Ein Kandidat für den Ignobel-Preis

Ich nominiere hierfür

Urban, Dieter und Joachim Fiebig
Pädosexuelle Viktimisierung und pädosexuelle Straffälligkeit. Ein „harter“ empirischer Hypothesentest.
SISS–Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart, No. 1/2011
(http://www.uni-stuttgart.de/soz/institut/forschung/2011.SISS.1.pdf)

Im Abstrakt wird behauptet:

Auch kann gezeigt werden, dass die Untergruppe derjenigen pädosexuell viktimisierten Personen, die sich in ihrer Kindheit in besonderer Weise aggressiv verhalten haben, im Erwachsenenalter nur mit einem reduzierten Risiko pädosexuell delinquent geworden sind.

In der Arbeit selbst geht es unter anderem um die Hypothese

H3: Personen, welche die Folgen ihrer pädosexuellen Viktimisierung über aggressives Verhalten zu kompensieren versuchen, reduzieren ihr Risiko, im Erwachsenenalter pädosexuell delinquent zu werden.

Schon der Titel suggeriert, sie wäre einem harten empirischen Test unterzogen worden. Die Autoren behaupten:

Zudem konnte gezeigt werden, dass unter den Befragten, die pädosexuell viktimisiert worden waren, ein offen aggressives Verhalten in den Lebensphasen nach der Opfererfahrung (in Kindheit und Jugend) die Chance einer pädosexuellen Delinquenz im Erwachsenenalter reduzieren kann.

oder, kurz darauf:

Denn, wie wir nachweisen konnten, haben diejenigen Straftäter, die infolge einer pädosexuellen Viktimisierung mit aggressivem Verhalten in ihrer Kindheit bzw. Jugend reagierten, eine verringerte Chance, im Erwachsenenalter ein pädosexuelles Delikt zu begehen.

Hm. Ein interessant klingendes Resultat. Um sowas nachweisen zu können, muss man schon einiges draufhaben. Zum Beispiel, wie findet man in einer Untersuchung die Leute heraus, die „infolge einer pädosexuellen Viktimisierung mit aggressivem Verhalten in ihrer Kindheit bzw. Jugend reagierten“?

Keine Bange, in der Viktimologie ist nichts einfacher als das:

Zur Messung von aggressivem Verhalten nach der pädosexuellen Viktimisierung wurden die Angaben der Befragten zu Erfahrungen mit verschiedenen Gewaltformen benutzt, die sich auf Lebensabschnitte nach dem erlebten Missbrauch beziehen. Aus diesen Angaben wurde ein Index gebildet, der sich auf drei Anwendungen leichter Gewalt und vier Anwendungen schwerer Gewalt bezieht. Dieser Index (AGG) wurde mittels Mediansplit dichotomisiert, so dass er nunmehr angibt, ob Personen nach ihrer pädosexuellen Viktimisierung überdurchschnittlich (AGG=1) oder unterdurchschnittlich (AGG=0) verschiedenste Formen aggressiven Verhaltens gezeigt haben bzw. darüber retrospektiv berichten konnten.

Häh? Jemand hat irgendwann nach dem Zeitpunkt eines sexuellen Erlebnisses aggressives Verhalten gezeigt – und das reicht den Autoren auch schon um zu sagen, dass er „infolge einer pädosexuellen Viktimisierung mit aggressivem Verhalten in ihrer Kindheit bzw. Jugend reagierte“. Oje. Also da muss ich schon sagen – um wenigstens den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu erwecken, hätte man zumindest fragen sollen, ob dieselben Personen nicht auch vorher schon aggressives Verhalten gezeigt haben.

Aber es kommt noch sehr viel abenteuerlicher.

Ich meine, wie findet man denn nun heraus, dass diejenigen, die „infolge“ des Missbrauchs gewalttätig werden, eine verringerte Chance haben, ein pädosexuelles Delikt zu begehen? Da muss man ja wohl irgendwie mit Leuten vergleichen, die keine pädosexuellen Delikte begangen haben, aber bei denen ansonsten (soweit erreichbar) alles gleich ist. So was nennt man in der normalen Wissenschaft „Kontrollgruppe“.

Oh, und eine „Kontrollgruppe“ gibt es hier tatsächlich auch. Allerdings sind das keine Leute, die keine Straftaten begangen haben – es sind Gewalttäter:

Als Kontrollgruppen, deren soziale Konstruktionsprinzipien und deren soziodemographischen Mitgliederprofile ähnlich denjenigen der Untersuchungsgruppe sind (vgl. dazu Abschnitt 3), wurden von uns die beiden Gruppen der „nicht sexuell delinquenten GewaltStraftäter“ (N=157) und der „adultsexuell delinquenten Straftäter“ (N=67) ausgewählt.

Für die Kontrollgruppe der Gewalt-Straftäter wurden nur solche Delinquenten berücksichtigt, die wegen Körperverletzung, Mord oder Totschlag (versucht oder verübt) verurteilt waren und bislang nicht pädosexuell oder adultsexuell delinquent gewesen sind. Nicht berücksichtigt wurden Nötigungs- oder Raubdelikte. Mithin befinden sich in dieser Kontrollgruppe allein solche Straftäter, die wegen der Anwendung direkter physischer Gewalt gegenüber anderen Personen verurteilt und inhaftiert waren.

Zur zweiten Kontrollgruppe gehören ausschließlich adultsexuell straffällig gewordene Personen. Zur adultsexuellen Delinquenz wurden u.a. die folgenden Sexualdelikte (aber nicht pädosexuelle Straftaten) gerechnet: sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung oder sonstiger sexueller Missbrauch, Exhibitionismus, Sexualdelikte mit Körperverletzungen oder mit verübtem bzw. versuchtem Mord. Bei allen diesen Sexualdelikten mussten die Opfer zum Zeitpunkt der Tat 14 Jahre oder älter gewesen sein.

Also eigentlich ganz nette Leute, nicht? Immerhin sind sie keine Kinderficker.

Es wird nun Zeit, mal neutral zu formulieren, was man statistisch für eine Korrelation herausgefunden hat. Man hat zwei Gruppen von Straftätern – Gewalttäter, und gewaltfreie Sexualstraftäter. Man befragt sie, ob sie zu einem bestimmten Zeitraum in ihrer Jugend aggressive Verhaltensweisen gezeigt haben, und findet eine statistisch signifikante Korrelation: Die Gewalttäter haben mit höherer Wahrscheinlichkeit schon früher aggressives Verhalten gezeigt. Der Effekt ist sowohl bei sexuellen Gewalttätern als auch bei nichtsexuellen Gewalttätern signifikant.

Äh, wer hatte das gedacht? Verurteilte Gewalttäter waren schon vorher aggressiv?

Ja, aber mehr als die statistische Beobachtung, dass verurteilte Gewalttäter schon vorher aggressiv waren, habe ich der Studie nicht an empirischen Fakten entnehmen können, die die These der Autoren beweisen. Man genieße es noch mal:

Zudem konnte gezeigt werden, dass unter den Befragten, die pädosexuell viktimisiert worden waren, ein offen aggressives Verhalten in den Lebensphasen nach der Opfererfahrung (in Kindheit und Jugend) die Chance einer pädosexuellen Delinquenz im Erwachsenenalter reduzieren kann.

Das klingt nach einer sinnvollen Strategie für die Therapie missbrauchter Kinder: Man bringe ihnen bei, sich extrem aggressiv zu verhalten. Dann bringen sie ziemlich bald jemanden um, und sitzen ihr Leben lang im Knast, wo sie keine Kinder missbrauchen können.

Ähnliche statistische Untersuchungen konnte ich übrigens selbst während meines Knastaufenthalts machen. Auch mir war dort, ähnlich wie den Untersuchern, wichtig, die Pädophilen unter den Straftätern herauszufinden. Und dabei habe ich auch eine Menge interessanter Korrelationen beobachten können. Insbesondere auch, entsprechend den Resultaten dieser Arbeit, dass Pädophile weniger aggressiv
reagieren als andere Gruppen von Gefangenen, insbesondere im Vergleich zu wegen Gewalttaten einsitzenden Gefangenen.

Für die weitere Forschungsarbeit kann ich noch einige weitere solche Korrelationen anführen, die, nach meinen Beobachtungen unter Strafgefangenen, das „Risiko“ erhöhen, dass der betreffende Gefangene ein verachtenswerter Kinderficker ist: Höheres Alter (übrigens auch in Übereinstimmung mit einem anderen Resultat dieser Arbeit), höhere Bildung, intelligenteres Aussehen, zivilisierte Umgangsformen, Interesse an geistiger oder kultureller Tätigkeit (gemessen durch Teilnahme an Fernstudium, Gottesdiensten, Theatergruppen, und weiteren Angeboten für Gefangene).

Daraus ergeben sich sicherlich weitere sinnvolle Strategien zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs, die man schon in der Kindheit beginnen sollte. (Obwohl, das heutige Schulsystem ist ja schon auf einem guten Weg in diese Richtung – fast alle von mir genannten Gefahrenquellen für spätere pädosexuelle Verbrechen werden ja durch die Schule systematisch reduziert.)

Eigentlich sollte ich wohl jetzt ein Maschinengewehr nehmen, und die Autoren dieser Arbeit sowie die gesamte Redaktion der SISS–Schriftenreihe wegen des Missbrauchs wissenschaftlicher Methoden erschießen. Das würde sicherlich mein Risiko, nochmal pädosexuell rückfällig zu werden, radikal verringern, und auf diese Weise zum Kinderschutz beitragen.

Ich bin am Überlegen.

Mackay

Der Einsiedler in Zürich

E.T. in Zürich 1888 – 1895

Dies ist mein Zürich, mein altes,
Hier weil‘ ich seit manchem Jahr:
Ein seltener Zauber umwallt es,
Mild, duftig und wunderbar.

Wie lieb ich das Tal und die Hügel,
Den See und die ruhende Flur! –
Mein sind sie! – Und hätte ich Flügel
Ich höbe bisweilen sie nur,

Um über die Kuppen zu schauen,
Der Höhen duftigen Saum,
Denn was seine Fernen, die blauen,
Mir bergen, ahn‘ ich’s doch kaum . . .

Ich hab‘ keine Flügel. Ich bleibe
Und raste hier Jahr und Tag . . .
Und dichte ein wenig . . . und treibe
Es so, wie ich treiben es mag.

Was wollt Ihr? – Dies stumme Versenken
In alle die Schönheit ringsum,
Das reichste von allen Geschenken
Des Lebens, ich gäb’s nicht darum! –

Nie saht ihr diese Gelände,
Wie ich sie noch heute gesehn,
Um die Tag- und Abend-Wende,
Wenn in Gluten die Hänge stehn,

Ihr, die im Vorüber-Eilen
Nur flüchtig die Grenzen ihr streift,
Und was mir mein sinnendes Weilen
Erst gibt, nicht versteht und begreift. –

Ihr wagt meine Wege zu stören? –
O lasst mich in meinem Revier!
Ich werde doch nie auf Euch hören,
Denn ich lausche den Stimmen in mir.

Die nennen mich: seliger Träumer! . . .
Und trösten: recht hast du getan! . . .
Ach, ob Ihr mich Alles-Versäumer
Auch scheltet, was liegt mir daran!

Ein Schicksal ward mir beschieden,
Das dünkt mich beneidenswert . . .
Hier bleibe ich! – Lasst mich in Frieden!
Ich hab‘ Euren Rat nicht begehrt! . . .

John Henry Mackay

Die Selbstimmunisierung der Missbrauchsideologie

Wenn Beziehungen zwischen Boylovern und Jungs so positiv sind, wie ich sie schildere, warum gibt es so viele Berichte von Opfern, aber so wenige, die Sex mit Erwachsenen in ihrer Kindheit positiv schildern? Dieses Argument kommt in Diskussionen öfter mal.

Wo sind die positiven Berichte der Kinder?

Finden tut man sie durchaus, beispielsweise in der in in dieser Arbeit zitierten Literatur, aber selten sind sie durchaus. Aber dafür gibt es verschiedene objektive Gründe. Einmal würde man dadurch seine pädophilen Freunde gefährden. Selbst wenn wegen Verjährung kein Knast mehr drohen würde, das soziale Leben des bloßgestellten Freundes wäre ruiniert.

Hinzu kommen sogar direkte Verfolgungen wegen Veröffentlichungen solcher Berichte durch die Justiz, bei denen diese als Kinderpornographie verunglimpft werden. Selbst wenn im Falle des Stefan-Textes diese Verfolgung in der fünften Instanz mit einem Freispruch endete, blieben die Veröffentlicher doch auf den Anwaltskosten sitzen.

Und in den etablierteren Medien wäre ein positiver Bericht sowieso nicht zu veröffentlichen.

Oder doch? Es findet sich eine Ausnahme – ein Artikel von Joseph Haslinger in der Welt. Aber diese Ausnahme ist im wahrsten Sinne des Wortes eine, die die Regel bestätigt. Denn wirklich positiv werden die sexuellen Handlungen keineswegs bewertet:

Ich verstehe, dass die Gesellschaft Pädophilen keinen Freibrief ausstellen kann. …
Die Kinder sind zu schützen, keine Frage. …
Ich wurde von diesen Erwachsenen sicherlich ausgenutzt …
Das Hauptbestreben der derzeitigen Thematisierung von Pädophilie und Pädosexualität muss es sein, heutige Fälle aufzudecken und künftige zu verhindern.

