Stazi – mein Vorschlag für ein Schimpfwort für Staatsgläubige

Bezeichnungen sind oft verdammt wichtig, und es gibt oft genug eine Menge Streit darüber. Mir fehlt beispielsweise ein gutes, griffiges Schimpfwort für alle Staatsgläubigen, Etatisten, Staatsanhänger. Und da habe ich nun eine Idee, einen Vorschlag dazu: Stazi.

Das ist kurz, griffig, verständlich, und liefert die richtigen Assoziationen: Da ist einmal die Assoziation Nazi, andererseits aber auch Sozi. Dann ist das Wort „Staat“ darin klar genug erkennbar, man versteht also schnell was gemeint ist – jemand, der, so wie der Nazi den Nationalismus und der Sozi den Sozialismus eben die Ideologie der Staatsgläubigkeit vertritt.

Die Assoziation mit der Stasi ist mir auch nicht unwillkommen.

Als Wissenschaftler habe ich zwar keinerlei Probleme mit langen aber dafür genauen Bezeichnungen, aber mir ist auch klar, dass solche Bezeichnungen kaum die Massen ergreifen.

Die interessantere Streitfrage dürfte allerdings sein, unter welcher Bezeichnung man denn nun die Anti-Stazis zusammenfasst. Eigentlich sollte es ja einfach sein: einfach nur Anarchisten. Als zusammenfassende Bezeichnung, die alle einschließt, von den Anarcho-Kommunisten bis zu den Anarcho-Kapitalisten.

Leider erheben die kommunistisch/sozialistisch orientierten Anarchisten hier einen meiner Meinung nach schädlichen Alleinvertretungsanspruch. Schädlich, weil die Fronten da stehen, wo sie meiner Meinung nach gar nicht hingehören: Links gegen Rechts, Anarcho-Sozis vereint mit Staats-Sozis auf der einen Seite gegen Anarcho-Kapitalisten vereint mit liberalen und minarchistischen Stazis auf der anderen. Sicher, da gibt es auch unterschiedliche Meinungen, die man ausdiskutieren sollte. Und zwischen den verschiedenen Varianten der Stazis sind dies nicht nur Meinungsverschiedenheiten sondern zentrale Machtfragen.

Aber ich sehe eine ganz andere politische Unterscheidungslinie als viel wichtiger an: Die zwischen allen Stazis und allen Anarchisten. Die Stazis wollen einen Staat, also eine Organisation mit Sonderrechten für sich selbst, legalen Monopolen, eine Organisation, deren wichtigste Aufgabe es ist, etwas zu tun, was sie selbst als Verbrechen bezeichnet, wenn andere es auch tun, eine Organisation, die prinzipiell gegen die grundlegendste ethische Regel, die Goldene Regel, verstößt. Und die Anarchisten wollen das nicht.

Und wenn sie das wirklich nicht wollen (also nicht nur behaupten), dann müssen sie natürlich auch akzeptieren, dass sie zwar ihren eigenen Vorschlag, wie man zusammenleben sollte, ob nun sozialistisch, kommunistisch oder kapitalistisch, für besser halten kann als den der anderen Anarchisten, aber deshalb den anderen nicht aufzwingen darf.

Und deshalb stören mich Anarchisten mit anderen Vorstellungen, wie man zusammenleben sollte, nicht. Wenn sie es ernst meinen, werden sie mich in Ruhe mein Ding machen lassen, wenn wir gemeinsam den Staat besiegt haben. Und ich werde sie in Ruhe lassen. Selbst wenn Nachbarschaftskonflikte sich als unlösbar herausstellen sollten, trennt man sich eben räumlich etwas auf. Hauptsache da ist kein Staat mehr, der mir überall Vorschriften macht wie ich leben soll.

Also, Leute: Die Frage, wie wir ohne Staat leben, ist es wert, diskutiert zu werden, dies ist sogar notwendig. Aber es gibt einen Grundkonsens – gegen den Staat – dieser Grundkonsens ist genügend klar und unstrittig definiert – der Staat als eine Organisation mit legalen Monopolrechten, insbesondere Gewaltmonopol – und dieser Grundkonsens scheint mir wichtiger als die Unterschiede zwischen uns, und im aktuellen politischen Kampf gegen die Stazis sollten die Anarchisten aller Schattierungen einfach mal zusammenhalten.


