Opfer“ keinesfalls geschützt werden wollen.

Zusammengefasst: Der Hauptgrund für die Pädohysterie – die Stärkung des Staates – entfällt, die Quelle der Finanzierung ebenso. Gute Chancen für uns.


4 Antworten auf „Haben Boylover in einer libertären Gesellschaft eine Chance?“


  1. 1 sabathu 25. September 2010 um 22:43 Uhr

    Ein IHMO vollkommen unberechtigte Hoffnung.

    Sicherheitsdienstleister wollen Geld verdienen – sie werden alles daran setzen, die Panik vor irgendwelchen Schreckensszenarien zu schüren, und gleichzeitig ihren Schutz davor anbieten. Ob solche Gefahren real sind oder nicht, spielt für sie keine Rolle.
    Und auch professionelle Kinderschützer wird es weiter geben. Es gibt unzählige Menschen, die Berufswege einschlagen wollen, bei denen eigentlich ein Überangebot an Arbeitskräften gibt (Psychologen, Pädagogen, Soziologen und wie sie alle heißen). Die nötige Intelligenz, um Physik zu studieren, hat nicht jeder. Und „Tätigkeiten mit Menschen“ machen vielen eben mehr Spass als die Beschäftigung mit abstrakten Dingen. Auch solche Menschen haben ein Interesse daran, irgendwelche Butzemänner aufzubauen, um dann ihre Globuli (Therapien, Aufklärungstheater,…) dagegen an den Mann zu bringen.
    Solche Mechanismen funktionieren in einer demokratischen Gesellschaft genauso wie in deiner anarchokapitalistischen.
    Einer deiner Fehler ist, dass du von rationalen Menschen ausgehst (warum soll ich für etwas unnötiges Geld ausgeben?). Menschen sind aber in den seltensten Fällen und Situationen rational. Auch dann nicht, wenn es um ihre Kinder geht. Sie schicken ihre Kinder ja z.B. auch vollkommen freiwillig und für teures Geld auf die Waldorfschule, wo sie dann Eurythmie und sonstigen Unsinn lernen. (und so ihren Kinder sogar nachhaltig schaden). Warum sollten sie nicht auch bereit sein, etwas für die allgemeine Treibjagd gegen Pädophile zu spenden? Ich würde sogar vom Gegenteil ausgehen: Wenn Eltern mehr Einfluss darauf nehmen könnten, wie das für die Erziehung ihrer Kinder eingeplante Geld im einzelnen investiert wird, würde der Schutz vor Pädophilen einen weitaus größeren Platz einnehmen, wie das jetzt der Fall ist. Momentan reden Politiker zwar viel, aber im Hintergrund sitzen noch immer Ökonomen, die nüchterner kalkulieren als eine ungebildete, emotionsgeleitete Mutter, die sich gerade den neusten Missbrauchskitsch im Fernseh reingezogen hat.

    Und einen anderen Punkt will ich noch ansprechen: Demokratien wie die BRD bieten Pädophilen übrigens nicht nur Dinge wie Verfolgung und Knast, sondern auch Schutz vor dem Mob, ein Existenzminimum und vieles mehr – das schreibst du selbst. In deiner anarchokapitalischen Gesellschaft musst du erst mal jemand finden, der dir in seiner Siedlung, Wohnraum zur Verfügung stellt. Die können sich auch einfach weigern, an Pädophile zu vermieten. Pädophile in der Nachbarschaft will keiner haben – das drückt den Mietpreis (noch viel mehr also irgendwelche Schwarzafrikaner, die sich in Wohnsiedlungen der weißen Amerikaner niederlassen). „Pädophilenfreie, familienfreundliche Wohnumgebung“. Das hört sich doch gut an. Selbst Wohnungsbaugenossenschaften können die Pädophilenhatz für sich ausschlachten – nicht nur Sicherheitsdienstleister und professionelle „Helfer“. Diskriminierung von Pädophilen ist kostenlos; man kann sie einfach vor die Tür setzen, ohne irgendetwas zusätzliches an Sicherheitsdienstleister oder Helfer zu zahlen

  2. 2 mackay 04. Oktober 2010 um 14:04 Uhr

    Erstmal in weiten Teilen Zustimmung. Es gibt viele Mechanismen, die weiter so funktionieren wie bisher. Aber es gibt halt auch einiges was anders ist. Wichtig ist aber, was sich aendert, nicht was gleichbleibt.

    Und da ist zum Beispiel der Unterschied in den Kosten. Wer einvernehmliche Paedophilie kontrollieren will, muss mehr leisten, mehr rumschnueffeln. Er kann nicht einfach in seiner Bude sitzen und auf heulend anrennende Kinder warten – er muss sie selbst unter den lachenden Kindern auf dem Fussballplatz herausfinden. Und das will er sich natuerlich bezahlen lassen.

    Was ist da natuerlicher, als sich auf die gewalttaetigen Faelle zu beschraenken? Da kann man trotzdem noch mit „paedofreie Zone“ oder „Schutz vor Paedophilie“ warnen und schreibt dann im Kleingedruckten, dass es nur vor sexueller Gewalt Schutz gibt. Fuer den Kunden ist das ja dasselbe. Fuer den Anbieter ist es hingegen viel billiger.