Auch ist der Autor, Josef Haslinger, kein Nobody, sondern ein etablierter Schriftsteller. Und trotzdem, selbst dieser eher neutrale als positive Bericht wurde mit einer Vorrede bedacht, in der sich die Redaktion vom Text selbst recht eindeutig distanziert:

Dieser Text ist eine Grenzüberschreitung. Er hat auch in der Redaktion Diskussionen ausgelöst. Weil er provoziert und Gefühle verletzen könnte. Wir drucken ihn als Dokument. Der Schriftsteller Josef Haslinger erzählt von seiner Jugend mit pädophilen Priestern …

Da fragt man sich, welche Grenzen überschritten, wessen Gefühle verletzt werden könnten durch einen autobiographischen Bericht eines Opfers von sexuellem Missbrauch durch pädophile Priester. Etwa die dieser Priester? Kaum, denn so schlecht kommen die nicht weg: „Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit“. Nun, welche Grenzen wurden wohl mit solchen Sätzen überschritten?

Die Frage, ob ein wirklich positiver Bericht veröffentlicht worden wäre, erübrigt sich wohl.

Aber dieser Bericht erlaubt es, noch etwas weit Interessanteres aufzuzeigen, nämlich die Art und Weise, wie auf solche, nun, sagen wir, nicht-negativen Berichte reagiert wird. Die Welt brachte zwei ausführliche Antworten darauf. Gerhard Amendt titelte „Die abnormen Argumente der Pädophilie-Versteher“, und Liane Dirks „Die Macht der Missbrauchten ist eine Ohnmachtsfantasie“.

Haslinger hat immerhin noch in einem Leserbrief auf Amendt antworten können, und in der Stuttgarter Zeitung konnte er noch deutlicher werden: „Ich muss nicht das ewige Opfer sein. Und schon gar nicht will man diesen Status von einem ferndiagnostischen Kurpfuscher zugesprochen bekommen.“

Dass dies eine angemessene Antwort ist, werden wir weiter unten sehen. Aber muss man dazu überhaupt noch mehr schreiben? Ich denke schon, dass es sich lohnt, denn die Argumentationsweise der beiden Kritiker Haslingers ist selbst höchst interessant und wert, genauer analysiert zu werden.

Wie reagiert man auf positive Berichte?

Auch wenn Haslingers Bericht eher neutral als positiv ist – vom Standpunkt des Dogma aus gesehen ist er tatsächlich ein Tabubruch. Denn die pädophilen Priester, mit denen er als Klosterschüler einige sexuelle Erlebnisse hatte, wurden nicht als perverse Monster dargestellt. Es finden sich Sätze wie „Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit“.

Wie reagiert man nun auf so etwas? Nun, eigentlich gibt ja die Forderung aus der Missbrauchsszene, man solle den Kindern glauben. Nur ist davon seltsamerweise nichts zu merken, wenn die Berichte der Kinder nicht zum Dogma passen. Im Gegenteil:

Missbrauch ist deshalb so dramatisch, weil missbrauchte Kinder mit dem Täter mitfühlen, Josef Haslinger führt dieses psychologische Phänomen in seinem Artikel aufs Beste vor. (Dirks)

Wer die Pädophilen in der Sphäre von klösterlicher Gewalt als eine Oase der Zärtlichkeit benennt, wie Josef Haslinger das tut, der enthüllt nicht nur das ganze Elend des damaligen Kindes, sondern ebenso das des gegenwärtigen Erwachsenen. Er scheint zeitlebens unfähig, sich gegen seine Missbraucher aufzulehnen. … Es fällt ihm schwer, trotz der heutigen Stärke als Erwachsener seine Erfahrungen angemessen zu bedenken. (Amendt)

Mit anderen Worten, Haslinger ist lediglich ein geschädigtes Psychowrack, dessen eigene Meinung, wie die eines Geisteskranken, völlig irrelevant ist und ignoriert werden kann.

Haslinger ist nun, allerdings, weder Patient von Dirks noch von Amendt. Er hat keinen von beiden um psychologische Hilfe gebeten. Es gibt auch nicht den geringsten Grund zur Annahme, dass sie auch nur irgendwelche Informationen über Haslinger selbst zur Verfügung haben, die über seinen Text hinausgehen. Ihre Argumentationsbasis ist dieselbe wie unsere – ein öffentlich zugänglicher Zeitungsartikel von Haslinger, auf den sie antworten.

Natürlich wäre es im Prinzip möglich, dass der Artikel selbst genügend Anlass gibt, an der geistigen Gesundheit von Haslinger zu zweifeln. Nun, ich nehme das Urteil vorweg – er tut es nicht. Im Gegenteil. Es ist eine gut durchdachte Position. Eine Position, der ich zwar selbst in mehreren Punkten nicht zustimme. Was mich allerdings nicht davon abhält, sie als Position in allen Punkten ernst zu nehmen.

Es sind eher die Antwortartikel, die (allerdings nur rhetorisch) gewisse Zweifel an der geistigen Gesundheit ihrer Autoren aufkommen lassen. Immerhin, wie wir sehen werden, stellen sie Thesen über Haslinger auf, die nicht nur Haslinger selbst, sondern jeder aufmerksame Leser des Artikels, auf den sie antworten, als offensichtlich im Widerspruch zu Haslingers eigenem Text erkennen kann. Und da sie nicht einmal behaupten, dies wären Schlussfolgerungen aus anderen Informationsquellen über Haslingers Kindheit oder seine heutige geistige Gesundheit, kann auch jeder Leser diese Widersprüche als Verfälschungen und Verleumdungen identifizieren und entsprechend bewerten.

Normalerweise wird man so etwas entweder als extreme Dummheit klassifizieren, oder als Notlösung eines Angeklagten, der sachlich nichts zu entgegnen hat, aber sich halt irgendwie rechtfertigen muss. Aber weder Professoren noch Schriftstellerinnen sind typischerweise dumm, und beide haben völlig freiwillig und unbedrängt auf den Artikel geantwortet. Und somit drängt sich, als eine weitere Erklärungsmöglichkeit, Zweifel an der geistigen Gesundheit der Autoren förmlich auf.

Bei jedem anderen Thema wäre es wohl auch die plausibelste Erklärung. Bei diesem Thema jedoch scheinen andere Erklärungen erforderlich. Genauer, andere Befürchtungen. Denn im Vergleich zu ihnen wäre es geradezu eine Erleichterung, sollte sich herausstellen, dass lediglich ein emeritierter Professor, eine Schriftstellerin, und ein Redakteur gleichzeitig den Verstand verloren haben, und sich dies nur rein zufällig darin zeigt, dass sie auf denselben Artikel blödsinnige Antworten schreiben und der Redakteur beide durchgehen lässt.

Aber sehen wir uns erstmal die Widersprüche selbst an:

Im Sog der falschen Erinnerung

So die Überschrift einer Version von Amendts Artikel. Sie sagt schon mal viel. Insbesondere ist sie eine explizite Ablehnung der Kinderschützer-These, man solle dem Kind glauben. Die gilt offenbar nur, wenn das, was das ehemalige Kind erzählt, politisch korrekt ist.

Ironischerweise kommt die Phrase „falsche Erinnerungen“ ja aus einer ganz anderen Ecke – einer Gegenbewegung gegen die Missbrauchshysterie, entstanden als Reaktion auf eine Welle ritueller satanistischer Missbrauchsfälle, die die Kindergärten (nicht nur) der USA heimsuchte, deren durch keinerlei Sachbeweise getrübte Anschuldingen so pervers und unglaubwürdig waren, dass jeder, der noch etwas gesunden Menschenverstand übrig hatte, schnell zu dem Schluss kam, dass hier fanatische Psychotherapeuten hilflosen Kindergartenkindern diese perversen „falschen Erinnerungen“ eingeredet hatten.

Im Fall Haslinger ist die Erinnerung des „Opfers“ politisch nicht korrekt. Und somit ist Haslingers Erinnerung falsch. Das ist das Wichtigste, was Amendt uns mitteilen will – schließlich ist es die Überschrift.

Wer jetzt allerdings erwartet, dass Amendt uns Fakten präsentiert, die zeigen, dass Haslingers Bericht über seine Kindheitserlebnisse sachlich falsch sein muss (wie es die Opponenten der satanistischen Missbrauchshysterie getan haben), wird enttäuscht. Amendt behauptet nicht einmal, auch nur ein Bit mehr Information über Haslinger zu besitzen als jeder andere Leser von Haslingers Artikel. Und es geht auch gar nicht um irgendwelche Fakten. Haslingers Erinnerung ist falsch, nicht weil irgendetwas sachlich falsch ist, sondern weil er die falschen Gefühle hat:

[Josef Haslinger] scheint zeitlebens unfähig, sich gegen seine Missbraucher aufzulehnen. …

Es fällt ihm schwer, trotz der heutigen Stärke als Erwachsener seine Erfahrungen angemessen zu bedenken. Solche Angemessenheit ließ Gefühle des Zorns, der Rache, der grenzenlosen Enttäuschung erwarten, die selbst vor Vernichtungsfantasien angesichts von Erniedrigung und lebenslanger Glückseinschränkung nicht zurückschrecken.

Diese Gefühle scheinen ihm aber nicht möglich zu sein. (Amendt)

Wer allerdings nach dieser Charakterisierung Haslingers Text liest, wird sich verwundert die Augen reiben: Er findet nämlich eine ausführliche Beschreibung von Haslingers Auflehnung gegen die priesterlichen Peiniger seiner Kindheit vor. Er liest, dass Haslinger, der mit 12 noch selbst Priester werden wollte, mit der Kirche gebrochen hat, und 15 Jahre später, um der Kirche das heimzuzahlen, was ihm als Kind angetan wurde, eine drastische Kurzgeschichte mit einer oralen Vergewaltigung durch einen Priester veröffentlicht hat. Dies zu einer Zeit, als Missbrauch durch Priester noch keineswegs solch ein Modethema war wie heute. Er war also gewissermaßen sogar ein Vorkämpfer (was wohl ein Grund gewesen sein dürfte, dass er überhaupt publiziert wurde). Wenn das keine Auflehnung ist, was dann?

Und was motiviert Amendt, diese Auflehnung, und den Bericht Haslingers darüber, nicht nur einfach zu verschweigen, sondern obige, elementar durch den Text selbst widerlegte These aufzustellen, Haslinger wäre zeitlebens zu solcher Auflehnung unfähig?

Die einfachste und plausibelste Antwort ist: Es ist das Missbrauchsdogma. Dieses Dogma schreibt vor, welche Gefühle ein Kind zu haben hat, wenn es um Sex mit Erwachsenen geht. Und wenn ein Kind andere Gefühle hat, dann ist dies keine Tatsache, die das Dogma widerlegen könnte, sondern Ausdruck eines schweren, durch den Missbrauch erzeugten, psychischen Schadens, der „Identifikation mit dem Aggressor“.

Ein einfaches, logisch unwiderlegbares Schema. Es ist völlig egal, was diejenigen, die als Kinder Sex mit Erwachsenen hatten, über ihre eigenen Erlebnisse denken: Entweder sie denken so, wie das Dogma es vorschreibt, und stützen so das Dogma. Oder sie denken anders, und zeigen dadurch, dass sie psychisch schwer geschädigt wurden. Und stützen so auch das Dogma. Sehr praktisch und höchst wichtig für ideologische Dogmen, aber genau deswegen natürlich auch völlig unwissenschaftlich (nicht empirisch falsifizierbar).

Doch auch wenn das Dogma logisch unangreifbar erscheint – in der Praxis kann die logisch unwiderlegbare Behauptung, der Häretiker leide an einer „Identifikation mit dem Aggressor“, so extrem unplausibel sein, dass das Dogma trotzdem in Gefahr gerät.

Und genau dies ist hier passiert. Würde Haslinger an einer „Identifikation mit dem Aggressor“ leiden, wäre er – faktisch laut Definition – nicht fähig gewesen, das zu tun, was er getan hat: Mit der Kirche zu brechen, und, um sich an der Kirche zu rächen, eine Erzählung über einen schweren sexuellen Missbrauch durch Priester zu veröffentlichen.

Um mit den empirischen Fakten des Falls Haslinger kompatibel zu sein, bräuchte man eine neue Variante der psychischen Krankheit namens „Identifikation mit dem Aggressor“, eine latente Variante, die zeitweise völlig verschwinden kann, so dass der Betroffene an der fordersten Front im Kampf gegen die Aggressoren steht, um dann plötzlich und unerwartet wieder auszubrechen. Wissenschaftlichen Wert hätte so etwas natürlich kaum, aber das wird nicht einmal probiert.

Oder, und das ist die Variante, die von beiden Kritikern gewählt wurde, man versucht, so gut es geht, die gefährlichen Fakten zu ignorieren, totzuschweigen, vergessen zu machen. Haslingers über mehrere Absätze beschriebene Auflehnung ist dann kein interessanter Einzelfall, der dem einfachen Schema der „Identifikation mit dem Aggressor“ zu widersprechen scheint und daher genauer betrachtet zu werden verdient – das wäre er lediglich für Wissenschaftler, oder, allgemeiner, für Wahrheitssucher.

Nein, Haslingers Auflehnung darf auf keinen Fall genauer betrachtet werden. Es ist nicht einmal ausreichend, sie einfach zu ignorieren. Sie muss aktiv vergessen gemacht werden.

Und dies tut man, indem man in einem Antwortartikel das Dogma explizit wiederholt, als wenn es diesen Widerspruch gar nicht gäbe. Schließlich werden die wenigsten Leser die alte Zeitung noch mal vorholen und die Artikel vergleichen, wie ich es getan habe. Und wenn man das nicht tut, bleibt normalerweise das letzte Wort hängen.

Und so gehen beide Kritiker mit keinem Wort auf das ein, was für die These von der „Identifikation mit dem Aggressor“ problematisch ist – Haslingers in mehreren Absätzen beschriebene Auflehnung gegen die Kirche als junger Erwachsener, seine heutige Beziehung dazu, und die Gründe, die er dafür anführt.