5 Antworten auf „Stazi – mein Vorschlag für ein Schimpfwort für Staatsgläubige“


  1. 1 sabathu 27. August 2010 um 19:20 Uhr

    > Und da habe ich nun eine Idee, einen Vorschlag dazu: Stazi.

    Du (!) hattest eine Idee? Ich habe den Begriff (auch in der von dir intendierten Konnotation) schon zig mal in irgendwelchen Blogs und Foren gelesen.

    Und bei den ganzen Assoziationen scheint er ja nicht gerade zur sachlichen Diskussion beizutragen. Aber halt, das willst du ja gerade: beschimpfen. Na dann :)

    Dass er inhaltlich nicht viel beiträgt, merkt man schon an deinen Kommentaren zur Debatte Anarcho-kapitalisten vs. Anarcho-sozialisten. Die einen haben bekanntlich das Privateigentum zum Fetisch stilisiert, während die anderen sich ausgebeutet sehen, wenn jemand konsequent zwischen „mein“ und „dein“ unterscheidet. Zwischen solch‘ konträren Strömungen kann es keine Allianz geben. Für eine Allianz braucht man gemeinsame positive Ziele, nicht nur den gleichen Feind. (Milli Görüs und Emma sind sich auch einige im Kampf gegen Pornographie. Ob eine Allianz sinnvoll wäre? )

    Den Vorschlag der räumlichen Trennung halte ich für reichlich naiv. Gewaltsame Konflikte sind vorprogrammiert.

  2. 2 mackay 30. August 2010 um 1:57 Uhr

    > Du (!) hattest eine Idee? Ich habe den Begriff (auch in der von dir intendierten Konnotation) schon zig mal in irgendwelchen Blogs und Foren gelesen.

    Cool. Ok, Anspruch auf Prioritaet erhebe ich nicht.

    Sicherlich will ich auch beschimpfen, aber das Feindbild (insbesondere der gemeinsame Feind aller Anarchisten) ist mir auch wichtig.

    Fuer so aussichtslos wie eine Allianz zwischen Emma und Milli Görüs halte ich die Sache allerdings nicht. Warum sollten gewaltsame Konflikte vorprogrammiert sein? Ich wuerde weder eine Kommune angreifen, um den dortigen Bewohnern Eigentum aufzuzwingen, noch Leute, die Eigentum akzeptieren, zum Kommunismus noetigen wollen.

    Und wenn das Eigentum der Nichtkommunisten nichts mit dem zu tun hat, was die Kommunisten selbst hergestellt haben, sollten die sich doch irgendwie davon ueberzeugen lassen koennen, die Nichtkommunisten nicht auszurauben.

  3. 3 wessi 11. Oktober 2010 um 15:11 Uhr

    „I wanna be: ANARCHY!“ sangen einst die Sex Pistols.
    Aber Vorsicht: schrei das nicht zu laut. Wer bekennender Anarchist ist, darf nicht in die USA einreisen, ebenso wie Drogenschmuggler, Prostituierte und Aids-Kranke. Ex-Nazis und -Commies sind aber OK. :-o

  4. 4 mackay 13. Oktober 2010 um 16:22 Uhr

    Wer bekennender Anarchist ist, darf nicht in die USA einreisen

    Egal. Welcher BL will schon in den groessten Knast der Welt?

  5. 5 Booby 15. Oktober 2010 um 12:12 Uhr

    Stimmt, 1% der Gesamtbevoelkerung sitzen ein :( , die meisten keine WASPs (white anglo saxon protestants)

    Hier ein Spitzname fuer BL-Feinde:
    „Antipaede“, klingt doch cool!
    Gefunden bei Jerry Hoss, Verfasser des Buches „5 Abtreibungen & 2 Adoptionen“ (Leseproben bei google books)

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