    Dann aendert sich auch was an der Rationalitaet. Meine Wahlentscheidung heute ist aus rationalen Gruenden irrationaler als meine Wahl des Angebots des Sicherheitsdienstleisters. Der rationale Grund ist einfach der, dass meine Entscheidung was fuer mich bewirkt.

    Dann, klar, ich muss jemanden finden, der an mich vermietet. Nur, in dem Modell haengt dies von den Regeln ab, die ich akzeptiere. Wenn ich akzeptie, dass Sex mit Kids bestraft wird, nur eben einigermassen rationale Strafen akzeptiere (Geldstrafen, an das Opfer zu zahlen, werden die Leute sowieso vorziehen) kann ich damit schonmal sehr viel besser leben als heute. Schlimmstenfalls akzeptiere ich hysterisch hohe Strafen, lebe aber selbst damit nicht schlechter als heute. Am unteren Rand der akzeptierten Strafhoehe kann ich mich immer bewegen.
    Und Strafhoehen und Schutzalter werden sehr viel staerker variieren als heute. Ein beliebter Paedo im Dorf kann reichen um die Vorurteile auszuraeumen.

    Wenn Eltern mehr Einfluss darauf nehmen könnten, wie das für die Erziehung ihrer Kinder eingeplante Geld im einzelnen investiert wird, würde der Schutz vor Pädophilen einen weitaus größeren Platz einnehmen

    Sie haben nicht mehr Einfluss auf ein fixiertes staatliches Geld. sondern geben ihr eigenes Geld aus. Das ist noch ein wichtiger Unterschied. Unterschichtmama wird dir was husten, wenn du ihr vorschlaegst, teures Geld zu zahlen was sie ansonsten versaufen kann.

  3. 3 Stewie G 24. Oktober 2010 um 18:10 Uhr

    Ich denke, eine Anarchie ist nur dann sinnvoll, wenn der Mensch so reif ist, dass er jeden Einzelnen mit seiner Sexualität oder mit seinem Anderssein in Ruhe lässt. D.h. Anarchie setzt Toleranz voraus, d.h. die Duldung des Anderen, trotzdem er genau die gegenteilige Ansichten vertritt.

    Dazu sind m.E. Menschen noch nicht reif genug. Menschen neigen heute noch dazu, unabhängig vom Staat, sich in gleichgesinnten Gruppen zuzusammenzufinden, um dann die gegenteilige Gruppe zu bekämpfen, weil mam jeweils meint, die eigene Gruppe sei wahrer, überlegener und besser als die Andere, die wiederum als Bedrohung angesehe wird.

    Da haben wir: Kinderschützer gegen Pädophile, Kinderschützer gegen Computergamer, Kinderschützer gegen Hip Hopper, Kinderschützer gegen Raucher, Konservative gegen Progressive, Rechte gegen Linke, Christen gegen Moslems, Intellektuelle gegen Dumme, Jugendliche gegen Erwachsene, Rocker gegen Technofans.

    Die Lösung wäre eine Gesellschaft, in der man solidarisch, also miteinander lebt und nicht gegeneinander sich bekämpft. Das geht nur, wenn man den Anderen als Nutzen betrachtet, also vorteilhaft für mich, als sinnvoll für mich bzw. das geht nur dann, wenn durch das Bekämpfen des Anderen mir dadurch kein Nutzen ergibt.

    Das setzt voraus: Die Grabenkämpfe zwischen den Gruppen müssen regelrecht „out“ werden. Es muss verpönt sein, sich zu bekämpfen, Das muss man für antiquiert halten. Da hilft die Aufklärung, die das gruppale Bekämpfen durch eine Miteinanderreden, durch den Diskurs, durch die Diskussion, durch das Austauschen der Argumente ersetzt hat. Und tatsächlich: Aufgeklärte Menschen bekämpfen sich nicht, sondern versuchen, zu verstehen. Die größten Kämpfe sind religiös fundiert und religiös motiviert.

    Daher sage ich: Solange Religion und Glauben bestehen, solange der Gedanke der Aufklärung sich nicht überall verbreitet hat, hat die Anarchie keine Chance. Erst muss der Glaube an Führer, Gott und Obrigkeit verschwinden, ERST dann verschwindet der Glaube an den Staat und so der Glaube an das Gute in der Herrschaft.

    In dem Sinne sollten wir für die Aufklärung kämpfen, für die Mündigkeit, für die Autonomie des Einzelnen, dafür, dass jeder sich seines Verstandes bedient und nicht seiner Waffe.

  4. 4 mackay 03. November 2010 um 21:02 Uhr

    Ich bin anderer Meinung. Wir koennen nicht einfach warten: Es ist die Anarchie, die Freiheit und Eigenverantwortung, die den Menschen zivilisiert. Unterdrueckung und Sklaverei macht unzivilisiert.

    Genauso mit dem Glauben an den Staat – es ist erst die funktionierende Anarchie, die ihn beseitigen kann.

    Wenn wir warten bis zum Sankt Nimmerleinstag werden wir in einer staatlichen Gesellschaft krepieren.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− eins = sieben