Aber beide wiederholen explizit das Dogma, unterstellen Haslinger die vorgeschriebene „Identifikation mit dem Aggressor“, nicht nur als wäre nichts zu finden, was dem widerspricht, sondern als wäre der Artikel sogar noch eine Unterstützung dafür:

… Missbrauch ist deshalb so dramatisch, weil missbrauchte Kinder mit dem Täter mitfühlen, Josef Haslinger führt dieses psychologische Phänomen in seinem Artikel aufs Beste vor. (Dirks)

Wer die Pädophilen in der Sphäre von klösterlicher Gewalt als eine Oase der Zärtlichkeit benennt, wie Josef Haslinger das tut, der enthüllt nicht nur das ganze Elend des damaligen Kindes, sondern ebenso das des gegenwärtigen Erwachsenen. Er scheint zeitlebens unfähig, sich gegen seine Missbraucher aufzulehnen. (Amendt)

Die Behauptung von Haslingers Unfähigkeit zur Auflehnung, trotz der expliziten Beschreibung dieser Auflehnung im Text, ist jedoch nicht der einzige Widerspruch.

Die Macht der Missbrauchten ist eine Ohnmachtsfantasie

So der Titel des Artikels von Liane Dirks – als hätten sich beide Kritiker verabredet, die gröbsten Verfälschungen als Überschriften zu verwenden.

Beginnen wir einfach mal mit dem sachlichen Hintergrund der Machtfrage in Boylove-Beziehungen, so wie er von Haslinger beschrieben wurde:

Aber von da an habe ich natürlich gewusst, dass ich mit meinen Erlebnissen diejenigen, die sie verursachten, erpressen konnte; dass ich ein Mittel der Gegenwehr in der Hand hielt. Und ich habe auch gesehen, wie einfach das ist. Man redet darüber, und der Mann zieht den Kürzeren. (Haslinger)

Aber schon bevor er das wusste, war Haslinger kein hilfloses Opfer:

Es hat eine Weile gedauert, bis mein Religionslehrer sich die intime Annäherung traute. Als er merkte, dass ich es zuließ, suchte er nach Gelegenheiten, das Spielchen zu wiederholen und, wenn möglich, ein wenig auszuweiten. Ich ging mehrere Etappen der Ausweitung dieser Spielchen mit.

Die Sprache – „traute“, „zuließ“, „wenn möglich“ – sagt klar genug wer die Kontrolle hatte. Und „mehrere Etappen“ hat natürlich auch die Bedeutung „nicht alle Etappen“. Dass der Junge schon die Kontrolle hatte, als ihm die Erpressbarkeit des Pädophilen noch gar nicht bewusst war, ist übrigens weder Ausnahme noch Zufall – auch deer egoistischste Pädophile muss schließlich damit rechnen, dass er Junge es schon weiß, und selbst wenn nicht, es höchstwahrscheinlich später erfahren wird.

Wie gehen Missbrauchsfanatiker mit diesem einfachen objektiven Fakt um, der so diametral ihre Thesen vom machtgeilen Pädophilen, der Sex mit Kindern sucht, weil diese keine Macht haben, widersprechen?

Amendt übergeht das Problem mit Schweigen, verwendet lediglich hemmungslos Charakterisierungen, die in der realen Machtkonstellation pädophiler Beziehungen, wie sie von Haslinger beschrieben wurde, einfach keinen Sinn ergeben: Der Pädophile selbst ist „angreifend“, es ist die Rede von „kindliche[r] Ohnmacht“ und von der „sexuellen Unterwerfung von Kindern“, und die völlig gesellschaftskonforme „Auflehnung“ gegen priesterliche Pädophile, die heutzutage sogar noch eine finanzielle Entschädigung verspricht, ist eine „tapfere Leistung“. Ole.

Dirks geht direkter darauf ein. Aber ihre Theorie bietet nichts, was auch nur einer einfachen Konfrontation mit dem Original standhalten könnte:

[die Kinder] reden sich ein, sie hätten in Wahrheit Macht gehabt. Sie wären es, die den anderen in der Hand hatten. Aber das ist keine Macht. Diejenigen, die sich einreden, sie hätten den Täter in der Hand gehabt, sind ja gerade diejenigen, die sich nicht gewehrt haben. Es ist eine der vielen Rationalisierungen. Und man muss es sagen: Es ist eine ganz typische. Es ist eine Fantasie, eine Ohnmachtsfantasie. „Wenn ich könnte, würde ich“, lautet sie. (Dirks)

Man vergleiche mit Haslinger: „Und ich habe auch gesehen, wie einfach das ist. Man redet darüber, und der Mann zieht den Kürzeren.“ Das soll eine Ohnmachtsphantasie sein? Na hallo. Nein, das ist die offensichtliche Schlussfolgerung aus dem, was in einem realen Fall passiert ist. Und das damals schon – in einer Form, die heute als „Vertuschung“ verteufelt wird, aber nichts weiter als eine etwas zivilisiertere Form der Unterdrückung Pädophiler war.

Klar, auch Haslinger hat diese Macht nicht angewendet. Musste er ja auch nicht. Denn dem Pädophilen ist ja diese Machtkonstellation sehr bewusst. Und er vermeidet daher, schon aus reinem Eigennutz, aus seinem eigenen Sicherheitsbedürfnis heraus, alles, was den Jungen dazu motivieren könnte, diese Macht gegen ihn zu verwenden.

Nein, die Logik der Macht ist eine andere: Je größer die Macht, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass der Machthaber die Machtmittel irgendwann einsetzen muss. Die Existenz von Macht zu verleugnen, weil das Machtmittel nicht eingesetzt wird, ist bestenfalls ein Denkfehler.

Was motiviert die Jungs zum Mitmachen?

Auch in dieser Frage gibt Haslinger Antworten, die überhaupt nicht ins Missbrauchsschema passen. Amendt kennt eigentlich nur die kindliche Sehnsucht nach Zärtlichkeit:

Die Instrumentalisierung der kindlichen Sehnsucht nach elternähnlicher Wärme …

… die zugefügte Sexualisierung, den Vertrauensbruch und die Ausnutzung seiner kindlichen Sehnsucht nach Zärtlichkeit … (Ament)

Irgendwelche sexuellen Motive haben Kinder einfach nicht. Selbst einfache sexuelle Neugier – also nichts weiter als natürlicher Bestandteil der natürlichen Neugier auf alles was es gibt auf der Welt – kommt lediglich als „Sexualisierung“ vor.

„Sexualisierung“ ist eine psychische Schädigung, die durch sexuellen Missbrauch erst hervorgerufen wird, die sich darin äußert, dass das Kind auch nur irgendwelche eigenen sexuellen Interessen entwickelt. Etwas ganz Schlimmes, schließlich sind Kinder völlig asexuell. Für Kinder, die noch nicht schwer geschädigt sind, ist Sexualität (zumindest mit Erwachsenen) unerwünscht, und ihr wird Widerstand entgegengesetzt:

Wer als Erwachsener die eigene Verführung zu unerwünschter Sexualität im Rückblick noch immer aus dieser Perspektive erlebt, … Die Art, in der er als Kind manipulativ überlistet und sein Widerstand gegen Sexualität mit seinem Lehrer und Vorbild außer Kraft gesetzt wurde … (Amendt)

Mit der von Haslinger beschriebenen Realität hat dies allerdings wenig zu tun. Nach einer Erwähnung „seiner kindlichen Sehnsucht nach Zärtlichkeit“ sucht man in Haslingers Text jedenfalls vergeblich. Dort wird lediglich neutral und objektiv festgestellt, dass die Pädophilen zärtlich waren. Von der Theorie, dass dahinter eine Strategie der Ausnutzung irgendeiner Sehnsucht nach Zärtlichkeit stehen würde, hält Haslinger kaum etwas:

Sie hätten das gar nicht nötig, weil es Kinder gibt, die sich mit Neugier darauf einlassen.

Und über die eigenen Motive macht Haslinger auch hinreichend deutliche und verallgemeinerbare Aussagen:

Ein Penis, der ejakuliert. Wenn man zwölf Jahre alt ist, will man das endlich einmal sehen.

Von Widerstand ist nicht die Rede:

Ich habe mich nicht gerade angeboten, dazu war ich zu schüchtern

oder, mit anderen Worten, wäre er nicht zu schüchtern gewesen, hätte er sich sogar angeboten. Wo wurde da „sein Widerstand gegen Sexualität … außer Kraft gesetzt“? Dies bleibt Amendts Geheimnis.

Wir können hier einen weiteren Punkt der Missbrauchsideologie identifizieren: Es geht nicht nur darum, dass verleugnet wird, dass Jungs eigene sexuelle Wünsche haben. Nicht einmal die offensichtlich vorhandene sexuelle Neugier der Jungs – etwas, was sogar mit der Hypothese völliger Asexualität der Jungs kompatibel wäre – kann zugegeben werden. Die klaren und deutlichen Hinweise auf die sexuelle Neugier als Motiv für die Beteiligung der Jungs an sexuellen Handlungen mit Erwachsenen werden einfach ignoriert. Im Gegenteil, es wird ohne jeden Anhaltspunkt – sogar im Widerspruch zum Text – Unerwünschtheit und Widerstand unterstellt.

Die sexuelle Neugier ist auch für Dirks nicht existent. Sie beklagt, dass

… wir es nicht schaffen, Kindern ein freies, sie in ihrer Entwicklung bestärkendes Erziehungssystem zu bieten, in dem sie auch ihre Sexualität liebevoll entdecken können und zwar dort, wo sie hingehört: unter ihresgleichen.

Also frei, aber bitte schön, gefälligst ohne jedes Interesse an einem erwachsenen Penis, der ejakuliert. Und, wie alles, was nicht ins Schema passt, wird das Interesse am ejakulierenden Penis einfach verschwiegen. Dirks bietet immerhin eine andere Variante an – nicht das Bedürfnis nach Zärtlichkeit, sondern das nach Anerkennung, in Kombination mit der Unterstellung, dass diese nur im Tausch zu bekommen war. Eine Unterstellung, für die sich in Haslingers Text keinerlei Grundlage findet:

Die meisten Opfer von Kindesmissbrauch sind dringend auf Zuwendung angewiesen und greifen deshalb nach jedem Strohhalm, nehmen jede Form der Beachtung als eine Art von Liebe hin: „Endlich werde ich bemerkt, es gibt mich, ich bin kein Nichts.“ Weil das so ist, gehen sie den Pakt mit dem Täter ein: „Du beachtest mich, ich ahne, dass nicht ganz richtig ist, was du machst, es tut mir vielleicht auch weh, aber ich verrate dich nicht, dafür beachtest du mich weiterhin.“ …

Sich einzigartig zu fühlen, erkannt und gefördert, dafür muss man, um es einmal klar und hart zu sagen, nicht den Hintern hinhalten. …

Im Falle Haslingers wäre Freiheit gewesen, die Gedichte des Pfarrers hören und lesen zu dürfen, ohne ihn dafür befriedigen zu müssen. Es ist traurig, dass genau das schon gar nicht mehr gedacht wird. (Dirks)

Zuerst einmal – nein. Niemand ist in seiner Freiheit eingeschränkt, wenn er meine Gedichte nicht hören oder lesen darf. Es ist, im Gegenteil, meine Freiheit, meine Gedichte nur einem kleinen, von mir ausgewählten Kreis vorzulesen. Das kann der Kreis derer sein, die Eintritt für eine Lesung bezahlt haben, aber im Prinzip kann die Bezahlung auch in Form einer sexuellen Dienstleistung erfolgen.

Aber von der typisch antikapitalistischen Verteufelung jeglicher freiwilliger Austauschbeziehungen, insbesondere auf sexuellem Gebiet, einmal abgesehen, ist es reine Unterstellung, zwischen den Gedichten und dem Sex eine direkte Tauschbeziehung, mit Gedichtlesungen als Bezahlung für Sex, zu behaupten.

Sicher, jede positive zwischenmenschliche Beziehung funktioniert langfristig nur dadurch, dass beide oft genug etwas tun, was der andere möchte. In einer reinen Tauschbeziehung funktioniert das auf der Basis einer expliziten Absprache – ich mache das, du machst dafür das. In einer Freundschaft läuft dies jedoch nicht mehr so direkt – du tust dem anderen etwas Gutes, weil du ihn magst, auch ohne direkte Erwiderung. Und du bekommt irgendwann etwas zurück, weil auch der Freund dich mag. Eine Beziehung, in der Gedichte eine Rolle spielen, ist üblicherweise zumindest eine Freundschaft, auf der man das Niveau des primitiven Tausches überwunden hat. Und eine pädophile Beziehung ist oft sogar mehr als eine Freundschaft, nämlich eine, wenn auch oft nur einseitige, Liebesbeziehung.

Schon eine Freundschaft auf eine primitive Austauschbeziehung zu reduzieren ist jedoch nichts weiter als eine primitive Verleumdung.

Und Dirks antikapitalistische Traurigkeit ist daher unnötig: Der Wunsch nach Sex mag Motiv zum Schreiben von Gedichten sein, das Vorlesen eine Form der Werbung. Möglicherweise war Haslinger von den Gedichten beeindruckt, und dies hatte möglicherweise einen Einfluss auf seine Bereitschaft, den Pfarrer zu befriedigen. Und möglicherweise hat Haslingers positive Reaktion auf sexuelle Vorschläge die Verliebtheit des Pfarrers verstärkt und ihn zu neuen Gedichten motiviert.

Das ist aber auch schon alles. Die Vorstellung, der Pfarrer hätte Sex explizit zur Bedingung für das Vorlesen von Gedichten gemacht, ist einfach nur lächerlich. Haslinger konnte die Gedichte des Pfarrers zweifellos lesen, ohne ihn zu befriedigen.

Ob Haslinger den dichtenden Priester nun befriedigt hat oder nicht, ist irrelevant und sollte Haslingers Privatsphäre bleiben. Und auch ob die Gedichte für diese Entscheidung irgendeine Rolle gespielt haben kann offenbleiben. Nur, dass er ihn dafür nicht hat befriedigen müssen, ist für jeden Pädophilen so offensichtlich, dass es einfach keiner Erwähnung bedarf.

Was hat sexuell nun eigentlich stattgefunden?

Kommen wir nun zu einer anderen Frage. Sie ist ein bisschen subtiler, weil Haslinger selbst in seinem Text keine eindeutigen Aussagen macht. Trotzdem, hinreichend klare, wenn auch indirekte, Hinweise gibt es genug.

Die Frage ist, welche konkreten sexuellen Handlungen Haslinger selbst in seinen pädosexuellen Beziehungen erlebt hat.

Diese Frage ist allein schon deshalb interessant, weil es Unterschiede gibt zwischen den rein sexuellen Wünschen von Schwulen und Boylovern. Diesen Unterschied kann man am einfachsten in folgender Regel zusammenfassen: Je jünger die Jungs sind, die sexuell begehrt werden, desto weniger penisorientiert, und desto mehr zärtlichkeitsorientiert, sind die rein sexuellen Wünsche.

Grob gesagt, bei Päderasten – Boylovern die auf Jungs in oder nach der Pubertät stehen – spielt der Wunsch nach Analsex durchaus eine wesentliche Rolle. Bei Boylovern, die auf Jungs vor der Pubertät stehen, ist das Interesse an Analsex weitaus geringer. Beispielsweise bei mir: Ich würde niemals einem Jungen Analsex vorschlagen, ganz einfach weil dies nichts ist, was für mich sexuell interessant ist. Nein, nicht weil es eklig ist (nicht mein Problem), nicht weil es unmoralisch ist (ist es nicht), sondern einfach weil es in meinen sexuellen Phantasien keine Rolle spielt. Und bei denen, die auf noch Jüngere stehen, reicht bereits einfaches Streicheln des Kindes – ohne dessen Geschlechtsteile auch nur zu berühren – zur eigenen sexuellen Befriedigung aus.

Das ist natürlich nichts, was mit der Missbrauchsideologie kompatibel wäre. Die hat klare Vorstellungen: Der sexuelle Wunsch des pädophilen Sexmonsters ist der Koitus, wenn das Opfer ein Mädchen ist, und Analsex wenn das Opfer ein Junge ist. Und das völlig unabhängig vom Alter des Jungen.

Haslinger selbst gibt keine allzu konkreten Informationen über die sexuellen Handlungen, die stattgefunden haben. Trotzdem, Hinweise gibt es durchaus genug:

Ich war zwölf Jahre alt, als erstmals ein Priester, mein damaliger Religionslehrer, sich für meinen kleinen Penis interessierte und dabei ganz offensichtlich in Erregung geriet. … Als er merkte, dass ich es zuließ, suchte er nach Gelegenheiten, das Spielchen zu wiederholen und, wenn möglich, ein wenig auszuweiten. Ich ging mehrere Etappen der Ausweitung dieser Spielchen mit. … Ein Penis, der ejakuliert. Wenn man zwölf Jahre alt ist, will man das endlich einmal sehen.

„Mehrere“ bedeutet natürlich auch „nicht alle“. Was nicht dabei war, kann man aus den Kommentaren zu seiner literarischen Darstellung einer oralen Vergewaltigung zumindest erraten:

Das formulierte ich wohl zu einer Zeit, als ich schon Pornofilme kannte. Gerade diese Szene weicht am weitesten von der Realität ab.

Ich sag mal, hier passt alles mit dem zusammen, was Boylover typischerweise sexuell mit Jungs machen. Da ist das Interesse am Penis des Jungen. Da ist offenbar die gemeinsame Masturbation. Die Zärtlichkeit wird woanders auch erwähnt. Eine Penetration des Jungen – oral oder anal – spielt hingegen keine Rolle. Da ist lediglich der Fakt, dass es Etappen der Ausweitungen des Spielchens gab, die Haslinger nicht mitgegangen ist.

Das ist genau das, was auch in meinen Beziehungen mit Jungs ablief. Das für mich interessanteste Sexualobjekt ist der Penis des Jungen. Analsex schlage ich gar nicht erst vor, weil es nicht nicht zu meinen sexuellen Interessen gehört – sowas müsste ein Junge schon selbst vorschlagen. (Was übrigens durchaus vorkommt.)

Und daher halte ich es für wahrscheinlich, dass Haslinger von den pädophilen Priestern nicht penetriert wurde. Zumindest gibt sein Text keinen Anlass zu der Vermutung, er sei es.

Dirks hingegen nimmt dies als selbstverständlich an. Mit offensichlicher Referenz zu Haslingers Beschreibung eines der Pädophilen („Einer der drei schrieb Gedichte. Ich kann heute noch eines seiner Gedichte auswendig.“) schreibt sie:

Ein- und derselbe Mensch kann Gedichte schreiben und einfühlsam sein und gleichzeitig Kinder penetrieren.

Was im Kontext der realen Information, die Haslinger gegeben hat, nichts weiter ist als eine Verleumdung des (glücklicherweise durch diese Verleumdung nicht geschädigten) dichtenden Pädophilen.

Die Penetrationsfixierung von Dirks kommt auch an anderer Stelle zum Ausdruck:

„Du beachtest mich, ich ahne, dass nicht ganz richtig ist, was du machst, es tut mir vielleicht auch weh, aber ich verrate dich nicht, dafür beachtest du mich weiterhin.“

Die Sexspiele, die zwischen Männern und Jungs stattfinden, tun nicht weh. Wenn etwas weh tun sollte, dann wird das abgebrochen. Und selbst wenn weder das eigene sexuelle Bedürfnis (welches die Lust des Partners wünscht) noch die Moral des Pädophilen ausreichen, dies zu bewirken, tut es das elementare Sicherheitsinteresse angesichts der realen Machtverhältnisse.

Soweit die expliziten Widersprüche. Fassen wir zusammen:

  • Haslingers eigene Auflehnung gegen die Kirche wird totgeschwiegen, statt dessen behauptet, er sei zu Auflehnung unfähig.
  • Haslingers Beschreibung der realen Machtverhältnisse wird totgeschwiegen, statt dessen behauptet, dies sei eine Ohnmachtsphantasie.
  • Haslingers Beschreibung sexueller Neugier als eigenes Motiv wird totgeschwiegen, statt dessen ohne Grundlage im Text ein Wunsch nach Zärtlichkeit, Tausch von Anerkennung und Aufmerksamkeit gegen Sex, Unerwünschtheit von und Widerstand gegen Sex unterstellt.
  • Obwohl Haslingers Text einige Hinweise gibt, dass kein Analsex stattfand, wird suggeriert, er sei penetriert worden.

Und dies alles in einer Situation, in der jeder den Originaltext nachlesen und die Widersprüche selbst feststellen kann. Doch es kommt noch mehr hinzu:

Falsche Gefühle

Dass Kinderschützer die Gefühle von Kindern nur dann ernst nehmen, wenn sie in ihre Ideologie passen, wurde schon erwähnt. Doch die Antworten illustrieren außerdem ganz gut, welche Gefühle die richtigen sind – Gefühle der Abstoßung und des Hasses:

So kann als Zärtlichkeit noch heute benannt werden, was für andere allein die abstoßende Zuwendung gegenüber einem Kind in perverser Sexualbefriedigung war. (Amendt)

Das Richtige und Angemessene ist Hass, bis hin zu Vernichtungsfantasien. Mitgefühl, Vergebung und Nachsicht hingegen sind falsch, sogar eine Gefahr:

Angemessenheit ließ Gefühle des Zorns, der Rache, der grenzenlosen Enttäuschung erwarten, die selbst vor Vernichtungsfantasien angesichts von Erniedrigung und lebenslanger Glückseinschränkung nicht zurückschrecken. … er schwebt in der Gefahr, ihn zu verteidigen oder Nachsicht für ihn vor seinen Richtern zu erbitten. (Amendt)

Missbrauch ist deshalb so dramatisch, weil missbrauchte Kinder mit dem Täter mitfühlen … (Dirks)

Ist es verwunderlich, dass eine solche Ideologie des Hasses unter Verbrechern, Nazis, Politikern und Polizisten besonders beliebt ist?

Haslinger als Geisteskranker

Man vergesse in diesem Zusammenhang nicht, dass, bei allem (oft genug nur vorgespielten) Mitgefühl mit psychisch Kranken, die Unterstellung einer psychischen Erkrankung beim Opponenten eine klassische Form der Beleidigung ist. „Idiot“ kenne ich als Beleidigung noch aus meiner Kindheit (während ich „Opfer“ als Beleidigung zum ersten mal 1998 hörte – die Reaktion der Jungs auf die Dutroux-Hysterie).

Sicherlich, beide Autoren dürften einen Vorwurf, sie hätten auf diese Weise Haslinger beleidigen wollten, vehement bestreiten. Und vielleicht wollten sie es in der Tat nicht, zumindest bei Dirks würde ich das auch nicht vermuten. Trotzdem ändert dies nichts an der Wirkung. Eher im Gegenteil: ein einfaches, als Beleidigung gemeintes und von allen so verstandenes „du bist ein Idiot“ ist harmlos im Vergleich zu einer ernst gemeinten Diagnose einer Geisteskrankheit durch einen Professor.

Insbesondere ändert sich auch nichts an der für die Erhaltung des Dogmas so wichtigen Abschreckung von Abweichlern: Wer möchte schon, als Antwort auf die Offenlegung intimster Details seines Privatlebens, öffentlich als geisteskrank bezeichnet werden, ohne das auf die Argumente, die man vorgebracht hat, auch nur ansatzweise inhaltlich eingegangen wird?

Noch dazu ein gefährlicher Geisteskranker

Mehr noch, die These von der „Identifikation mit dem Aggressor“ hat, außerdem, noch eine weitere aggressive, gegen den Abweichler gerichtete, Komponente:

Der lange zurückliegende Missbrauch gipfelte in einer lebenslang wirksamen Identifikation mit dem Angreifer. Sie haben das Böse der Aggressoren sich zu Eigen gemacht und sind damit dazu verdammt, diese sogar zu verteidigen. (Amendt)

Haslinger ist also nicht nur geisteskrank, sondern gemeingefährlich geisteskrank – er hat das Böse selbst in sich, es sich zu Eigen gemacht, ist verdammt dazu, es zu verteidigen.

Und die These, dass Missbrauch eine Art ansteckende Krankheit ist, ist ja auch noch nicht ausgestorben:

Wir wissen aus der langjährigen Arbeit, dass Täter oftmals selbst Opfer waren. (Dirks)

Auch für Dirks hat das Opfer also, im Endeffekt, das Böse selbst in sich.

Und damit klärt sich auf, wieso unsere beiden Kritiker keine Angst davor haben, dass ihre Leser sich den Originaltext noch einmal zum Vergleich vornehmen.

Denn was sollte man mit den Texten von Geisteskranken, die das Böse der Aggressoren in sich tragen, tun? Sie intensiv durcharbeiten, um herauszufinden, ob sie vielleicht doch recht haben? Und sich so der Gefahr aussetzen, vom Bösen selbst infiziert zu werden? Himmel bewahre.

Dass es Widersprüche gibt zwischen den Texten derer, die das Böse in sich tragen, und den Texten derer, die dieses Böse bekämpfen, ist ja wohl selbstverständlich. Wer würde anderes erwarten?

Die Orwellsche Wahrheit

Die geradezu erstaunliche Vielfalt von Behauptungen, deren Falschheit schon aus dem Text selbst folgt, auf den in den Artikeln geantwortet wird, und der jedem zur Lektüre offensteht, ist trotzdem noch ein paar weitere Überlegungen wert.

Denn es scheint, dass es nicht nur die Hoffnung ist, dass die Faulheit oder die Abschreckung durch die Identifikation Haslingers mit dem Bösen die Leser davon abhält, nochmal nachzulesen.

Ich vermute, die Situation ist schon weitaus schlimmer: Dass es bereits egal ist, wenn die Behauptungen der Missbrauchsideologen leicht als Lügen und Verleumdungen enttarnt werden könnten. Weil es auf die Wahrheit gar nicht mehr ankommt.

Worauf es ankommt, sind andere Fragen. In der klassischen, stalinistischen Variante ist es einfach die Information darüber, welches die aktuelle Linie der Partei ist, die jeder Parteisoldat bis auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen hat.

Was Haslinger erlebt hat, was er denkt, welche Argumente er vorbringt – das alles ist völlig irrelevant, einfach weil er ein Feind ist, einer, der das Böse in sich trägt. Wenn Amendt und Dirks ihm widersprechen, widersprechen sie gar nicht ihm – das ist unnötig. Sie haben eigene Ziele, und Haslingers Artikel ist lediglich eine Gelegenheit, sich für diese eigenen Ziele einzusetzen.

Aus dieser Perspektive betrachtet, werden die offensichtlichen Widersprüche zu Haslingers Text, und die geradezu primitive Wiederholung des Dogmas, gerade auch der Aspekte des Dogmas, die durch Haslingers Text am offensichtlichsten widerlegt werden, verständlich. Es sind gar keine Argumente gegen Haslinger. Es sind Glaubensbekenntnisse, Loyalitätserklärungen: Sie selbst stehen auf der Seite der Guten, verteidigen das Dogma auch dann, wenn weniger überzeugte, weniger konsequente Kämpfer gegen das Böse zu zweifeln beginnen.

In einer Orwellschen Welt ist ein Glaubensbekenntnis notwendig, wenn man sich zu Wort meldet.

Ein Glaubensbekenntnis ist aber kein Argument. Es ist nicht den Gesetzen der Logik unterworfen. Der treueste, überzeugteste Kämpfer ist schließlich der, der treu bleibt, auch wenn jede Logik dagegen spricht. Das ideale Glaubensbekenntnis widerspricht der Logik offen: „Alles spricht dagegen, aber ich glaube trotzdem'‘.

Meiner Meinung ist nur die Interpretation der „Kritiken“ als Glaubensbekenntnisse geeignet, die vielen offensichtlichen Widersprüche zu Haslingers Text und die Übereinstimmung beider Texte in dieser Hinsicht zu erklären. Alles andere erscheint implausibel: Schließlich wäre es ein höchst seltsamer Zufall, wenn zwei völlig verschiedene Menschen, beide hinreichend intelligent, partiell den Verstand verlieren. Und es nicht nur genau dieselbe Sachfrage ist, über die sie ihren Verstand verlieren, sondern sie außerdem noch auf ein und denselben Artikel Antworten schreiben, in denen sich diese Geisteskrankheit auf mehr oder weniger dieselbe Art und Weise äußert. Eindeutig zu viele Zufälle.

Mögliche Motive

Nur, die Frage bleibt: Was konkret motiviert unsere beiden Kritiker, sich hier zu Wort zu melden und das Missbrauchsdogma zu verteidigen?

Nun, diese Frage muss notgedrungen offenbleiben. Denn in einer von einem Dogma beherrschten Gesellschaft gibt es die verschiedensten Gründe, das Dogma zu verteidigen. Darunter finden sich der eigene Glaube an das Dogma genau wie die irrationale Angst, was wäre, wenn das Dogma falsch wäre, was zu einer instinktiven Ausblendung aller dem Dogma widersprechenden Fakten führt. Aber genauso findet sich das eigensüchtige Interesse, in dieser Gesellschaft Macht zu erringen, und die Angst, als Feind entlarvt und verfolgt zu werden. Aber es können auch Machtkämpfe innerhalb der Verteidiger des Dogmas ausgetragen werden, indem man formell den Feind angreift, in Wirklichkeit jedoch die eigene Variante des Dogmas gegen andere Varianten verteidigt.

Was konkret für Dirks und Amendt zutrifft, wird ihr Geheimnis bleiben. Hier kann ich lediglich spekulieren.

Dirks zumindest geht inhaltlich kaum auf Haslinger ein, sie verteidigt hingegen inhaltlich eine durchaus etwas zivilisiertere Variante des Dogmas – eine Variante, in der missbrauchte Kinder die Möglichkeit haben, anonym Hilfe zu finden, ohne Anzeigepflichten, eine Variante, in der Sexspiele unter Gleichaltrigen legitim sind, und damit eine Variante, die in zwei ihrer zentralen Punkte heute auf der Verliererstraße ist – sowohl Anzeigepflichten als auch die Verfolgung von Sex unter Kindern sind immer weiter auf dem Vormarsch. Sich offen dagegen zu stellen wäre allerdings zu gefährlich, und so ist der Artikel Haslingers einfach eine gute Gelegenheit für sie, ihre moderatere Position zu verteidigen, aber trotzdem offiziell auf der Seite der Guten – also gegen Haslinger – zu stehen.

Amendt hingegen behauptet so vehement und demonstrativ, den Gefühlen Pädophiler nicht folgen zu können, dass mir persönlich plausibel erscheint, dass er ihnen in Wirklichkeit nur zu gut folgen kann:

Es ist das Wesen der pädophilen Perversion, dem wir mit unseren Gefühlen nicht folgen können. Denn das Perverse als Charakterstörung ist uns nicht eigen. Im Prinzip respektieren wir die Grenzen zwischen Erwachsenen und Kindern.

Wenig plausibel. Ich kann jedenfalls den Gefühlen Heterosexueller oder Schwuler problemlos folgen – ich muss mir dazu lediglich vorstellen, dass sie dieselbe Attraktion für erwachsene Frauen oder Männer empfinden wie ich für Jungs. Auch wenn ich diese Gefühle nicht teilen kann, warum sollte ich ihnen nicht intellektuell folgen können? Und daher scheint mir persönlich plausibler, dass Amendt das umgekehrt genauso kann. Dass er also einfach nur lügt. Warum? Vielleicht, weil er in Wahrheit den Gefühlen Pädophiler sogar zu gut folgen kann? Aber das ist lediglich rein private Spekulation.

Worauf es ankommt, ist etwas anderes. Was auch immer die Motive sind – sie erfüllen ihre Funktion als Teil eines ideologischen Systems vom Orwellschen Typ. Eines Systems, bei dem es nicht mehr um Wahrheit geht. Ob es dem Leser möglich ist, zu erkennen, dass es sich rein sachlich um Lügen handelt, ist irrelevant – genauso irrelevant wie die Frage, ob die Anschuldigungen in den stalinistischen Schauprozessen glaubhaft waren oder nicht.

Die Funktion solcher Artikel ist eine andere: Sie beschreiben, welches die politisch korrekte Reaktion auf solche parteifeindlichen Meinungsäußerungen ist. Sowohl den Autoren als auch den Lesern ist klar, dass es gar nicht um die Frage geht, was wahr ist. Es geht lediglich darum, die Leser zu informieren, welches die aktuelle Linie der Partei ist, welche Position von allen Parteisoldaten bis zum letzten Blutstropfen verteidigt werden muss, und das unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt.

Sind wir schon soweit? Ich denke, noch nicht. Noch ist auch Haslingers Originaltext zugreifbar. Noch kann ich diesen Artikel hier veröffentlichen.

Aber wir nähern uns diesem Zustand eindeutig immer mehr. Die Leichtigkeit, mit der die Verfälschung hier erkennbar ist, hat durchaus schon etwas an sich, was fatal an die Absurdität der Beschuldigungen in stalinistischen Prozessen erinnert. Und die Darstellung von Haslinger als nicht nur durch „Identifikation mit dem Aggressor“ geschädigtes Opfer, sondern als Träger und Verteidiger des Bösen selbst, lässt Schlimmes für die Zukunft befürchten. Vielleicht noch keine Gulags. Aber es ist, wie beim Missbrauch der Psychiatrie in der Breshnew-Zeit, als Antisowjetismus ausreichend für eine Diagnose der Schizophrenie und das Wegsperren in einer psychiatrischen Klinik war, bereits der sachliche Inhalt einer politischen Meinung, der ausreicht, den Abweichler als geisteskrank zu disqualifizieren. Und noch dazu als gefährlichen Geisteskranken, der das Böse in sich trägt. Gefährliche Geisteskranke werden weggesperrt. Es bleibt also nur noch der kleine Schritt, auch die an dieser gefährlichen Geisteskrankheit Erkrankten wegzusperren.

Ich hoffe, ich irre mich hier.

Ich finde leider keinen sachlichen Grund, der diese Hoffnung stützen würde.

Der Kampf gegen Lolita City

Ende Oktober hat die Hacker-Gruppierung Anonymous einige Kinderpornoseiten attackiert, speziell eine Seite namens „Lolita City“. Eine Attacke, deren Darstellung in den Medien es mir wert erscheint, im Nachhinein etwas genauer ausgewertet zu werden.

Eigentlich, wenn es gegen die böse Kinderpornographie geht, kann man sich öffentlicher Unterstützung fast sicher sein. Und, ja, ein bisschen Medienecho kam auch. Die Huffington Post berichtete beispielsweise. Äh, wussten Sie, dass es so eine Zeitung gibt? Ich nicht. Ok, auch
bekanntere Medien beteiligten sich: Der Telegraph berichtete, und auf den Webseiten der BBC und des Wall Street Journal findet sich etwas. Auch der Guardian hatte darüber geschrieben, erinnere ich mich, kann aber den Artikel nicht mehr wiederfinden. In deutsch schrieb, neben Heise.de und NTV, auch die FAZ darüber. Allerdings auch nur nebenbei im Feuilleton.

Für eine Kombination zweier Themen, die jedes für sich genügend Schlagzeilen machen – einmal Anonymous, und dann auch noch Kinderpornos – ist das eigentlich eher ein Schweigen im Walde statt eines lebhaften Medienechos. Warum wohl?

Vielleicht liegt es daran, dass man die Verfolgung doch besser staatlichen Stellen überlassen möchte? „Es gab Kritik, was sei denn mit der Unschuldsvermutung, man dürfe die Justiz nicht in die eigene Hand nehmen, aber es war zu spät.“ schreibt die FAZ. Der Telegraph argumentiert gegen solche Attacken wegen dem Risiko, dass man damit einer polizeilichen Ermittlung in die Quere kommen könnte.

Was die Polizei unternimmt

Nur, was genau macht denn so die Polizei dagegen? Die Antwort finden wir in einem anderen Telegraph-Artikel über die „Hidden Wiki“:

“When I wrote about the Hidden Wiki before, I had already contacted the FBI and they knew of it,” said Mr Terban.
“They said that it was in the Tor network, and there wasn‘t much they could do.”

Das FBI kennt die Seiten also seit langem, und macht gar nichts, weil es eine Seite im Tor-Netzwerk ist. Da könne man nichts machen.

Was machen die Deutschen? Dasselbe. Golem.de schreibt:

Golem.de hat beim Bundeskriminalamt angefragt, welche Ermittlungen und Maßnahmen dort gegen Lolita City und Hard Candy laufen.

Eine Behördensprecherin erklärte Golem.de: „Der Sachverhalt ist dem Bundeskriminalamt bekannt. In enger Abstimmung mit unseren nationalen und internationalen Ansprechpartnern zur Bekämpfung der Kinderpornografie gehen wir allen in diesem Zusammenhang polizeilich relevanten Hinweisen – insbesondere im Hinblick auf möglicherweise durch eine zuständige Staatsanwaltschaft einzuleitende Ermittlungsverfahren – nach.“ Einzelheiten zum Sachstand oder Bewertungen des Sachverhalts könnten mit Rücksicht auf laufende Überprüfungen nicht mitgeteilt werden.

Bei einem der internationalen Ansprechpartner, den Briten, klingt das laut Telegraph wenigstens etwas gefährlicher:

The Child Exploitation and Online Protection Centre, British policing’s specialist agency for investigating child abuse, is aware of the Hidden Wiki and other darknets, and the challenges they pose.
“We cannot talk about specific sites for operational reasons. However we are aware that some child sex offenders are using these systems in an attempt to conceal their identity and activities,” a spokesman said.
“So called ‘hidden sites’ are not new and the system they use poses some challenges to law enforcement. We continue to use a variety of techniques to monitor online environments used by offenders so we can identify them and safeguard children.”

Auch die Briten sind also in dieser Hinsicht „challenged“. Aber immerhin tun sie etwas: Sie verwenden verschiedene Techniken, um diese Aktivitäten zu beobachten, um diese Kriminellen zu identifizieren.

Klingt ja recht gefährlich für die Bösen: Sie werden beobachtet. Klar, wann immer eine kriminelle Bande von der Polizei schon beobachtet wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dann zugegriffen wird.

Andererseits erlaubt es auch eine andere Interpretation: Genau wie die Amis kennen die Briten die Seiten schon lange, wissen, dass sie nichts machen können, und machen das, was sie können, und, wie jeder andere Kipogucker, auch dürfen, nämlich die dort zum Runterladen angebotenen Pornos runterladen und sie sich ansehen.

Zugunsten der Beamten nehmen wir mal an, dass sie die Bilder nicht runterladen, um sich darauf dann auf der Toilette einen runterzuholen (obwohl, vielleicht kommt ja daher die so weit verbreitete Behauptung, den Beamten würde beim Kipoauswerten so oft schlecht werden – dann müssen sie natürlich öfter mal schnell aufs Klo), sondern aus der durchaus nachvollziehbaren Idee heraus, dass man aus den Fotos und Videos vielleicht etwas über die Hersteller herausbekommen kann.

Wenn das so wäre, wäre damit allerdings eins besiegelt: Der Kampf gegen Kipo im Internet wäre einfach mal verloren. Es gäbe dann Seiten im Internet, gegen die die Regierungen einfach nichts machen können, weil niemand weiß, wo sie überhaupt rumstehen. Seiten, die trotzdem jedermann zugänglich sind, wo jeder seine Bildchen und Filmchen hochladen kann, und jeder alle dort hochgeladenen Kipos runterladen kann, mit Hunderten von Gigabytes an Kipo.

Welches dieser beiden doch sehr gegensätzlichen Bilder ist nun zutreffend? Das von der kleinen, hochgeheimen Bande, die in Panik ausbrechen müsste, wenn sie mitbekommt, dass ihre hochgeheime Seite auch von der Polizei beobachtet wird? Oder das von den Siegern im Kampf gegen die Zensur, denen klar ist, dass sich die Polizei auf dem Kiposerver auch bedient, die es aber genausowenig stört wie jede Zeitung, wenn sie auch von Gegnern gelesen wird?

Was könnte man statt dessen dagegen tun?

Um das herauszufinden, ist es ganz hilfreich, zu betrachten, was Anonymous gegen diese Seiten getan hat, und wie die Angegriffenen darauf reagiert haben.

Da wäre zuerst einmal die Frage, wie erfolgreich die Attacke insgesamt war. Zuerst einmal klingt es ja, wenn man die Überschriften liest, nach einer Katastrophe für Lolita City: „Anonymous Hacks Lolita City Alleged Porn Ring“, „Hacker group Anonymous takes down over 40 child porn sites“. Aber das sind, nunja, Überschriften von Mainstream-Zeitungen. Glaubt irgendjemand sowas noch?

Detaillierteres findet sich im Netz selbst, beispielsweise hier.

Aber kommen wir zum Inhalt. In der FAZ (die immerhin neutral „In den dunklen Gassen von Lolita City“ titelt), liest es sich beispielsweise so: „Der Höhepunkt der Aktion war allerdings der vergangene Dienstag, an dem eine Liste der Nutzernamen von Lolita City veröffentlicht wurde. Es dauerte nicht lange, bis eine weitere folgte – dieses Mal eine jener Nutzer, deren echte Namen und Daten man herausgefunden hatte. Sie wurden veröffentlicht, teilweise inklusive Adresse und Telefonnummer.“ Sachlich korrekt. Es erweckt allerdings den falschen Eindruck eines Zusammenhangs – als sei man über die Daten, die man auf Lolita City gefunden hat, an die wirklichen Nutzerdaten herangekommen.

Nur, so war es zumindest nur teilweise. Es gab zwei voneinander völlig unabhängige Attacken. Und wenn man sich diese beiden Attacken genauer ansieht, verlieren sie viel von ihrem Schrecken für die Kiposammler.

Die Nutzernamenliste von Lolita city

Natürlich ist es ein anerkennenswerter sportlicher Erfolg, dass man in Lolita City eindringen und die Nutzerliste rausholen konnte. Die Kiposammler bedanken sich, dass auf diese Art eine Schwachstelle in der Serversoftware erkannt und beseitigt werden konnte.

Mit den Daten selbst kann man allerdings wirklich keinen hinterm Ofen hervorlocken. Oder vielleicht doch? Man könnte ja versuchen, diese Nicks mit gleichen, woanders verwendeten Nicks zu identifizieren. Unter Nummer 694 finden wir beispielsweise den Nutzer „obama“ … Irgendwelche Hinweise darauf, dass sein Vorname Barack sei, fehlen zwar. Aber reicht es vielleicht trotzdem als hinreichender Anfangsverdacht für eine Hausdurchsuchung?

Sicherlich, die Jungs von Anonymous haben hier etwas geschafft, was sie eigentlich nicht hätten schaffen sollen, wäre es nach den Betreibern der Seite gegangen. Nur, gebracht hat ihnen das letzten Endes gar nichts. Insbesondere auch nichts, was zu holen für die Polizei überhaupt sinnvoll gewesen wäre. Denn viele Nutzernamen, und zumindest die der aktivsten Nutzer, kriegt man in den allermeisten Foren sehr viel einfacher mit – man meldet sich an und sieht sich um.

Der Anonymous-“Trojaner“

Aber wie kam man nun an echte Namen und Daten heran? Nun, dies gelang auf einem völlig unabhängigen Weg, der von Anonymous selbst hier beschrieben ist – mit Hilfe eines gefakten Tor-Button-Updates. Einen Link zum falschen Tor-Button hatte man auf die „Hard Candy“ Seite der „Hidden Wiki“ gestellt. Klar, wer auf so etwas reinfällt und gefakte Software installiert, der kann natürlich problemlos ausspioniert werden, und es bleibt dann kein Geheimnis mehr, wenn er Lolita City besucht.

190 Leute fielen darauf hinein.

Natürlich weiß ich auch, dass „Trojaner“ dafür nicht die richtige Bezeichnung ist, aber was die generellen Attackierungsmöglichkeiten betrifft, so läuft es doch darauf hinaus – Anonymous hat hier das gemacht, worum es in der Diskussion um den Bundestrojaner geht: Die Software auf dem Computer der betroffenen Sammler dadurch manipuliert, dass sie sie in eine Falle gelockt haben. Eine Falle, die vom Prinzip her nicht komplizierter ist als viele andere Möglichkeiten des Dummenfangs im Internet.

Auch hier dankt die Community der Kiposammler aufrichtig dem Anonymous-Kollektiv, durch diese Attacke noch einmal nachdrücklich auf diese Möglichkeit hingewiesen zu haben. Und dies auf eine doch verhältnismäßig ungefährliche Art und Weise getan zu haben: „Unter den Veröffentlichten allerdings fanden sich bislang auch mindestens zwei Leute, die mit Lolita City nichts zu tun hatten.“ Womit ein Auftauchen auf dieser Liste vor einem rechtstaatlichen Gericht keinerlei Beweiswert mehr haben kann. Zudem sind die Leute jetzt vorgewarnt, und haben nun zumindest ausreichend Zeit, ihre Computer zu säubern.

Der härteste Schlag: eine DDOS-Attacke

War noch was? Ja, es gab noch mehrere Denial of Service Attacken: Eine Menge Bots auf gehackten Computern senden massenweise automatische Abfragen an den attackierten Server, um den einfach zu überlasten.

Auch hierbei gab es einen gewissen sportlichen Erfolg. Stolz berichtet Anonymous: „After our last battle, we were successful in taking out a majority of Freedom Hosting 40+ CP sites for over 24 hours.“ Wow, man ist beeindruckt – ein paar Kiposeiten wurden für mehr als 24 Stunden so überlastet, dass man sie in der Zeit nicht mehr nutzen konnte.

Ein wahrlich harter Schlag gegen die Kipo-Mafia. Ich stelle mir die Gesichter der entsetzten Kiposammler vor – einen ganzen Tag ohne neue Kipos, lediglich mit den bisher schon runtergeladenen Gigabyte, zu überleben, das ist wahrlich ein harter Schlag für einen echten Sammler.

Wie man das Ganze zu einem Erfolg hochzureden versucht

Und so wird etwas verständlicher, warum diese Aktion von Anonymous kein größeres Medienecho gefunden hat: Die Blamage, dass die attackierten Server nach der Attacke in aller Ruhe weiterarbeiten können, ist dann doch zu extrem.

Und vor allem: Es gibt ja eben nichts, was man als Alternative vorschlagen könnte. „Warum tut denn die Polizei nichts dagegen“ hat nun einmal die einfache Antwort: Weil selbst Anonymous, die ohne alle rechtstaatlichen Einschränkungen operieren, nicht dagegen tun kann.

Also, wenn man überhaupt darüber berichtet, dann doch wenigstens so, dass das Ganze wenistens noch nach einem Erfolg von Anonymous aussieht. Die FAZ schreibt beispielsweise:

Lolita City wurde hart getroffen

Also unter „hart getroffen“ verstehe ich bei einem Kipo-Server was anderes. Wegen ein paar DDOS-Angriffen ein paar Tage down – geschenkt. Die Nutzerliste veröffentlicht – ja gut, nicht erwünscht, aber letzten Endes auch geschenkt. Schließlich muss man dort natürlich keine e-mail-Adresse beim Anmelden abgeben. Hart getroffen wurden möglicherweise die 190 Leute, die sich den Anonymous-Trojaner eingefangen hatten, aber daran sind sie selbst schuld, und nicht Lolita City. Die Popularität von Lolita City hat offenbar nicht darunter gelitten. Wie Anonymous selbst feststellen musste: „In addition we realized that
there were now 1626 total users on Lolita City db versus the 1589 total users in our dump of the user database on Tuesday.“

Noch amüsanter ist hingegen folgender Beitrag von NTV:

Der Provider spielte seine Sicherungskopien auf – dann trennte Anonymous mit einem finalen Angriff alle Verbindungen des Servers mit anderen Nutzern. Über 40 Internetseiten inklusive kinderpornografischem Material sollen so gelöscht worden sein.

Oje. Eine wahre Perle des investigativen Journalismus. Aus dem zeitlich begrenzten Dossen wird da plötzlich eine finale Attacke. Final war sie höchstens in dem Sinn, dass Anonymous danach aufgegeben hat. Und mit einem Trennen von Verbindungen scheint man magischerweise Daten löschen zu können. Und warum der Provider, falls beim „finalen“ Angriff nochmals alle Daten gelöscht worden wären, nicht einfach dieselben Sicherheitskopien noch mal raufspielen sollte, erschließt sich mir nicht so ganz. Ist vielleicht eine so anstrengende Arbeit, dass man die nur einmal schafft.

Aber NTV hat noch mehr Brüller auf Lager:

Es dauerte einen Tag, dann veröffentlichte Anonymous die Inhalte des gekaperten „Hidden Wiki“, einer Informationsseite für Pädophile aller Art.

Auf so eine Art der Attacke muss man erstmal kommen – das Veröffentlichen von Inhalten einer Informationsseite. Vermutlich unter Verletzung des Copyrights der Seitenbetreiber? Geht es noch?

Wie reagiert man eigentlich auf die Aufforderung, Kipo-Seiten runterzunehmen?

Kommen wir aber nochmal zur Frage zurück, welchen Charakter die Kipo-Seiten haben – geheime Seiten, die nur einer kleinen Gruppe von Insidern zugänglich sind, die Angst davor haben, dass die Polizei von diesen Seiten erfährt, oder, im Gegenteil, Seiten, deren Betreiber wie selbstverständlich davon ausgehen, dass auch die Polizei mitliest.

Die Beschreibung der Mittel, die den Hackern zur Verfügung standen, und deren letztendlicher Misserfolg deutet es eigentlich schon an:

Die Kiposammler haben gar keinen Grund, ängstlich zu sein. Anonymous hat getan, was möglich ist, gebracht hat es fast nichts. Solange es noch Reste rechtstaatlicher Beschränkungen der heutigen Polizei gibt, kann die Polizei auch nicht mehr tun, also nichts Gefährliches.

Wie um diese Machtverhältnisse noch einmal zu unterstreichen, stellte Anonymous vor dem Angriff auf den Provider Freedom Hosting noch ein Ultimatum. „Freedom Hosting weigerte sich, die Daten aus dem Netz zu nehmen, und wurde zum Ziel von Anonymous.“ beschreibt dies die FAZ, während NTV dies mit den Worten „Als das Unternehmen nach einer Aufforderung die Daten nicht löschte, erledigten das die Hacker selbst.“ beschrieb. Nach den obigen Stilblüten von NTV möchte man das allerdings doch noch einmal genauer nachprüfen, aber im Netz wird dies auch nicht anders beschrieben:

Following the initial attack, Anonymous members found out nearly all of the pornography had the Freedom Hosting digital fingerprint and thus issued the host a warning to remove the content from its server at 9 p.m. (CST) on October 14th. Freedom Hosting refused to comply and two and a half hours later, Anonymous completely shut down Freedom’s services with DDoS attacks

Tja, man lese und staune. Und stelle sich vor, die Polizei wäre auch so nett: Ein netter Beamter ruft an, und fordert den Kipo-Händler auf, seine Kipo-Seiten selbst vom Netz zu nehmen. Sonst würde man Maßnahmen ergreifen. Aber der denkt gar nicht daran und schickt den Beamten zum Teufel.

Aber genau darauf läuft es ja hinaus. Denn ob nun der Beamte selbst oder irgendein Bürger anruft, der jederzeit mit einer anonymen Anzeige die Polizei einschalten könnte, ist ja egal – die Unverschämtheit, so ein Ultimatum zu ignorieren, kann man sich nur leisten, wenn man sich sicher ist, dass einem auch die Polizei nichts tun kann.

Über die Berichterstattung unter den Bedingungen der Zensur

Der eine oder andere Leser wüsste jetzt sicherlich gerne die Links zur Hidden Wiki oder zu Lolita city. Sicherlich, wenn er pädophil ist, auch aus dem einfachen Grund, dass er dort Kipo sucht. Aber das ist keineswegs der einzige Grund. Auch für den Nichtpädophilen wäre es ein sehr viel klarerer Beweis, dass die Attacken von Anonymous vergeblich waren, wenn ich hier einfach einen Link auf die attackierten Seiten angeben könnte.

Die Links, die ich hier angebe, verweisen aber zum größten Teil auf Mainstream-Medien, also auf Quellen, die für ihre Verlogenheit notorisch sind. Medien, die gerade auch meiner Meinung nach extrem verlogen sind – was ich ja teilweise hier auch aufzeige.

Meine inhaltliche Argumentation könnte problemlos viel direkter sein. Ich argumentiere über den gesunden Menschenverstand, stelle die einen Zitate aus den Mainstream-Zeitungen anderen gegenüber um Widersprüche aufzuzeigen, wo es doch eigentlich viel einfacher ginge.

Anonymous attackiert Lolita City, das Ergebnis ist ein Misserfolg. Was wäre hier einfacher, als Sachbeweis, als ein direkter Link auf die attackierte Seite, der beweist, dass die Seite weiterhin existiert, und weiterhin das tut, was ihr Ziel ist, nämlich Kipo zu verbreiten?

Aber diesen einfachsten Sachbeweis kann ich hier nicht leisten. Denn dies wäre, nach deutschem Recht, Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornographie. Nichts läge mir, als Boylover, ferner als Beihilfe zur Verbreitung von Mädchenpornos (wie eklig) zu leisten, aber das würde Gerichte und Staatsanwaltschaft kaum interessieren. Ich könnte dafür problemlos ins Gefängnis wandern.

Dies schränkt mich sogar noch weiter ein. Auch ein Link auf die Hidden Wiki, der beweisen würde, dass auch diese von Anonymous attackierte Seite weiterhin frei zugänglich ist, ist mir nach deutschem Recht, zumindest scheint es so, verboten. Sicher enthält sie selbst keinerlei Kipo. Aber auf irgendeiner ihrer Unterseiten (wie in Wikis halt nicht ganz unerwartet), sollen sich ja Links zu den verschiedenen Kipo-Seiten finden. Also darf ich wohl auch diese Adresse nicht angeben.

Aber sind denn wirklich Links verboten, wenn sie lediglich auf Seiten verweisen, die solche Links enthalten? Ja, in Deutschland ist es (zumindest für die pädophilen Untermenschen) sogar noch schlimmer: Wenn man lediglich eine Seite verlinkt (sagen wir mal, Schutzalter-Blog), wo auf eine Seite verwiesen wird (sagen wir mal, Wikileaks), wo sich dann unter 3863 Links 6 kinderpornographische finden (wie es für geleakte Zensurlisten typisch sein dürfte), kann man deswegen nicht nur eine Hausdurchsuchung kriegen, sondern sogar noch wegen Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornographie in den Knast wandern. Nein, das ist kein Joke. Diese Realsatire auf deutsche Rechtsstaatlichkeit passierte in Pforzheim. Gut, ein bisschen Hoffnung besteht – noch ist dieses Skandalurteil nicht rechtskräftig.

Trotzdem, falls es rechtsgültig bleiben würde, dürfte ich noch nicht einmal auf eine Seite verlinken, die selbst auf die Hidden Wiki verlinkt. Nun, eine Tor-Adresse ist ja eine höchst kryptische Zeichenfolge, die nicht einfach so zufällig vorkommt. Daher dürfte eine Google-Suche nach dieser kryptischen Adresse, die ich Ihnen leider nicht mitteilen darf, eine recht genaue Zahl der Verlinkungen der Hidden Wiki liefern. Google findet dazu „About 28,800 results“. Sicherlich, allzu sehr kann man solchen Zahlen nicht vertrauen, heute früh waren es beispielsweise lediglich um die 24000. Also ergibt es sich, dass ich um die 28000 verschiedene Webseiten, die sich mit dem Thema Hidden Wiki auf die eine oder andere Seite befassen, und die möglicherweise weitere interessante Informationen enthalten, gar nicht verlinken dürfte.

Dies ist selbstverständlich verfassungswidrig. Denn all diese 28000 von Google gefundenen Seiten, wie auch die Hidden Wiki selbst, sind natürlich öffentlich zugängliche Quellen, aus denen sich jedermann informieren kann. Sicherlich, um auf die Hidden Wiki zuzugreifen, muss man Tor installiert haben. Aber Tor ist ja selbst problemlos öffentlich zugänglich. Und damit ist auch die Hidden Wiki eine öffentlich zugängliche Informationsquelle.

Aber wen interessiert schon das Grundgesetz, wenn man auf Pädohatz ist?

Gewaltpornographie

Während ich bisher angenommen hatte, Kinderpornographie sei im wesentlichen die Darstellung einvernehmlicher sexueller Kontakte – Grund dazu hatte ich, aufgrund vielfältiger Kontakte zu Boylovern, unter denen mehrere auch entsprechende Pornographie sammeln, genug – und die Berichte der Medien als reine Hetze betrachtete, scheint es doch andere Teile der Kipo-Szene zu geben, in denen das Verhältnis anders aussieht:

1) Graphik 1: Einvernehmlichkeitsgrad Gesamt-Mädchen-KiPo in Prozent

47,58% nicht einvernehmlich
29,07% einvernehmlich
15,71% nicht deutbar
07,64% neutral

Gesamtdateien: 1362

2) Graphik 15: Einvernehmlichkeitsgrad Gesamt-Jungs-KiPo in Prozent

73,36% einvernehmlich
15,72% neutral
5,68% nicht deutbar
5,24% nicht einvernehmlich

Gesamtdateien: 458

3) Graphik 29: Einvernehmlichkeitsgrad Gesamt-CL-KiPo in Prozent

95,16% einvernehmlich
04,84% nicht deutbar

Gesamtdateien: 124

Quelle für diese Statistik ist ein Jufo-Artikel. Noch keine etablierte Wissenschaft, obwohl an der Qualität im Vergleich zu üblichen wissenschaftlichen Arbeiten zu solchen Themen nichts zu meckern ist. Potentielle Fehlerquellen gibt es zwar viele, aber sie werden auch gar nicht verheimlicht, und andere Methoden sehen dabei auch nicht besser aus. Für die Wissenschaft gilt letztendlich, dass man die besten vorhandenen Daten verwenden sollte, und solange es keine besseren gibt, nimmt man eben diese.

Die Massenmedien sind durch diese Zahlen keineswegs gerechtfertigt. Würde man ihnen glauben, gäbe es so etwas wie einvernehmlichen Sex bei Kinderpornographie ja überhaupt nicht. Trotzdem, diese Zahlen korrigieren auch meine Vorstellungen von den Anteilen – meine bisherigen Vorstellungen entsprechen denen, die hier für Jungs-Kipo angegeben sind – was kein Wunder ist, ich bin ja schließlich Boylover, und die meisten meiner Kontakte sind auch Boylover. Und ich bin auch nicht der Einzige, den diese Zahlen verwunderten. So meinte ja auch Leon:

Übrigens ist nicht nur dir der Wert an Abusographie in diesem Kontext merkwürdig vorgekommen. Viele russische Boylover konnten es sich auch nicht vorstellen. Mich persönlich hat der Wert auch überrascht…

Allerdings: So sehr überrascht haben mich diese Zahlen nun auch nicht. Merkwürdig kamen mir nur die zusammengefassten Zahlen vor, wie sie ursprünglich gepostet worden waren (hier). Ich hätte pauschal auf rund 5% nicht einvernehmlich getippt, was ja dann auch fast exakt der Wert bei Jungs war.

Dass sich Sex zwischen Männern und Mädchen in vielen Zahlen weitaus problematischer darstellt als Sex zwischen Männern und Jungs war mir auch vorher schon bekannt. Jungen reagieren beispielsweise in sehr vielen Studien sehr viel positiver: (wie z.B. hier zusammengefasst).

Ähnliches kann man auch von Studien über Schäden sagen. Schon die Unterschiede in den Zahlen der Studien hat mich seinerzeit beeindruckt. Studien, die die Folgen sexuellen Missbrauchs von Mädchen untersuchten, war zumindest zu der Zeit, als ich das verfolgte, auffallend größer als die, die solche Schäden bei Jungen untersuchten.

Dies klingt zwar nur recht indirekt. Aber Wissenschaftler untersuchen schon von sich aus bevorzugt das, wo man etwas nachweisen kann, und das Publizieren von Studien, die statistisch signifikante Ergebnisse haben, ist sehr viel leichter. Aber auch was die Inhalte betrifft, sieht es ähnlich aus. Bei Baurmann 1983 liest man beispielsweise

Gleichgeschlechtliche Kontakte spielten statistisch und kriminologisch keine wesentliche Rolle bei der Untersuchung (S. 215 ff). Zum einen machten sie nur 10-15% der Fälle aus und zum anderen waren die beschriebenen sexuellen Handlungen „harmloser“, fast ausschließlich ohen Gewaltanwendung durch den Beschuldigten (S. 287 ff) und es fühlte sich deshalb auch keines der männlichen Opfer geschädigt. In diesen Fällen konnte auch kein Schaden mit Hilfe der Testverfahren gemessen werden.

Damit haben wir also lediglich noch ein weiteres Gebiet, auf dem Sex mit Mädchen weitaus problematischer ist als Sex mit Jungs.

Sind Girllover nun schlimmer als Boylover?

Nun, dies anzunehmen gibt es keinen Grund. Nur, sie haben ein Problem: Man kann sie in all solchen Statistiken nicht von all denen trennen, die Sex mit Kindern aus anderen Gründen vorziehen: Sadisten, für die Kinder interessant sind, weil sie sich nicht wehren können. Inzest-Väter, die bei Eheproblemen auf ihre Töchter ausweichen. Also Leute, die gar nicht pädophil sind, die Erwachsene vorziehen würden, für die Kinder lediglich Ersatz sind. Und die entsprechend problematisch mit diesem Ersatz umgehen.

Und all die Ersatztäter dürften sich nun einmal ähnlich auf heterosexuell vs. homosexuell aufteilen wie es ansonsten auch üblich ist – also 95% Heten zu 5% Schwule.

Unter den Pädophilen ist die Verteilung ja ganz anders, auch wenn die Zahlen stark variieren, gehe ich bei Boylover zu Girllover etwa von 50:50 aus.

Und daraus folgt die für die Girllover recht ungünstige Situation, dass es in allen Statistiken, die Sex mit Mädchen betreffen, viel mehr um heterosexuelle Ersatztäter geht, während es bei Sex mit Jungs viel eher darum geht, was Boylover mit Jungs machen.

Insbesondere in der obigen Statistik passen die Zahlen durchaus zusammen: Bei geschätzt genauso vielen Girllovern wie Boylovern tauchen in der Statistik 396 einvernehmliche Mädchenkipos und 336 einvernehmliche Jungskipos auf. Und die nicht einvernehmlichen 648 Mädchenkipos stehen zu den 24 nicht einvernehmlichen Jungskipos in einem dem Verhältnis Heten zu Schwulen erstaunlich ähnlichem Verhältnis.

Wie aber umgehen mit Gewaltpornographie?

Trotzdem, auch wenn wir die Girllover hier entlasten können, gibt es doch ein anderes Problem, jedenfalls für mich. Was bisher für mich eine vernachlässigbare Größe war – nämlich Gewaltkinderpornographie – die nur aufgrund von extremer Medienhetze von 5% auf 100% hochgepuscht wird, erweist sich nun, mit grob der Hälfte, doch nicht als so vernachlässigbar.

Wie also damit umgehen? Sind nun die Kipo-Jäger wenigstens teilrehabilitiert? Bekommen die Hetzer in den Medien mildernde Umstände, weil sie nicht von 5%, sondern von 50% auf 100% hochlügen? Es ist in jedem Fall eine Gelegenheit, zu überdenken, wie man mit der halt doch nicht so seltenen Gewaltkinderpornographie umgehen sollte.

Was meine Empfindungen betrifft, finde ich mich hierbei plötzlich auf der Seite der Mehrheit wieder. Für jemanden wie mich ist dies allein schon etwas erschreckend. Meine Empfindungen sind dieselben wie die des Mobs. Vorsicht ist allein schon deswegen angeraten.

Aber trotzdem, auch wenn ich meine bisherigen Argumente zur Kipo-Verfolgung von diesem neuen Blickpunkt aus überprüfe, es ändert sich nichts. (Was nun, ein bisschen Eigenlob muss auch mal sein, auch nicht so verwunderlich ist – schließlich habe ich mich schon immer um Neutralität bemüht.)

Wer sind die Gewaltpornosammler eigentlich?

Also, sind nun diese ekligen Typen, die solche perversen Vergewaltigungs-Pornos geil finden, Verbrecher, die man wegsperren sollte, am besten für immer? Nein. Aber sehen wir uns erstmal die Gründe an, warum man solche Leute verfolgen sollte.

Ein recht natürlicher Wunsch hinter der Kipoverfolgung ist, dass man dadurch hofft, Menschen zu enttarnen, die Kindern gefährlich werden könnten. Der Pädophile, wie man ihn aus den Medien kennt, ist ein solches gefährliches Monster, welches man möglichst gerne enttarnen möchte, bevor es sich an realen Kindern vergreift.

Aber dass es sich bei den Konsumenten von Gewaltkinderpornos um Pädophile handelt, ist eben nicht zu erwarten. Die obigen Zahlen sprechen dafür – bei Jungspornos, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie von Boylovern bevorzugt werden, ist der Gewaltanteil gering. Aber auch bei Girllovern ist es recht irrational, davon auszugehen, dass sie gerne Gewaltpornographie konsumieren. Der normale Pornographiekonsument zieht Pornos vor, in denen die nach Alter und Geschlecht bevorzugte Gruppe die sexuellen Handlungen gerne und lustvoll mitmacht. Und in dieser Hinsicht sind Pädophile nun einmal sehr normal.

Sicherlich findet man, wenn man Pädophile identifiziert, auch Leute, die möglicherweise mal Sex mit Kindern haben werden. Aber das ist normalerweise eben auch die Art von Sex, die sie in den Pornos bevorzugen, nämlich einvernehmlicher Sex. Und, auch wenn die Medienhetzer anderes behaupten, ist einvernehmlicher Sex eben keine Gefahr für die Kinder.

Wer aber sind Gewaltpornosammler eigentlich? Hier gibt es von der sexuellen Präferenz her gesehen ganz natürliche Kandidaten – nämlich die Sado-Maso-Szene.

Einmal wären da die Sadisten. Leute, die man, sicherlich auch mit gutem Grund, für gefährlich halten kann. Allerdings haben Sadisten durchaus legale Möglichkeiten, ihre sexuellen Triebe auszuleben, in einer einvernehmlichen SM-Szene. Gewalt gegen Kinder ist für sie vor allem dadurch sexuell interessant, dass Kinder besonders hilflos sind. Die wenigsten von ihnen sind außerdem noch pädophil, also auch noch sexuell am Kinderkörper selbst interessiert. Also, so gefährlich für Kinder ist dieser Kreis der Gewaltpornosammler nicht.

Noch klarer, dass man völlig harmlose Leute trifft, wenn man Gewaltpornosammler verfolgt, wird es bei den Masochisten. Die stehen ja sexuell überhaupt nicht darauf, anderen Menschen Gewalt anzutun. Im Gegenteil. Eine Gefahr für Kinder stellen sie also überhaupt nicht dar. Für sie sind solche Gewaltvideos sexuell interessant, weil sie in ihren sexuellen Phantasien vergewaltigte Kinder sind.

Und, sicherlich, gibt es noch andere Kiposammler. Beispielsweise einfach nur Neugierige. Das sind vermutlich die, die sich am ehesten erwischen lassen – weil es ihnen gar nicht wichtig ist, sie so etwas nur nebenbei mitnehmen, und eben auch nur nebenbei an die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen denken. Und die fallen auch am leichtesten auf die Honigtöpfe hinein, die die amerikanische Polizei gerne aufstellt. Nutzen tut das niemandem, von einer Prävention realer Straftaten kann bei dieser Gruppe überhaupt keine Rede sein.

Dass solche Leute allein durch Kipo-Anschauen pädophil werden könnten ist so extrem dumm, dass einem die Worte fehlen. Niemand wird durch Pornos in seiner sexuellen Neigung verändert. Ginge das, hätten wohl so ziemlich alle Menschen mit abweichenden sexuellen Neigungen sich selbst durch das Ansehen normaler Hetenpornos schon lange von ihren Abweichungen „geheilt“. Leider bringt das überhaupt nicht. In der anderen Richtung bringt es genauso wenig.

Strafverfolgung von Gewaltpornosammlern?

Aber selbst wenn man ihnen Gefährlichkeit unterstellt, und auch wenn ich sie eklig finde – sie schaden objektiv noch niemandem. Und bevor man jemanden wegsperrt – und ihn damit auf extrem schwere Art schädigt – muss er schon selbst jemanden geschädigt haben, und dies auf eine durchaus schwere Art.

Und dies gilt auch deshalb, weil ich überzeugt bin, dass Abschreckung funktioniert. Genau deshalb ist es wichtig, dass es einen möglichst großen Unterschied gibt zwischen der realen Vergewaltigung und dem Ersatz – dem Anschauen von Vergewaltigungsvideos.

Aber könnte es nicht sein, dass das Anschauen solcher Videos bewirkt, dass man dann irgendwann doch auch selbst vergewaltigen will? Durchaus möglich. Allerdings recht spekulativ. Aber auch gerade dann ist es ja wichtig, dass es eine hohe Hürde gibt zwischen dem Anschauen solcher Videos und der realen Vergewaltigung. Gerade dann ist es wichtig, dass der Videogucker nicht schon durch das Videogucken allein zum Schwerverbrecher geworden ist.

Man bedenke: Zugang zu und Besitz von illegalen Daten ist in Zeiten von Tor und Truecrypt leicht und relativ sicher. Egal wie hoch also die Strafandrohungen sind, der Videogucker lernt am eigenen Beispiel, dass man kriminell sein kann und trotzdem unbehelligt leben kann.

Ok, es sei denn, er wird gefasst. Aber was erreicht man damit? Man ruiniert seinen sozialen Status, zerstört sein soziales Umfeld, also all das, was normalerweise Menschen davon abhält, kriminell zu werden. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Ist es das, was man wünschen sollte? Ich würde sagen, es ist eher das genaue Gegenteil.

Also, egal ob die Strafverfolgung von Videoguckern „Erfolg“ hat oder nicht, der „Erfolg“ der Strafverfolgung ist jemand, der sehr viel weniger Hemmungen hat, wirkliche Verbrechen zu begehen.

Ist die Weiterverbreitung für die Opfer nicht extrem belastend?

Sicherlich ist der Gedanke daran nicht angenehm. Aber dieser Gedanke daran ist unabhängig von der realen Verbreitung. Er ist auch da, wenn der Täter lediglich, um das Opfer weiter zu erniedrigen, behauptet, er würde das Video nun verbreiten, dies aber aus Angst vor der Strafverfolgung gar nicht tut. Möglicherweise ist er aber auch gar nicht da, obwohl das Video verbreitet wird, weil das Opfer gar nichts davon weiß.

Und wenn der Gedanke einmal da ist, dann kann auch eine noch so ideale Polizeiarbeit nicht mehr verhindern, dass er bleibt – irgendeine Garantie, dass alle Kopien vernichtet wurden, kann es ja im Prinzip nicht geben. Im Gegenteil, jeder Polizeierfolg – man hat das Video bei jemandem entdeckt – verstärkt, wenn er dem Opfer bekannt wird, den Gedanken daran nur noch, da es auf eine weite Verbreitung seines Videos hinweist. Oft genug wird dem Opfer dadurch erst bekannt, dass ein Video, das eigentlich nur für den Privatgebrauch gedreht wurde, eine solche Verbreitung gefunden hat.

Der Kinderpornomarkt

Auch das Märchen vom Milliardenmarkt Kinderpornographie bleibt so verlogen wie es immer schon war. Und die Argumentation damit bleibt auch so irrational wie bisher.

Die Musik- und Filmindustrie klagt, möchte kostenlose Tauschbörsen mit allen Mitteln bekämpfen, am liebsten langjährige Haftstrafen für Copyright-Verletzungen sehen. Wollen die das etwa, um den Musik- und Filmmarkt zu bekämpfen? Natürlich nicht. Im Gegenteil, sie wollen möglichst viel Geld machen mit Musik und Filmen.

Aber genau dasselbe – nämlich die Bekämpfung von kostenlosen Kipo-Tauschbörsen mit Androhung hoher Haftstrafen für alle Nutzer und Verbreiter – soll angeblich gegen den Kipo-Markt gerichtet sein?

Äh, geht es noch? Das von der Musikindustrie zu ihrer finanziellen Rettung Gewünschte dient der Bekämpfung einer angeblich existierenden Kipoindustrie? Wenn man so etwas liest, werden Konspirationstheorien, bei denen diese angeblich existierende Kipoindustrie die Politik unterwandert hat, irgendwie plausibel.

Nein, ich werde deswegen nicht zum Konspirationstheoretiker. Hier lässt sich natürlich alles mit Dummheit erklären, weswegen man auf Konspiration verzichten kann. Die Dummheit der Massen ist hier gemeint, die Zusammenhänge, die länger sind als zwei Worte wie gegen Kipo, nicht zur Kenntnis nehmen.

Also: Einen Milliardenmarkt Kipo gibt es nicht, er ist eine Medienerfindung. Gäbe es ihn, dann wäre das beste Mittel gegen ihn ganz einfach: Den Handel verbieten, aber den kostenlosen Tausch und Besitz erlauben.

Was spräche denn dagegen? Man müsste nachweisen, dass jemand damit handelt, um ihn verknacken zu können, was aber schwerer wäre, als ihm nur Besitz nachzuweisen? Na, so schwer ist das ja nun auch wieder nicht. Wenn nur der Verkauf illegal ist, können ja zivile Fahnder selbst nach deutschen Prinzipien ganz legal auf die Suche nach illegalen käuflichen Angeboten gehen, ganz legal bezahlen, und nach der Lieferung hätten sie dann den Beweis. Das wäre rechtlich gesehen sogar leichter als heute, wo zumindest in Deutschland ein solcher Einkauf den Ermittlern verboten ist. Klar, dieser Unterschied ist unwesentlich, denn einem einigermaßen cleveren Verkäufer käme man auch so nicht auf die Spur. Aber eben genau wie heute auch schon.

Auf einem Markt herrscht Angebot und Nachfrage. Und auf einem Markt, wo es genügend kostenlose Angebote gibt, ist der Preis generell niedrig. Es gäbe da die Frage der Qualität – aber mit der technischen Verbesserung digitaler Kameras verschwindet der Unterschied, und auch Laien können immer leichter zumindest technisch hohe Qualität anbieten. Die Aussichten für einen professionellen Kipo-Markt wären also schlecht, selbst wenn der Handel selbst legal wäre. Wäre Handel illegal, kostenlose Verbreitung jedoch legal, würde ein Handel kaum aufkommen.

Faktisch spielt er schon heute kaum eine Rolle. So erwies sich in einer Untersuchung: die
Trends sind eindeutig: So war in nur 10 von 81 Fällen Geld im Spiel.
Mich wundert hier eher, dass es so viele sind. Aber das dürfte einen einfachen Grund haben: Geldüberweisungen lassen sich sehr viel leichter nachverfolgen als das Verbreiten von Bildern.

Also, das, was angeblich die Kipoverbreitung so verwerflich macht – die Förderung der Herstellung von Kipo durch Schaffung eines Marktes – kann man überhaupt nur einem Achtel der deswegen Verfolgten vorwerfen.

Ganz abgesehen davon, dass auch in diesen Fällen eine Ursache-Wirkungs-Beziehung lediglich eine sehr theoretische Annahme ist. Denn empirisch sieht wenig danach aus, dass allzu viel für den Verkauf hergestellt wird.
Schuijer & Rossen schreiben beispielsweise selbst über Zeiten als es kommerzielle Kipo legal gab:

The work group suggested that the American claims that 70% of all commercial material comes initially from private sources was correct. Typical of this material is the generally poor quality, and usually black and white photographs. The photographs were apparently not made with publication in mind.

Also, geschätzte 70% der kommerziellen Kipo wurde damals gar nicht für die kommerzielle Nutzung hergestellt, sondern sind Privatvideos, die gar nicht für die Verbreitung hergestellt wurden, sondern erst irgendwann später mal zu Geld gemacht wurden. Und heute gibt es guten Grund zur Annahme, dass diese „nichtkommerzielle kommerzielle“ Anteil noch höher ist.

Die Verfolgung der Vergewaltiger

Eine Legalisierung kostenlosen Tausches hätte auch noch einen anderen positiven Effekt: Solche Videos würden schneller und weiter verbreitet werden als heute, und damit schneller und wahrscheinlicher bei der Polizei landen. Und für die Polizei ist ein Vergewaltigungsvideo wichtiges Beweismaterial, welches durchaus zur Überführung der Täter beitragen kann.

Für die Polizei wäre es in dieser Hinsicht ideal, wenn es Plätze gäbe, wo jeder Liebhaber von Vergewaltigungsvideos seine Sammlung ohne eigenes Risiko hochladen könnte, und, neben anderen Liebhabern solcher Videos, eben auch die Polizei all diese Videos herunterladen könnte.

Könnte man hingegen die kostenlose Verbreitung effektiv bekämpfen, würde die Polizei sich von dieser Art von Informationsquellen über reale Verbrechen selbst abschneiden. Eine extreme Dummheit, weil es hierbei um
eine Verschlechterung der Strafverfolgung der wirklich schweren Verbrechen handelt – nämlich der realen Vergewaltigung von Kindern.

Durch eine Strafverfolgung einer kostenlosen Verbreitungsszene verringert sich nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass solche Videos überhaupt in Polizeibesitz gelangen. Es ist auch zu erwarten, dass dies weitaus später erst passiert. Auch das ist aber fatal für die Strafverfolgung: Je schneller ein solches Vergewaltigungsvideo in die Hände der Polizei gelangt, desto eher kann dies zu einer Überführung des Täters führen. Irgendetwas aus dem Video könnte wiedererkannt werden – aber die Wahrscheinlichkeit dessen sinkt mit der Zeit, schon durch Vergessen, aber auch durch das Älterwerden der Kinder. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass man Kleidung, Möbel, und was noch alles auf dem Video sieht, in der Realität noch so vorfindet, dass es Beweiskraft haben kann, sinkt.

Und da wäre auch noch der Missbrauch durch den Staat

Ich habe es mir für den Schluss aufgehoben – das wohl im Prinzip allerwichtigste Argument gegen die heutige Kipohysterie, nämlich den Missbrauch durch den Staat.

Denn es ist offensichtlich genug, dass der Staat, als Institution, hierbei ein ganz anderes Interesse hat: Den Aufbau einer Kontrolle über das Netz. Dass der Kampf gegen Kinderpornographie nur Vorwand ist, um etwas kontrollieren zu können, was dem Staat selbst gefährlich werden könnte – eine freie Neue Welt, in der es keine staatliche Zensur mehr gibt.

Nichts ist zum Aufbau einer solchen Zensur geeigneter als eine Gruppe von Menschen, die etwas verbreitet, was allgemein Abscheu erregt. Pornographie, in der die Vergewaltigung von Kindern darstellt wird, ist so etwas.

Und daher sollte man keinesfalls vergessen, dass die andere Gefahr eine sehr viel größere ist – eine totalitäre Gesellschaft, in der der Staat kontrolliert, was gesagt und gedacht werden darf, und in der der Staat dies auf die brutalste Art und Weise durchsetzt, und auch durchsetzen kann, weil jeder, der die Wahrheit über die staatlichen Verbrechen verbreiten will, in ein KZ wandert. Eine Gesellschaft, in der die Sadisten nicht heimlich Vergewaltigungsvideos anschauen, sondern ganz legal, als KZ-Aufseher, ihre sadistischsten Triebe an allen ausleben können, die gerade als Untermenschen oder Volksfeinde gelten.

Die Etablierung von Zensur ist immer und überall auf der Welt eines der ersten und wichtigsten Mittel gewesen, um Unrechtssysteme zu errichten und zu festigen. Und damit ist der Kampf gegen Zensur, gegen jegliche Zensur, das wohl wichtigste und sicherste Mittel zur Verhinderung einer solchen Diktatur.

Und dazu gehört es, die Zensur auch dort zu bekämpfen, wo die verbreiteten Ideen und Darstellungen uns selbst zutiefst verletzen.

Und dies nicht nur in der Politik, sondern überall. Denn einmal, auf einem Gebiet technisch etabliert, kann und wird die Zensur ausgeweitet werden. Verfassungen und Grundgesetze sind zur Verteidigung dagegen zwar nett gemeint, aber kaum wirksam, da es letzten Endes nur staatliche Gerichte sind, die beurteilen, ob die Zensurgesetze verfassungskonform sind.

Der weitaus sicherere Schutz ist ein Netz, für welches man nur ein Grundrecht verteidigen muss – das Recht auf den Schutz seiner Privatsphäre durch starke Verschlüsselung: My truecrypt-container is my castle.

Aber wenn wir diesen neuen zentralen Teil unserer Privatsphäre vor dem Großen Bruder verteidigen, für alle, dann verteidigen wir damit zwangsläufig auch die Freiheit eines jeden Menschen, dort, neben Ideen, die wir für gefährlich halten, auch pornographische Darstellungen zu sammeln, die wir widerlich finden.

Was bleibt

Gerade auch wir Boylover sollten uns nicht dazu verlocken lassen, uns gegen eine andere Minderheit aufhetzen zu lassen.

Einerseits sollte uns dies ja leichter fallen als anderen – wir haben schließlich schon am eigenen Leib gespürt, wie unrecht Mehrheiten haben können.

Und doch, die Verlockung ist groß, auf der Seite der Guten, der moralisch Anständigen, der Mehrheit zu stehen. Und dem Gefühl der Abscheu nachzugeben, das uns befällt, wenn wir mit Bildern von Vergewaltigungen konfrontiert werden.

Aber es ist genau dieser gute Vorsatz, mit dem der Weg in die totalitäre Hölle des alles kontrollierenden Staates gepflastert ist.

Wir sollten sehr vorsichtig sein, dass unsere Gefühle nicht missbraucht werden für eine Menschenjagd auf irgendwelche anderen Minderheiten.



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